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22.05.04

Lonely Planet South East Asia, Thailand, Malaysia

Nachdem ich heute meinen letzten Arbeitstag bei McKinsey hatte, habe ich mir gleich bei Amazon den ersten Reiseführer für unsere bevorstehende Asien-Reise bestellt: Lonely Planet – South-East Asia on a shoestring

23,75 EUR:  The most trusted budget guide to Asia, written by experienced travelers exclusively for backpackers- 178 maps, including a full-color regional map- terrific language chapter will make communicating with the locals a snap- valuable section on Asian air fares and airlines 24,71 EUR:  Many backpackers refer to the various Lonely Planet guides as South East Asia bibles, and indeed treat them as such. Taking just a glimpse at Lonely Planet: Thailand, it's not difficult to understand why. Crammed into over 1000 pages is everything you could want to know about pretty much every region of Thailand. From the southern provinces bordering on Malaysia, to the main coastal destinations such as Phuket and Koh Samui, from the intense heat of Bangkok to the amazing architecture around Ayutthaya and the contrasting tranquillity of the north, the people at Lonely Planet give you as much practical information on places to stay, eat and visit as possible. Updated regularly, the guides try to keep abreast of the rapid development in Thailand and give you the latest, vital information on how much you can expect to pay--particularly useful for that first trip in a Songthaew or Tuk-tuk. 19,96 EUR:  One of the main reasons people visit Thailand is for the scenery and amazing wildlife concentrated along its beautiful coast line--from the hippy resort of Had Rin and the sea Gypsy fishing villages around Koh Surin to the beautiful coral and waterfalls scattered around its coast. Unlike the Lonely Planet Thailand guide, Lonely Planet: Thailand's Islands and Beaches doesn't try to fit in everything you could possibly want to do in Thailand. It gives you what you need to know about the main destinations. It is particularly useful for those interested in diving, with hints on responsible diving and wildlife to avoid and a whole section on Thailand's marine environment including beautiful colour photos. However, it also includes good information on Bangkok where many people either begin or end their journeys. 20,91 EUR:  maps and information to make travel within and between these three nations easy- from the markets of Singapore to the stilt villages of Brunei the best tips are right here- the lowdown on the hottest shopping, entertainment and eating spots in Singapore. Kuala Lumpur, Penang and Melaka

Der Reiseführer deckt Brunei, Kambodscha, Ost-Timor, Indonesien, Laos, Malaysia, Burma, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam ab, so dass wir einen 900 Seiten Wälzer für alle Länder haben. Evtl werden wir uns auch noch den Lonely Planet Thailand bestellen, da wir den Großteil der Zeit dort verbringen werden.

Die Vorfreude steigt weiterhin ungebremst ^_^

So, jetzt muss ich aber noch meine Seiminararbeit über die Commitment-Trust Theorie fertig schreiben...


Weiterführende Links:

  • Lonely Planet Website

  • Lonely Planet Thorn Tree Reiseforum
  • (wirklich sehr informativ)
  • Tuk Tuk Thailand Reisetipps
  • (bestes Thailand Forum... meine Meinung)

    21.05.04

    Introducing ... Pirate Harte

    Liebé Freundé!

    Wie schon im letzten Post von Chris erwähnt, ist dieses Weblog nicht als Ein-Mann-Show angedacht. Stattdessen dürfte es auch immer wieder mal von mir mit lesenswertem Material gefüllt werden. Da die "About us"-Seite dieses Weblogs noch mit Informationen geizt, verweise ich für eine Kurzbeschreibung auf den Steckbrief auf Chris' Seite. Als Referenz für meine Schreibkünste wäre außerdem der kürzlich veröffentlichte Reisebericht Hong Kong aus der Sicht eines Touristen erwähnt.

    Phi Phi Island aus dem Lonely Planet

    Auf was sich Chris und ich da mit unserer kleinen Asien-Tour eingelassen haben, werden wir wohl erst vor Ort so richtig realisieren. Da außer dem Flug noch nichts mit einem genauen Datum fixiert ist und die Planungen noch in (Klein-)Kinderschuhen stecken, existieren sehr viele kleinere und größere Fragen, die sich zum Teil trotz intensivem Studieren von anderen Reiseberichten und Lonely-Planet-Ausgaben nicht ex ante beantworten lassen werden. Aber gerade diese Ungewissheit macht die Sache noch reizvoller und bietet einem das gewisse Etwas an Abenteuer, das bei einem komplett im Voraus organisierten Pauschalurlaub fehlt.

    Mit dem heutigen Tag sind es noch exakt drei Monate bis zur Ankunft in Singapore, die wir in diesem Weblog nutzen werden, um zumindest einige geplante Eckpunkte der Tour vorzustellen. Über Anregungen in den Comments freuen wir uns genauso wie über Emails mit Links zu Erfahrungsberichten mit Geheimtipps, die man nicht so auf die Schnelle ergooglen kann.
    In diesem Sinne wünsche ich dem Leser viel Spaß auf dieser Seite in den kommenden Wochen und Monaten.

    Bis bald,

    Harald a.k.a. Pirate Harte

    11.05.04

    Sehenswertes in Singapur – Sightseeing Tipps

    Da Singapur unser erster Ziel der Reise ist, werde ich heute mal ein paar Fakten über den Inselstaat südlich von Malaysia schreiben. Da wir persönlich noch keine Eindrücke von Singapur sammeln konnten, folgen hier ein paar Tipps aus dem Lonely Planet:

    Aktivitäten:

    Der in aller Welt bekannte Spruch "Shop 'till you drop" (Einkaufen bis zum Umfallen) wurde wahrscheinlich in Singapur erfunden, wo Einkaufen mit einer Leidenschaft betrieben wird, die auf der Welt ihresgleichen sucht. Die Orchard Road bietet eine überwältigende Auswahl an Geschäften und Kaufhäusern. Discount Shopping wird zwar immer noch mit Singapur in Verbindung gebracht, aber ein Schnäppchenparadies ist die Stadt schon lange nicht mehr. Singapur gilt auch als kulinarische Hauptstadt Südostasiens. Die regionalen Köstlichkeiten zu probieren ist eine kulturelle Erfahrung und nicht nur als notwendige Stärkung für die nächste Shopping-Tour zu verstehen.

    Singapur lässt sich gut zu Fuß erkunden, da die Stadt ziemlich kompakt ist und alle interessantesten Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe der City liegen. Die innerstädtischen Bezirke Chinatown, Little India und Arab St verlieren langsam ihr typisches Lokalkolorit, da sich dort immer mehr Bars und Restaurants für die Yuppie-Klientel breitmachen. Dennoch ist ein Bummel durch die Straßen und Gassen dieser Viertel noch immer reizvoll und lohnenswert.


    Sehenswertes:

    Das koloniale Erbe

    Der Gründungsvater des britischen Singapur, Sir Stamford Raffles, ist überall im Zentrum präsent. Die durch Raffles erfolgte Aufteilung der damaligen Niederlassung in den Geschäftsbezirk südlich des Flusses und den Verwaltungsbezirk im Norden hat über Generationen das Stadtbild geprägt. Sehenwert sind u.a. das 1856 erbaute Empress Building, ein imposantes viktorianisches Gebäude, in dem ein Museum, diverse Kunst- und Antiquitätengalerien und ein edles Restaurant untergebracht sind, der Padang, ein ovaler Kricketplatz, wo zur Kolonialzeit die Spieler im obligatorischen Flanell ihr Möglichstes taten, die Tropenhitze zu ignorieren; das Raffles Hotel, Inbegriff des orientalischen Luxus und eine Institution in Singapur sowie eine Anzahl beeindruckender Kirchen, wie die St. Andrew's Cathedral und die Cathedral of the Good Shepherd.


    Chinatown

    Chinatown ist das kulturelle Herz der Stadt. Zahlreiche bunte Tempel und ein geschäftiges Gewusel in Läden, an Verkaufsständen und auf der Straße ermöglichen einen Einblick in die Lebensweise einer vergangenen Epoche. Die jüngste Stadtsanierung durch die Urban Redevelopment Agency bewahrte die verbliebenen Reste der alten Stadt davor, Wohnblocks und postmodernen Wolkenkratzern weichen zu müssen, aber ironischerweise stellt sie eine erneute Bedrohung dar. Die vormals als unattraktiv abgeschriebenen chinesischen Ladenhäuser wurden nach der liebevollen Restaurierung zu einer begehrten Adresse. Die hohen Mieten sind vom traditionellen Klein- und Kleinstgewerbe in der Chinatown - dem Räucherstäbchenverkäufer, Briefeschreiber und Stempelhersteller - nicht mehr zu bezahlen. So wird das Gesicht der Chinatown zunehmend von teuren Restaurants und edlen Geschäften geprägt, die nun an ihre Stelle treten. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Bummel durch diesen noch immer faszinierenden Stadtteil, vor allem in den kühleren frühen Morgenstunden, wenn am meisten los ist. Der Thian Hock Keng Temple gilt als einer der interessantesten in Singapur.


    Arab Street

    Das muslimische Viertel ist traditionell auch das Zentrum der Textilhändler und hält eine riesige Auswahl an Batikstoffen aus Indonesien, Seide, Sarongs und Hemden bereit. Ergänzt wird dieses Warenangebot durch ätherische Öle, Gebetsteppiche, traditionelle muslimische Kopfbedeckungen, Korbwaren und Sitzmöbel aus Rattan. Die große Sultanmoschee ist die größte und best besuchte in Singapur, aber die winzige Malabar Muslim Jama-ath Moschee ist die schönste. Restaurants an der North Bridge Road bereiten leckere indisch-muslimische Gerichte zu, und während des Ramadan sorgen die Garküchen an der Bussorah Street für stimmungsvolle Atmosphäre.


    Little India

    Dieses eher unscheinbare kleine Viertel, in dem sich ein Sari- und Goldladen an den anderen reiht, das Aroma exotischer Gewürze in der Luft liegt und sentimentale Lieder aus Hindifilmen die Straßen beschallen, ist eine angenehme Abwechslung nach der aufgeräumten, durchgestylten Modernität der meisten anderen Viertel. Hier, am südlichen Ende der Serangoon Road, kann man ausgezeichnet vegetarisch essen, dem Koch einer Garküche beim Chapati-Backen zusehen oder das gerahmte Bild einer Hindu-Gottheit kaufen. Der Hauptmarkt befindet sich im Zhujiao Centre, aber auch in den Seitenstraßen liegen interessante Gewürzläden. Die besten Tempel sind Veerama Kali Ammam, Sri Srinivasa Perumal und der schön beleuchtete Temple of 1000 Lights.


