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Urlaub auf ganz niedrigem Niveau mit Lobo und seinen Freunden - Shady Shack, Bintan Island, Indonesien

Eigentlich war ja am vergangenen Wochenende ein Tauch-Ausflug nach Pulao Tioman in Malaysia geplant, aber da sich das mit der Organisation etwas hingezogen hat, wurde das kurzfristig verschoben. Außerdem wird ja ständig Malaysia am Wochenende auf Dauer langweilig und so musste eh mal etwas Abwechslung her. Gut, dass Indonesien gar nicht mal so weit weg ist von Singapur, im besten Fall keine Stunde mit der Fähre. Also wurde mal eifrig in die Handy-Tastatur gehauen, etwas getippt, etwas gesabbelt und kurze Zeit später stand Bintan Island als Reiseziel fest.

Um die Bintan Resorts im Norden der Insel wurde jedoch ein großer Bogen gemacht. Meine post-jugendliche Abneigung gegenüber Ressort-Tourismus hab ich ja schon im Eintrag über den Trip nach Pulau Rawa in Malaysia deutlich gemacht. Stattdessen wurden die Segel gesetzt in Richtung der Ostküste Bintans. Genauer gesagt ging es zum Trikora Beach, an dem sich vorwiegend die Locals tummeln und wo man sich als Westler zuweilen als Alien vorkommt. Untergekommen sind wir in den weltbekannten Shady Shack Minus-5-Sterne-Resorts unter der Leitung des allseits geschätzten Herren, der auf den Namen Lobo hört.

Warum Minus 5 Sterne? Nun, da verweise ich zur Dokumentation mal auf die Bilder:

Wie man sieht, ist der Name Shady Shack also mehr als nur zutreffend. Mehr Basic geht nicht. Außer vielleicht zelten oder direkt am Strand schlafen. Oder ohne fließendes Wasser, aber man muss es ja mit dem Abenteurertum nicht übertreiben, wenn man noch andere Pflichten unter der Woche hat. Wer auf gekachelte Bäder, fließendes warmes Wasser, Klimaanlage oder einen Swimming Pool nicht verzichten kann, sollte also lieber in die von Stacheldraht umgebene Singapur-Kolonie im Norden Bintans gehen.

Interessanterweise sind die hier abgebildeten Hütten quasi nigelnagelneu, denn die alten Hütten wurden im "Winter" vom Wind weggeblasen. Hier die gemauerten Überreste:

Der Abmarsch nach Bintan war für Samstagmorgen angesetzt, wo wir mit der ersten Fähre vom Tanah Merah Ferry Terminal Richtung Tanjung Pinang losfuhren sollten. Wir, das waren außer meiner Wenigkeit noch Hui Li (Singapuri), Kathleen (Ostdeutsche Deutsche) & Michelle (Philippina). Multi-Kulti aus vier drei Nationen. Wie man sieht, musste ich mal wieder als Hahn im Korb herhalten, was ja meinem chinesischen Sternzeichen angemessen ist. Die Organisation der Tickets für die Fähre artete dabei richtig in Stress aus, da am Wochenende Schulferien anstanden, d.h. sehr viele Indonesier wollten mal wieder in die Heimat. Wenn man dann auch noch erst am Mittwoch damit anfängt, sich um die Tickets zu kümmern, ist man reichlich spät dran.

Da mussten dann erstmal sämtliche Operatoren von Fähren nach Tanjung Pinang antelefoniert werden. Anruf bei Indo Falcon: Ne, Tickets gibts nur noch am Abend. Selbiges Spiel bei Penguin und Wavemaster. Alles ausgebucht. Also doch kein Bintan-Wochenende? Nene, so leicht wurden die mich nicht los. Hierzulande kennt man schließlich noch die News aus dem Dezember: "Hoffnungslos überladenes Fährschiff in Indonesien gesunken. Hunderte Tote". Also hab ich bei Wavemaster einfach mal gefragt, ob sie nicht überbuchen können. Zur Not würden wir uns auch auf den Boden hocken. Und auf einmal gabs doch noch vier Tickets für die 9:15 Fähre. So einfach geht das. :) Wie sich dann später herausstellen sollte, war das Boot dann nur zu ca. 50% gefüllt. Ganz großes Kino ...

