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26.07.05

Paranoia bei den Studenten des 17. CBP geht weiter...

Die lieben Studenten lassen sich auch weiterhin von wirklich unsinnigen Aussagen bzgl. der Sicherheit des Golden Hotels an Gate 4 verunsichern...

Der "Koordinator" postete einen Schriftwechsel, den er mit Frau Hendrix (???) hatte:

Hallo Frau Hendrix,

[...]

Prof. Heil bat mich mit Ihnen Kontakt bzgl. der Diebstähle im Hotel am Gate 4 (kurz: „Bronze Hotel“) aufzunehmen. Viele Nachzügler vom kommenden Programm werden dort untergebracht. Nachdem Prof. Heil uns von Diebstählen im besagten Hotel berichtete ging die große Sorge um, das Hotel sei in keiner weise sicher.

Meine konkreten Bitte an Sie ist es mir mitzuteilen, wie „ernst“ die Lage im „Bronze“ Hotel ist. Ist dort einmal etwas geklaut worden, oder kam das schon häufiger vor? Ist der Diebstahl auf Unachtsamkeit der Gäste zurückzuführen, oder wurde gezielt geklaut? Was kann man Ihrer Meinung dagegen tun? Gibt es eine Möglichkeit auch dieses Hotel sicherer zu machen?

[...]

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24.05.05

Qingdao Beach Number 3 & Sunshine Plaza Massage

Liebe Freunde,

ihr wundert euch wahrscheinlich schon, warum ich mich nicht mehr melde... ja, ich bin noch am Leben, habe aber leider sehr viel um die Ohren, da die Endphase des Semesters hier in Qingdao begonnen hat. In 2 Wochen finden die Abschlussprüfungen statt und derzeit muss ich sehr viele mehr oder weniger lästiger Essays verfassen...

Nichtsdestotrotz geht es mir hier weiterhin sehr gut, was unter anderem auch daran liegt, dass wir seit einer Woche ununterbrochen ein Traumwetter haben. Man kann fast jeden Tag an den Strand gehen oder zusammen grillen... alles in allem einfach sehr angenehm... nur schade, dass man all die Leute, die man hier kennen und schätzen gelernt hat, bald wieder "verlassen" muss. Doch ein Wiedersehen, sei es auch nur auf der Wies'n, ist jetzt schon sicher ;-)

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22.03.05

Massage in Qingdao

Liebe Freunde,

ein langes und supergeiles Wochenende ist vorbei und es gibt viel zu berichten, doch leider fehlt mir die Zeit alles niederzuschreiben. Deswegen liefer ich die Berichte später samt Fotos nach, versprochen.

Durch die emense Anstrengung des Aufstiegs (die schlimmste Tortur meines Lebens) war mein ganzer Körper verspannt und kaputt, so dass wir uns gestern nach der Rückkehr dazu entschieden zur Massage zu gehen... man hat das gut getan...

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4.02.05

Lage von Qingdao in China

Wie man am Countdown erkennen kann, sind es tatsächlich nur noch 2 1/2 Wochen bis zu meinem Abflug nach Shanghai und meiner Weiterreise nach Qingdao. Für alle die noch nicht wissen, wo Qingdao genau liegt hab ich hier mal eine kleine Landkarte:


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21.01.05

Chinesische Botschaft München

Heute morgen war ich hoffentlich zum letzten mal bei der chinesischen Botschaft München, um mein (und Haralds) Visum abzuholen.

Ich habe nun ein X-Visum, Harald ein F-Visum, womit er sich 180 Tage in China aufhalten darf. Bei meinem Visum ist unter Aufenthaltsdauer "000" vermerkt... was auch immer das heissen soll. Wir müssen uns auf jeden Fall nochmal in China an die örtlichen Behörden für eine Rückmeldung wenden.

Nun ist es nur noch ein Monat bis zum Abflug nach China, doch aufgeregt bin ich leider noch nicht ;-)

19.01.05

Klima in Qingdao - Shandong Province

Qingdao liegt in der nördlichen gemäßigten Monsunzone, wodurch das Klima hier zum gemäßigten Monsunklima gehört. Aufgrund der direkten Regulierung der Meeresumgebung und des Einflusses des Südostmonsun wird es vom typischen Seeklima geprägt.

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Klimadiagramm von Qingdao/Tsingtao

Hier gibt es feuchte Luft und klare Jahreszeiten. Im Frühling erhöht sich die Temperatur viel langsamer (ein Monat später als im Binnenland). Im Sommer ist es feucht und reich an Regen, aber nicht sehr heiß. Im Herbst gibt es wenig Regen und viel Sonnenschein.

17.01.05

Studentenvisum für China - die Zweite

Das leidige Kapitel "Visabeschaffung schwergemacht" geht in die nächste Runde. Wir haben im Forum ja diesbezüglich schon einiges diskutiert, aber die Verwirrung wird immer größer...

Ich war heute nochmals beim chinesischen Konsulat in München um das Visum für einen Kommilitonen und mich zu beantragen. Zufällig habe ich auch 2 weitere Mitstudenten aus China dort angetroffen, die ebenfalls am CBP teinehmen. Folgendes hat sich ergeben:

Beim X-Visum braucht man immer einen HIV-Test (Aussage hier in München). Man bekommt nur eine einmalige Einreise und muss den Rest dann vor Ort klären.

Will man unter 6 Monaten bleiben, dann bekommt man ein F-Visum. Es ist kein HIV-Test notwendig. Auch hier gibts nur eine einmalige Einreise, man muss es vor Ort abändern.

Selbiges wurde auch Steffi und Martin gesagt, die ebenfalls ein F-Visum beantragt haben... langsam regen mich die Chinesen hier im Konsulat auf... jeder gibt mir eine andere Aussage. Ich weiss auch noch gar nicht, wie ich das mit meinem Arbeitsvisum für Shanghai kombinieren soll... da gibts sicher noch ne Menge Probleme, die auf mich zukommen... aber so ist das eben ;-)

27.12.04

Informationen zu Tsingtao Qingdao China

Qingdao ist eine schöne chinesische Großstadt, mit z.Zt. etwa 7 Millionen Einwohnern, von denen 2.5 Millionen in der Stadt, der Rest in den eingemeindeten Vororten lebt. Von dort kommt das international bekannte Tsingtao Bier, doch die Hafenstadt, in der Provinz Shandong am Gelben Meer gelegen, bietet mehr. Die Brauerei ist jedoch nach wie vor eines der bedeutendsten Unternehmen der Stadt. Sie erwirtschaftete im Jahre 1994 456 Mio RMB. Sie war eines der ersten chinesischen Unternehmen, deren Aktien an der Börse von Hongkong gehandelt wurden.

Geschichtlich wurde diese eher untypische chinesische Stadt stark während der deutschen Kolonialzeit geprägt. Dies wird auf den ersten Blick durch die unzähligen deutschen Bauwerke sichtbar. In nur 16Jahren gelang es, aus einem kleinen Fischerdorf eine ansehnliche Stadt zu bauen, indem hohe Summen in den Aufbau der Infrastruktur gesteckt wurden.

Die Stadt liegt direkt am Wasser, was Klima und Speisekarte positiv beeinflusst. Im ganzen Land genießt sie den Ruf des sauberen Erholungsortes und wird im Sommer von Chinesen gerne als Urlaubsort besucht. Verständlicherweise, denn die schönen Strände, saubere Luft und die Nähe zu den Bergen machen Qingdao so attraktiv. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle und bietet neben den Stränden auch weitere Freizeitmöglichkeiten wie Golf, Tennis und diverse Fitnessmöglichkeiten in verschiedenen Hotels.

Im Zuge der aussenwirtschaftlichen Öffnung und der Wirtschaftsreformen, spielt auch das übrige Qingdao eine wichtige Rolle. Der Außenhandelsumsatz der Stadt betrug 1994 etwa 2.3 Mrd. US Dollar. Das ist ein Viertel des Umsatzes der gesamten Provinz Shandong. Die Stadt ist eine der insgesamt 14 „geöffneten Städte“ an der chinesischen Küste. Zudem besitzt sie Entscheidungsrechte, die sonst nur Provinzen zustehen.

Seit 1984 existiert an der Westküste der Jiaozhou-Bucht, gegenüber der Stadt Qingdao, die wirtschaftliche und technische Entwicklungszone Qingdao. Rund 8 Mrd. RMB sind zwischen 1985 und 1995 in Infrastruktur und Basiseinrichtungen der 1599 km2 großen Zone investiert worden. Passagier- und Autofähren verbinden das Gelände mit der Stadt, seit 1994 ist eine Schnellstraße von der Stadt in die Wirtschaftszone in Betrieb. Geplant sind zudem 2 Tunnel von sechs und acht Kilometerlänge zwischen Zone und der Innenstadt. Über 2300 Unternehmen zählte man Ende 1995 , darunter fast 700 ausländische Beteiligungen. In der 1992 eröffneten Freihandelszone siedelten sich bis 1994 rund 125 Unternehmen mit ausländischer Beteiligung an. Zu den prominentesten deutschen zählen u.a. Bayer mit der Tochter Rheinmetall und Degussa Chemical Co.Ltd, aber auch kleinere Unternehmen wie die Digatron Industrieelektronik GmbH.