    Orchard Road

    Dies ist die Domäne der Luxushotels und die Spielwiese der betuchten Elite, die sich in Edel-Shopping Centres, Restaurants, Bars und Nightclubs ein Stelldichein gibt. In erster Linie ist die Orchard Road ein Paradebeispiel für die materiellen Vorzüge des Kapitalismus, aber selbst dort finden sich zwischen den Konsumtempeln einige Sehenswürdigkeiten von kulturellem Interesse, für die keine Kreditkarte benötigt wird.


    Jurong

    Zum riesigen Gebiet von Jurong Town westlich der City gehören weitläufige Industrieanlagen und aus dem Boden gestampfte Neubauviertel mit standardisierten Wohnanlagen. Das industrielle Herz der Insel ist nicht unbedingt der Ort für touristische Highlights. Dennoch kann es mit einer Reihe wirklich lohnender Attraktionen aufwarten: Haw Par Villa (ein der chinesischen Mythologie verschriebener Themenpark von schrillem Kitsch), der wunderschön angelegte Jurong Bird Park, die Chinese & Japanese Gardens und das Singapore Science Centre, ein Technikmuseum zum Anfassen.


    Sentosa Island

    Eines der ältesten Touristenziele, mehrfach umgemodelt und den veränderten Ansprüchen des asiatischen Geschmacks angepasst, ist die Insel Sentosa die meistbesuchte Attraktion des Stadtstaats. Vor allem am Wochenende geht es hier hoch her. Es wird alles geboten, was das Herz der einheimischen Ausflügler begehrt: Museen, Aquarien, Strände (aus herbeigekarrtem Sand), Sportanlagen, Spazierwege, Reitpfade und natürlich Food Centres mit Garküchen. Und wem ein Tag nicht ausreicht, um das alles auszukosten, der kann auf dem Zeltplatz, im Hostel oder im Luxushotel auf der Insel übernachten.


    Abseits der Touristenpfade:

    Changi Village

    Ursprüngliche Wildnis sucht man zwar vergeblich, doch immerhin bietet Changi Village eine willkommene Abwechslung nach der hektischen Betriebsamkeit der Innenstadt. Traditionelle Kampong-Häuser im malaiischen Stil sind leider von der Bildfläche verschwunden, aber ein Rest der Dorfatmosphäre ist erhalten geblieben. Der Strand ist nicht gerade der Inbegriff eines tropischen Traumstrands, aber unter der Woche so gut wie menschenleer.

    An der Straße zum Changi Village steht das berühmt-berüchtigte Changi Prison, das Gefängnis, in dem während der japanischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg Briten und Angehörige alliierter Nationen interniert waren. Die Anlage dient noch immer als Gefängnis, aber das Changi Prison Museum neben dem Eingang enthält einige Erinnerungsstücke an diese historische Epoche.


    Pulau Ubin

    Changi Village ist das Sprungbrett zur weiter nördlich gelegenen Pulau Ubin.

    Bei mindestens 12 Passagieren legt das Boot ab und steuert die Insel an. Dort erwarten den Besucher ruhige Strände, malaiische Kampong-Atmosphäre und beliebte Seafood-Restaurants - für Einheimische sind letztere der wichtigste Grund, die relativ lange Anreise zu unternehmen. Noch weiter kann man sich wohl kaum von der schnellen, lauten, dynamischen Großstadt entfernen, ohne das Hoheitsgebiet von Singapur zu verlassen. Die ländliche Insel ist klein genug, um sie mit dem Fahrrad zu erkunden, denn dieses ist die beste Weise, die Fischteiche, Tempel, Palmenhaine und abgelegenen Strände der Insel zu entdecken.


    Südliche Inseln

    Wer ruhige Strände sucht, kann hier sein Glück finden. Sisters Island ist perfekt zum schwimmen oder tauchen, da Korallelbänke nicht fern sind. Lohnenswert sind ferner Lazarus Island (Pulau Sakijang Pelepah), Pulau Buran Darat, terumba Retan Laut und Pulau Renggit.


    Bukit Timah Nature Reserve

    Von dem ursprünglichen tropischen Regenwald, der einst große Teile der Insel bedeckte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ein kleiner Rest steht nördlich der Innenstadt als Bukit Timah Nature Reserve unter Naturschutz. Hier leben mehr als 800 Spezies einheimischer Pflanzen, darunter riesige Bäume, Farne und wildblühende Blumen. Vielleicht bekommt man sogar langschwänzige Makaken, Lemure, Netzpythons und weißbäuchige Seeadler zu Gesicht.

    Der Botanische Garten mit einem kleinen Rest ursprünglichen Regenwaldes und gepflegten Grünflächen beherbergt ebenfalls viele Pflanzenarten. Im Herbarium wurden viele der Orchideen gezüchtet, für die Singapur berühmt ist.


    Unterwegs vor Ort:

    Preiswert, übersichtlich und einfach zu benutzen sind die im gesamten Stadtgebiet häufig verkehrenden Busse sowie die praktische, über die gesamte Insel führende U-Bahn, Mass Rapid Transit System (MRT). Taxis sind reichlich vorhanden und mit Taxameter ausgestattet. Alle bekannten Mietwagenfirmen betreiben Filialen in Singapur. Für kurze Ausflüge auf dem Singapore River stehen Motorboote (bumboats) zur Verfügung und für komfortable Hafenrundfahrten umgebaute chinesische Dschunken. Vom World Trade Centre fahren kleine Fähren nach Sentosa und zu anderen Inseln in der unmittelbaren Umgebung von Singapur. Luxustouren durch den Hafen werden ebenfalls angeboten. Die Zeiten, als Fahrradrikschas das gängige Transportmittel waren, sind lange vorbei. In der Chinatown und den nicht modernisierten Seitenstraßen des Zentrums verdienen noch einige alte Rikschafahrer ihr Auskommen, indem sie Touristen mit dem nostalgischen Gefährt herumkutschieren. Der Preis muss vorher ausgehandelt werden.


    Copyright © 2004 Lonely Planet Publications

    4.05.04

    Flug nach Singapur gebucht – die Reise kann beginnen

    Es ist Mitternacht, eine gute Zeit um seinen ersten Eintrag im neu angelegten Weblog niederzuschreiben. Ihr werdet euch sicher fragen warum es denn schon wieder ein neues Weblog gibt? Eine Reiseweblog, wie langweilig...

    Doch wir, das sind mein Kumpel Harry und ich, haben uns vorgenommen in diesem Sommer von Singapur im Süden bis nach Hong Kong zu Reisen. Und um Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten habe ich mich für das bewährte Weblogformat entschieden, dass mir bereits in Hong Kong so gute Dienste erwiesen hatte.

    Es ist wirklich eine Menge die wir uns da vorgenommen haben ;-) Doch der erste Schritt zur Verwirklichung dieses langehegten Traumes ist bereits vollbracht. Ic h habe heute die Flüge nach Singapore und von Hong Kong gebucht. Hinflug wird am 10.08.2004 ab München mit Emirates Airlines sein, natürlich wieder mit Zwischenstopp in Dubai... aber das sind wir ja schon gewohnt.


    Thailand kann kommen, Koh Phi Phi steht auch auf unserer Liste

    In Singapore angekommen wollen wir uns durch Malaysien, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam und China kämpfen um dann am 19.10.2004 von Hong Kong aus wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Warum gerade Hong Kong mag sich der eine oder andere evtl. Fragen? Ganz einfach, ich habe dort letztes Jahr 6 Monate im Rahmen eines Auslandspraktikums verbracht und habe somit viele neue Freunde gefunden, die ich endlich wieder besuchen mächste ^_^

    Außer dem Flug, dem Start und Endpunkt haben wir eigentlich noch nicht viel geplant, da wir alles ganz spontan vor Ort entscheiden wollen. Ich hoffe nur, dass die 70 Tage wirklich reichen werden... schade dass wir nicht länger bleiben können, aber man kann ja nicht alles haben.

    In diesem Sinne, schaut immer mal wieder vorbei!

    Ich kann es kaum noch erwarten bis es los geht :-)

    Schöne Grüße

    Euer Chris

    3.05.04

    Vietnam's Klima, Flora & Fauna

    Vietnam, Republik in Südostasien, die im Norden an China, im Osten und Süden an das Südchinesische Meer und im Westen an Kambodscha und Laos grenzt. Amtliche Bezeichnung ist Sozialistische Republik Vietnam. Sie hat eine Gesamtfläche von 331 690 Quadratkilometern. Landeshauptstadt ist Hanoi, größte Stadt des Landes ist Ho-Chi-Minh-Stadt.


    Vietnam breitet sich im östlichsten Teil der südostasiatischen Halbinsel in zerklüfteter, lang gestreckter S-Form aus. Ihre Landschaftsstruktur wird von Gebirgsketten, Küstenebenen und Flussdeltas geprägt.


    1. Physische Geographie

    Vietnam teilt sich in vier Hauptgebiete: Im Nordwesten erstrecken sich die Ausläufer des chinesischen Yunnan-Plateaus. Die höchste Erhebung des Landes befindet sich an der Grenze zu China, wo der Fan Si Pan 3 143 Meter Höhe erreicht. Zum Osten des Gebirgslandes hin liegt das Delta des Roten Flusses, auch Song Hong oder Tonking-Delta genannt, ein dreieckig verlaufendes Küstentiefland am Golf von Tonking, einem Seitenarm des Südchinesischen Meeres. Zum Süden hin setzt sich das Gebirgsland mit der Küstenkette von Annam und einer angrenzenden Küstenebene fort. Sie prägen die geographische Struktur Zentralvietnams. Die vierte und südlichste Region ist das Mekong-Delta, ein Aufschüttungstiefland. Die Böden in den Deltagebieten des Roten Flusses und des Mekong bestehen aus fruchtbarem Schwemmland. In den höher gelegenen Regionen werden die Nährstoffe durch starke Regenfälle aus dem Boden geschwemmt.


