Komisch so etwas zu lesen, wo ma doch gerade erst vor einer Woche noch in Südkorea war...
Das südkoreanische Verteidigungsministerium versucht, den Amoklauf eines Soldaten mit dessen Leidenschaft für Onlinespiele zu erklären. Der Mann, der acht seiner Kameraden tötete, habe "die wirkliche Welt nicht von der imaginären unterscheiden können", so das Ministerium.
Der Soldat, der an der Grenze zu Nordkorea Dienst tat, hatte am Sonntag in den frühen Morgenstunden offenbar blutige Rache an anderen Mitgliedern seiner Einheit geübt, die ihn zuvor gehänselt hatten. Er warf eine Granate in eine Gruppe anderer Soldaten, mit denen er eine Baracke teilte, und eröffnete anschließend mit der Dienstwaffe eines anderen Soldaten das Feuer. Zwei weitere Opfer erschoss er mit seinem eigenen Gewehr. "Als ich die Schüsse hörte, dachte ich, der Krieg sei ausgebrochen", sagte ein Unteroffizier im koreanischen Fernsehen.
Die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea gilt als eine der militärisch sensibelsten Regionen der Welt. 1,1 Millionen nordkoreanische Soldaten stehen 690.000 südkoreanischen gegenüber, von denen viele dort ihren Militärdienst ableisten. Der schwelende Konflikt über Nordkoreas Atomprogramm trägt zusätzlich zu den angespannten Situation bei. Auch 30.000 US-Soldaten sind entlang der Grenze stationiert. Gerade für junge Männer, die in der Region ihren zweijährigen Pflichtdienst verrichten, gilt die Stationierung dort als besonders belastend, wegen der ständigen Spannung und der Einsamkeit im Grenzgebiet. Der Täter hatte seinen Dienst dort im Januar angetreten, unmittelbar nach seiner Grundausbildung.
Der Soldat, der acht seiner Kameraden tötete und vier weitere verletzte, war zum Wachdienst eingeteilt gewesen. Er werde als introvertierter Einzelgänger beschrieben, meldet Reuters. In einer Stellungnahme des Verteidigungsministeriums wird ein Vorgesetzter des Amokläufers mit den Worten zitiert, der Täter habe immer wieder gesagt er wolle "sein Bestes tun". "Deshalb hatte ich ihn nicht als jemanden angesehen, den man im Auge behalten muss", wird der Vorgesetzte zitiert. Ein anderer ranghöherer Soldat hat laut dem Bericht einmal zu dem späteren Amokläufer gesagt: "Du gehst mir auf die Nerven, geh weg, zu einer anderen Einheit."
Das koreanische Verteidigungsministerium machte aber nicht den Geisteszustand des Täters, die Lebensbedingungen in der Grenzregion oder die Hänseleien seiner Kameraden für die Bluttat verantwortlich - sondern Onlinespiele. "Er war süchtig nach Online-Kriegsspielen", heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums. "Er war in den meisten davon sehr gut". Weiter schreiben die Beamten: "Er verbrachte so viel Zeit mit Tagträumen, dass er die reale Welt nicht von der imaginären unterscheiden konnte."
Der Soldat hat die Tat bereits gestanden. Der südkoreanische Verteidigungsminister bot wegen des Zwischenfalls seinen Rücktritt an, Präsident Roh Moo Hyun hat aber noch nicht über das Gesuch entschieden.
Onlinespiele sind in Südkorea äußerst populär, auch deshalb, weil es weiltweit nirgends so viele Breitband-Internetanschlüsse gibt wie dort. In letzter Zeit häufen sich in dem Land kritische Berichte über die Folgen der massenhaften Begeisterung fürs Spielen im Netz. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Elternpaar einen Säugling zu Hause gelassen, um in einem Internetcafe spielen zu gehen. Das Kind erstickte in ihrer Abwesenheit.
Quelle: Spiegel Online
Es sind mal wieder die brutalen Computerspiele, die Menschen zu so etwas treiben... manmanman