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Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 3

Leider habe ich es stressbedingt nicht geschafft, nach dem ersten und zweiten Teil von Michael's Augenzeugenbericht zu seinen Erlebnissen über den Tsunami auf Koh Phi Phi, nun auch den dritten Teil zu veröffentlichen...

Es ist sehr schwer das Geschehene, das Erlebte und die Gefühle jemanden begreiflich zu machen.

Diese „ Geschichte“ entsteht nur als Hilfe für mich , um das Geschehene zu verarbeiten und „ wieder normal zu werden “. Danke an alle die mir und meiner Frau helfen oder geholfen haben.

Nun der dritte Teil des Augenzeugenberichts von Micha...

Es gab bereits wieder einen kleinen Weg durch den Schutt. Der Verbandplatz bestand aus zwei große Matratzen. Als wir ankamen wurden die Verletzungen begutachtet, dann wurde man einer Matratze zugewiesen.

Ich saß am Rand, zwischen vielen anderen Verletzen. Der Arzt und die Krankenschwester gingen mit einem 5 Liter Kanister Desinfektionsmittel immer im Kreis und versorgten die Verletzen. Jetzt erst wurden mir die Verletzungen der anderen richtig bewusst. Nicht nur das wir überlebt haben, uns ist im Vergleich zu den vielen anderen nicht viel passiert.

Links von mir saß eine junge Frau, Sie war vom Gesicht bis zur kleinen Zehe mit Schnitt- und Schürfwunden übersät. Rechts von mir saß ein Thai. Der provisorische Verband, aus Papierhand-tüchern wurde entfernt. Ich konnte leider nicht wegsehen, ich musste mit einer Taschenlampe leuchten. An der großen Zehe klaffte ein großer Schnitt, ich konnte den Knochen sehen. Mir wurde ziemlich übel. Dieser Thai war der letzte der an diesem Tag mit dem Hubschrauber die Insel verließ. Es war inzwischen ca. 23 Uhr. Knochenbrüche an Fingern, Händen, Armen usw. waren fast schon normal.

Nachdem meine Wunden versorgt waren, versuchte ich Wasser und Lebensmittel zu besorgen. Außer Wasser und Salzkekse war nichts zu bekommen. Der Verbandsplatz wurde nun aus Sicherheitsgründen aufgelöst. Unser Trupp setzte sich wieder Richtung Hotel in Bewegung. Verletzte die nicht laufen konnten wurden im zweiten Stock den angrenzenden Hotels untergebracht.

Alle anderen wurden in die Berge geführt. Die Nacht war trotzdem mehr als unendlich lang, an schlafen war nicht zu denken. Sehr, sehr langsam wurde es dann doch irgendwann hell. Im Morgengrauen war zu erkennen das viele Boote in die Lagune kamen. Ein klein bisschen Hoffnung keimte auf. Doch die ca. 20 Boote fuhren nur in der Lagune herum oder ankerten in der nähe vom Pier. Plötzlich hörte ich Jürgen und die anderen Ingrid rufen. Ich hastete die Treppen vom vierten Stock hinunter und nahm sie in den Arm. Es war ein Gefühl der Freude, als ich sie im Arm hatte. Aber nicht so wie man es im Fernsehen oder im Kino sieht. Keine Tränen, kein Jubeln beim Wiedersehen.
Es war nur ein Gefühl der Erleichterung. Ich glaub zu diesem Zeitpunkt konnte mein Hirn noch nicht anders reagieren.

Wir liefen rasch zum Pier, Ingrid wollte sich von den Leuten mit denen sie die Nacht verbracht hat verabschieden. Die geborgte Jacke wurden zurück gegeben und wir verabschiedeten uns. Später hat mir Ingrid in knappen Worten erzählt wie Sie die Nacht verbracht hat. Silke (eine der drei deutschen mit denen Ingrid die Nacht verbracht hat) hat mit Ihren Freunden noch ca. 3 Wochen Urlaub vor sich, Ingrid bekam aber trotzdem eins ihrer zwei Paar Schuhe, die Sie dabei hatte. Dann rasch zurück ins Hotel zu den anderen, die Freude war groß.

Wir warteten noch kurz und gingen dann ebenfalls zum Pier, und reiten uns in die Schlange der wartenden ein.
Am Pier, in T-Form, gab es bereits zwei Reihen zum Anstellen. Linke Reihe nach Krabi, rechte Reihe nach Phuket.
Wir reihten uns Richtung Phuket ein und warteten. Der Pier füllte sich langsam und es wurde ziemlich eng. Endlich kam das erste Boot, auch noch Richtung Phuket. Wasser wurde den wartenden vom Boot aus zugeworfen. Es konnten aber nur ca. 300 Personen mitfahren. Chaos und Gedränge beim Einsteigen, jeder wollte runter von der Insel. Ein Polizeiboot aus Krabi legte an der linken Seite vom Pier an. Ein Polizist mit Megafon machte ziemlich Wirbel. Die Leute sollten zurücktreten und eine Gasse bilden, keiner wusste warum. Es entstand ein ziemlich großes Chaos.

