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Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 4

Nach langer Pause könnt ihr heute den vierten und letzten Teil von Michael's Augenzeugenbericht über den Tsunami auf Koh Phi Phi lesen.

Es ist sehr schwer das Geschehene, das Erlebte und die Gefühle jemanden begreiflich zu machen.

Diese „ Geschichte“ entsteht nur als Hilfe für mich , um das Geschehene zu verarbeiten und „ wieder normal zu werden “. Danke an alle die mir und meiner Frau helfen oder geholfen haben.

Es folgt der letzte Teil von Micha's Geschichte...

Am Morgen des 28.12. stand nach dem Frühstück unser Arzt-termin ins Haus, diesmal ohne Petra. Während der Wartezeit kommt man mit den Thais, die auch warten ins Gespräch. Wie überall die gleiche Reaktion, große Augen beim Erzählen, Glückwünsche usw. Nach der Behandlung kam ein Thai auf mich zu und sagte: „Mein Freund solltest du Kleidung brauchen, komm bei mir vorbei, du bekommst welche von mir“.

Dieser Mann hat jedoch nicht so ausgesehen als ob er was zum verschenken hat. Am Nachmittag gaben wir unserer Freundin Törn die letzte Ehre. Lamduan, Towee, Petra, Jasmin, Jürgen, Ingrid und ich fuhren zusammen zu Ihrer Verbrennung. Auf Grund der überfüllten Tempel, Ihr wisst warum, musste diese in einem kleinen (wirklich klein) Aushilfstempel stattfinden.

Es waren nur zwei Dächer. Das größere der beiden war der Tempelbereich, das kleinere der Ofenbereich. Obwohl es war eigentlich kein Ofen, sondern mehr ein großer Grill. Links und rechts eine ca. 1 Meter hohe und 2 Meter lange Mauer. In der Mitte ein Rost wie bei einem Grill. Die Tote befand sich in einem sehr einfachen weisen Sarg aus Sperrholz. Nach den Gebeten der Mönche wurde der Sarg , dieser war übrigens geöffnet, vom ältesten Mönch angezündet.

Wir verließen gemeinsam den Tempel und fuhren zurück in die Bungalowanlage. An diesem Nachmittag trauten wir uns das erste mal zum Flughafen. Dort angekommen war es nicht so schlimm wie in den Medien berichtet. Im Erdgeschoss waren so gut wie keine Verletzten, im ersten Stock nicht sehr viele. Die Verletzungen die wir gesehen haben waren nicht schlimmer als unsere. Wir haben uns im LTU Büro noch die eine oder andere deutsche Zeitung besorgt und sind wieder zurückgefahren.

Wir trafen uns mehrmals täglich im Restaurant der Bungalow-anlage. Hatte jemand das Bedürfnis über das Geschehene zu reden, hier war immer jemand dem es genau so ging. Am 30.12 .04 sind wir Nachmittags das erste mal zusammen zum Flughafen gefahren. Als wir den Terminal betraten, viel uns sofort eine große Gruppe vom Roten Kreuz auf.

Wir wurden von Ihnen angesprochen. Wo kommt Ihr her, wie geht es Euch, seit Ihr Verletzt, benötigt Ihr Hilfe.
Es stellte sich heraus, das es sich um eine Gruppe von ca. 30 Ärzten und Notärzten handelt, die von Deutschland nach Phuket geschickt wurden.

Doch das beste war.... sie sitzen den ganzen Tag schon am Flughafen fest und wissen nicht wo sie hin sollen.
Wir wurden von ihnen gefragt, wo werden wir am dringendsten benötigt und wie kommen wir dort hin ? Sie wurde in Deutschland mit Ihrer Ausrüstung ins Flugzeug gesetzt, nach Phuket geflogen, jetzt sitzen sie hier fest. Am Rückweg machten wir uns das erste mal selbst ein Bild vom Strand. Es ist schrecklich zu sehen wie wenig von den Restaurants, Bars und sogar vom Strand übrig geblieben ist. Aber es ist erstaunlich wie hilfsbereit die Menschen sind. Sie sitzen auf den Trümmern ihrer Existenz. Da man inzwischen zu Freunden geworden ist, wird man noch zum Essen eingeladen.