    2. Flüsse

    Der Rote Fluss im Norden und der Mekong im Süden sind die wichtigsten Süßwasserquellen des Landes. Der Rote Fluss strömt aus dem nordwestlichen Bergland fast direkt in Süd-Ost-Richtung. Der Mekong weist einen unregelmäßigen Flusslauf von Kambodscha durch Südvietnam auf, bis er über ein komplexes Netz von Deltaarmen ins Südchinesische Meer mündet. Beide Flüsse werden zum Schutz vor Überschwemmungen von Dämmen begrenzt.


    3. Klima

    Im Landesinneren des Nordens sind die Temperaturen subtropischer Natur. Jahreszeitlich wechselnde Winde führen zu trockenen Winter- und feuchten Sommermonaten. Die zentralen und südöstlichen Regionen haben ein tropisch-monsunales Klima mit hohen Temperaturen und großen Niederschlagsmengen. Im Südwesten treten unterschiedliche Feucht- und Trockenperioden auf, doch liegen die Temperaturen höher als im Norden. In Hanoi reichen die Temperaturwerte von etwa 13 °C im Januar bis zu 33 °C im Juni. Die mittlere Niederschlagsmenge beläuft sich hier auf 1 830 Millimeter.


    4. Flora und Fauna

    Tropische Regenwälder sind in Lagen bis etwa 1 300 Meter ausgebildet, in größeren Höhen gedeihen Laub werfende Wälder, die weiter oberhalb in Nadelwälder übergehen. Dichte Mangrovenvegetation säumt die Flussarme der Deltaregionen. Die ursprünglich artenreiche Vegetation im Norden des Landes wurde im Krieg insbesondere durch den Einsatz von Entlaubungsmitteln schwer geschädigt.
    Zur Fauna der größeren Säugetiere gehören Tiger, Leoparden, Goldkatzen, Zibetkatzen, Malaienbären, Kragenbären, Elefanten, Muntjaks (eine neue Muntjakart wurde 1997 entdeckt), Schweinshirsche, Gaur und Bantengs. Primaten sind durch Javaneraffen, Rhesusaffen, Bärenmakaken und Schopfgibbons repräsentiert. Die Reptilienfauna umfasst Krokodile, Schlangen, Schildkröten, Geckos, Agamen und Skinke.

    Vietnam's Bevölkerung

    Die Vietnamesen (Annamiten), eng verwandt mit den Südchinesen, stellen mit über 88 Prozent der Bevölkerung die größte Bevölkerungsgruppe. Sie sind vorwiegend in den Deltaregionen beheimatet. Der Rest besteht aus Angehörigen der rund 53 ethnischen Minderheiten, die sich in den Bergregionen konzentrieren. Die chinesische Minderheit hat sich mit der Auswanderungswelle, die besonders zur Zeit des Krieges gegen China Ende der siebziger Jahre einsetzte, drastisch verringert. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 79,9 Millionen (2001), was eine Bevölkerungsdichte von 241 Einwohner pro Quadratkilometer ergibt. Der südliche Teil des Landes weist eine größere Verstädterung als der Norden auf, obwohl die Mehrzahl der Einwohner in ländlichen Gebieten ansässig ist (80 Prozent). Die meisten Menschen leben in den Delta- oder Küstenregionen. Die Bevölkerung Vietnams hat ein niedriges Durchschnittsalter. Etwa 39 Prozent aller Vietnamesen haben das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet. Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 69,6 Jahre (2001). Das Bevölkerungswachstum liegt bei einer jährlichen Rate von 1,45 Prozent (2001). In Vietnam besteht ein staatliches Sozialleistungssystem.


    1. Wichtige Städte

    Die meisten größeren Städte befinden sich im Süden Vietnams. Von den bedeutendsten liegt nur die Landeshauptstadt Hanoi (3,06 Millionen Einwohner) nicht an der Küste. Weitere große Städte sind Ho-Chi-Minh-Stadt (3,02 Millionen), das ehemalige Saigon, Haiphong (0,78 Millionen, gleichzeitig Hanois Hafen) und Da Nang (382 674) nahe der alten Stadt Huë (219 149).


    2. Sprache

    Die Amtssprache ist Vietnamesisch, das zur Mon-Khmer-Gruppe der austroasiatischen Sprachen gehört und von etwa 80 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Als Bildungs- und Handelssprache sind Englisch und Französisch, ein Relikt aus der Kolonialzeit, in Gebrauch. Kleine Teile der vietnamesischen Stadtbevölkerung sprechen auch Russisch. Im Landesinneren herrschen die Minderheitensprachen Khmer, Cham und Montagnard vor. Die Bedeutung des Chinesischen ist im Schwinden begriffen.


    3. Religion

    Seit alters her herrscht im Land der Buddhismus vor, der auf den chinesischen Einfluss zurückzuführen ist. Zu der traditionellen Religion des Mahayana-Buddhismus sind die neuzeitlicheren Glaubensrichtungen des Caodaismus und des Hoa Hao hinzugekommen. Die philosophischen Weltanschauungen des Konfuzianismus und des Taoismus nehmen, zusammen mit verwandten chinesischen Religionen, einen hohen Stellenwert ein. Es gibt rund 4,5 Millionen Anhänger des römisch-katholischen Glaubens.


    3.1. Feiertage

    Der wichtigste vietnamesische Feiertag ist Têt, das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, das Ende Januar oder Anfang Februar gefeiert wird. Têt wird drei Tage lang mit Festessen und Besuchen bei Freunden und der Familie gefeiert. Trung Nguyên, der Tag der umherirrenden Seelen, ist ein buddhistischer Feiertag. Er wird am 15. Tag des siebten Monats im Mondkalender begangen und ist der zweithöchste Feiertag nach Têt. Thanh Minh ("rein und hell") ist ein Fest zum Gedenken an Verstorbene am fünften Tag des dritten Mondmonats. Ph?t Ðan, im April oder Mai, erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und den Tod Buddhas. Doan Ngu, am fünften Tag des fünften Mondmonats, ist das Fest zur Sommersonnenwende. Weitere Feiertage sind der Neujahrstag (1. Januar), der 30. April, der an das Ende des Vietnamkrieges 1975 erinnert, der Tag der Arbeit (1. Mai), der Nationalfeiertag (2. September) und Ho Chi Minhs Todestag (3. September). Christen feiern außerdem Ostern und Weihnachten (25. Dezember).

    Vietnam's Verwaltung & Politik

    Die 1992 in Kraft getretene Verfassung weist der Kommunistischen Partei eine politische und gesellschaftliche Monopolstellung zu. Die Partei agiert über die Vietnamesische Vaterländische Front, die sich u. a. aus den Vertretern anderer Parteien, Gewerkschaften und Sozialorganisationen zusammensetzt.


    1. Exekutive

    Nach der Verfassung von 1992 ist der für fünf Jahre von den Abgeordneten der Nationalversammlung gewählte Präsident Staatsoberhaupt. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und somit Vorsitzender des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrates. Der Ministerpräsident führt die Regierung und ernennt ein Kabinett, das der Zustimmung des Parlaments (Nationalversammlung) bedarf.


    2. Legislative

    Das Einkammerparlament, die Nationalversammlung, setzt sich aus maximal 400 Abgeordneten zusammen und ist das höchste Legislativorgan Vietnams. Ernennungen in die Regierung werden von der auf fünf Jahre gewählten Legislative ratifiziert.


    3. Judikative

    Die Richter der Volksgerichte werden in ihre Ämter gewählt. Kontrollorgane können bei Gesetzesübertretungen Verfahren gegen Staatsorgane oder Bürger einleiten. Das oberste Gericht ist der Oberste Volksgerichtshof.


    4. Kommunalverwaltung

    Ein System der Volksräte, in dem jeder Volksrat eine kommunale Gerichtsbarkeit vertritt, verwaltet die Kommunalregierung. Jeder Rat verfügt über ein aus seinen Reihen gewähltes Volkskomitee, das als Exekutivorgan fungiert. Das Land ist in sieben Regionen mit 50 Provinzen und drei direkt der Zentralregierung unterstellte Städte gegliedert (Hanoi, Haiphong und Ho-Chi-Minh-Stadt).


    5. Politik

    Die Vietnamesische Kommunistische Partei ist die staatstragende politische Institution. Alle Kandidaten der Legislative müssen von der Vietnamesischen Vaterländischen Front gebilligt werden. In den Parlamentswahlen wurden 1992 erstmals unabhängige Kandidaten zugelassen, von denen kein einziger als Abgeordneter den Einzug ins Parlament schaffte.


    6. Verteidigung

    Es besteht eine zwei- bis dreijährige Wehrpflicht. Die Armee umfasst 484 000 Soldaten (1999).

    Vietnam's Wirtschaft

    Das nördliche Bergland weist wertvolle Vorkommen an Bodenschätzen auf, zu denen Eisenerz, Anthrazitkohle, Zink, Chromeisenerz, Zinn und Apatit gehören. Erdöl- und Erdgasvorkommen sind der Küste vorgelagert. Die heutige Wirtschaft entfaltete sich in einer Zeit, in der Militäraktionen und politische Unruhen das Land bestimmten. Nach der Teilung 1954 entwickelten die Länder Nord- und Südvietnam ihre eigenen Wirtschaftsstrukturen mit entsprechend unterschiedlichen Systemen, Rohstoffgrundlagen und Handelspartnern. Der Norden unterlag einer zentralgesteuerten Planwirtschaft, während im Süden die freie Marktwirtschaft herrschte. Mit der Wiedervereinigung 1976 wurde die zentrale Planwirtschaft auch im Süden eingeführt. Dies führte in den achtziger Jahren zu Hungersnöten und Hyperinflation. Ein 1986 unter dem Namen doi moi (Erneuerung) eingeführtes, fortlaufendes Wirtschaftsreformprogramm förderte wichtige Elemente der Wirtschaft: Wettbewerb, offene Märkte und ausländische Kapitalinvestitionen. 1990 startete ein Reformprogramm mit dessen Hilfe eine Verdoppelung des Pro-Kopf-Einkommens, eine 50-prozentige Steigerung der Reisernte sowie eine fünffache Steigerung der Exporteinnahmen erreicht werden sollte. Zwischen 1991 und 1993 wurden 3 000 unrentabel arbeitende staatliche Betriebe geschlossen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 28 682 Millionen US-Dollar (1999; Dienstleistungen 40,1 Prozent, Industrie 34,5 Prozent, Landwirtschaft 25,4 Prozent), woraus sich ein BIP pro Kopf von 370 US-Dollar ergibt. Die jährliche Wachstumsrate liegt bei durchschnittlich 8,13 Prozent (1990-1999).