25.12.04

Geschichte Qingdao - Ein Vorwort

Als sich das Deutsche Reich in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg am Wettlauf der Industriestaaten bei der Aufteilung der Erde beteiligte und deutsche Politik über Europa hinaus wirkte, gab es den ehrgeizigen Plan, in China eine Musterkolonie aufzubauen und eine deutsche Stadt am Gelben Meer zu errichten: Tsingtau.
Den Kampf um einen »Platz an der Sonne« schienen die Deutschen gewonnen zu haben, als sie im November 1897 die Bucht von Kiautschou in der chinesischen Provinz Schantung militärisch besetzten und damit den afrikanischen sowie pazifischen Kolonien eine asiatische hinzufügten. Sieht man von der Insel Hongkong ab, die sich die Briten schon 1842 als Kolonie gesichert hatten, war es 1898 das Deutsche Reich, das als erste der fremden Mächte in China dem Land ein Pachtgebiet mit exterritorialer Hoheit abtrotzte. Allerdings hatten in den sechs Jahrzehnten zuvor viele Staaten bereits ihre freihändlerischen Interessen oft unter Gewaltanwendung durchgesetzt und so Teile Chinas dem internationalen Handel zum eigenen Nutzen geöffnet.
Die halbkoloniale Abhängigkeit Chinas von den fremden Mächten beschleunigte nicht nur das Ende der jahrhundertealten Monarchie, sondern erschütterte das Selbstverständnis einer jahrtausendealten Kultur. Das einstige Reich der Mitte geriet in eine Lage, die in scharfem Widerspruch zum traditionellen Verständnis vom unangefochtenen »Universalstaat« stand. Das Trauma belastete die chinesische Gesellschaft über viele Jahrzehnte. In Deutschland geriet die chinesische Kolonialperiode nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mehr oder weniger in Vergessenheit.
Wenn sich das Deutsche Historische Museum einhundert Jahre nach dem »ungleichen« chinesisch-deutschen Vertrag von 1898 mit Tsingtau befaßt, dann möchte es Brücken für einen Dialog zwischen den Kulturen bauen. Gerade in der heutigen Zeit der Globalisierung der Märkte und der Internationalisierung des Lebens fördert die Erinnerung an die gemeinsame, wenn auch ungleiche deutsch-chinesische Geschichte die Chance für mehr Verständnis und Begegnung.
Das Deutsche Historische Museum versucht deutsche Geschichte in ihren internationalen Zusammenhängen so darzustellen, daß nicht nur eine einzige Sichtweise präsentiert wird. Die Tsingtau-Ausstellung erzählt eine Geschichte vom Zusammenprall zweier Kulturen, dessen emotionale Nachwirkungen in China bis heute zu spüren sind.
In der Tsingtau-Ausstellung erfahren die Besucher davon, wie die Großmächte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - auch das Deutsche Reich - bei der Durchsetzung ihrer Interessen in China das Land gedemütigt haben. Sie erfahren von den Protesten und dem Widerstand gegen die Fremden, die im Yihetuan- (»Boxer-«) Aufstand des Jahres 1900/01 ihren Höhepunkt fanden. Sie erfahren vom Untergang des chinesischen Kaiserreiches während der Zeit der Fremdherrschaft. Der panoramatische Blick auf das chinesische Drama wird aber auch abgelöst von der Nahaufnahme der kolonialen Musterstadt Tsingtau, die »moderner« sein sollte als die Kommunen in Deutschland. Die Darstellung des Lebens der Chinesen und Deutschen steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Das Ende der deutschen Kolonialgeschichte in China wird ebenso dokumentiert wie lang dauernde Auswirkungen der deutschen Präsenz. Die Besucher nehmen auch wahr, daß Qingdao heute eine moderne Stadt ist, die von der Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft in starkem Maße profitiert.
Das Deutsche Historische Museum hat bei dieser Ausstellung von Anfang an den Informations- und Gedankenaustausch mit den Historikern aus Qingdao gesucht. So war es in den Gesprächen mit Museumskollegen, Kulturpolitikern und Medienvertretern aus Qingdao möglich, gegenseitige Vorstellungen kennenzulernen und diese bei den konzeptionellen Überlegungen zu berücksichtigen. Für den gelungenen Dialog sei insbesondere dem Direktor des Stadtmuseums von Qingdao, Herrn Yan Lijin, gedankt.
Ausstellungen sind darauf angewiesen, originale Objekte aus der Geschichte zueinanderzubringen und unterscheiden sich darin ganz wesentlich von einem wissenschaftlichen Buch zum Thema. Daher ist das Deutsche Historische Museum den vielen Museen und Privatpersonen in Deutschland, einigen Nachbarstaaten und auch China für die Bereitstellung von Leihgaben sehr dankbar. Ein Großteil der Objekte ist bislang noch nicht gezeigt worden, viele Stücke wurden darüber hinaus erst für diese Ausstellung »entdeckt« und werden nun der Öffentlichkeit erstmals in einem historischen Zusammenhang präsentiert. Die Objekte ausfindig zu machen, auszuwählen und so zuzuordnen, daß Geschichte »lebendig« werden konnte, war die Arbeit der Ausstellungskuratoren Hans-Martin Hinz und Christoph Lind. Die Gestaltung der Ausstellung lag in den erfahrenen Händen von Klaus-Jürgen Sembach.
Gedankt sei auch den Fachleuten der verschiedensten Disziplinen außerhalb des Deutschen Historischen Museums, die mit Rat und Hinweisen geholfen haben.
Am vorliegenden Buch zur Ausstellung haben Kenner der Geschichte, Kunstgeschichte, Sinologie, Architektur, Geographie, Literatur und des Museumswesens mitgewirkt. Die Fachbeiträge ergeben einen breit gefächerten interdisziplinären Blick auf die deutsche Kolonialzeit in China. Dem Ausstellungspublikum wird damit eine vertiefende Betrachtung auf einen Teil der deutschen wie der chinesischen Geschichte geboten. Wir alle, Bewohner einer kleiner werdenden Welt, können gar nicht genug über einander wissen. Daß »Tsingtau« den gelassenen Dialog miteinander beförderte, ist der Wunsch des Deutschen Historischen Museums.


Quelle: DHM

Geschichte Qingdao - Kiautschou-Bucht als Teil des deutschen Kolonialreiches

Die Besetzung der Kiautschou-Bucht und die dortige Errichtung eines deutschen Pachtgebietes am Ende des 19. Jahrhunderts vollzogen sich in der Endphase kolonialer Erwerbungen des Deutschen Reiches.
Seit den 1840er Jahren hatte es in den deutschen Staaten vielschichtige Strömungen gegeben, die die Effizienz von Kolonien analysierten, Gebietserwerbungen forderten oder durch Auswanderungsaktivitäten sowie wirtschaftliche Tätigkeiten in der Welt vorbereiten halfen. So organisierten Kolonialvereine Auswanderungen von Deutschen in andere Kontinente oder forderten deutsche Handelsunternehmen Reichsschutz für privatrechtlich erworbene Gebiete in der Welt, ebenso zur Sicherung des Freihandels. Die von den geographischen Gesellschaften geförderten Forschungsreisen brachten neue Erkenntnisse über fremde Erdteile, die auch den Kolonialinteressen zugute kamen.
Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bestimmten vermehrt sowohl wirtschaftspolitische Argumente (Rohstoffquellen, Absatzmärkte) als auch nationale Überlegungen (Beteiligung an der Aufteilung der Erde) sowie Fragen des rapiden Bevölkerungswachstums (Auswanderungen) die Diskussionen um die Rolle Deutschlands als mögliche Kolonialmacht.
Obwohl Reichskanzler Otto von Bismarck (1871 bis 1890) die deutschen Interessen überwiegend in Europa sah, wurden ab Mitte der 1880er Jahre deutsche Unternehmungen in der Welt zuerst unter Reichsschutz gestellt und kurze Zeit später - da ihnen die Selbstorganisation nicht gelang - unter deutsche Souveränität. Letzteres war zumeist mit der Entsendung von Militär (»Schutztruppen«) zur Bekämpfung von Widerständen aus den einheimischen Bevölkerungen verbunden.
Die räumliche Verteilung der deutschen Kolonien konzentrierte sich auf Afrika und auf die Südsee: 1884/85 Südwestafrika (heute Namibia), Togo, Kamerun, Ostafrika (heute Tansania, Sansibar), auf Neu-Guinea und benachbarte Pazifikinseln: Kaiser-Wilhelm-Land und Bismarck-Archipel sowie weitere pazifische Inseln (1886). Der Besetzung der Kiautschou-Bucht in China (1897) folgte noch vor der Jahrhundertwende die Eingliederung weiterer Pazifikinseln in das deutsche Kolonialreich.
Im Gegensatz zur Kolonialpolitik Bismarcks war die Besetzung der Kiautschou-Bucht Ausdruck einer neuen deutschen Weltpolitik und des »persönlichen Regiments« Kaiser Wilhelms II. (1888-1918). Das Deutsche Reich hatte sich in dieser Zeit des Hochimperialismus das politische Ziel gesetzt, bei allen Angelegenheiten von weltpolitischer Bedeutung mitwirken zu wollen. Daher erhob es auch den Anspruch, sich am Wettlauf der Großmächte bei der Aufteilung der außereuropäischen Welt zu beteiligen und somit seine Position als Weltmacht und europäische Macht zu verbessern. Im Jahre 1898 schien die »verspätete Nation« Deutschland den »Kampf um die Gleichberechtigung unter den Mächten« und einen »Platz an der Sonne« gewonnen zu haben: Die Besetzung der Kiautschou-Bucht, das Gesetz zum verstärkten deutschen Flottenbau, die Kaiserfahrt Wilhelms II. ins Heilige Land und die Vorentscheidung zum Bau der Bagdadbahn erfolgten in engem zeitlichen Zusammenhang. Diese Politik, die seit 1897 mit den Namen Bernhard von Bülow (Staatssekretär des Auswärtigen Amtes) und Alfred Tirpitz (Staatssekretär des Reichsmarineamtes) verbunden war, basierte auf einem breiten gesellschaftlichen Konsens und fand insbesondere beim neuen deutschen Mittelstand, im rechten Spektrum, das sich auch über die Lobby-Verbände äußerte, aber ebenso im parlamentarischen Raum Zustimmung.