Samstag früh ging es also per Taxi zur Anlegestelle. Mit dabei: Michelle und Kathleen. Letztere gewann den Wettbewerb "Größter Rucksack für ein Strand-Wochenende". Hui Li wartete bereits am Tanah Merah Ferry Terminal. Dort herrschte auch schon ein großes Tohuwabohu. Tickets geholt, letzte Besorgungen erledigt, Check-In, Ausreiseprozeduren, Taschen-Check usw. Fast wie am Flughafen. Nur ohne Flugzeug, sondern mit der beruehmt-beruechtigten Bintan-Fähre. Auf selbiger haben schon sehr, sehr viele Leute vor dem starken Seegang kapituliert. Und wenn man selber stark genug war, dann wurde einem wohl spätestens dann schlecht, wenn 3/4 der anderen Fahrgäste sukzessive ihr letztes Essen auf wenig komfortablem Weg loswurden. Wir hatten anscheinend Glück, denn bei uns lief das alles ohne nennenswerte Probleme ab.

Auf Bintan angekommen holten sich Kathleen und ich erstmal unsere Visa-on-Arrival ab. Am Counter herrschte gähnende Leere, denn wir waren die einzigen auf der Fähre, die so etwas benötigten. Für 10 US-Dollar gabs einen großen ganzseitigen Sticker (Juhu!) in den Pass. Und gestempelt wurde auch noch (Hey!). Alle anderen auf dem Boot durften ohne diese Prozedur ins Land, da sie offensichtlich aus dem ASEAN-Raum kamen. Wundersamerweise gabs für uns eine eigene Schlange, sodass wir noch vor den anderen beiden abgestempelt wurden. Böse Zungen würden jetzt sagen, dass das als ziemlich nachlässig von den Behörden zu werten ist, denn da wäre noch reichlich Raum für Diskriminierung gewesen.

Auf dem Pier hatte es unser Abhol-Service ziemlich einfach, denn der eine einsame lange Weiße blitzte doch sehr offensichtlich aus der Menge heraus. Dennoch hat er höflich gefragt, ob ich der "Mr. Haral" bin. Man verschluckt hier ja gerne mal den letzten Konsonanten. So brauchten wir uns dann auch keine Sorgen machen, von den gierigen Schleppern am Ende des Piers belästigt zu werden. Dafür wurden wir jedoch umso mehr angestarrt. Man sieht dort wohl nicht jeden Tag einen Ang Moh. Vor der Abfahrt zum Trikora Beach gings noch schnell ins Wavemaster-Office, um die Rückfahrtickets zu organisieren und danach brausten wir mit dem Minibus los.

Unterwegs haben wir noch schnell einen Zwischenstopp eingelegt, um einen kleinen Vorrat an Flüssignahrung aufzunehmen. Bei einem Preis von 6.000 Rupien (ca. 50 Eurocent) für ein Döschen Heineken darf man sich schon mal freuen. Vor dem Supermarkt lungerte auch noch so ein fahrender Imbiss-Stand rum, den wir um einige leckere frittierte Bananen und Süßkartoffeln für reichlich wenig Geld erleichterten. Endlich Frühstück! Dann fuhren wir einmal quer über die Insel und an dieser Stelle sei auch mal der Fahrer gelobt, der das (völlig ungewohnterweise) auch in angemessenem Tempo vollbrachte. Zwischendrin machten wir einen kurzen Zwischenstop an einem kleinen Fischerdorf, wo einige so genannte Kelongs vor Anker lagen. Da mir eine Erklärung gerade zu kompliziert ist, verweise ich auf Fotos und Wikipedia.


Auch dort gabs wieder was zu essen. Dieses Mal irgendwelche kleinen Fische, die auf einem ebenso kleinen Pseudo-Grill in Palmenblättern eingewickelt gegart wurden (man möge mir Mängel in der Koch-Terminologie verzeihen). Eigentlich ganz lecker, wenn auch nicht wirklich magenfüllend, aber so als kleiner Snack für zwischendurch ganz brauchbar. Angekommen am Shady Shack hieß es dann erstmal, die Bruchbuden sehr einfach gehaltenen Hütten zu begutachten. Da wir bereits wussten, was uns dort erwarten würde, waren wir jedoch in keinster Weise schockiert. Ein Moskitonetz über dem Bett und Löcher im Fußboden können auch entzücken. Ob man es dort länger als ein Wochenende aushalten kann, ist eine Frage, die sich uns jedoch nicht stellte.