    1. Landwirtschaft

    Der führende wirtschaftliche Sektor ist die Landwirtschaft, in der etwa 71 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt sind. Die Landwirtschaft wurde 1989 aus der staatlichen Kontrolle genommen. Zu den Hauptanbauprodukten des Landes gehören Reis (Vietnam ist nach Thailand und den Vereinigten Staaten der weltweit drittgrößte Reisexporteur), Zuckerrohr, Obst und Gemüse (vor allem Melonen, Maniok und Süßkartoffeln). Die für den Export bestimmten Anbauprodukte sind Kaffee, Tee, Sojabohnen, Ananas, Baumwolle und Kautschuk.


    2. Forstwirtschaft und Fischerei

    Obwohl Waldgebiete etwa 30,2 Prozent der Gesamtfläche Vietnams ausmachen, wird eine Ausweitung der kommerziellen Forstwirtschaft durch mangelnde Transporteinrichtungen und die vorherrschende Mischwaldkultur mit Teakbäumen und Bambus erschwert. Holzexporte wurden 1992 verboten.
    Vietnam hat fischreiche Gewässer. Die Küstenfischerei im Südchinesischen Meer erbringt das größte Fangvolumen. In Überschwemmungsgebieten des Inlands wird mancherorts Fischzucht betrieben.


    3. Bergbau

    Das größte Bergbaugebiet befindet sich im Nordwesten des Landes, wo Anthrazitkohle, Phosphatgestein, Kupfer, Zinn, Eisenantimon und Chromerze abgebaut werden. Steinkohle und Apatit, ein Phosphatgestein, werden in großem Umfang gefördert. Große Erdöl- und Erdgaslagerstätten vor der Küste werden seit 1975 vorwiegend von staatlichen Gesellschaften ausgebeutet. Allerdings lagern die Vorkommen in Regionen, die von China beansprucht werden.


    4. Industrie

    Die Hauptindustriestandorte konzentrieren sich im Norden. Trotz einer Restaurierung der Anlagen erreichen diese nicht die planmäßige Produktionsleistung. Wichtige Produktionszweige sind Papier-, Zement-, Textil-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie (vor allem Düngemittel).


    5. Währung und Bankwesen

    Mit der Wiedervereinigung wurde die südvietnamesische Währung des Paistres abgeschafft. Die Währungseinheit ist heute der neue Dong zu 100 Xu. Die Staatsbank von Vietnam (gegründet 1951) ist die nationale Notenbank. Vier unabhängige, kommerzielle Banken wurden 1990 von der Regierung gegründet.


    6. Außenhandel

    Die Handelsbilanz ist nahezu ausgeglichen. Zu den bedeutendsten Exportgütern zählen landwirtschaftliche Produkte (insbesondere Reis), Erdöl, Steinkohle, Kleidung, Schuhe, Keramik, Edelsteine und Seide. Haupteinfuhrgüter sind Mineralöl, Traktoren, Düngemittel, Transportmittel und Ersatzteile. Zu den Haupthandelspartnern zählen Japan, Hongkong, die Philippinen, Singapur, Frankreich und Deutschland. Seit 1987 hat die Regierung ausländische Kapitalinvestitionen gefördert. Am 4. Februar 1994 hoben die Vereinigten Staaten ihr 1964 gegen Nordvietnam erlassenes Handelsembargo auf.


    7. Gewerkschaften

    Die einzig gesetzlich zugelassene Gewerkschaftsvereinigung ist der Allgemeine vietnamesische Gewerkschaftsbund, dem etwa 3,8 Millionen Mitglieder angehören. Ein 1994 verabschiedetes Arbeitsgesetz räumte Arbeitern erstmalig das Streikrecht ein.


    8. Verkehrswesen und Tourismus

    Die Kriegsjahre hinterließen im Verkehrsnetz unübersehbare Spuren. Seit dem Ende der militärischen Auseinandersetzung ist man bemüht, den Süden mit dem Norden verkehrstechnisch zu verbinden. Der Autoverkehr gestaltet sich entlang der Küste am einfachsten. Das Streckennetz der Eisenbahn verläuft vorwiegend im Norden des Landes. Eine Ausnahme bildet die 1 730 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Die lang gestreckte Küstenlinie, der Mekong und der Rote Fluss mit seinen Seitenarmen sowie viele andere kleinere Flüsse und Kanäle werden als Wasserstraßen genutzt. Die bedeutendsten Seehäfen für die Verschiffung nach Übersee sind Haiphong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Die vietnamesische Fluggesellschaft bietet sowohl inländische als auch ausländische Flugverbindungen an. Internationale Flughäfen befinden sich in Ho-Chi-Minh-Stadt und in Hanoi (Noi Bai).
    Die vietnamesische Regierung beschloss im März 2000 einen umfassenden Ausbau der touristischen Infrastruktur. Neben dem Bau neuer Straßen und Bahnlinien in die Nachbarstaaten Kambodscha, Laos und China ist auch die Modernisierung und Erweiterung von Flughäfen geplant. Die Abwicklung von Anträgen auf Visa wurde seither erheblich beschleunigt.


    9. Energie

    52,29 Prozent der elektrischen Energie werden in Wasserkraftwerken erzeugt (1999). Daneben dienen Kohlekraftwerke der Energieversorgung.

    Vietnam's Geschichte

    Die Vietnamesen traten in der Geschichte erstmalig in Erscheinung als eines der vielen Völker, die das Gebiet des heutigen Südchina und Nordvietnams besiedelten. Überlieferungen berichten von einem kleinen vietnamesischen Reich Au Lac, das im Delta des Roten Flusses (Tonking-Delta) von einem legendären Königsgeschlecht errichtet wurde, das Tausende von Jahren vorher über das alte Königreich Van Lang geherrscht hatte. Für dessen Existenz geben lediglich ein paar archäologische Spuren Anhaltspunkte.


    1. Chinesischer Einfluss

    221 v. Chr. beendete die Qin-Dynastie in China ihren Eroberungszug gegen angrenzende Staaten und wurde zum ersten Herrschergeschlecht über ein vereinigtes China. Das Qin-Reich verlor aber nach dem Tod seines tatkräftigen Gründers Shi Huangdi seinen Zusammenhalt und zerfiel. Die Auswirkungen wurden schon bald in Vietnam spürbar. In den Trümmern des Reiches errichtete der chinesische Heerführer im Süden sein eigenes Reich Nam Viet (Südvietnam, chinesisch Nanyue), das das junge Reich Au Lac umschloss.
    111 v. Chr. eroberten chinesische Truppen unter Kaiser Wudi Nam Viet und verleibten es dem Reich der Han-Dynastie ein. Die chinesische Eroberung hatte für den weiteren Verlauf der vietnamesischen Geschichte schicksalhafte Folgen. Nach einer kurzen Herrschaft örtlicher Oberhäupter strebten die chinesischen Herrscher die politische und kulturelle Integration Vietnams in das Han-Reich an. Chinesische Verwaltungsbeamte kamen ins Reich und ersetzten den ansässigen Landadel. Politische Institutionen nach dem chinesischen Modell wurden zwangsweise eingerichtet und der Konfuzianismus zur Staatsideologie erhoben. Die chinesische Sprache wurde Amts- und Literatursprache. Chinesische Ideogramme wurden für die Umsetzung der gesprochenen vietnamesischen Sprache ins Schriftbild übernommen. Chinesische Kultur, wie Kunst, Architektur und Musik, übte einen tief greifenden Einfluss auf die entsprechenden Bereiche der vietnamesischen Kultur aus.
    Der vietnamesische Widerstand gegen die chinesische Herrschaft war heftig, entlud sich aber nur sporadisch. Der bekannteste Aufstand gegen die Fremdherrschaft wurde 39 n. Chr. von den Schwestern Trung angeführt, zwei Witwen des ansässigen Adels. Der Aufstand war kurzzeitig erfolgreich, so dass sich die ältere Schwester Trung Trac zur Herrscherin eines unabhängigen Reiches einsetzte. Die chinesischen Truppen nahmen den Angriff erneut auf, und hatten 43 n. Chr. Vietnam zurückerobert.


    2. Unabhängigkeit

    Der Aufstand der Schwestern Trung war der erste einer Reihe auftretender Revolten während der tausendjährigen chinesischen Herrschaft über Vietnam. Schließlich nutzten vietnamesische Truppen unter Ngo Quyen die chaotische Situation in China 939, um die Besatzungstruppen vor Ort zu schlagen und ein unabhängiges Reich zu errichten. Ein paar Jahre später leitete der Tod Ngo Quyens zwar eine Zeit bürgerkriegsähnlicher Zustände ein, doch wurde Anfang des 11. Jahrhunderts die erste der großen vietnamesischen Dynastien errichtet. Unter der Führung verschiedener Herrscher bestand die Ly-Dynastie über mehr als 200 Jahre fort und regierte über Vietnam von 1009 bis 1225. Obwohl die Entstehung der Ly-Dynastie das Aufkommen eines regen vietnamesischen Nationalbewusstseins widerspiegelte, behielten die Ly-Herrscher viele der politischen und sozialen Einrichtungen aus der Zeit der chinesischen Herrschaft bei. Der Konfuzianismus blieb weiterhin die Grundlage der politischen Staatseinrichtungen.


    3. Die Wirtschaft in der Ly-Dynastie

    Vietnam war wie viele seiner angrenzenden Reiche ein auf Landwirtschaft ausgerichtetes Land, in dem der Anbau von Reis die Lebensgrundlage schuf. Weite Teile des Gebiets waren im Besitz mächtiger Familien, die über Tausende von Leibeigenen oder Haussklaven verfügten. Weiterhin gab es aber auch eine Schicht von Kleinbauern mit Landbesitz. Mächtige Herrscher unternahmen häufig Schritte, diese Schicht zu schützen, indem sie die Großgrundbesitzer einschränkten und deren riesige Landgüter aufteilten.