Quelle: DHM

Tsingtao Qingdao - heute

Die Stadt Qingdao an der Jiaozhou-(Kiautschou-) Bucht, die die Deutschen Tsingtau nannten, verzeichnet heute - infolge der seit zwei Jahrzehnten von der chinesischen Regierung betriebenen Öffnungspolitik des Landes - eine rasante wirtschaftliche Entwicklung. Nicht nur der Lebensstandard der 2,3 Millionen Einwohner Qingdaos - im Einzugsgebiet leben 7 Millionen Menschen - wächst gegenwärtig rapide; auch die Stadtentwicklung spiegelt den schnell verlaufenden Wandlungsprozeß der Küstenregionen des gesamten Landes wider: An den Rändern des durch deutsche Architektur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg geprägten urbanen Zentrums sind in den vergangenen Jahren moderne Hochhäuser entstanden. Diese und die neuen Stadterweiterungen bestimmen die Silhouette des heutigen Qingdao.
Qingdao ist sich dennoch der deutschen Bautradition seiner Geschichte bewußt und pflegt das deutsch geprägte Bild der einstigen Kolonialstadt, das sich deutlich vom Aufriß anderer chinesischer Städte unterscheidet. Künstler aus Qingdao setzen sich mit der deutschen Vergangenheit ihrer Stadt auseinander.
Seit Jahren ist eine intensive Kontaktverbesserung zwischen Qingdao und Deutschland in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur festzustellen. Zwar sind die asiatischen Nachbarstaaten die wichtigsten internationalen Handelspartner Qingdaos, doch steht Deutschland unter den europäischen Investoren an erster Stelle. Der Besuch von Bundeskanzler Dr. Kohl und einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation in Qingdao im Herbst des Jahres 1995 unterstreicht die Bedeutung der gegenwärtigen Beziehungen.
Vor einhundert Jahren bestimmten die Deutschen noch einseitig die Entwicklungen an der Kiautschou-Bucht. Die damalige ungleiche Situation fand am 6. März 1898 einen vorläufigen Höhepunkt, als in Peking der deutsch-chinesische Staatsvertrag über die auf 99 Jahre befristete Abtretung der Bucht von Kiautschou und die Sicherung deutscher Interessen in der Provinz Shandong (Schantung) unterschrieben wurde. Diese vertraglich abgesicherte Durchsetzung deutscher Interessen war durch die militärische Besetzung der Bucht durch deutsche Marineeinheiten zur Mitte des Monats November 1897 möglich geworden.

Geschichte Qingdao - Yihetuan-(Boxer-)Aufstand

Der Bau von »ausländischen« Eisenbahntrassen durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete, die zeitlich parallele Errichtung einer Vielzahl von Kirchengebäuden, die dort, wo es sich um Spitztürme handelte, den chinesischen Vorstellungen von Landschaftsharmonie - Feng-Shui-Prinzip - entgegenstanden und als Unglücksbringer gesehen wurden, sowie das vielfach als ungerecht empfundene Auftreten von Missionaren führten bei der chinesischen Bevölkerung zu Verunsicherungen. Missionare engagierten sich in Konfliktfällen häufig für die zum christlichen Glauben konvertierten Chinesen und setzten deren Interessen aufgrund ihrer eigenen »exterritorialen« Rechtslage durch. Der dadurch ausgelöste Unmut wurde noch verstärkt, weil sich Konvertiten dem traditionellen Kultur- und Verhaltenskodex ihrer Umwelt entzogen und sich dadurch Autoritätsverhältnisse lockerten sowie traditionelle Sozialstrukturen in Frage gestellt wurden. So kam es immer wieder zu Übergriffen auf christlich getaufte Chinesen und auf Fremde, und zwar in vielen Teilen Chinas, auch in der Provinz Schantung.

Der schwerste Konflikt dieser Art im deutschen Interessensgebiet ereignete sich ab Herbst 1898 im Kreis Rizhao im Süden der Provinz Schantung, bei dem es zu Vergehen von Konvertiten und zu Übergriffen auf deutsche Missionare gekommen sein soll. Während auf der einen Seite der Protest der Bevölkerung gegen die Missionare von Aktivisten der jungen »Boxer«-Bewegung unterstützt worden war, forderte andererseits Bischof Johann Baptist von Anzer umfangreiche Entschädigungen für die Übergriffe auf seine Missionare, was die chinesischen Behörden ablehnten. Trotz zwischenzeitlicher Beruhigung der Lage bewirkte Bischof von Anzer beim deutschen Gouverneur in Tsingtau einen Truppeneinsatz, der nach Konsultationen mit der Gesandtschaft in Peking, erneuten Zwischenfällen in der Region und letztlich mit Zustimmung Wilhelms II. ausgelöst wurde (März-Juni 1899). Beim Einsatz von Tsingtauer Soldaten in Rizhao kamen mehrere Chinesen ums Leben, und es wurden viele Wohngebäude der Landbevölkerung zerstört. Die chinesische Seite mußte darüber hinaus Entschädigungen zahlen.

Im Kreis Gaomi (Kaumi), der ebenso außerhalb des deutschen Schutzgebietes, aber innerhalb des Operationsbereiches des deutschen Militärs lag, kam es im Juni 1899 zu Übergriffen der bäuerlichen Bevölkerung auf Landvermesser der Eisenbahngesellschaft, weil sich die Bauern bei der Klärung der Eigentumsverhältnisse und der Festlegung der Entschädigungssummen ungerecht behandelt fühlten. Durch den von Gouverneur Jaeschke veranlaßten Einsatz von Tsingtauer Soldaten starben mehr als 20 Chinesen (siehe Beitrag Klaus Mühlhahn, Deutsche Vorposten im Hinterland: Die infrastrukturelle Durchdringung der Provinz Schantung). Ende 1899 beteiligten sich mehrere tausend Chinesen an Aktionen gegen die Trassenführung nördlich der Stadt Kaumi. Die ländliche Bevölkerung wurde dabei von Mitgliedern der »Boxer«-Bewegung unterstützt. Wegen der Unruhen zogen sich deutsche Zivilisten nach Tsingtau zurück. Diesmal brachen chinesische Truppen des neuen Gouverneurs von Schantung, Yuan Shikai, den Widerstand; deutsches Militär wurde nicht entsandt.
Die Menschen in der Provinz Schantung erlebten außerdem Hungersnöte, nachdem die Region 1898 von Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht worden war. Millionen Obdachlose flüchteten, und der Handel brach weitgehend zusammen. Steuererhöhungen sowie Warenkonkurrenz aus dem Ausland kamen als überregionale Belastungen hinzu, so daß zum Jahresende 1898 die »Miliz für Gerechtigkeit und Eintracht« (Yihetuan) raschen Zulauf erhielt. Ihre Mitglieder rekrutierte die Bewegung überwiegend aus dem agrarischen Bereich. Die landbesitzende Gentry war in Schantung kein hinreichender Ordnungsfaktor, was den Zulauf zu den Sekten und Geheimbünden erleichterte. Die Aufständischen fühlten sich als unverwundbar und pflegten insbesondere die Tradition des Faustkampfes. Von den Fremden wurden sie daher »Boxer« genannt .

Ab April 1900 kam es zu Aufrufen der »Boxer« gegen die Fremden und zu Übergriffen auf christliche Wohnstätten und Kirchen sowie auf Bahnlinien. Die »Boxer«-Bewegung entwickelte sich zum »Boxer«-Aufstand, in dessen Verlauf viele tausende Chinesen christlichen Glaubens und mehrere hundert Ausländer ermordet wurden. Der kaiserliche Hof, der möglicherweise zu Beginn des Jahres 1900 eine umfangreiche Militäraktion gegen die Fremden in Erwägung gezogen hatte, duldete sie auch schon wegen der Machtfrage und erkannte sie zeitweise an. Teile der kaiserlichen Truppen unterstützten sie nach anfänglicher Gegnerschaft aktiv. Allerdings vertrieb Schantungs neuer Gouverneur Yuan Shikai die Aufständischen, so daß sich die Bewegung im Mai des Jahres 1900 in den Großraum Peking verlagerte. Die ausländischen Gesandten in der Hauptstadt fühlten sich dadurch zunehmend bedroht und forderten beim ältesten Seeoffizier der vor der chinesischen Küste liegenden alliierten Geschwader, dem britischen Vizeadmiral Edward Seymour, Soldaten an, die die Gesandtschaftswachen verstärken sollten. Dafür gab es allerdings keine internationale Rechtsgrundlage. Etwa 300 Soldaten, darunter 51 aus Tsingtau, erreichten Peking, bevor die Bahnlinie zwischen Tientsin und der Hauptstadt von den »Boxern« unterbrochen wurde. Das Hauptkontingent der über 2000 alliierten Soldaten, darunter auch deutsche Soldaten des Ostasiatischen Geschwaders, verblieb in Kampfhandlungen mit »Boxern«, unerwarteterweise auch mit regulären Streitkräften, verstrickt. Aufgrund der Unruhesituation flüchteten die in den ländlichen Gebieten Nordchinas tätigen Ausländer in die Großstädte Peking und Tientsin.

Mitte Juni 1900 spitzten sich die Ereignisse weiter zu, als zum einen die »Boxer« die Hauptstadt erreichten und es dort zu Übergriffen auf Fremde und Kirchen kam und zum anderen die ausländischen Mächte vor der Küste bei Taku Kriegsschiffe zusammenzogen, um eine Befreiungs- und Strafaktion durchzuführen. Schiffe des deutschen Ostasiatischen Geschwaders und Soldaten aus Tsingtau waren dabei im Einsatz. Die Alliierten besetzten am 17. Juni 1900 die strategisch wichtigen Forts von Taku, wobei das deutsche Kanonenboot »Iltis« (das Nachfolgeschiff der vor Schantung 1896 untergegangenen »Iltis«) unter Kapitän Lans im Zentrum der chinesischen Abwehr operierte, wofür es später die Auszeichnung mit dem Orden Pour le Mérite gab.

Aufgrund der Nachricht von der chinesischen Niederlage bei Taku gewann die ausländerkritische Fraktion am Hof an Einfluß und erreichte die Zustimmung der Kaiserinwitwe Cixi, alle ausländischen Diplomaten aus Peking auszuweisen. Der deutsche Gesandte Clemens Freiherr von Ketteler erlag am Folgetag dem Attentat eines Feldwebels der chinesischen Armee, als er sich auf dem Weg in das Auswärtige Amt (Tsungli Yamen) befand. China erklärte sich am 20. Juni zu den acht Staaten, deren Soldaten auf chinesischem Boden im Einsatz waren, quasi im Kriegszustand, womit eine 55tägige Belagerung und Beschießung des Gesandtschaftsviertels begann. 3300 Personen, insbesondere Diplomaten, Soldaten, geflüchtete christliche Chinesen, standen den etwa 25000 »Boxern« und regulären chinesischen Soldaten gegenüber. Der Aufstand gegen die Fremden hatte sich damit zum »Boxer«-Krieg ausgeweitet. Die Seymour-Expedition befand sich derweil auf dem Rückzug nach Tientsin und lief Gefahr, aufgerieben zu werden. Die Zahl der Verluste war hoch. In dieser für die alliierten Soldaten seit langem erstmals kritischen Situation ist es am 22. Juni 1900 vor der Erstürmung eines Arsenals zu der in Deutschland später mythisierten Äußerung Seymours »The Germans to the Front« gekommen. Das gleichbetitelte Gemälde von Carl Röchling, das deutsche Soldaten kampfesmutig in China zeigt, galt als Ikone deutscher Historienmalerei zur Kolonialgeschichte und fand in unzähligen Nachbildungen und Abdrucken weite Verbreitung.

