Mitten in der Nacht (so gegen halb 6) hieß es, die faulen Knochen wieder aus dem Bett zu bewegen. Da der tägliche Flug von Singapore Airlines nach Frankfurt immer um 6:30 ankommt, blieb keine andere Wahl. Völlig unausgeschlafen gings also Richtung Flughafen, um dort Hui Li in Empfang zu nehmen. Ausgerüstet waren wir alle drei jeweils mit einem "Welcome in to Germany" Plakat, die von 2/3 der Plakathalter ähnlich leicht verschämt wie am Tag zuvor in die Höhe gehalten wurden.
(Man bewerte es als In-Joke, nicht als Schreibfehler *g*)
Letzten Endes durften wir dann doch eine knappe halbe Stunde warten, da Hui Li's Gepäck etwas länger brauchte. Trotz des durch frühes Aufstehen respektive 12-Stunden-Flug bedingten geräderten Zustands war dann aber die Freude beim Wiedersehen nach über 2 bzw. 4 Monaten umso größer. Danach gings flott zurück in die Wohnung zum Frühstücken und Fertigmachen für den Tag, denn mit dem Sightseeing sollte es bereits am selben Tag losgehen.
Mit der S-Bahn ging es dann Richtung Stadt, um Hui Li gleich mal die Unterschiede zwischen den öffentlichen Verkehrssystemen Deutschlands und Singapurs zu verdeutlichen: Essen & Trinken in den Zügen erlaubt, Grafittis und Dreck auf den Bahnhöfen normal und zwei besoffene Hartz4-Empfänger um 9 Uhr in der Früh.
In der Innenstadt am Hauptbahnhof angekommen stellten wir erstmal fest, dass sämtliche Reiseführer samt geplanter Spaziergangs-Route nirgendwo im Rucksack zu finden waren. Also gings erstmal zur Touristen-Info, um dort eine Karte zu erwerben, die dann ihren Dienst gut erledigte. Also liefen wir erstmal ein Stück am Main entlang und stellten fest, dass Schule schwänzen noch immer ein beliebtes Hobby der Jugend ist.
Danach führte der Weg weiter quer durchs Bankenviertel, wo die Hochhäuser zeigten, wo ein Teil der exorbitanten Bankengewinne hinfließen.
011h, 015h, 030h, 003h (wichtig, dass Maintower ganz rechts steht!)
Ziel war zunächst der Maintower (zu sehen in den Bildern ganz rechts), in dem man mit dem Fahrstuhl direkt in den 54. Stock fahren kann, um auf der in etwa 200 Meter Höhe liegenden Aussichtsplattform einen guten Überblick über die Stadt zu gewinnen. Für mich als Münchner mit der Hochhaus-verkrüppelten Stadtpolitik ist das trotz Asien-Erfahrungen umso mehr eine schöne Sache. Deutsche Bank Zwillingstürme hier, Dresdner Tower da, Commerzbank Monsterbau auf der anderen Seite. Schade, dass es das in Deutschland tatsächlich nur einmal gibt. Gutes Wetter hatten wir auch erwischt, sodass man die Aussicht auch richtig gut genießen konnte.
016, 018, 019, 026
Nach dem Ausflug in die luftigen Höhen ging es zurück auf den Boden der Tatsachen und weiter per pedes. Vorbei an der Frankfurter Oper und am Gebäude der europäischen Zentralbank und dem wahrscheinlich größten Euro der Welt und durch die Fressgasse, wo sich die arbeitende Bevölkerung zum Lunch trifft. An der Börse kamen wir auch noch vorbei, deren Besuch auf den zweiten Teil Frankfurt am Ende der Reise verschoben wurde, da man sich für eine Besichtigung schon einen Tag früher anmelden müsste.
034, 031, 038
Ein für uns Deutsche alltägliches und wenig spektakuläres Phänomen entpuppten sich zwischendurch für Hui Li als etwas Besonderes: Kondensstreifen von Flugzeugen. Fiel mir selber in Asien nie auf, aber sowas sieht man wohl in Singapur dank Smog bzw. hoher Luftfeuchte anscheinend nicht. So stand Hui Li noch kleiner als sonst vor den großen Kondensstreifen und hatte ihre Freude daran.
Paulskirche, Goethe-Haus, Dom und Römer anschauen zählten natürlich ebenfalls noch zum Pflichtprogramm. Hui Li wurden dann auch noch Reste einer historischen Militäranlage als Überbleibsel einer Stadtmauer verkauft. Stellte sich dann später heraus, dass das gar nicht stimmte. Egal… wobei man sich schon überlegen könnte, welchen Mist mancher Reiseleiter verzapft, um seine Kundschaft bei Laune zu halten. Im Dom glänzte der nächste Hartz4-Empfänger mit einer 2 Meter reichenden Bierfahne und der Frage nach einem Bieröffner. Wohlgemerkt … mitten im Dom. Hab zwar mit Gläubigkeit wenig bis gar nix am Hut, aber ein bisschen mehr Respekt könnte man selbst als Alkoholiker aufbringen.
043, 044, 045, 046, 048, 053
Angesichts größerer Ermüdungserscheinungen beließen wir es für diesen Tag mit dem bisherigen Sightseeing. Da wir am Ende der Rundreise aber eh noch mal nach Frankfurt zurückkehren sollten, um das restliche Programm durchzuziehen, war das allerdings kein nennenswerter Verlust.
Dann gings noch auf einen Abstecher in das neue (noch fast leere) Haus von Kathleen und Daniel, wo ich lernte, dass man es schaffen kann, Räume in rosa, gelb, orange und grün zu streichen. Meine Skepsis bzgl. des finalen Resultats konnte trotz beschwichtigender Worte nicht ausgelöscht werden.
Als finales Highlight des Tages fuhren wir noch in den Menschen-Zoo (ohne Anfassen) in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Dort haben es einige Leute zu einem Hobby gemacht, startende/landende Flugzeuge zu fotografieren. Da der Absperrzaun jedoch ein Stück zu hoch ist, um ohne technische Hilfsmittel einen barrierefreien Blick zu haben, wissen sich die Foto-Nerds jeweils mit einer kleinen eigenen Leiter zu helfen. Kommt man mal ein interessanteres Flugzeug (Lufthansa scheint wohl so normal zu sein, dass sich keiner bewegt), sprintet die ganze Gemeinde auf ihre Leiter und zückt ihre monströsen Apparate. Ein witziges Schauspiel :)
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Damit war der Tag dann abgeschlossen, da es auch früh ins Bett gehen sollte. Am nächsten Tag stand wieder sehr frühes Aufstehen auf der Agenda, da es früh morgens Richtung Harz gehen sollte, um dann dort die nächsten Highlights abzuarbeiten.
P.s.: Die Straße mit den Nutten in Frankfurt haben wir zwar gesehen, aber das war wohl eher eine Mogelpackung …
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