    4. Territoriale Ausdehnung

    Unter der Herrschaft der Ly-Dynastie und den Nachfolgern der Tran (1225-1400) wurde Vietnam zu einer dynamischen Macht in Südostasien. Die chinesischen Herrscher hatten aber ihr historisches Ziel der Einnahme des Tonking-Deltas nie aus den Augen verloren. Als im 13. Jahrhundert das mongolische Weltreich auch China in Form der Yuan-Dynastie beherrschte, griffen die Truppen Kublai Khans Vietnam an, um es ebenfalls ihrem Reichsgebiet einzuverleiben, stießen aber auf heftigen Widerstand.
    Über Jahrhunderte beschränkte sich das vietnamesische Reich auf das Kernland im Tal des Roten Flusses und auf die angrenzenden Berge (Tonking). Zwischen Vietnam und dem Reich Champa, einem Seefahrerreich entlang der mittelvietnamesischen Küste, kam es kurz nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Vietnams zu Spannungen. Mehrmals drangen die Cham-Truppen durch die vietnamesische Verteidigung und besetzten die Hauptstadt, wurden jedoch immer wieder zurückgedrängt. Im 15. Jahrhundert konnten die vietnamesischen Armeen die Hauptstadt von Champa südlich des heutigen Da Nang schließlich einnehmen und das Reich Champa gänzlich niederschlagen.
    In den folgenden Generationen verfolgte Vietnam weiterhin seinen "Vormarsch in den Süden", wobei es sich allmählich dem marschigen Tiefland des Mekong-Deltas näherte, wo das Reich der Khmer lag. Der Widerstand gegen das vietnamesische Vordringen war nur gering. Ende des 17. Jahrhunderts hatte Vietnam das niedere Mekong-Delta eingenommen und drang weiter nach Westen vor. Das zerfallende Reich der Khmer lief zunehmend Gefahr, in ein bloßes Protektorat verwandelt zu werden.


    5. Die Le-Dynastie

    Der Vorstoß Vietnams in den Süden traf mit neuen Angriffen im Norden zusammen. 1407 wurde Vietnam erneut von chinesischen Truppen erobert. Über zwei Jahrzehnte versuchte die Ming-Dynastie, Vietnam wieder dem Chinesischen Reich einzugliedern. Die vietnamesischen Widerstandstruppen brachten aber unter dem Rebellenführer Le Loi den Chinesen 1428 eine entscheidende Niederlage bei und stellten die vietnamesische Unabhängigkeit wieder her. Le Loi bestieg als erster Kaiser der Le-Dynastie den Thron. Das neue Herrscherhaus behauptete seine Macht über 100 Jahre, bis es im 16. Jahrhundert seinem Niedergang entgegensah. Die Macht bei Hofe ging von zwei miteinander verfeindeten Feudalgeschlechtern der Trinh und der Nguyen aus. Als die Trinh die Oberherrschaft gewannen, wurde den Nguyen 1620 ein Lehensbesitztum im Süden gewährt, das sich um die Stadt Huë zentrierte. Es kam zu einer Zweiteilung Vietnams. Europäer erreichten auf der Suche nach Wohlstand und christlichen Überläufern Südostasien und vertieften durch ihre Machenschaften die Rivalität zwischen Nord und Süd. 1516 kamen die ersten portugiesischen Seefahrer. Bis zum 17. Jahrhundert bauten sie einen florierenden Handelshafen auf. Zum Ende des Jahrhunderts wandten sich die Vietnamesen gegen die europäische Einmischung und verfolgten einen ähnlichen politischen Kurs der Isolierung wie China und Japan. Die Trinh und die Nguyen regierten in Rivalität zueinander aus Hanoi und Huë, während die eigentlichen Herrscher der Le-Dynastie nur noch als Marionetten der Trinh fungierten.
    Ende des 18. Jahrhunderts stand die Le-Dynastie kurz vor dem Zusammenbruch. Riesige Reisanbaugebiete wurden von habgierigen Feudalherren kontrolliert. 1777 formierten sich aufgebrachte Bauern unter den Tay-Son-Brüdern und töteten die Nyugens. Nach dem Sturz der Trinh und der erfolgreichen Abwehr einer Invasion der Manchu-Dynastie gelang es einem der beiden Brüder, Vietnam 1789 unter eine vereinigte Herrschaft zu stellen. Er verstarb kurz nach der Thronbesteigung. Wenige Jahre später schlug der einzig überlebende Erbe des Herrscherhauses der Nguyen, Nguyen Anh, mit französischer Unterstützung die Truppen Tay Sons nieder. Als Kaiser Gia Long errichtete er 1802 eine neue Dynastie.


    6. Französische Intervention

    Ein französischer Missionar, Pierre Pigneau de Behaine, hatte eine Söldnertruppe zusammengestellt, um Nguyen Anh zu unterstützen. Er erhoffte sich vom neuen Kaiser Vorteile für Frankreich in Sachen Handel und Missionsaufbau. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Die Nguyen-Dynastie hegte dem französischen Einfluss gegenüber Misstrauen, so dass die römisch-katholischen Missionen und ihre vietnamesischen Anhänger verfolgt und einige sogar hingerichtet wurden. Religionsgemeinschaften in Frankreich forderten die Regierung in Paris zum Handeln auf. Als auch beim Handel und beim Militär ein ähnlicher Druck spürbar wurde, stimmte Kaiser Napoleon III. 1858 einem von See geführten Feldzug zu. Die Vietnamesen sollten sich Frankreich als Protektorat unterstellen.
    1862 wurde der Abtretung mehrerer Provinzen im Mekong-Delta (später Cochinchina) an Frankreich zugestimmt. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahmen die Franzosen ihre Angriffe wieder auf und suchten sich diesmal Ziele im Norden. Nach schweren Niederlagen willigte Vietnam in die Errichtung eines französischen Protektorats über den verbleibenden Teil Vietnams ein.


    7. Kolonialherrschaft und Widerstand

    Die Errichtung der französischen Kolonialherrschaft stieß auf nur wenig organisierten Widerstand. Dennoch keimte eine antikoloniale Stimmung auf. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen die Einheimischen lebten, trugen zu ihrer feindlichen Haltung gegenüber der strengen französischen Herrschaft bei. Auf dem Land hatten Bauern mit hohen Steuern und Pachtzahlungen an die kollaborierenden Landbesitzer zu kämpfen. In den Fabriken, Kohlebergwerken und auf den Kautschukplantagen hatten die Arbeiter bei nur geringer Bezahlung unter katastrophalen Bedingungen zu leiden. Vietnamesen waren auf fast allen Ebenen von der Kolonialverwaltung ausgeschlossen. Die Franzosen rekrutierten Zwangsarbeiter für öffentliche Arbeitsprojekte, räumten den Vietnamesen aber keinen rechtlichen Schutz oder Entschädigungszahlungen ein. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen nationalistische Parteien, ihren Forderungen nach Reformen und Unabhängigkeit Ausdruck zu verleihen. 1930 gründete Ho Chi Minh die Kommunistische Partei Indochinas.
    Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 blieb die politische Arbeit dieser Parteien ohne Erfolg. 1940 forderte und erhielt Japan das Recht, Vietnam unter militärische Belagerung zu stellen. Die Gelegenheit nutzend organisierten die Kommunisten mit verdeckter Unterstützung der Amerikaner die breite Bewegung der Vietminh Front und bereiteten zum Ende des Krieges einen Aufstand vor. Die Vietminh (Abkürzung für Viet Nam Doc Lap Dong Minh oder Liga für die Unabhängigkeit Vietnams) konzentrierten sich eher auf angemessene Reformen und nationale Unabhängigkeit als auf speziell kommunistische Ziele. Als sich die Japaner im August 1945 den Alliierten ergaben, erhoben sich in ganz Vietnam die Truppen der Vietminh und erklärten in Hanoi die Errichtung einer unabhängigen Republik.
    Frankreich war allerdings nicht gewillt, Vietnam in die Unabhängigkeit zu entlassen und verdrängte die Vietminh sowie andere nationalistische Gruppen aus dem Süden. Über mehr als ein Jahr suchten Frankreich und die Vietminh in Verhandlungen nach einer Lösung, doch konnte keine Einigung erzielt werden, da Frankreich fest entschlossen war, Vietnam erneut zu annektieren. Im November 1946 kosteten die Bombenangriffe französischer Kriegsschiffe auf Haiphong Tausende von Zivilisten das Leben. Die Streitkräfte der Vietminh in Hanoi schlugen im Dezember zurück.


    8. Die Vertreibung der Franzosen

    Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten beinahe neun Jahre. Die Vietminh zogen sich in die Berge zurück, wo sie ihre Truppen aufbauten, während die Franzosen eine gegnerische Regierung unter Kaiser Bao Dai, dem letzten Herrscher der Nguyen-Dynastie, in den vielbevölkerten Regionen entlang der Küste errichteten. Den Vietminh mangelte es an militärischer Stärke, um den Franzosen eine Niederlage beizubringen. Sie beschränkten ihre Aktivitäten daher auf die Guerillakriegsführung. Von 1953 bis 1954 befestigten die Franzosen einen Militärstützpunkt bei Dien Bien Phu, den die Vietminh nach monatelanger Belagerung und vielen Todesopfern in der entscheidenden Schlacht von Dien Bien Phu einnahmen. Die Franzosen konnten sich in der Folgezeit dem Druck einer kriegsmüden Nation im Heimatland nicht widersetzen und willigten im Juni 1954 in kriegsabschließende Verhandlungen ein. Auf der Indochina-Konferenz in Genf wurde die Teilung Vietnams am 17. Breitengrad beschlossen. Die Vietminh zogen sich in den Norden des Landes zurück, während die Franzosen und ihre vietnamesischen Verbündeten den Süden einnahmen. Um einer endgültigen Teilung des Landes entgegenzuwirken, wurde ein politisches Protokoll verfasst, das freie Wahlen für die Wiedervereinigung des Landes zwei Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags festlegte.


    9. Teilung

    Nach der Genfer Konferenz nahmen die Vietminh in Hanoi Abstand von weiteren bewaffneten Kampfhandlungen und begannen mit dem Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. In der südlichen Hauptstadt Saigon wurde Bao Dai bereits kurz darauf von einem neuen Regime unter dem antikommunistischen Ministerpräsidenten Ngo Dinh Diem gestürzt. Mit diplomatischer Unterstützung vonseiten der Vereinigten Staaten weigerte sich Diem, freie Wahlen abzuhalten und leitete Schritte gegen den kommunistischen Einfluss im Süden in die Wege. 1959 kam Diem in ernsthafte Schwierigkeiten. Angeprangert wurden seine unkooperative Haltung gegenüber der inländischen Opposition, seine Begünstigung römisch-katholischer Freunde sowie der Fehlschlag seiner Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Kommunisten sahen ihre Stunde für einen Revolutionskrieg gekommen.