Auch die Millionenstadt Tientsin wurde von »Boxern« und regulären chinesischen Streitkräften beschossen. 2700 alliierte Soldaten, überwiegend Russen, versuchten, die Stadt zu halten. Erst nach dem Eintreffen weiterer 2400 alliierter Soldaten Ende Juni gelang es ihnen, die Ausländerviertel Tientsins unter Kontrolle zu bringen. Der chinesische Druck auf Tientsin wurde drei Wochen später endgültig gebrochen, als die Zahl der alliierten Soldaten auf über 12000 Mann angestiegen war.

Das Deutsche Reich sah in den »chinesischen Wirren« eine Chance, seine neu errungene Machtposition in Ostasien zu demonstrieren. Kaiser Wilhelm II. forderte sofort nach Kettelers Ermordung eine internationale Mobilmachung und setzte nach intensiven diplomatischen Konsultationen durch, daß die alliierte Streitmacht unter dem Oberbefehl von Alfred Graf von Waldersee stand, der im Deutschen Reich zeitweise Chef des Generalstabes gewesen war. Chinas Reformpolitiker Li Hongzhang versuchte noch, deutsche Truppeneinsätze im Konfliktgebiet zu verhindern, doch lehnte Wilhelm II. ab. Gegenüber dem Auswärtigen Amt forderte er sogar, Peking dem Erdboden gleichzumachen. Nachdem ein Sensationsbericht der britischen »Daily Mail« vom 29. Juni den Eindruck vermittelt hatte, alle Gesandten in Peking seien ermordet worden, sprach Wilhelm II. am 2. Juli 1900 in Wilhelmshaven bei der Verabschiedung des Marine-Expeditionskorps (2500 Soldaten) nach China erstmals von Rache gegenüber den Chinesen. Diese Sprache fand ihren Höhepunkt in der sogenannten Hunnenrede vom 27. Juli 1900, als der Kaiser die von Bremerhaven nach China abreisenden Soldaten des Ostasiatischen Expeditionskorps aufforderte: »Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. … Wie vor tausend Jahren die Hunnen …«

Die Großmächte beorderten derweil in den Weltmeeren und anderen Kolonien operierende Kriegsschiffe an die chinesische Küste. Anfang August 1900 war die alliierte Streitmacht im Raum Taku - die auf 60000 bis 90000 Mann geplant war - bereits auf etwa 18000 Soldaten angewachsen. Die knapp 20000 deutschen Soldaten des Ostasiatischen Expeditionskorps unter Waldersee, die in acht Staffeln auf 18 Schiffen nach China transportiert wurden, waren wie auch Verbände anderer Staaten entweder noch auf hoher See oder noch gar nicht ausgelaufen, als am 4. August 1900 der Marsch auf Peking begann und die Stadt am 14. August erobert wurde. Japaner, Russen und Briten hatten dabei die größten Kontingente gestellt. Das deutsche Kontigent gehörte zu den kleinsten Einheiten. Der chinesische Kaiserhof war fünf Tage zuvor in den Westen Chinas geflüchtet. Von dort versuchte die Kaiserinwitwe Cixi, über ihre Unterhändler in Peking Einfluß auf die Friedensverhandlungen zu nehmen. Als die alliierten Truppen am 28. August 1900 in die Verbotene Stadt einzogen, um ihren Sieg zu demonstrieren, nahmen daran auch deutsche Soldaten des vorerst dem Ostasiatischen Geschwader unterstellten 2500 Mann starken Marine-Expeditionskorps teil, die kurz zuvor in China eingetroffen waren. Vom eroberten Peking aus führten die alliierten Truppen - auch deutsche - im September 1900 Strafexpeditionen in die »Boxer«-Zentren der Umgebung durch. In der Mandschurei bekämpften russische Truppen dortige »Boxer«-Verbände. Am 17. Oktober 1900 bezog Generalfeldmarschall von Waldersee in Peking das alliierte Hauptquartier. Derweil besetzten die internationalen Verbände mehrere chinesische Häfen, um dort ihren Nachschub in den Wintermonaten anlanden zu können.
Der endgültige Friedensschluß erfolgte erst am 7. September 1901, als das »Boxer«-Protokoll unterschrieben wurde, nachdem man das Kriegsende bereits im Januar 1901 besiegelt hatte. Zu den vielen Auflagen, die China abverlangt wurden, gehörte die Sühnemission eines Mitgliedes des chinesischen Kaiserhauses nach Deutschland. Bereits im September des Jahres 1901 weilte Prinz Chun (Tschun), ein Bruder des chinesischen Kaisers, mit einer Delegation in Potsdam und wurde im Neuen Palais von Wilhelm II. zur Entgegennahme einer Entschuldigung für die Ermordung des deutschen Gesandten empfangen. Geschenke des chinesischen Kaiserhauses verblieben im Deutschen Reich. Dem Prinzen begegnete man nach dessen Potsdamaufenthalt mit viel Aufmerksamkeit (siehe Beitrag Herbert Butz, Kniefall und Geschenke: Die Sühnemission des Prinzen Chun in Deutschland).
Bevor der »Boxer«-Krieg vertraglich beendet worden war, hatten deutsche Soldaten militärisch in Schantung eingegriffen und im Oktober 1900 die Stadt Kaumi besetzt. Sie zerstörten mehrere Dörfer in der Umgebung, in denen Widerstand gegen den Eisenbahnbau vermutet wurde und töteten mehrere hundert Chinesen. Außerdem hatten sich deutsche Soldaten zwischen Oktober 1900 und Mai 1901 an umfangreichen alliierten »Strafexpeditionen« gegen Dörfer in den »Boxer«-Zentren Nordchinas beteiligt, um jegliche Widerstände zu ersticken und die Friedensverhandlungen zu beeinflussen.
Die Kaiserinwitwe Cixi hatte dem »Boxer«-Protokoll zustimmen können, weil sich die Alliierten untereinander im Vertragswege auf den Grundsatz der »Open-Door-Politik« verständigt und keine weiteren Pachtgebiete gefordert hatten und auch das politische System Chinas nicht antasteten. Sie kehrte 1902 unter pompösem Protokoll nach Peking zurück.
Die »Boxer«-Bewegung ist zwar in der Provinz Schantung entstanden, hat aber die Stadt Tsingtau im Sinne von Kampfhandlungen nie direkt erfaßt, so daß auf deutscher Seite nicht selten die Meinung vertreten worden ist, beides hätte miteinander nichts zu tun gehabt und die »Boxer«-Unruhen wären auch ohne ein deutsches Pachtgebiet in China ausgebrochen. Schon Reichskanzler von Bülow hatte in seiner Rede zur China-Vorlage vor dem Deutschen Reichstag am 19. November 1900 jeden Zusammenhang zwischen der Pachtgebietsabtretung und dem »Boxer«-Aufstand bestritten. Andererseits muß den Deutschen für ihr Verhalten im Jahre 1898 aber durchaus eine zentrale Rolle bei der Zuspitzung der Lage im Land zugewiesen werden, wofür die gewalttätigen Konflikte in der Provinz Schantung in den Jahren 1898/99 durchaus Indizien sind. Der Einsatz deutscher Soldaten im Gebiet der Schantung-Eisenbahn während des »Boxer«-Krieges und die Nutzung des Tsingtauer Hafens durch Schiffe des Ostasiatischen Geschwaders und zum Teil auch des Ostasiatischen Expeditionskorps weisen darüber hinaus das deutsche Pacht- und Interessensgebiet in China durchaus als Kriegsschauplatz aus, wenn auch nicht von zentraler Bedeutung.
Das deutsche Militäraufgebot zur Niederschlagung des »Boxer«-Aufstandes war das größte unter den internationalen Kontingenten gewesen. Dies mußten die Verbündeten durchaus auch ihnen gegenüber als Machtdemonstration empfunden haben.


Quelle: DHM

Geschichte Qingdao - Entwicklung des deutschen Pachtgebietes in China

Das Deutsche Reich war nach der Okkupation der Kiautschou-Bucht daran interessiert, das Gebiet so schnell wie möglich infrastrukturell in Wert zu setzen. Dazu gehörten die Errichtung einer Marinebasis und einer Handelsstadt, die Anlage eines Hafens, die Erschließung des Hinterlandes durch Eisenbahntrassen und Bahnhöfe sowie der Bau von Kohlebergwerken. Letztlich entsprach diese Strategie den Empfehlungen von Richthofens, wie dieser sie viele Jahre zuvor entwickelt hatte.
Eine kleine Insel in der Einfahrt zur Kiautschou-Bucht gab der geplanten Stadt ihren Namen: Qingdao - oder in der damals gebräuchlichen Umschrift Tsingtau - bedeutet »grüne Insel«. Das etwa 20 qkm große Gebiet, auf dem die Kolonialstadt in der Folgezeit entwickelt wurde, war nicht unbewohnt. Neben den seit einigen Jahren bestehenden chinesischen Marineunterkünften existierten mehrere Ansiedlungen. Das Dorf Qingdao bestand aus mehr als 300 Haushalten, die weitgehend vom Fischfang lebten.
Die schon vor der Besetzung entwickelte Vorstellung, die deutsche Seite müsse die für die Stadtanlage benötigten Grundstücke sofort aufkaufen, erwies sich wegen der finanziellen Größenordnungen und schwieriger Rechtslagen als unrealistisch. Die deutschen Behörden an der Kiautschou-Bucht nahmen allerdings für sich das Vorkaufsrecht am Boden des Pachtgebietes in Anspruch und sicherten sich die Überlassung dieses Rechts durch eine Abfindung der chinesischen Grundbesitzer. Bis 1905 wurden staatlicherseits alle Grundstücke zu Preisen aus vordeutscher Zeit erworben, die für die Anlage der Stadt Tsingtau erforderlich schienen. Gegen die Zwangsverkäufe gab es auch Widerstände, auf die teilweise mit Enteignungen reagiert wurde. Grundstücke außerhalb des Stadtkerns vergaben die Behörden vielfach in Pacht. Die Einnahmen aus Pacht und Verkauf verblieben beim Gouvernement, sie stellten neben den Einnahmen aus dem Zoll und den Hafengebühren die wichtigsten Finanzquellen vor Ort dar.
Die deutschen Behörden errichteten auf dieser Rechtsbasis und nach Abtrag einiger aufgekaufter Siedlungen eine nach Bevölkerungsgruppen und zum Teil nach Funktionen gegliederte Stadt.


