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Die Wächter des Queens Pier machen Party - Harbour Front Development

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Niall Murray, der derzeit in Hongkong lebt. Ein herzliches Dankeschön an ihn!

Hong Kongs Star Ferry hat über die Stadtgrenzen hinweg eine Berühmtheit erlangt, die wohl ihresgleichen sucht. Die Fähren mit ihrer charakteristischen weiß-grünen Lackierung und Namen wie "Celestial Star" pendeln täglich im Minutentakt von Hong Kong Island nach Kowloon. Und die Fähren sind beliebt: tausende von Fahrgästen – Touristen und Pendler – nutzen den Service. Pendler wissen außerdem: wer unten sitzt zahlt weniger, darf sich aber auch an den Abgasen des Schiffsdiesels erfreuen und an stürmischen Tagen die Gischt geniessen.

Auf beiden Seiten des Victoria Harbours gibt es genauso charakteristisch die Piers zum Anlegen. Einer der berühmtesten war der Star Ferry Pier in Central. Leider befand die Regierung trotz Proteste es nicht für nötig den Pier für denkmalgeschützt zu erklären, sodass die Hong Kong Bautycoons dann auch gleich das Ding abrissen und fleissig an einer Schnellstrasse durch Central arbeiten.

Da war es schon zu spät – Star Ferry Pier (Foto von Interlocals.net)

Dasselbe Schicksal soll nun auch den letzten verbliebenen Pier dieser Art auf Hong Kong Island erfahren. Abriss – ohne wenn und aber. Schließlich muss die Regierung Hong Kongs ein standesgemässes Hauptquartier direkt am Wasser beziehen. Die alten Räumlichkeiten in der Nähe des legendären Foreign Correspondents Club sind nämlich zu klein geworden oder bedürfen dringender Sanierung. Dafür möchte die Regierung kein Geld ausgeben. Auch der alte Flughafen Kai Tak ist nicht die Lösung planen doch Bautycoons, die besten Freunde der Regierung, dort Luxuswohnungen. Kein Platz für Donald Tsang und seine Schergen. Also träumen die Abgeordneten von einem Platz am Meer so wie die ganzen multinationalen Konzerne wie American Insurance Group, HSBC, Debenham Tie Leung, um nur einige zu nennen. In den Planungen steht der Queens Pier nun im Weg. Egal, wie geschichtsträchtig der Ort, Kolonialzeit, Queen, Briten hin oder her, das Ding steht einer Schnellstrasse im Weg. Sir Chris Patten, der letzte Governeur Hong Kongs nahm von hier 1997 tränenreich Abschied von Hong Kong. Es ist fast schon Ironie der Geschichte, dass der derzeitige Machthaber in Hong Kong, Donald Tsang, als Staatsekretär tätig war.

Hier gibt es ein Foto des Modells wie sich die Regierung vorstellt.

Wie man sieht von Star Ferry Pier und von Queens Pier nirgends was zu sehen.

Doch die Einwohner Hong Kongs wehren sich auf sehr kreative Weise nun schon seit fast sieben Monaten gegen den geplanten Abriss und Wiederaufbau an anderer Stelle. Seit etwa 3 Monaten halten die Demonstranten den Queens Pier besetzt. Während ihrer Mahnwache veranstalten die Demonstranten dort kulturelle Ereignisse und machen so immer wieder auf den geplanten Abriss aufmerksam. Die Forderungen der Demonstranten sind vergleichsweise bescheiden: Der Pier soll entgegen den Planungen an seinem derzeitigen Ort verbleiben und einen künstlichen See angelegt bekommen. Es sieht fast so aus, als ob der Queens Pier abgebaut und dann irgendwo in den Lagern "verlegt" wird. So ist es auch dem Murray House gegangen, welches einst an der Stelle der Bank of China stand. Dies wurde nach seinem Abbau prompt "verloren". Nachdem Protestgruppen verlangten zu wissen wo das Gebäude in seinen Einzelteilen war, fand die Regierung plötzlich die Kisten mit den Steinchen wieder. Nur wohin damit? Nun steht es verloren und 6 Säulen weniger in Stanley Bay. Dies wollen die Demonstranten und Befürworter des Erhalt vom Queens Pier unter allen Umständern verhindern.

Derzeit haben die Protestler Oberwasser. Der Nationalfeiertag stand ins Haus und Hu Jintao, Chinesischer Ministerpräsident, war zu Besuch. Ein medienwirksamer Protest mit globalen Ausmassen wäre der Supergau gewesen. Also blieb alles ruhig. Nur hatten die Pappnasen in der Regierung nicht mit dem Eifer der Demonstranten gerechnet.