    10. Der Vietnamkrieg

    Im Herbst 1963 wurde Diem durch einen Militärputsch seiner eigenen Generäle gestürzt und ermordet. Anfang 1965 griffen die USA unter US-Präsident Lyndon Johnson offen in den darauf folgenden Krieg zwischen den beiden Landesteilen ein - unter intensiver Bombardierung Nordvietnams sowie durch die Entsendung von US-Kampftruppen in den Süden (siehe Vietnamkrieg).
    1968 entschloss sich die Johnson-Regierung, den Weg der Verhandlungen anzustreben, nachdem die blutige und schlagkräftige Tet-Offensive der Vietminh das neue, autoritäre Saigon-Regime unter Staatspräsident Nguyen Van Thieu bis in die Grundmauern erschüttert hatte. Ho Chi Minh starb 1969. Sein Nachfolger wurde Le Duan, ein weiterer Anführer der Revolution. Der neue US-Präsident Richard Nixon verfolgte den von Johnson eingeschlagenen politischen Kurs weiter, wobei er allmählich die US-Truppen aus dem Land abzog. Im Januar 1973 endete der Krieg kurzzeitig mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags in Paris. Der Vertrag sah den vollständigen Abzug der US-Truppen vor, während Hanoi stillschweigend den vom Thieu-Regime vorzubereitenden allgemeinen Wahlen in Vietnam zustimmte. Das Abkommen scheiterte kurz darauf. Anfang 1975 starteten die Kommunisten eine Militäroffensive. Innerhalb von sechs Wochen brach der Widerstand des Thieu-Regimes zusammen, und am 30. April nahmen die Kommunisten Saigon ein. Im Vietnamkrieg wurden 15 Prozent der vietnamesischen Bevölkerung verwundet oder getötet.


    11. Die Sozialistische Republik Vietnam

    1976 wurde der Süden mit dem Norden in der neuen Sozialistischen Republik Vietnam wieder vereinigt und Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt. Mit der Beendigung des Krieges waren im Land noch lange nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Der riesige Flüchtlingsstrom, vor allem gebürtiger Chinesen, der so genannten "Boat people", die mit kleinen Booten über das Südchinesische Meer oder auf dem weniger gefahrvollen Landweg in andere Staaten gelangen wollten, nahm mit der fortschreitenden Sozialisierungspolitik im Süden zu. Fast 200 000 Flüchtlinge verließen 1979 das Land. Es kam zu Grenzzwischenfällen mit der kommunistischen Regierung Kambodschas, die nach der Niederlage Saigons schon bald eskalierten. Anfang 1979 marschierten vietnamesische Streitkräfte mit Unterstützung exilkambodschanischer Truppen in Kambodscha ein, stürzten das Pol Pot-Regime und errichteten eine provietnamesisch orientierte Regierung. Die Besetzung rief internationalen Protest hervor. Wenige Wochen später wurde Vietnam selbst von seinem ehemaligen Wohltäter China angegriffen, das die Einmischung Vietnams in seine regionalen Interessen nicht dulden wollte. Die chinesischen Truppen verursachten in den Grenzregionen schwere Schäden, mussten aber auch selbst schwere Verluste hinnehmen. Mitte der achtziger Jahre waren rund 140 000 vietnamesische Soldaten in Kambodscha stationiert und weitere 50 000 in Laos. Vietnam reduzierte 1988 sein Truppenaufgebot in Laos in beträchtlichem Maß und zog bis zum September 1989 seine gesamten Truppen aus Kambodscha ab.

    "Der Beginn der Sozialistischen Republik Vietnam"
    In Vietnam herrschten in der Nachkriegszeit schwerwiegende wirtschaftliche und soziale Probleme. Der Wiederaufbau ging nur schleppend voran. Die Bemühungen um eine Kollektivierung der Landwirtschaft und eine Verstaatlichung der Unternehmen führten im Süden zu Konflikten mit der Bevölkerung. Enttäuschende Ernteerträge, die Einverleibung der Geldmittel durch das Militär und US-Embargos über weltweite Hilfsleistungen und Kapitalinvestitionen erschwerten Vietnam den Weg aus der Krise. 1986 hatte die jährliche Inflationsrate die 700-Prozent-Marke erreicht. Nach dem Tod des alten Parteichefs Le Duan 1986 übernahmen Wirtschaftsreformer, unterstützt von einer jüngeren Generation der Kommunistischen Partei, die Führung in der Partei. Sie verkündeten den neuen politischen Kurs der doi moi (Erneuerung) nach dem Modell der russischen Perestroika. Der Prozess wurde 1988 vorangetrieben, als schlechte Ernten, Hungersnöte und Missmanagement des Staatsapparats unter dem neuen Druck der Reformisten zu Massenentlassungen konservativer Parteiangehöriger führten. Die Reaktionen Europas und Chinas auf die Ereignisse von 1989 führten zur Stabilisierung der kommunistischen Vormachtstellung im Land. Das Ende der Hilfsleistungen der ehemaligen Sowjetunion 1991 und der Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus trieben die Wirtschaftsreformen weiter voran.
    Die neue, 1992 in Kraft getretene Verfassung Vietnams bestätigte die Monopolstellung der Kommunistischen Partei, räumte für ausländische Kapitalinvestitionen aber auch gesetzliche Garantien ein und führte Gesetze zur Regelung von Konkursen ein, um dahinsiechende staatliche Unternehmen zur Aufgabe zu zwingen. Der politische Kurs zum Wiederaufbau des Landes reduzierte bis zum Anfang der neunziger Jahre die Inflation und senkte die Staatsverschuldung. Europäische und asiatische Staatsoberhäupter beeilten sich, ihre diplomatischen Beziehungen mit Vietnam wieder aufzunehmen. Die Vereinigten Staaten gaben schließlich ihren Widerstand gegen die Vergabe von Darlehen und Hilfsleistungen für den Wiederaufbau Vietnams vonseiten des Internationalen Währungsfonds und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) im Juli 1993 auf. Vietnams Streben nach schnellem Wachstum wurde teilweise durch das rapide Wachstum Chinas und durch die Bedrohung der vietnamesischen Sicherheit forciert. Die Vereinigten Staaten hoben 1994 ihr über Vietnam verhängtes Handelsembargo auf und errichteten im August 1995 ein diplomatisches US-Büro in Hanoi. Die Rückkehr und Eingliederung von Vietnamesen, die nach dem Vietnamkrieg aus dem Lande flohen und nicht als politische Flüchtlinge anerkannt wurden, zählt weiter zu den wichtigsten innenpolitischen Themen.
    Im September 1997 wählte die vietnamesische Nationalversammlung den Reformpolitiker Phan Van Khai zum neuen Ministerpräsidenten, nachdem Vo Van Kiet aus Altersgründen zurückgetreten war. Der neue Ministerpräsident war seit 1992 einer der stellvertretenden Regierungschefs und enger Mitarbeiter seines Vorgängers. Zum neuen Staatspräsidenten wählte das Parlament Tran Duc Luong, der den ehemaligen Armeegeneral Le Duc Anha als Staatschef ablöste.
    Am 1. März 2001 vereinbarten die Staatsoberhäupter Vietnams und Russlands, Tran Duc Luong und Wladimir Putin, eine strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern.


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    Malaysia's Wirtschaft

    In den letzten Jahrzehnten ist das Schwellenland Malaysia weltweit zu einer der sich am schnellsten entwickelnden Industrienationen herangewachsen und drittreichste Nation in Südostasien. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 79 039 Millionen US-Dollar (1999). Durch die New Economic Policy (NEP: Neue Wirtschaftspolitik), die 1970 zur Bekämpfung der Armut sowie zum Abbau der traditionellen wirtschaftlichen Vorherrschaft der Chinesen eingesetzt wurde, ist Malaysia auf dem Weltmarkt zu einem führenden Produzenten elektronischer Bauteile geworden. Malaysia war die erste Nation Südostasiens, die mit dem Bau und Export von Kraftfahrzeugen begann.
    Der Dienstleistungsbereich (einschließlich des Tourismus) sowie das Finanzwesen sind während der NEP ebenfalls rasch gewachsen. Die Deviseneinnahmen durch die Erdöl- und Erdgasindustrie, die sich in den siebziger Jahren rasch entwickelten, trugen wesentlich zur Finanzierung der Industrialisierung Malaysias bei. Erdöl- und Erdgasexporte nehmen heute hinter den Produktionsgütern mit deutlichem Abstand den zweiten Platz ein. Die Kautschuk- und Zinnindustrie, die Hauptstützen der Wirtschaft Malaysias vor der Unabhängigkeit, verloren rasch an Bedeutung.
    Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts beträgt 7,33 Prozent (1990-1999). Das Pro-Kopf-Einkommen gehört zu den höchsten in Südostasien. Dennoch stellt die Armut eines der größten Probleme des Landes dar. Die 1991 eingeführte National Development Policy (NDP, Nationale Entwicklungspolitik), Nachfolgepolitik der NEP, hat sich ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und die Überwindung der Armut zum Ziel gesetzt. Bis 2020 soll Malaysias Entwicklung zu einem führenden Industriestaat abgeschlossen sein. Die Wirtschaftspolitik erwies sich als erfolgreiche Strategie, ausländische Investoren zu gewinnen. Durch Privatisierungen gelang es, die nicht unerhebliche Beteiligung des Staates an der Wirtschaft einzuschränken. Seit Ende der achtziger Jahre nimmt das Wirtschaftswachstum rascher zu. Mit einem durchschnittlichen Realwachstum von etwa 8 Prozent ist Malaysia heute die sich wirtschaftlich am schnellsten entwickelnde Nation Südostasiens.