Um die festgelegten Flächennutzungen rasch umzusetzen und Bodenspekulationen zu verhindern, erließen die deutschen Behörden - und dies war neu und einmalig in den deutschen Kolonien - eine Steuerordnung, nach der es zu regelmäßigen Bewertungen und dementsprechenden Festlegungen der Steuersätze für die vom Gouvernement verkauften Grundstücke kommen sollte. Wilhelm Schrameier, ein schon zuvor in China tätiger Verwaltungsbeamter, hat dieses Instrumentarium gleich zu Beginn der deutschen Zeit in Zuarbeit von Admiral von Diederichs entwickelt (siehe Beitrag Torsten Warner, Der Aufbau der Kolonialstadt Tsingtau: Landordnung, Stadtplanung und Entwicklung).
Zur offenen Seeseite entstand ein der europäischen Bevölkerung vorbehaltenes Wohn- und Geschäftsviertel, an das sich unmittelbar nördlich - hinter einem Berggrat und zur Kiautschou-Bucht gerichtet - der Stadtteil für die chinesische Bevölkerung anschloß. Dieser trug den Namen des dortigen Ursprungsdorfes Dabaodao.
Eine Bauordnung legte Gebäudegrößen und Dichte fest. Die Straßen wurden großzügig angelegt und zum Teil begrünt. Die Häuser erhielten im Laufe der Zeit Trinkwasser- und Kanalisationsanschluß, das Wasser wurde aus weit entfernt liegenden Brunnen herangeführt. Die Wohngebäude und die Funktionsgebäude der Europäersiedlung (Gouvernement, Residenz, Schulen, Kirchen, Lazarett, Geschäftshäuser, Gewerbebetriebe) errichtete man zumeist aus Backstein und in den deutschen Baustilen der Jahrhundertwende, aber durchaus mit kolonialen Varianten (siehe Beitrag Christoph Lind, Heimatliches Idyll und kolonialer Herrschaftsanspruch: Architektur in Tsingtau). Neben dem chinesischen Stadtquartier Dabaodao (Tapautau) wurden für chinesische Hafen- und Bauarbeiter zwei weitere Wohnsiedlungen errichtet, allerdings räumlich vom urbanen Zentrum entfernt: Taidongzhen (Taitungtschen) und Taixizhen (Taihsitschen).
Im hügeligen Hinterland der Stadt ließen die Behörden drei Kasernen und weitere Baracken für die deutschen Soldaten bauen. Stadtbefestigungsanlagen entstanden zur Zeit des »Boxer«-Krieges und wurden danach verstärkt. Östlich der Europäersiedlung war die Siedlung durch lockere Villenbebauung gekennzeichnet. Am größten Strand (Auguste-Viktoria-Bucht) entstanden Hotel- und Villenbauten, die teilweise an vergleichbare Gebäude an der deutschen Ostseeküste erinnerten. Diese erste Freizeit- und Tourismuszone wurde durch Sportanlagen und einen Forstgarten ergänzt.
Etwa drei Kilometer nördlich der Stadt entstand in fünfjähriger Bauzeit der Große Hafen. Ein über vier Kilometer langer Damm in der Kiautschou-Bucht, der gegen die Nord-West-Winde schützen sollte, umfaßte das Hafenbecken. An dessen Ende, auf einer natürlichen Insel gelegen, entstand zuerst eine Marinewerkstatt, später - zwischen 1905 und 1907 - die kaiserliche Werft mit einem der größten Docks in Asien. In der mit dem einzigen Schwimmdock Ostasiens ausgestatteten Werft arbeiteten etwa 1500 Chinesen und 50 Europäer. An der Landseite des Hafens dienten zwei Molen zum Anlegen für größere Schiffe. Der Hafen erhielt einen 150-Tonnen-Kran und Gleisanschlüsse. In einiger Entfernung entstand eine Petroleummole. Die Übergangszone zwischen Stadt und Hafen wurde mit Werkstätten, Kontoren und Lagerschuppen belegt. Dort gab es auch den kleinen Hafen, der insbesondere Dschunken für den betriebsamen chinesischen Handel aufnahm.
Letztlich entstand in der deutschen Zeit eine Mehrkern-Stadtanlage, deren Quartiere nicht flächendeckend miteinander verbunden waren. Die Aufsiedlung der Zwischenräume erfolgte erst während der japanischen Kolonialzeit (1914-1922). Unter ethnischen Gesichtspunkten kam Tsingtau dem Kolonialstadttypus einer »dual city« nahe; auch wenn eine im Sinne von Apartheid strikte räumliche Trennung von Europäern und Chinesen nicht immer durchgängig war.
Die Stadtentwicklung Tsingtaus ist nicht nur durch Verwaltungsunterlagen und Panoramafotografien der deutschen Behörden dokumentiert, auch chinesische Künstler haben das Wachsen der Stadt in Panoramabildern festgehalten.
Mit der Vermessung und dem Bau der Bahnstrecke von Tsingtau in die über 400 km entfernte Provinzhauptstadt Jinan (Tsinan) wurde 1899 begonnen und damit die infrastrukturelle Erschließung des Hinterlandes eingeleitet. Ein deutsches Finanzsyndikat gründete die Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft als Aktiengesellschaft, die laut deutsch-chinesischem Vertrag vom 6. März 1898 als deutsch-chinesisches Unternehmen hätte organisiert werden sollen. Dies erfolgte nicht, ebenso wie Detailabsprachen zu Bau, Betrieb und Schutz der Anlagen zwischen dem Provinzgouverneur von Schantung und der Gesellschaft von deutscher Seite verzögert wurden. So gelang es der Eisenbahngesellschaft unter Durchsetzung ihrer Interessen die Gesamtstrecke bis zum Sommer 1904 fertigzustellen. Zeitweise hatten auf den Baustellen mehr als 20000 Menschen, zumeist Wanderarbeiter, gearbeitet. Zuvor waren bereits Teilstrecken in Betrieb genommen worden. Die Trassenführung erschloß auch die Kohlefelder bei Weixian (Weihsien) und bei Poschan (Boshan) zum Teil durch Stichbahnanbindungen (siehe Beitrag Klaus Mühlhahn, Deutsche Vorposten im Hinterland: Die infrastrukturelle Durchdringung der Provinz Schantung).
Der Tsingtauer Bahnhof - auch im deutschen Baustil errichtet - lag am westlichen Rand der Europäerstadt. Die außerhalb des Schutzgebietes gelegenen Bahnhofsgebäude glichen sich durch geschwungene Dachformen der chinesischen Bebauung an. Nach der Fertigstellung einer weiteren Eisenbahntrasse von Tsinan nach Peking war eine Verbindung nach Deutschland hergestellt: Tsingtau wurde von Berlin aus in 13 Tagen erreichbar.
Neben der Bahn wurde auch das Straßennetz in Schantung ausgebaut, zum Ende der deutschen Kolonialzeit waren dies jedoch noch weniger als 400 km.
Die gleiche deutsche Finanzierungsgruppe, die die Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft trug, gründete im Herbst 1899 die Schantung-Bergbau-Gesellschaft. Der Betreiberin war vertraglich zugestanden worden, den Boden beiderseits der Bahnlinien bis zu je 15 km (30 li) ausbeuten zu dürfen. Die Investitionen in moderne Betriebseinrichtungen und bis zu 400 m tiefe Schächte waren äußerst kostenintensiv. Die Betriebseröffnungen erfolgten in den Jahren 1902 bzw. 1907. Bis zu 6000 Chinesen, aber weniger als 100 Deutsche arbeiteten bei der Bergbaugesellschaft.

Zur Infrastrukturentwicklung im Pachtgebiet gehörte auch die telegraphische Vernetzung. Kabel wurden unter anderem von Tsingtau in die Provinzhauptstadt Tsinan und nach Shanghai verlegt. Die Reichspost im Kiautschou-Gebiet, die der deutschen Verwaltung vor Ort nicht unterstand, richtete Postämter in der ganzen Provinz ein und gab provisorische Briefmarken heraus. Ab 1900 erschienen einheitliche Kolonialbriefmarken mit dem Aufdruck »Kiautschou«. Das Telefonnetz im Pachtgebiet bot 1903 insgesamt 203 Hauptanschlüsse und 180 Nebenanschlüsse.