Da soviel Reisen richtig hungrig macht, gabs erstmal ordentlich was zu essen. Neben einem Riesenberg Reis fanden auch noch ein großer Teller Fisch und Gemüse und ein Omelette auf dem Tisch ein. Leider teilte uns dann Lobo mit, dass wir ihm im Voraus hätten mitteilen müssen, dass wir uns ein Seafood Barbecue am Abend wünschten, da er dann den Fisch frisch am Samstagmorgen hätte holen können. Also werte Nachmacher… lernt aus unseren Fehlern. Für eine ganze Menge Unterhaltung sorgte dann noch Hui Li, die eine bemerkenswerte Phobie gegen die örtlichen Hunde hatte. Nicht dass ich ein Hundeliebhaber wäre, aber das war schon sehr witzig anzusehen, wie ein kleiner Köter soviel Angst und Bange machen kann. :)

Was negativ auffiel, war der doch ziemlich dreckige Strand. Wenn keiner aufräumt (wozu auch?) und von den Wellen ständig neues Material angeschwemmt wird, kann man eben keinen feinen Sandstrand erwarten. Nach einigem Auf- und Abgehen am Strand beschlossen wir, uns von Lobo (bzw. einem seiner Freunde) zu einem anderen Strand fahren zu lassen. Am Trikora Beach 4 war deutlich mehr an Infrastruktur zu sehen. Abhängehütten, Imbissstände usw. Also haben wir schnell eine Hütte besetzt und dann gings ab in die Wellen. Spaß und so müssen ja auch mal sein.



Kurze Zeit später trafen auch noch zwei Busladungen Locals ein, die kurzerhand ihre kleine Beachparty aufzogen. Wenn sie dann nicht mal am Tanzen waren, stürzten sie sich in voller Montur in die Wellen. Ob das religiöse Hintergründe hat, wusste keiner von uns und bislang wollte auch noch niemand hinterhergooglen. Als wir dann irgendwann gegen Abend unsere Sachen mal wieder packen wollten, kam eine etwas ältere Lady auf uns zu und wollte für die Benutzung der Hütte abkassieren. Nicht dass uns der Tarif von einem Singapur-Dollar pro Nase gestört hätte oder dass wir uns nicht bewusst waren, dass wir hier quasi eine Leistung in Anspruch nahmen, aber die Art und Weise roch schon irgendwie sehr nach Verarsche. Die gebrochene Diskussion zwischen uns und der Frau war anscheinend ein echtes Highlight für die Locals, sodass sich innerhalb von wenigen Momenten 20 Zuschauer für dieses phonetische Spektakel einfanden. Schimpfend und gestikulierend Brav wie wir nun mal sind haben wir ihr schlussendlich das Geld in die Hand gedrückt, um eine Eskalation zu vermeiden und sind dann von dannen marschiert.

Zurück am Shady Shack gabs zum Abendessen leckeren Chicken Rice. Alles basic, aber gut. Nach Einbruch der Dunkelheit brachten Lobo und seine Gang noch ein ansehnliches Lagerfeuer zum lodern. Der Hinweis auf den ansehnlichen Funkenflug in Richtung der Hütten wurde mit einem Lachen und der Aussage quittiert, dass man im Falle eines Abbrennens der Hütten einfach neue bauen würde. Auch eine Einstellung… So ein Lagerfeuer ist natürlich lustig und es wäre ja auch eine Schande, wenn es dabei nicht auch feuchtfröhlich zugehen würde.

Die Herren Indonesier genehmigten sich also einen ordentlichen Schluck aus der Indo-Whiskey-Pulle und fühlten sich danach wohl in ihrem männlichen Tatendrang zunehmend ermutigt. Was zu Beginn noch ansatzweise witzig war, wurde mit fortgeschrittener Stunde schon etwas nervig für die Mädels. Abhilfe schaffte da, dass sich Michelle etwas zuviel Bier gönnte und sich erstmal ins Bungalow zurückzog. Nicht ohne die Tür von innen zu verrammeln, sodass eine Weile später schweres Gerät nötig war, um sich wieder Zutritt zu verschaffen. Hui Li schwatzte derweil fröhlich mit Lobo anstatt sich um die verbalen Annäherungen im malayisch-indonesisch-mandarin-hokkien-Mix von Xiang Sui (oder so ähnlich) zu kümmern und meine Präsenz sorgte im Großen und Ganzen dafür, dass Kathleen in Ruhe gelassen wurde. Die Situation hat den ansonsten sehr guten Gesamteindruck schon etwas getrübt, auch wenn nix wirklich dramatisches passiert ist.