    1. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    Die Landwirtschaft verliert bezogen auf ihren Beitrag zum BIP und zu den Exporteinnahmen an Bedeutung, sie beschäftigt 15 Prozent der Erwerbstätigen. Die landwirtschaftliche Nutzfläche Malaysias umfasst ungefähr 13 Prozent der Landesfläche, 35 Prozent davon betreffen Plantagen. Viele Kleinbauern produzieren für den Eigenbedarf und decken den größten Teil des Inlandsbedarfs an Nahrungsmittelerzeugnissen, überwiegend Reis. Kautschuk (1876 eingeführt), Palmöl (1917 eingeführt) und Kakao sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportgüter. Malaysia produziert etwa 60 Prozent der Weltproduktion an Palmöl und liegt mit der Kautschuk- und Kakaoproduktion weltweit an dritter bzw. vierter Stelle. Jährlich werden etwa 1,9 Millionen Tonnen Reis, 1,6 Millionen Tonnen Kautschuk, 6,5 Millionen Tonnen Palmöl und 250 000 Tonnen Kakaobohnen erzeugt. Daneben sind Pfeffer, Zuckerrohr, Tee, Ananas, Kokosnuss und Tabak wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse.
    Durch den Ausbau der Holzwirtschaft seit Beginn der achtziger Jahre ist Malaysia zu einem der größten Nutzholzexporteure auf dem Weltmarkt geworden. Wegen des gravierenden Rückgangs der Waldfläche, insbesondere in Sarawak, hat die Regierung Exportverbote für mehrere tropische Holzarten erlassen und ist bestrebt, die Erträge in diesem Wirtschaftssektor durch die Entwicklung von Sperrholz- und anderen Holz verarbeitenden Fabrikanlagen zu steigern. Mit der Modernisierung der Fischereiflotte Anfang der siebziger Jahre wurde der Fischfang erheblich intensiviert.


    2. Bergbau

    Malaysia verfügt über große Erz- und Erdölvorkommen. In diesem Industriezweig sind weniger als ein Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt. Die Malaccahalbinsel hatte als Zinnproduzent lange Zeit eine Spitzenstellung auf dem Weltmarkt. Malaysia gehört weltweit noch immer zu den führenden Zinnlieferanten und steht heute nach Brasilien und Indonesien an dritter Stelle, obwohl die Produktion drastisch zurückging. Die vor der Küste liegenden Gas- und Ölfelder stellen eine wichtige Devisenquelle dar. Mit der Förderung wurde 1970 begonnen. Andere wirtschaftlich bedeutende Bodenschätze sind Bauxit, Eisenerz, Kupfer, Titaneisenerz und Gold.


    3. Industrie

    Die Industrie beschäftigt etwa 38 Prozent der Erwerbstätigen und trägt zu mehr als 70 Prozent zu den Exporteinnahmen bei. Die Regierungspolitik misst der Errichtung exportorientierter Industriebetriebe große Bedeutung zu.
    Das Wachstum der verarbeitenden Industrie wurde insbesondere durch die Förderung ausländischer Investoren vorangetrieben. Zu diesem Zweck wurden freie Produktionszonen mit zahlreichen Privilegien wie steuerlichen Vorteilen ausgewiesen. Malaysia ist nach den USA und Japan wichtigster Produzent elektronischer Bauteile und größter Exporteur integrierter Schaltkreise. Andere elektronische Exportgüter sind Halbleiter, Radios, Kassettenrekorder und Stereoanlagen. Weitere wirtschaftlich bedeutsame Industriebetriebe verarbeiten Kautschuk, Zinn, Öl und Nahrungsmittel oder stellen chemische Erzeugnisse her.


    4. Energie

    Erdöl und Erdgas sind die Hauptenergiequellen für die malaiische Wirtschaft, gefolgt von Kohle und Wasserkraft. Brennholz ist noch immer eine der wesentlichen Energiequellen für einzelne Haushalte. Da das in Malaysia geförderte Öl sehr hochwertig ist, dient es fast ausschließlich dem Export. Für den Eigenbedarf wird Rohöl importiert. Erdgas gewinnt für die Erzeugung der elektrischen Energie zunehmend an Bedeutung.


    5. Verkehrswesen

    Das Verkehrsnetz ist in Malaysia recht unterschiedlich entwickelt. Auf der Malaccahalbinsel gibt es ein umfassendes Straßen- und Eisenbahnnetz. In Sabah und Sarawak ist die verkehrsmäßige Erschließung noch nicht so weit fortgeschritten. Malaysia verfügt über ein Straßennetz von etwa 65 877 Kilometern (1999). Auf der Malaccahalbinsel betreibt die staatseigene Eisenbahn ein 2 080 Kilometer langes Schienennetz, in Sabah erstreckt es sich über 140 Kilometer. Die nationale Fluggesellschaft ist die Malaysia Airlines, die 1971 gegründet wurde und In- und Auslandsflüge bietet. Der Subang Airport von Kuala Lumpur ist der bedeutendste der vier internationalen Flughäfen Malaysias. Wichtigste Seehäfen sind Kelang, George Town, Johor Baharu und Kuantan auf der Halbinsel sowie Kota Kinabalu und Kuching in Ostmalaysia.


    6. Währung und Bankwesen

    Die Währungseinheit Malaysias ist der Malayische Ringgit (RM), der 100 Sen entspricht. Die Bank Negara Malaysia (1959 gegründet) ist Landeszentralbank und einziger Herausgeber der Währung. Die Börse befindet sich in Kuala Lumpur. Unter der New Economic Policy (NEP) hat sich das Finanzwesen beträchtlich entwickelt.


    7. Außenhandel

    Die Handelsbilanz ist positiv. Maschinen, Kraftfahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Nahrungsmittel und Getränke sowie Kraftstoffe sind die wichtigsten Importgüter. Maschinen und Fahrzeuge sind mit 55 Prozent am Gesamtexport beteiligt, Erzeugnisse der verarbeitenden Industrie mit weiteren 18 Prozent. Andere wichtige Exportgüter sind Kraftstoffe, Palm- und anderes Pflanzenöl sowie Kautschuk und Erz. Malaysias wichtigste Handelspartner sind die Vereinigten Staaten von Amerika, Singapur, Japan, China, Thailand, Großbritannien und die Niederlande.

    Malaysia's Verwaltung und Politik

    Malaysia besteht aus 13 Bundesstaaten und ist eine föderative Wahlmonarchie, die auf der Verfassung von 1957 beruht. Durch die Änderungen von 1974 und 1984 wurden Kuala Lumpur und Labuan zu Bundesterritorien.
    Das Staatsoberhaupt ist der Monarch, den die erblichen Herrscher aus neun der 13 föderativen Bundesstaaten für die Dauer von fünf Jahren wählen. Exekutive und Legislative obliegen dem Monarchen, wobei Parlament und Kabinett Rat gebende Funktion haben. Die erblichen Herrscher bilden zusammen mit den ernannten Führern der vier anderen Staaten die Konferenz der Fürsten, die bei Fragen zu innerstaatlichen Grenzen hinzugezogen werden und allen Änderungen zustimmen müssen. Das Gleiche gilt bei Verfassungsänderungen sowie konföderativen Veränderungen.


    1. Exekutive

    Exekutivorgan ist das Kabinett, das vom Premierminister geführt wird. Der Premierminister und die Kabinettsmitglieder werden vom Monarchen ernannt und sind dem Parlament verantwortlich.


    2. Legislative

    Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus (Dewan Rakyat) mit 192 Mitgliedern und dem Senat (Dewan Negara) mit 70 Mitgliedern. Durch allgemeine Wahlen werden die Mitglieder des Repräsentantenhauses für fünf Jahre gewählt. Die Amtszeit der Senatoren, die mindestens 30 Jahre alt sein müssen, beträgt sechs Jahre. Die Parlamente der einzelnen Bundesstaaten wählen je zwei Senatoren, die übrigen werden vom Staatsoberhaupt ernannt. Das Repräsentantenhaus ist die oberste gesetzgebende Körperschaft, der Senat hat in der Gesetzgebung nur ein aufschiebendes Vetorecht.


    3. Kommunalverwaltung

    Die elf Bundesstaaten der Malaccahalbinsel sind Johor, Kedah, Kelantan, Melaka, Negeri Sembilan, Pahang, Perak, Perlis, Pinang, Selangor und Terengganu. Vor der Gründung der Föderation Malaysia durch den Zusammenschluss mit Singapur, Sarawak und Sabah (1963) bildeten diese Staaten den Malaiischen Bund.
    Alle Staaten mit Ausnahme von Melaka, Pinang, Sabah und Sarawak werden von erblichen Herrschern regiert, die bis auf den Herrscher von Perlis (ein Radscha) und Negeri Sembilan (der Yang di-Pertuan Besar) Sultane sind. Thronfolger ist immer der erstgeborene Sohn des jeweiligen Herrschers. In Negeri Sembilan wird der Thronfolger aus der Gruppe der Söhne des Herrschers gewählt und in Perak regieren drei königliche Familien abwechselnd. Die Herrscher von Melaka, Pinang, Sabah und Sarawak werden für einen Zeitraum von vier Jahren vom Monarchen ernannt. Sie haben keine religiösen Ämter und nehmen nicht an der Wahl des Monarchen teil, ansonsten haben sie die gleiche Macht wie die erblichen Herrscher.
    Die Exekutive liegt in den Händen des Kabinetts und der Ministerräte der Bundesstaaten, an deren Spitze der Premierminister steht. Alle Bundesstaaten haben ein Einkammerparlament, das in seiner Größe recht unterschiedlich ist (14 Sitze in Perlis, 56 in Sarawak). Die Mitglieder der einzelnen Parlamente werden für eine fünfjährige Amtsperiode direkt gewählt, in Sabah werden zusätzlich sechs weitere Mitglieder ernannt. Verwaltungstechnisch sind die 13 Bundesstaaten in 130 Distrikte aufgeteilt, die von einem District Officer geleitet werden. Unterhalb dieser Ebene ist die Verwaltung in Orts-, Gemeinde- und Stadtverwaltungen gegliedert.