Quelle: DHM

Geschichte Qingdao - Imperialistischen Staaten im Reich der Mitte

Aus der Sicht der Großmächte des 19. Jahrhunderts galt China als eine für den freien Handel noch nicht erschlossene Region, die es in ihr Expansionssystem einzubinden galt.
Auf die anfänglich eher begrenzten Handelsmöglichkeiten mit China durch Kaufleute und Handelsgesellschaften aus verschiedenen Ländern - auch deutsche waren darunter (siehe Beitrag Bernd Eberstein, Kaufleute, Konsuln, Kapitäne: Frühe deutsche Wirtschaftsinteressen in China) - folgte ab den 1840er Jahren die gewaltsame Durchsetzung freihändlerischer Interessen der Westmächte. Der Druck auf China verstärkte sich im Laufe der Jahrzehnte und fand seinen Höhepunkt am Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industriestaaten chinesische Territorien pachteten, um somit vorteilhafte Bedingungen für Investitionen zu schaffen. Die Politik der »Öffnung« Chinas, die in erzwungenen »ungleichen« Verträgen mit über 20 Staaten ihren Niederschlag fand, brachte den Mächten folgende Vorteile:
- Einrichtung ausländischer Niederlassungen in chinesischen Städten und diplomatischer Vertretungen in der Hauptstadt sowie Überlassung von Konzessionen und Pachtgebieten mit fremder Rechtshoheit
- Zugeständnisse an ausländische Bahn- und Bergbaugesellschaften
- Einschränkung des chinesischen Zollsystems zur Erleichterung des Absatzes ausländischer Waren
- Freizügigkeit ausländischer Schiffe in chinesischen Gewässern
- Unterstellung der Ausländer unter ihr jeweiliges Heimatrecht
- Sonderrechte für christliche Missionen im gesamten Land
Anders als die Sicherung von Hafenstädten durch die Mächte bzw. deren Handelskompanien beim Aufbau ihrer weltweiten Handelsnetze, aber auch anders als die Schaffung flächengroßer Kolonien etwa bei der Aufteilung Afrikas durch die untereinander konkurrierenden imperialistischen Staaten, entsprach die Begrenzung der chinesischen Souveränität eher einem halbkolonialen Zustand. Bei dieser Ausprägung informeller Interessenssicherung dominierte die Fremdbestimmung, gegen die sich die chinesische Politik wehrte, eine Totalbeherrschung des Landes lag aber nicht vor. Allerdings entsprachen die räumlich eng begrenzten europäischen Herrschaftsenklaven wie das britische Hongkong, das russische Dalni oder das deutsche Tsingtau eher dem Typus der Stützpunktkolonien mit eigenem Rechtssystem.
Das chinesische Kaiserreich war auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen gar nicht angewiesen, da es sich als autark verstand. Im Bewußtsein des Reiches der Mitte hatten die Europäer im frühen 19. Jahrhundert eine den tributpflichtigen Randstaaten Chinas vergleichbare periphere Bedeutung. Um so mehr schockierte deren militärische Stärke die Qing-Dynastie (1644-1911) und trug zu ihrem Untergang im frühen 20. Jahrhundert bei.
Eingeleitet wurde die Politik der Souveränitätsbegrenzung Chinas von der größten Industriemacht des 19. Jahrhunderts, nämlich Großbritannien, das sich nach dem Verlust seiner Siedlerkolonien in Nordamerika auf den Aufbau eines weltweiten Stützpunktsystems konzentrierte. Die britische East India Company handelte - über Guangzhou (Kanton), den bis dahin einzigen für Ausländer nutzbaren Hafen Chinas - mit preiswerten europäischen Gebrauchsgütern und mit Waren aus Indien. In China wurden überwiegend Rohseide, Tee, Gewürze und Porzellan gekauft. Britische Händler sahen im Opiumhandel das lukrativste Betätigungsfeld, doch verbot die chinesische Regierung die Einfuhren aus Indien, weil die Bezahlung durch Edelmetalle zu Handelsbilanzproblemen führte und das Opium Teile der Bevölkerung abhängig machte. Da es den britischen Händlern durch Bestechung chinesischer Beamter dennoch gelang, das Opium abzusetzen, ließ Chinas Regierung 1839 illegale Opiumvorräte in Kanton (20000 Kisten) vernichten. Großbritannien sandte - nach einem knappen Votum des Parlaments in London - Kriegsschiffe, blockierte den Hafen von Kanton und ging militärisch gegen chinesische Küstenbefestigungen vor. Der Vertrag von Nanjing (Nanking) beendete diesen »Ersten Opiumkrieg« zu Lasten Chinas (29. August 1842). Großbritannien setzte darin und in Folgeabkommen die Abtretung der Insel Hongkong auf ewig durch, errichtete ein Zollsystem und löste das chinesische Handelsmonopol auf. Vier weitere chinesische Hafenstädte wurden für den internationalen Handel zugänglich: Fuzhou, Xiamen (Amoy), Shanghai und Ningbo (Ningpo). Dort betreuten fortan britische Konsuln britische Bürger nach britischem Recht. Darüber hinaus hatte China Kriegsentschädigungen zu zahlen.
Infolge dieser britisch-chinesischen Verträge setzten auch die USA und Frankreich Handelserleichterungen zu ihren Gunsten und zu Lasten Chinas durch (1844). Durch die Meistbegünstigung, die China einräumen mußte, erhielt das jeweilige Vertragsland in Zukunft auch alle Zugeständnisse, die China einem dritten Staat gewährte.
Jahre später nahmen Großbritannien und Frankreich die chinesische Durchsuchung eines englischen Schiffes zum Anlaß, erneut militärisch gegen China vorzugehen. Im »Zweiten Opiumkrieg« (1857-1860) besetzten britische und französische Truppen zuerst Kanton (1857) und die Forts bei Dagu (Taku) (1858), die im weitesten Sinne dem Schutze der Städte Tianjin (Tientsin) und Peking dienten. Dieses militärische Vorgehen war zuvor mit den USA und mit Rußland abgestimmt worden. Im Vertrag von Tientsin (1858) mußte China die Öffnung weiterer elf Hafenstädte für den internationalen Handel zulassen. England und Frankreich erwarben Schiffahrtsrechte auf dem Changjiang (Yangzi) und erpreßten Kriegsentschädigungen sowie die Festlegung von Außen- und Binnenzöllen. Rußland und Amerika setzten ähnliche Ansprüche für sich durch.
Die in Tientsin festgeschriebene Arbeitsaufnahme diplomatischer Vertretungen in der Hauptstadt führte 1859 erneut zum Konflikt, weil sich die chinesische Regierung dagegen sträubte. Daraufhin besetzten Briten und Franzosen Peking und zerstörten den Sommerpalast, die kaiserliche Residenz westlich der Hauptstadt. So unter Druck gesetzt, konnten sich die Chinesen in einem weiteren Vertrag (1860) gegen die bislang diktierten und neuen Forderungen nicht mehr wehren. Großbritannien sicherte sich die der Insel Hongkong gegenüberliegende Halbinsel Jiulong (Kowloon). Mit den Verträgen, die den »Zweiten Opiumkrieg« beendeten, erhielten christliche Missionen Bewegungs- und Handlungsfreiheit in China. Die Zahl der Missionare stieg bis Mitte der 1890er Jahre auf etwa 2500, die der zum Christentum Konvertierten auf ungefähr 600000 (siehe Beitrag Erling von Mende, Für Gott und Vaterland? Die christlichen Missionen).
Während dieser Jahre hatte Rußland in Zentral- und Ostasien sein Kolonialreich ausgebildet. Rußlands Einfluß hatte zeitweise sogar bis nach Nordamerika gereicht. Zwischen 1841 und 1881 gliederte sich das Zarenreich Gebiete im Westen Chinas ein. In Ostasien besetzten zaristische Truppen das Amurgebiet (1858), die mandschurische Küste sowie Sachalin und gründeten die Städte Chabarowsk (1858) und Wladiwostok (1860). China mußte 1860 die russische Präsenz am Pazifik vertraglich bestätigen. Die Klärung der Grenzfragen zwischen beiden Ländern zog sich allerdings bis in das Jahr 1881 hin.
Nach der Beendigung des »Zweiten Opiumkrieges« bemühte sich auch Preußen um stärkeren Einfluß in China, nicht zuletzt, weil es sich durch die jüngsten Handelsverträge der anderen Industriestaaten mit China benachteiligt fühlte. Schon 1853 hatte der handelspolitische Vertreter Preußens und Sachsens in Kanton, der Kaufmann und Konsul Richard von Carlowitz, militärische deutsche Präsenz in China gefordert. Aber erst 1860/61, vor dem Hintergrund einer Weltwirtschaftskrise und von Veränderungen in der preußischen Regierung, wurde eine Gesandtschaft unter Leitung des Grafen Friedrich zu Eulenburg nach Japan, China und Siam (Thailand) entsandt. Die Verhandlungen zwischen den preußischen und chinesischen Diplomaten in Tientsin zogen sich über viele Monate hin. Obwohl die preußische Gesandtschaft militärisch begleitet wurde, konnte die junge Marine - im Gegensatz zu den Streitkräften der anderen Westmächte - keinerlei Druck ausüben. Letztlich überwand die preußische Delegation auch ohne Militäraktionen den Widerwillen der chinesischen Verhandlungsdelegation, was zum »Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag« von Tientsin (1861) führte. Graf zu Eulenburg zeichnete dabei nicht nur für Preußen, sondern für den Deutschen Zollverein, die beiden Mecklenburgs und die Hansestädte. Den deutschen Staaten wurden darin ähnliche Vorteile eingeräumt, wie sie die anderen Großmächte bereits zuvor durchgesetzt hatten. Preußen dokumentierte mit diesem Vorgehen zugleich seinen Führungsanspruch in der Deutschen Frage - die den chinesischen Verhandlungspartnern sicherlich nicht sehr vertraut gewesen sein dürfte - und setzte für sich das Recht durch, in Peking diplomatisch vertreten zu sein. Dem Auftrag aus Berlin, in der Stützpunktfrage gegebenenfalls auf Taiwan aktiv zu werden, folgte Eulenburg in Anbetracht der langen Verhandlungen jedoch nicht. Allerdings wurde die Stützpunktfrage von nun an immer wieder erneuert. Österreich-Ungarn schloß 1869 ebenfalls einen Handelsvertrag mit China. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten deutschen Kriegsschiffe in die Gewässer Ostasiens verlegt.