Auf dem Weg zum Strand wurden Versorgungsstationen eingerichtet. „Alle“ Menschen die vorbeifuhren wurden gebeten sich Essen, Trinken, und Kleidung zu nehmen. Der Flughafen war unser Anlaufpunkt wenn es darum ging aktuelle Informationen aus Deutschland zu erhalten. Wir waren also jeden Tag ein oder mehrmals am Flughafen. Als wir an Silvester ankamen waren dort bereits Stände der einzelnen Botschaften eingerichtet. Ich ging mit Ingrid in das Büro der LTU (Sitz der Deutschen Botschaft), Ich wollte uns „ lebendig melden“.

Was uns dann passierte hat mich zu tiefst erschüttert. Ich stand mitten im Büro und keiner hat sich um mich gekümmert. Nach ca. 15 Minuten stand ich jemand im Weg, er konnte nicht anders, er musste mich ansprechen.

Seine Frage: „Werden Sie schon bedient“ ?
Meine Antwort: „Nein aber ich kann gerne noch etwas warten“
Seine Antwort: „Jetzt bin ich schon mal da, was wollen sie denn“
Meine Antwort: „Wir waren auf Phi Phi, ich will mich nur lebendig melden“

Seine Reaktion, große Augen, Sie leben noch ? (sehr blöde Frage) Erzählen sie, sind sie verletzt? wie sieht es dort aus?, gibt es viele Tote und Verletzte? Ich hab sehr kurz geschildert was passiert ist, die Augen wurden noch größer.

Wir müssen unbedingt ihr Daten weitergeben, er nahm Stift und Zettel zur Hand und begann zu schreiben. Ich sagte ich hole nur eben meine Frau die steht vor der Tür. Als ich mit Ingrid zurückkam, sahen wir nur noch wie er seien Stift zur Seite legte und Richtung seinem Schreibtisch ver-schwand. Wir sahen uns an, was soll das jetzt?
Wir warteten noch mal ca. 15 Minuten, doch keiner interessierte sich für uns. Dann nahm ich ein Blatt Papier, schrieb unsere acht Namen mit Anschrift (soweit bekannt)auf. Legte das Blatt auf den Tresen, dachte ich mir noch habt mich gern, und wir verließen enttäuscht das Büro.

Am Abend gab es noch eine etwas andere Neujahrsfeier(warum kann man sich bestimmt denken).
Das neue Jahr begann ich mit den Worten: Möge das neue Jahr mit so viel Glück beginnen, wie das alte aufgehört hat !!!!

Das war die Geschichte über einen Ausflug der eigentlich nach Ko Lanta hätte gehen sollen.

Was aber daraus wurde habt Ihr nun selbst gelesen.

Was der Kopf und die Nerven daraus machen wird sich erst noch zeigen.

Hier noch ein kleiner Nachtrag von Michael:

Zur Erklärung:

Das geschilderte, beruht nur auf Erlebnissen an die ich mich zum Zeitpunkt des Schreibens erinnern konnte.
Heute weis ich, durch Therapie und durch Erzählungen von Freunden, dass es nur ein Bruchteil des erlebten ist.
Vieles ist heute, ein Jahr danach, immer noch verborgen. Oft überkommt einen die Erinnerung an erlebtes, bewusst.... unbewusst..... gewollt...... oder ungewollt.

Ich muss damit leben, umgehen und es immer wieder neu verarbeiten.

Januar 2006

Da der Bericht sehr umfangreich ist, hier könnt ihr die bislang veröffentlichten Teile sehen:

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 1

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 2

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 3

  • Augenzeugen Bericht des Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 4



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    Exklusiver Augenzeugenbericht über den Tsunami auf Phi Phi Island - Teil 4

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