Mitten während des Feuerwerks gelang ihnen der Coup. Trotz Polizei schafften es die meisten hinter die Absperrungen und aufs Dach des Queens Pier und entrollten dort während des Feuerwerks ein Plakat mit der Aufschrift: "Erhaltet Queens Pier!". Ich habe hier ein Bild der lokalen Zeitung "Apple Daily" die den Moment des Protests festhält. Die Überschrift lautet frei übersetzt: 400.000 Menschen sehen Queens Piers Bodyguards/Wächter mitfeiern.

Der Aussenkorrespondent war heute beim Ortstermin. Wie in Hong Kong üblich, geht Arbeit vor demonstrieren. Da es einfach keine autonome Hausbesetzerszene gibt die den Job übernimmt, wird sich zwischen Arbeit, Familie und Pier aufgeteilt. Wie mir die freundliche nur Kantonesisch sprechende Dame am Proteststand zwischen T-Shirts und Protestunterlagen mitteilte kommen einige hierher nach der Arbeit und vor allem am Wochenende um zu übernachten. Der harte Kern ist sowieso auf dem Dach auf dem Posten. Jetzt wo der Nationalfeiertag vorbei ist, rechnen die Demonstranten mit dem Anrücken der Bulldozer. Die Atmosphäre auf dem Pier ist bedächtig. Viele aus dem Finanzviertel nutzen den Pier für die Mittagspause. Touristen machen eifrig Fotos. Einige Hong Konger ruhen sich auf den Sofas aus und lesen die Protestbriefe, die auch von prominenten Hong Kongern wie etwa Hollywood-Star Chow Yun Fat unterzeichnet wurden. Die Filippinas nutzen den Pier ihn an ihrem freien Sonntag ausnahmslos aus Theaterplatz für Tanzen, Singen, Predigen. Schade, wenn nun stattdessen eine 40 m breite Strasse mitten hindurch den Pier führen sollte.

Ihr könnt auch was tun! Spendet via Interlocals oder geht direkt zum
Pier. Kauft ein T-Shirt oder spendet einfach so.


Weiterführende Informationen:

http://www.chonghead.net/gallery2/main.php
http://www.interlocals.net/?q=node/845




Kommentare (5)

Ja was sagt man denn dazu - ein geistreicher Kommentar auf Motzkis Website? Und dazu noch ohne jeglichen werberelevanten Hintergrund... :p Da muss ja der Herr van der Murray hinterstecken! Ich hab ja immer gesagt, Du haettest Journalist werden bzw. bleiben sollen, wenigstens scheint die HK Begeisterung so gross zu sein wie eh und je... das freut mich sehr. Ich hoffe Euch Pappnasen geht es gut! Liebe Gruesse von Eurem Kumpel Padde aus Dubai, bei mir ist alles bestens, werde Euch noch ausfuehrlicher per Email von meinen Schandtaten berichten (kann sich nur noch um wenige Tage handeln, Ihr kennt das ja...)

Frech wie eh und je der liebe Schnorri! Ich hoffe unter "geistreichem Kommentar" verstehst du nicht deinen eigenen? Ich vermute vielmehr, dass du immer noch nicht zwischen Website, Weblog, Kommentar und Eintrag unterscheiden kannst ;-)

In alter Manier hattest du dich vor deinem Abflug nicht gemeldet (wie versprochen) grrrrrr. Freue mich bald von dir und deinen Schandtaten zu hören.

Mache dich darauf gefasst, dass ich dich bereits dieses Jahr mit meiner Anwesenheit beglücken werde! Bonusmeilen mit Emirates sei Dank!

Ich fasse es nicht! Endlich mal ein Woertchen von Padde. Ja es kommen wohl mehr Beitraege bald von mir. Ich arbeite noch an einigen....

Chris, kriegste die Fotos vom Pier und dem Neubau auch noch drauf hier? Das muss ja gesehen werden.

Und uebrigens das Foto mit dem Laser Hair removal ist doch geil, oder? Muss gepostet werden! Du siehts ich uebernehme gleich das Editing hier =P

Hey Niall, die Bilder werde ich gerne noch einarbeiten. Handelt es sich dabei um deine Bilder? Wer hat das Urheberrecht? Wurde leider schon wegen einem solchen Missverständnis abgemahnt.

Freue mich auf deine nächste Reportage :-)))

Sind meine.

Bis auf da wo es steht dass es Interlocal sind, die solltest du weglassen und vielleicht eher verlinken. Aber sonst alles meins. Urheberrechtlich ist da also alles ok.

Vergiss das Laserbild nicht als extra Eintrag! ;-)

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