Als Folge der erzwungenen Öffnung des Landes ließen sich bis zur Mitte der 1890er Jahre 361 britische, 92 deutsche, je 31 amerikanische und französische sowie 13 russische Firmen in China nieder. Großbritanniens Handelsvolumen machte zwei Drittel des chinesischen Außenhandels aus, das Deutsche Reich wurde mit einem Anteil von sieben Prozent zur zweitwichtigsten Handelsnation in China.
Fragt man nach den Gründen, warum es den Westmächten in relativ kurzer Zeit gelang, ihre Handelsinteressen derart massiv durchzusetzen, so sind es neben der militärtechnischen Rückständigkeit Chinas gegenüber den Industriestaaten die internen Probleme des Landes gewesen. Nahezu zeitgleich mit dem Auftreten der Westmächte breitete sich in Zentral- und Südostchina der Taiping-Aufstand (1850-1864) aus, an dem über 100 Millionen Menschen beteiligt waren. Die revolutionäre sowie auch intensiv religiöse Bewegung führte zur Bildung eines »puritanischen« Gemeinwesens mit der Hauptstadt Nanking. Die Aufhebung des Privatbesitzes, die Gleichstellung von Frauen und Männern und eine Lebensführung nach streng moralischen Grundsätzen gehörten ebenso wie die Abschaffung des mandschurischen Kaiserhauses in Peking zu den Forderungen der Aufständischen.
Da sich sowohl die Qing-Dynastie als auch der grundbesitzende Landadel (Gentry) - letzterer wegen der Forderung nach Aufhebung des Privatbesitzes an Boden - durch die Taiping-Bewegung bedroht sahen, bildeten die Truppen der Westmächte, die ab 1860 zum Einsatz kamen, eine willkommene Hilfe im Kampf gegen die Aufständischen.
Daß es überhaupt zu einer so gewaltigen Protestbewegung kommen konnte, hatte viele Ursachen. Zu ihnen zählten die Versorgungsprobleme infolge der explosionsartigen Entwicklung der Bevölkerungszahlen (1740 : 143 Millionen, 1835 : 401 Millionen), aber auch die vom Kaiser legitimierte Steuereintreibung der Beamtenschaft, die mehr und mehr außer Kontrolle geraten war. Bei der Lösung von Problemen erwies sich die Zentralgewalt als schwach; Proteste gegen Not oder Herrschaft konnte sie immer schwerer unter Kontrolle bringen. In Konfliktsituationen kam es daher mehr und mehr zur Verlagerung der militärischen Belastungen auf die regionale und lokale Ebene. Die Gentry erwies sich dabei als wichtigste Stütze des politischen Systems, während die kaiserliche Verwaltungsklasse, das Mandariat, gerade in Krisensituationen immer weniger handlungsfähig war.
Nach der erfolgten Niederschlagung des Taiping-Aufstandes durch Truppen, die im wesentlichen von der Gentry aufgestellt waren, und bei der über 20 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben sollen, begann die chinesische Regierung, die Westmächte zur Revidierung der ungleichen Verträge zu bewegen. Der Versuch der chinesischen Diplomaten in Europa und in Amerika, »Barbaren gegen Barbaren«, also die Mächte untereinander auszuspielen, scheiterte jedoch.
Allerdings wuchs in China die Einsicht, das Land militärisch stärken zu müssen und gesellschaftliche Reformen nach westlichem Vorbild, wenn auch in begrenztem Maße, zuzulassen. Unter dem Großsekretär Li Hongzhang wurde der Kauf von Waffen in England und Deutschland forciert, ebenso der Erwerb von Kriegsschiffen. Davon profitierten insbesondere die Firma Krupp und die Vulcan-Werft, die 40 Prozent der Tonnage aller Auslandsbestellungen lieferte. Marinebasen wurden angelegt, der Bau von Fabriken gefördert. Im gleichen Zuge wurden neue Behörden eingerichtet, die Verwaltung reformiert und die Wissenschaft gefördert. Auslandsaufenthalte für Studenten und Soldaten wurden ermöglicht. Allerdings reichten die Modernisierungseffekte dieser Jahre noch nicht aus, der nächsten militärischen Herausforderung standzuhalten.
Mit Japan wuchs China ein weiterer expansiver Gegner heran. Obwohl das Land selbst erst im Jahre 1854 für den internationalen Handel »geöffnet« worden war (Vertrag von Kanagawa) und ebenfalls »ungleiche Verträge« hatte akzeptieren müssen, doch von Besetzungen durch fremde Mächte verschont geblieben war, erzwang Japan bereits 1871 einen Handelsvertrag mit China und tat es damit den Westmächten gleich. Japan hatte sich sehr schnell nach westlichen Maßstäben modernisiert, nicht zuletzt deshalb, weil das schwache Shogunat entmachtet und das zu Reformen bereite Kaiserhaus gestärkt worden waren (Meiji-Reformen). In weniger als 20 Jahren entwickelte es bereits imperialistisches Verhalten, intervenierte 1874 auf Taiwan und drängte zunehmend den chinesischen Einfluß auf der koreanischen Halbinsel zurück. Nachdem es China nicht gelungen war, die Westmächte, die eigene Wirtschaftsinteressen in Korea verfolgten, gegen die japanischen Interessen in Korea zu gewinnen, löste Japan durch die Versenkung eines chinesischen Nachschubschiffes (1. August 1894) einen Krieg gegen China aus. Recht zügig brachte es den chinesischen Streitkräften militärische Niederlagen bei und setzte im Friedensvertrag von Shimonoseki (17. April 1895) Kriegsentschädigungen, die Abtretung Taiwans an Japan und ein von China unabhängiges Korea durch. Zehn Jahre später wurde Korea japanische Kolonie.
Doch Japan setzte China nicht nur an dessen Randbereichen unter Druck, sondern erzwang auch die Öffnung von vier chinesischen Hafenstädten für japanische Investitionen. Gegen die Überlassung der von japanischen Truppen besetzten mandschurischen Halbinsel Liaodong (Liaotung) am Gelben Meer intervenierten allerdings Rußland, Frankreich und Deutschland, so daß Japan auf diese strategisch bedeutende Halbinsel nachträglich verzichten mußte. Japan fühlte sich dabei insbesondere durch das deutsche Auftreten brüskiert.
Das Deutsche Reich trug in dieser Phase erneuter Schwächung Chinas immer intensiver den Wunsch nach einem Stützpunkt, der an der Kiautschou-Bucht liegen sollte, vor. Es erwartete dieses Zugeständnis quasi als Gegenleistung für den 1895 gewährten diplomatischen Druck auf Japan in der Liaotung-Frage. China lehnte diese Forderung weiterhin ab, ließ aber deutsche Handelsniederlassungen in Tientsin und Hankou (heute Wuhan) zu. Das deutsche Interesse an der Bucht von Kiautschou hatte der Geograph Ferdinand Freiherr von Richthofen geweckt, der bereits der preußischen Gesandtschaft von 1860/61 angehört und auf sieben Reisen in den Jahren 1868 bis 1872 insgesamt 13 der 18 Provinzen Chinas kennengelernt hatte. Seine Exkursionsberichte aus den Jahren 1877 bis 1912 und seine Atlanten über China haben neue Kenntnisse über dieses Land vermittelt (siehe Beitrag Lothar Zögner, Ferdinand von Richthofen - Neue Sicht auf ein altes Land).
Richthofen, der zwar die Kiautschou-Bucht persönlich nicht in Augenschein genommen hatte, aber Schantung kannte, empfahl die Bucht für die Anlage eines Hafens und einer Kolonialstadt. Unter Abwägung alternativer Standorte wies er auf die Gunstfaktoren der Region hin: Die ganzjährig eisfreie Bucht schien ihm ein guter Ausgangspunkt für Infrastrukturmaßnahmen zur Erschließung des Hinterlandes zu sein. Als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg einer deutschen Kolonie an der Kiautschou-Bucht nannte von Richthofen die Anlage einer Bahntrasse durch die Halbinsel Schantung, um Anschluß an die wichtigsten Hauptverkehrswege Chinas zu gewinnen. Dabei riet er, auch die kohleführenden Gebirgszüge Schantungs um den Industrieort Boshan (Poshan) durch die Bahn zu erfassen, um der Selbstversorgung der Kolonie und Industrieansiedlungen in der Region eine Basis zu geben. Auch mußten gegebenenfalls deutsche Schiffe versorgt werden.
Der alten chinesischen Handelsstadt Kiautschou bzw. deren Hafen Tabutou in der Kiautschou-Bucht wurden wegen der abseitigen Lage und der Versandungssituation keinerlei Chancen eingeräumt, Ansatzpunkt für deutsche Investitionen zu werden.
Kaiser Wilhelm II. soll auch aufgrund der Berichte Richthofens die Kiautschou-Bucht favorisiert haben. Zudem ließen sich andere Standorte an der chinesischen Küste, insbesondere das wirtschaftlich viel aussichtsreichere Yangzi-Tal, aus politischen Gründen nicht realisieren. Allerdings war die Kiautschou-Bucht zu diesem Zeitpunkt kein militärisches Niemandsland, denn die chinesische Regierung hatte dort seit 1892 im Zuge ihrer Küstensicherungsmaßnahmen Militär stationieren lassen. Die Stadt Qingdao wertet dieses Datum heute als Stadtgründung.
Im Sommer 1896 besuchte der kurz zuvor zum Chef des ostasiatischen Kreuzergeschwaders ernannte Alfred Tirpitz die Kiautschou-Bucht, um sie in Augenschein zu nehmen (siehe Beitrag Michael Salewski, Die preußische und die Kaiserliche Marine in den ostasiatischen Gewässern: Das militärische Interesse an Ostasien). Tirpitz empfahl, sich auf die Bucht zu konzentrieren, und stützte sich dabei auch auf die Argumente Richthofens. Der Kaiser stimmte zu und ließ militärstrategische Pläne für eine Besetzung ausarbeiten. 1896 war auch das Jahr, in dem das deutsche Kanonenboot »Iltis« bei einer Fahrt vor der Halbinsel Schantung in einen Sturm geriet und unterging. Dieses Ereignis ist in der Folgezeit mythisiert worden, was auch in dem 1898 errichteten Iltis-Denkmal in Shanghai zum Ausdruck kam.