Dann sah man warum, drei Polizisten mit Ausrüstung (Rucksack) wollten aussteigen, der Rest blieb. Wasser wurde verteilt, ca. 20 Personen eingeladen, dann war der Spuk vorbei.
Das Warten ging weiter. Ein Boot nach Krabi legte an, Leute drängten sich schubsten sich fast gegenseitig in das Boot (ziemlich chaotisch) und weg war es wieder. Wieder warten.
Das Polizeiboot aus Krabi kam wieder. Das Chaos ging erneut los. Wieder Tam Tam mit Megafon, zurücktreten, Gasse bilden. Diesmal stiegen ca. 10 Polizisten aus und keiner wurde einge-laden. Das Boot blieb am Pier liegen.
Jetzt kommen zwei Boote. Das erste Boot nach Krabi. Das Zweite Boot nach Phuket.
Aber der Pier nach Krabi war vom Polizeiboot belegt. Also legt es am Pier nach Phuket an. Das zweite Boot fährt nach Phuket, legt der jetzt an der Krabi Seite an ? Das absolute Chaos entsteht. Die Leute von der linken Seite müssen jetzt nach rechts, die Leute von der rechten Seite wissen nicht wohin. Es wird wieder 10 Uhr.
Ein mulmiges Gefühl steigt auf. Gestern um diese Zeit sind wir angekommen. Was machen wir wenn es heute wieder losgeht? Kommt wieder was?

Wir haben uns etwa in der Mitte des Steges behaupten können. Somit hatten wir die Möglichkeit nach links und nach rechts einzusteigen. Gegen 10 Uhr schafften wir es endlich auf ein Boot. Wir waren sehr erleichtert, jetzt ging es endlich runter von der Insel, zurück nach Phuket. Gegen 11 Uhr funktionierten auch die Handys wieder. Jürgen versuchte in der Bungalowanlage jemand zu erreichen. Am Telefon waren jedoch nur sehr aufgeregte Thais. Ob sie begriffen haben das wir am leben sind, und in ca. 20 min in Phuket am Hafen ankommen wussten wir nicht.

War auf Phi Phi von organisierter Hilfe nicht viel zu sehen, am Hafen in Puket war das ganz anders. Es standen Hilfskräfte parat um Personen und Gepäck vom Schiff zu helfen. In der Eingangs-halle standen Ärzte und Krankenschwestern bereit. Es gab heiß und kalt zu essen und zu trinken, Schuhe und Kleidung. Es standen Fahrzeuge bereit um verletzte Personen in Krankenhäuser zu bringen. Es gab Fahrzeuge in die Botschaften.
Als wir durch die Eingangshalle gingen sah ich plötzlich Gäste aus unserer Bungalowanlage. Wir wurden von Neu und Phillip, Jing (die Tochter unserer Hauswirtin) und von Apple und ihrem Mann empfangen. Wir wurden in zwei Autos verfrachtet und zurück in unsere Bungalowanlage gebracht.

Die Freude, besonders von Lamduan, war riesengroß. Wir wurden von Ihr in den Arm genommen und gedrückt. Der Stein der Ihr vom Herzen viel war spürbar, er war riesengroß. Lamduan ließ es sich nehmen unser Gepäck in den Bungalow zu tragen. Stufe für Stufe quälte Sie sich in den ersten Stock, und ließ sich nicht helfen.
Jetzt brauchten wir als erstes eine Dusche und eine große Portion aus Lamduans Restaurant. Doch noch wichtiger war eine SMS an meine Eltern „ Macht euch keine Sorgen wir sind am Leben, uns geht es gut.
Am Nachmittag wurde uns erzählt was bei uns am Strand alles passiert ist.

Der Strand ist ziemlich verwüstet, alle Restaurants im National-park sind weggespült. Alle Restaurants und Bars am Strand sind zerstört oder stark beschädigt. Das Sunrise Restaurant von Mon und Ruai sowie die Schneiderei Patino von Tuan sind bis auf die Bodenplatte verschwunden. Die Frau von unserem Freund Tuan ist tot. Die Bungalowanlage blieb unbeschädigt, sie ist ca. 1 Kilometer vom Strand weg.