Am nächsten Morgen warteten wir gespannt auf das angepriesene "typisch indonesische Frühstück". Das entpuppte sich dann quasi als Auswahl zwischen Nasi Goreng (a.k.a. Fried Rice) und Mee Goreng (a.k.a. Fried Noodles). Nichts was einem die Schuhe auszieht, aber da lass ich doch fast jeden vergleichbaren Teller im asiatischen Restaurant in Deutschland dafür stehen.

Als mal wieder etwas mehr Wasser in der Bucht war, tuckerten wir im Longtail Boat zu einer nahe gelegenen Insel. Dass wir das problemlos geschafft haben, ist angesichts der vielen Schraubereien am laufenden Motor schon klasse gewesen. Die Insel lag etwas günstiger in der üblichen Strömung, sodass dort der Sandstrand wesentlich sauberer war als vorm Shady Shack. Einziger Wermutstropfen: Vergleichsweise wenig Schatten (in der Mittagshitze sicher nicht von Vorteil). Dafür aber sauberes Wasser, sattes Grün und blau und ein bisschen Feeling wie beim Herrn Crusoe. Geschnorchelt hab ich dann auch noch, konnte aber außer Seegras und einigen kleineren Fischen nichts sehen. Schade, aber Pulau Tioman wartet ja schon…



Nach ein paar Runden Plantschen im Wasser und ein bisschen Sonnen im Sand ging es dann wieder zurück zum "Festland". Schnell geduscht und ab ging die Post zurück nach Tanjung Pinang. Wieder war die Fahrt recht entspannend. Am Ferry Terminal angekommen hieß es dann allerdings doch wieder auf die Tube drücken, da wir relativ spät dran waren. Ging aber alles problemlos über die Bühne. Nur schade, dass mir der unmotivierte Grenzbeamte den Ausreisestempel direkt über den Einreisestempel geklatscht hat. Grrr… und das, wo ich doch den Reisepass als kleines Kunstwerk betrachte.

Eigentlich wäre zum Abendessen noch ein Besuch im Golden Mile Complex geplant gewesen. Da uns allerdings bereits am Eingang zwei Leute sternhagelvoll fast über den Haufen gerannt hatten und ich zahlreiche üble Geschichten über das Verhalten der örtlichen Bevölkerung an Sonntagen gehört hatte, ging es postum und im Stechschritt über die Beach Road zum Golden Mile Foodcourt. Zur Erklärung: Im GM Complex sind die Thais, die sich gerne mal bis zur Unkenntlichkeit betrinken, insb. Sonntags, und dementsprechend sich auch verhalten. Im GM Food Court hingegen sind die Malayen und die trinken ja bekanntlich im Allgemeinen nicht so viel. Da kriegt man zwar auch den einen oder anderen missbilligenden Blick, muss aber zumindest nicht mit physischen Übergriffen rechnen.

Wenn in diesen Schilderungen die etwas unangenehmeren Situationen zu sehr in den Vordergrund getreten sind, so täuscht das. Alles in allem war es nämlich ein sehr gelungenes und entspanntes Wochenende. Solch eines, wo man nicht 10 Tage später immer noch Muskelkater hat. Meine Waden und Oberschenkel sind immer noch minimal vom Bergsteigen auf den Mount Kinabalu beeinträchtigt. Nein, es war ein guter Mix aus Abenteuer und Erholung, den ich bedenkenlos weiterempfehlen kann.



Kommentare

Der Hund lebt ja noch! Als ich 2005 da war, hatte er eine ganz üble Hautkrankheit. Die Angst war also berechtigt ;-)

Der Text war hinsichtlich meiner Aufnahmekapazität wie immer zu lang, habe deswegen nur mal die Bilder angeguckt, die habens aber in sich.

Mach dich auf ein tiefes emotionales Loch nach der Rückkehr gefasst :-(

Hätte ich fast vergessen: WIe lange bist du denn noch in Singapur? Du wolltest doch noch ein bisserl rumhuren rumtouren???

tagesgenau kann ich das aktuell noch net beantworten. wochenlanges touren wird aber in jedem fall net drin sein

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Zusammenfassung

Hier gibts Bilder & Fotos zu Bintan Island (Indonesien) - Shady Shack

Stichwörter

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