Nachdem ein deutsches Hafenbaugutachten von 1897 bestätigt hatte, daß sich unmittelbar hinter der Einfahrt in die Kiautschou-Bucht die Anlage eines Hafens lohnen würde, wurde die Absicht der deutschen Regierung auch in China immer offensichtlicher. Die deutsche Diplomatie bemühte sich darum, Englands und Rußlands Zustimmung für eine militärische Besetzung zu gewinnen. Während Großbritannien die deutschen Absichten befürwortete, versuchten Teile der russischen Regierung, eigene Nutzungsrechte an der Kiautschou-Bucht für die Überwinterung der russischen Flotte geltend zu machen.
So kam die Ermordung zweier deutscher Missionare der Steyler Mission am 1. November 1897 in Südschantung (»Zwischenfall von Juye«) durch Mitglieder einer chinesischen Geheimsekte den deutschen Stützpunktinteressen nicht ungelegen. In den Jahrzehnten zuvor wäre es Frankreichs Aufgabe gewesen, als Schutzmacht aller katholischen Missionare gegenüber China vorstellig zu werden. Jedoch hatte das Deutsche Reich die Nationalisierung des Missionsschutzes forciert und die seit 1881 in Süd-Schantung wirkende Steyler Mission 1890 unter Reichsschutz gestellt. Kaiser Wilhelm II. nahm die Mordfälle zum Anlaß, die Kiautschou-Bucht durch drei in Wusung bei Shanghai stationierte Schiffe des Ostasiatischen Geschwaders unter Konteradmiral Otto von Diederichs, dem Amtsnachfolger von Tirpitz, am 14. November 1897 besetzen zu lassen. Das chinesische Militär vor Ort - um 2000 Mann - wurde ultimativ aufgefordert, den Stützpunkt zu räumen. Die chinesischen Soldaten zogen sich zurück, ihr General wurde in deutschen Gewahrsam genommen. 700 deutsche Seeleute gingen an Land und bezogen die dortigen Baracken. Die Bevölkerung wurde vom deutschen Militär über die Besetzung durch Aushang informiert.
Die Reaktionen der chinesischen Seite auf die militärische Besetzung der Kiautschou-Bucht durch deutsche Truppen waren nicht einheitlich. Zum Teil gab es heftige Empörung, so in der Presse und bei Reformern wie Kang Youwei. Dieser rief zum Protest und Widerstand gegen die Deutschen auf, was der Gouverneur der Provinz Shandong, Li Binheng, unterstützte. Das Auswärtige Amt Chinas (Tsungli Yamen) lehnte anfänglich jede Verhandlung mit deutschen Repräsentanten ab, weil es in der Festsetzung des chinesischen Generals an der Kiautschou-Bucht einen Bruch des Völkerrechts sah. Der Kaiserhof reagierte dem gegenüber eher zurückhaltend: Prinz Gong und der Reformpolitiker Li Hongzhang sprachen sich gegen eine militärische Auseinandersetzung mit deutschen Streitkräften aus, da dies ihrer Meinung nach den Bestand des chinesischen Reiches hätte gefährden können. Größere Erfolgsaussichten wurden statt dessen in der Gewinnung von Bündnispartnern gesehen, um so auf das Deutsche Reich einwirken zu können. Es gab auch Stimmen, die Deutschen an der Kiautschou-Bucht als Gegengewicht zu Rußland und Großbritannien zu dulden.
Die deutsche Politik war nicht daran interessiert, die Besetzung der Bucht von Kiautschou nur als Faustpfand für eine noch auszuhandelnde Sühneleistung für die ermordeten Missionare anzusehen, auch wenn dies anfänglich zum Zwecke der Zeitgewinnung so erklärt worden war. Schon Mitte November 1897 hatte sich der Kronrat auf eine dauernde Besetzung festgelegt, und bereits im Dezember übermittelte Berlin der Gesandtschaft in Peking den Entwurf eines Staatsvertrages über die Pacht des besetzten Gebietes. Nachdem China keinen Bündnispartner gegen Deutschland hatte finden können, willigte es notgedrungen in die Verhandlungen mit dem Deutschen Reich ein, versuchte jedoch, Festlegungen zu vermeiden und unterbreitete statt dessen Alternativen. Die deutsche Seite unterband unter Androhung militärischer Gewalt jede Verhandlungsverzögerung, so daß am 4. Januar 1898 der Vertragstext in Form eines Notenaustausches gegenseitig bestätigt wurde. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, von Bülow, berichtete am 8. Februar 1898 dem Deutschen Reichstag über dieses Ereignis. In der Folgezeit konzentrierten sich die Verhandlungen auf die deutschen Wünsche, Bergbau- und Bahnbaukonzessionen in der Provinz Schantung für deutsche Unternehmen festzuschreiben. Das Vertragswerk wurde schließlich am 6. März 1898 in Peking unterzeichnet. Die Bewertungen des erzwungenen, auf 99 Jahre befristeten chinesisch-deutschen Pachtvertrages von Peking reichten von Nötigung und halbkolonialer Versklavung Chinas bis hin zum Erfolg deutscher Diplomatie.
Das Pachtgebiet bestand aus einer etwa 550 qkm großen Landfläche und einer ebenso großen Wasserfläche (Kiautschou-Bucht). Die Gebiete in einem Umkreis von 50 km um die Kiautschou-Bucht wurden zur »neutralen Zone« erklärt, in der die chinesischen Behörden keinerlei Maßnahmen, wie etwa Truppenstationierungen, ohne das Einverständnis der deutschen Behörden erlassen konnten. Die deutsche Seite erhielt ihrerseits das Recht zur Flußregulierung und die Möglichkeit der militärischen Nutzung (Durchgangsrecht). Das Pachtgebiet in China wurde auf kaiserliche Verordnung vom 27. April 1898 zum Schutzgebiet bestimmt. Es war zuvor verwaltungsmäßig dem Reichsmarineamt zugeordnet worden. Hierin unterschied sich Kiautschou von allen anderen deutschen Kolonien. An der Spitze der zivilen und militärischen Verwaltung standen Gouverneure, die Marineoffiziere waren: Oskar Truppel (Februar bis April 1898), Carl Rosendahl (April bis Oktober 1898), Paul Jaeschke (1899-1901), erneut Oskar Truppel (1901-1911) und Alfred Meyer-Waldeck (1911-1914). Als Beratungsorgane des Gouverneurs fungierten drei Vertreter der deutschen Zivilgemeinde, ab 1907 ein Gouvernementsrat sowie ab 1902 ein Komitee für chinesische Angelegenheiten.
Das deutsche Kaiserhaus stellte die neugewonnene deutsche Machtposition in China durch einen Besuch des Bruders Kaiser Wilhelms II., des Prinzen Heinrich von Preußen, heraus. Konteradmiral Prinz Heinrich war Befehlshaber der 1897 gegründeten II. Kreuzerdivision, ab 1899 Geschwaderkommandant. Er leitete quasi den Truppennachschub nach China und hielt sich von 1898 bis 1900 in Tsingtau, in den deutschen Niederlassungen anderer chinesischer Städte, in Shanghai (Einweihung des Iltis-Denkmals) und auch in Peking auf. Im Mai 1898 wurde er vom chinesischen Kaiser empfangen.
Das deutsche Vorgehen der Jahre 1897/98 an der Kiautschou-Bucht wurde zum Vorbild für andere: Rußland hatte sich bereits 1896 von der chinesischen Regierung Eisenbahnrechte durch die Mandschurei gesichert sowie ein Jahr später das Recht zur Überwinterung der Schiffe seiner ostasiatischen Flotte in Port Arthur. Infolge des deutschen Vorgehens schlossen Rußland und China am 27. März 1898 einen auf 25 Jahre befristeten Pachtvertrag über die Liaotung-Halbinsel im Gelben Meer, in dem China seinen Marinehafen Port Arthur abtrat. Die Besatzungsmacht begann daraufhin mit den Planungen der russischen Handelsstadt Dalian (russ. Dalni). Allerdings mußte Rußland die Halbinsel sieben Jahre später, nach dem verlorenen Krieg gegen Japan (1904/1905), dem Kriegssieger überlassen.
Großbritannien sicherte sich 1898 den Hafen von Weihaiwei an der Nordküste Schantungs auf 25 Jahre und damit eine marinestrategische Gegenposition zum russischen Port Arthur am Gelben Meer. Gleichzeitig versicherte Großbritannien dem Deutschen Reich, den Hafen nicht in Konkurrenz zum Kiautschou-Pachtgebiet ausbauen zu wollen. China wurde in einem Pachtvertrag vom 9. Juli 1898 gezwungen, die New Territories als Erweiterung der vor Hongkong liegenden Halbinsel Kowloon auf 99 Jahre an Großbritannien abzutreten. Das Auslaufen dieses Vertrages war der eigentliche Anlaß, Hongkong im Jahre 1997 an China zurückzugeben.
Außerdem mußte China im Herbst 1898 das Pachtgebiet Guangzhouwan in Südchina für 99 Jahre Frankreich überlassen und drei südliche Provinzen als französisches Interessengebiet bestätigen.
Gegenüber Japan hatte China bereits am 22. April 1898 erklären müssen, daß es die der Insel Taiwan gegenüberliegende Küstenprovinz Fujian keinem anderen Land abtreten würde. Italiens Forderung nach einem Pachtgebiet konnte China erfolgreich abwehren.
Die USA verfolgten eine »Open-Door«-Politik und achteten 1898 darauf, daß sich die Gebietsnahmen unter den Mächten ausgewogen gestalteten, auch um die eigenen Interessen in der Mandschurei (Öl, Bahnbau) nicht zu gefährden. Zu diesem Zeitpunkt war Amerika nicht in der Lage, in China militärisch einzugreifen, da es im Spanisch-Amerikanischen Krieg gebunden war. Mit den nahezu zeitgleich erfolgten Erwerbungen von Hawaii, Guam, den Philippinen und Teilen von Samoa entwickelten sich die Vereinigten Staaten allerdings rasch zu einer pazifischen Großmacht.
Die dauerhafte Besetzung chinesischen Territoriums durch fremde Mächte im Jahr 1898 löste in der chinesischen Innenpolitik einen erneuten Reformschub aus: Kaiser Guangxu erließ, vom Reformer Kang Youwei angeregt, eine Vielzahl von Verordnungen, die den Staatshaushalt, das Bildungs- und Wissenschaftssystem sowie das Pressewesen betrafen, ohne jedoch das politische System anzutasten. Dennoch gingen diese Reformen dem konservativen mandschurischen Adel am Kaiserhof zu weit. Die Kaiserinwitwe Cixi, die ein halbes Jahrhundert lang die eigentliche Regentin des Landes war, beendete diese »Hundert-Tage-Reformen« durch einen Staatsstreich, indem sie den Kaiser bis zu dessen Tode im Jahre 1908 unter Hausarrest stellte, die Reformen aufhob und deren Anhänger verfolgen ließ oder in die Flucht trieb

Quelle: DHM

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