Die Erzählungen der anderen waren nicht ganz so spektakulär wie unsere. Was Lamduan für uns getan hat muss jedoch erzählt werden. Auf Grund der Falschbuchung von Lamduan, begann unser Aus-flug einen Tag früher.
Sie sagte sich, ich bin Schuld, das Pita (Petra), Jasmin, Ingid (Ingrid), Jürgen und Maiken(Michael) bei dem Unglück dabei sind. Der Supermarkt wurde geschlossen, im Restaurant gab es nur noch Reissuppe. Lamduan schnappte sich Ihr Auto, packte Lebensmittel, Kleidung und Geld ein, und los ging es in das nächste Krankenhaus.
Dort angekommen suchte Sie am Aushang nach unseren Namen. Stürmte von Krankenzimmer zu Krankenzimmer und suchte uns.

Nebenbei verteilte sie noch Essen, Trinken, Kleidung und Geld. Das ging den ganzen Sonntag so weiter. Im Umkreis von, ich glaub 80 Km, wurde jedes Krankenhaus besucht. Lamduan war mit den Nerven mehr als am Ende.
Am Montag war Sie nervlich so am Ende das Sie nicht mehr Autofahren konnte. Also schnappte sich Lamduan einen Gast aus der Anlage (Günter) als Fahrer, und die Krankenhäuser wurden erneut abgesucht. Endlich der erlösende Anruf von uns. Alle vier Thais die Jürgen am Telefon hatte hatten verstanden.
Unsere „Rettung „ wurde organisiert. Lamduan wurde informiert.

Was wir nicht wussten Phuket besitzt zwei Häfen. Also wurden auch zwei Gruppen organisiert, eine an jeden Hafen. Was dann geschah ist ja bekannt. Der Urlaub, zur zeit vielleicht Alptraum, war eigentlich noch nicht zu Ende. Wir überlegten, brechen wir den Urlaub ab oder bleiben wir noch. Unser Entschluss stand fest. Wir bleiben vorerst so lange bis alle Personen die verletzt sind, nichts mehr besitzen als die Kleidung die sie am Körper tragen, das Land verlassen haben. Wir hatten mehr als Glück, abgesehen von kleinen Schnitt-verletzungen an den Füßen, vielen Moskitostichen und noch mehr Blutergüssen, in allen erdenklichen Farben und Größen, ist uns körperlich nicht viel passiert. Ich war auf Phi Phi der einzige, der sich hat verarzten lassen.

Ingrid hatte am Oberschenkel eine lange Schramme und Majda einen tiefen Schnitt in der Fußsohle. Wir machten uns also, mit Petra als Dolmetscher, auf den Weg zum Arzt. Zum Glück ist dieser nur ca. 50 Meter die Straße lang.
Als wir erzählten das wir auf Phi Phi waren, wurden die Augen der Ärztin und der Schwestern riesig groß. Uns wurde erneut zum zweiten Geburtstag gratuliert. Die Wunden wurden gereinigt und desinfiziert. Wir erhielten Creme für die Blutergüsse und Antibiotika gegen Entzündungen. Die Rechnung war ernorm hoch, Ingrid und ich zahlten für alles umgerechnet ca. 5 Euro. Wir wurden verabschiedet und gebeten Morgen wieder zu kommen.
Am Abend des 27.12.2004 hatten wir noch etwas unangenehmes vor.

Wir , alle aus der Bungalowanlage, besuchten die „Totenfeier“ unserer Freundin Törn (Frau von Tuan aus der Schneiderei Patino) Als ich den Sarg sah , drängte sich ein schrecklicher Gedanke in meinen Kopf „ da könnte jetzt Ingrid drin liegen“ entsprechend war auch meine Reaktion. In der Bungalowanlage zurück hatte ich mich wieder ziemlich gefangen. Jetzt gab es aber ein freudiges Fest. Wir saßen bei uns vor dem Bungalow, und feierten mit sehr viel Alkohol unseren zweiten Geburtstag. Es war praktisch die ganze Bungalowanlage (Gäste) anwesend. Es wurde eine Geburtstagsfeier die keiner so schnell vergisst.

Hier noch ein kleiner Nachtrag von Michael:

Zur Erklärung:

Das geschilderte, beruht nur auf Erlebnissen an die ich mich zum Zeitpunkt des Schreibens erinnern konnte.
Heute weis ich, durch Therapie und durch Erzählungen von Freunden, dass es nur ein Bruchteil des erlebten ist.
Vieles ist heute, ein Jahr danach, immer noch verborgen. Oft überkommt einen die Erinnerung an erlebtes, bewusst.... unbewusst..... gewollt...... oder ungewollt.

Ich muss damit leben, umgehen und es immer wieder neu verarbeiten.

Januar 2006

Da der Bericht sehr umfangreich ist, hier könnt ihr die bislang veröffentlichten Teile sehen:

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 1

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 2

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 3

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 4



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    Exklusiver Augenzeugenbericht über den Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 3

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