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Augenzeugenbericht aus Patong Phuket über den Tsunami

Soeben habe ich eine Mail von Padde erhalten, die er an all seinen Feunden geschickt hat um zu erklären, dass es ihm nach dem Erlebten in Phuket dennoch ganz gut geht... doch lest selbst:


Hallo liebe Ex-Hong Konger,

Zunaechst einmal hoffe ich natuerlich, dass es Euch allen gut geht und dass Ihr frohe Weihnachten hattet. Ich bin mir nicht sicher inwieweit es sich schon zu allen rumgesprochen hat – entgegen meiner urspruechlichen Planung war ich ueber Weihnachten doch nicht in Shanghai, sondern bin nach Phuket geflogen... keine allzu gute Idee wie sich rausstellen sollte. Ich war mit einem Bekannten aus Hong Kong unterwegs, der Plan war eignetlich Tauchen zu gehen. Wir sind am Freitagabend (24.12) gelandet, unser Hotel war in Patong Beach (das duerftet ihr mittlerweile aus dem Fernsehen kennen), zum Glueck war das Hotel aber nicht direkt am Strand, sondern ca. 400m davon entfernt und wurde daher nicht direkt von der Flutwelle getroffen.

Am Samstagbend waren wir noch Feiern gewesen, eigentlich klar, am Sonntagmorgen haben wir dann entsprechend erstmal ausgeschlafen, und das Erdbeben (ca. 8:00) und die anschliessende Flutwelle (ca. 9:00) in der Folge gleichmal verschlafen. Ich moechte jetzt nicht zu weit gehen und sagen, dass mir das letzte Bier am Vorabend das Leben gerettet hat, aber das Hotelzimmer war zum Zeitpunkt der Flutwelle sicherlich ein besserer Platz als der Strand oder ein kleines Tauchboot. So bin ich also um 10:00 aufgewacht, etwas verschlafen aus dem Hotel raus, und bin da erstmal recht verdutzt gestanden – auf den ersten Blick sah es auch ueberhaupt nicht schlimm aus – das Wasser ging bis knapp vors Hotel, auf den Strassen sind ueberall kleine Fische rumgesprungen, hier und da hatte es ein paar Jetski angeschwemmt... fast schon ein lustiges Bild. Es wirkte wirklich alles andere als bedrohlich, also: Auf in die Innenstadt! In einem Ferienort heisst das natuerlich: Richtung Strand.

Was auf den ersten Blick ganz harmlos ausgesehen hatte wurde dann aber schnell sehr ernst. Mit jedem Meter Richtung Meer stieg der Grad der Verwuestung, und so ca. ab 150m vorm Strand war alles vollkommen zerstoert. So wie im Fernsehen: angeschwemmte Schiffe die in Haeusern stecken, aufgetuermte Autos, meterhoch angeschwemmter Schlamm, Holz, ueberall Muell und Scherben...Alles komplett zerstoert – mittendrin ueberall fassungslose Menschen, mehr und mehr Verletzte auch, viele mit Schnittwunden. Pluenderer natuerlich auch, vor allem bei Juweliergeschaeften, aber auch in allen anderen Laeden – von Polizei, Feuerwehr, Militaer kaum eine Spur. Das ganze wirkte total unwirklich, da man ja noch am Abend zuvor an denselben Plaetzen gesessen froehlich Bier getrunken hatte.

Ueberall gabs nur Geruechte, das Handynetz natuerlich ueberlastet, keiner wusste genau was passiert ist... Was tut man in einer solchen Situation? Erstmal in Panik ausbrechen. Das sind dann auch alle – irgendwo ist das Geruecht aufgetaucht, dass weitere Wellen im Anmarsch sind, also alles was noch laufen kann fluechtet sich in die Berge. Dort herrschte natuerlich totales Gedraenge, Unfaelle, Staus, kein Wasser, kein Essen... Auf dem Weg kamen wir uebrigens auch am oertlichen Krankenhaus vorbei - da standen so viele Leute davor, die alle so aufgeloest waren, da daemmerte es langsam, dass wohl etwas Schlimmeres passiert war.

Nach Stunden sind dann wieder alle runter, wir wussten zwar noch immer nicht ob die Gefahr vorrueber ist, aber es wurde langsam dunkel und der Berg schien nicht die optimale Uebernachtungsmoelichkeit zu sein. Der Ort war zwar mittlerweile von der Polizei abgesperrt worden, irgendwie kamen wir dann spaeter (mittlerweile abend) aber doch wieder zurueck ins Hotel... So war es dann tatsaechlich erst abends, als wir zum erstenmal richtig erfahren haben, was eigentlich passiert war.

Die naechsten Tage waren ein bisschen wie im Delirium - fassungslos in der Gegend rumgeirrt, die immerneuen Meldungen auf CNN verfolgt, und so nach und nach immer mehr begriffen, in welche unglaubliche Katastrophe man da reingeraten ist.

Ich bin schliesslich am Dienstag wieder in Hong Kong gelandet, mit Rueckflug gab es kaum Probleme oder Verspaetungen – am Flughafen waren natuerlich unzaehlige Wartende. Ko Phi Phi, fuer alle die schon einmal da waren, hat es wohl mit am schlimmsten getroffen. Denen konnte man es wirklich am Gesicht ansehen, wo sie gerade herkommen.

Ab Mittwoch bin ich wieder normal im Office, aus dem Kopf ging mir das Erlebte bisher aber noch nicht. Naja, jetzt ist aber Freitagabend (18:00), Silvesterabend, da werde ich wohl oder uebel mal wieder aus dem Haus gehen, und schreiben wollte ich Euch eben auch noch allen.
[...]
In Hong Kong ist es mittlerweile uebrigens SCHWEINEKALT. Das macht ueberhaupt keine Laune, es sind gerade mal 9 Grad und ich besitze hier in Hong Kong weder Heizung noch Jacke.

All the best

Padde

Bin echt erleichtert, dass dem alten Padde nichts fehlt, der hat eben ein dickes Fell :-) aber vergessen wird er das sicher sein Leben lang nicht...

Edit: Einen weiteren sehr interessanten Augenzeugenbericht von Phi Phi Island findet ihr hier




Kommentare (1)

Padde's Augenzeugenbericht wurde jetzt in der "Frankfurter News" aus diesem Weblog zitiert: http://www.news-frankfurt.com/psnfr/fn/nfr/sfn/pdf_binary_load/SH/0/PageID/25128/EditionID/4/pdfname/20050104-NEWS-010.pdf

Coole Sache ;-)

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