    4. Politik

    Malaysia wird seit seiner Gründung von Parteienbündnissen regiert. Die Allianz aus der United Malays National Organization (UMNO, Vereinigte Nationale Organisation der Malaien), der Malay Chinese Association (MCA, Malaiisch-Chinesische Vereinigung) und des Malayan Indian Congress (MIC, Malaiisch-Indischer Kongress), bildete seit der Unabhängigkeit des ehemaligen Malaiischen Bundes (1957) die Koalitionsregierung. Nach den ethnischen Unruhen von 1970 wurde dieses Parteienbündnis durch die Aufnahme aller großen Parlamentsparteien der 13 Bundesstaaten erweitert. Die neue Koalition nannte sich Nationale Front (Barisan Nasional) und umfasste 1974 zehn Mitgliedsparteien. In der Folgezeit hatte das Parteienbündnis durchschnittlich zwölf Mitglieder, neue Parteien traten dem Bund bei, andere verließen ihn aufgrund politischer Meinungsverschiedenheiten; 1999 bestand die Nationale Front aus 14 Parteien.
    Die stärkste Kraft in diesem Parteienbündnis ist die UMNO, die 1946 gegründet wurde und seit der Unabhängigkeit Malaysias alle Premierminister gestellt hat, einschließlich Mahathir ibn Mohammed, der 1981 Premierminister wurde. 1988 kam es zur Wiedergründung der New UMNO (UMNO Baru), welche die ursprüngliche UMNO ersetzte, die zuvor wegen der Teilnahme nichtregistrierter Gruppierungen an den Wahlen aufgelöst worden war. Es gibt etwa 25 Oppositionsparteien, die zumeist einer von zwei verschiedenen Koalitionen angehören. Gagasan Rakyat (Volksbewegung), eine Koalition aus sieben Parteien, ist die größere der beiden. Die Democratic Action Party (DAP, Demokratische Aktionspartei), die größte Oppositionspartei, zählt zu ihren Mitgliedern. Die Muslim Unity Movement, die 1989 gegründet wurde, umfasst vier Parteien, u. a. die Spirit of '46, eine Gruppe, die nach der Anfechtung der Wahl von 1987 aus der UMNO austrat, und die Pan-Malaysian Islamic Party (PMIP), die 1977 von der Nationalen Front ausgeschlossen wurde.


    5. Verteidigung

    Die malaiische Armee verfügt über ein Heer von 80 000 Soldaten, eine Marine mit 8 000 Mann sowie eine Luftwaffe mit ungefähr 8 000 Mann und 77 Kampfflugzeugen (1999). Malaysia ist neben Australien, Neuseeland, Singapur und Großbritannien Mitglied des Verteidigungsbündnisses Five Powers Defence Arrangements.

    Malaysia's Klima, Flora & Fauna

    Malaysia, Staat in Südostasien, der aus zwei durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen besteht, die über 650 Kilometer voneinander entfernt sind.

    Landkarte Malaysia aus dem CIA Factbook


    Westmalaysia umfasst elf Bundesstaaten im Süden der Malaccahalbinsel und grenzt im Norden an Thailand, im Süden an Singapur. Im Westen liegt die Malaccastraße, im Osten das Südchinesische Meer. Ostmalaysia, bestehend aus den Bundesstaaten Sabah und Sarawak, nimmt den Nordteil der Insel Borneo ein und grenzt im Norden und Westen an das Südchinesische Meer, im Osten an die Sulu- und Celébessee sowie im Süden an die indonesischen Provinzen West- und Ostkalimantan. Die Insel Labuan, früher Teil von Sabah, wurde 1984 Bundesterritorium. Das Sultanat Brunei bildet im Norden Sarawaks eine Küstenenklave.
    Malaysia wurde am 16. September 1963 durch den föderativen Zusammenschluss der elf Bundesstaaten auf der Malaccahalbinsel, des Malaiischen Bundes (seit 1957 unabhängig), dem auch Singapur als selbständiger Staat angehörte, sowie der ehemaligen britischen Kolonien Sabah (Nordborneo) und Sarawak gebildet. 1965 verließ Singapur die Föderation. Malaysia hat eine Gesamtfläche von 329 758 Quadratkilometern. Die größte Stadt Malaysias und Hauptstadt der Föderation ist Kuala Lumpur.

    Die Malaccahalbinsel besitzt eine Fläche von 131 598 Quadratkilometern. Im Norden der Halbinsel befinden sich breit entfaltete Gebirgsketten; die bedeutendste Kette ist die Main Range oder Barisan Titiwangsa, deren Hauptkamm eine Höhe von 2 190 Metern aufweist. Die Bergketten laufen in ein dicht besiedeltes Küstentiefland aus, im Süden ist die Halbinsel eben. An den Küsten Sarawaks und Sabahs gibt es versumpfte Schwemmlandebenen. Im Gebirgsland Sabahs liegt der Kinabalu, mit 4 101 Metern die höchste Erhebung des Landes.


    1. Klima

    In Malaysia herrscht das ganz Jahr über, außer in den Hochlagen der Berge, ein tropisch feuchtwarmes Klima. Die Tagesdurchschnittstemperaturen liegen in den Tiefländern bei 27 °C. Ergiebige Regenfälle treten das ganze Jahr über auf und erreichen während des Nordostmonsuns von November bis März Spitzenwerte. Die Jahresniederschläge an Hängen im Norden von Sarawak und Sabah, die dem Monsun besonders ausgesetzt sind, liegen bei über 6 000 Millimetern. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge auf der Halbinsel beträgt 2 540 Millimeter.


    2. Flora und Fauna

    Mehr als die Hälfte der Landesfläche ist von immergrünem tropischem Regenwald bedeckt. In Sabah und Sarawak befinden sich Malaysias größte Urwaldflächen, die Bestände zählen zum Teil zu den ältesten der Welt. In vielen Gebieten ist der Regenwald allerdings durch Brandrodungsfeldbau und Nutzholzgewinnung bereits weitgehend zerstört. Die Ausbeutung des Regenwaldes wird besonders in Sarawak auf dramatische Weise vorangetrieben. Weite Teile Malaysias wurden im Herbst 1997 von den großflächigen Waldbränden in Mitleidenschaft gezogen, die in Indonesien offenbar durch Brandrodung ausgebrochen waren.
    Die Tierwelt Malaysias ist sehr artenreich. In Malaysia gibt es Elefanten, Malaienbären, Nashörner, Wildrinder, Orang-Utans, Gibbons und zahlreiche Katzenarten, u. a. Tiger, Leoparden und Nebelparder. Viele Tierarten, z. B. Orang-Utans, Nashörner und Raubkatzen, sind bedroht und stehen heute unter Naturschutz. Die Avifauna (Vogelwelt) in Sabah und Sarawak ist überaus vielfältig; dort leben zahlreiche Arten von Nashornvögeln, Papageien, Fasanen (Gelbschwanzfasan, Prälatfasan), Seglern (Salanganen), Nektarvögeln, Spechten (Sultanspecht, Rindenspalter), Greifvögeln (Haubenadler, Brahminenweihe) und Eulen (Fischuhu, Maskeneule). Korallenriffe vor der Westküste Sabahs sind Lebensraum einer reichen Meeresfauna.

    Malaysia's Bevölkerung

    Die malaiische Bevölkerung weist eine große ethnische Vielfalt auf. Die Malaien, die aus verschiedenen Regionen der Halbinsel und den Inselgruppen Südostasiens stammen, stellen 58 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ungefähr 27 Prozent sind Chinesen und 8 Prozent Inder. Den Rest der Bevölkerung bilden einheimische Volksgruppen wie die Orang Asli sowie kleine Gemeinschaften eingewanderter Pakistanis, Filipinos, Indonesier, Vietnamesen und Europäer. Die Orang Asli sind eine einheimische Volksgruppe der Halbinsel, stellen heute aber nur noch eine kleine Minderheit der Bevölkerung dar. Als Volksgruppe teilen sie sich in die Jakun, die altmalaiisch sprechen, und die Semang und Senoi, deren Sprache der Mon-Khmer-Gruppe (siehe austroasiatische Sprachen) zuzurechnen ist. Die Orang Asli gehören zumeist traditionellen, animistischen Stammesreligionen an (siehe malaiische Völker). Auf der Malaccahalbinsel besiedeln die Malaien hauptsächlich die ländlichen Küstenregionen, wo sie von Fischfang und Reisanbau leben. In den Städten dominieren die im Wirtschaftsleben vorherrschenden Chinesen. Inder, Pakistanis und Tamilen sind überwiegend auf Plantagen beschäftigt.
    In Sabah und Sarawak besteht die Hälfte bis zwei Drittel der Bevölkerung aus einheimischen Volksgruppen, die hauptsächlich an Flüssen im Landesinneren leben. Die größten Stämme sind die Iban und die Land-Dayak in Sarawak sowie die Kadayan in Sabah. Malaien bilden in Sarawak und Sabah eine Minderheit, sie dominieren in den Küstenorten und Städten Sarawaks und Sabahs. Die Zahl der Einwanderer aus Indonesien und von den Philippinen ist in Sabah recht hoch und stellt ein Problem dar. Die Vielfalt der Volksgruppen Malaysias spiegelt sich auch in unterschiedlichen Siedlungsstrukturen wider: das ländliche Siedlungsbild ist vom malaiischen Kampong (Stelzenhaus) geprägt. In den langen Dayak-Häusern werden zahlreiche religiöse Feste abgehalten.
    Malaysia hat etwa 22,2 Millionen Einwohner (2001), was einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 67 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Die Malaccahalbinsel ist ungefähr siebenmal so dicht bevölkert wie Sarawak und Sabah. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land, 57 Prozent in Städten (1999). Die Geburtenzuwachsrate, früher eine der höchsten in Asien, hat seit 1960 stetig abgenommen und lag Anfang der neunziger Jahre bei 2,5 Prozent pro Jahr.


    1. Wichtige Städte

    Der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt Malaysias ist die Hauptstadt und das Verwaltungszentrum Kuala Lumpur innerhalb des Bundesstaates Selangor im Westen der Malaccahalbinsel. Die Einwohnerzahl von Kuala Lumpur beträgt etwa 1,15 Millionen (1996). Andere wichtige Städte sind: Ipoh (382 853 Einwohner), Transport- und Wirtschaftszentrum und Hauptstadt von Perak im Nordwesten der Halbinsel; Johor Baharu (328 436 Einwohner), Hauptstadt von Johor, des südlichsten Bundesstaates auf der Halbinsel; Kelang (243 355 Einwohner) in Selangor, bedeutende Hafen- und Industriestadt sowie Sitz des Sultanspalasts; George Town (219 603 Einwohner), Hauptstadt von Pinang und eine der wichtigsten Hafenstädte Malaysias.


    2. Sprache und Religion

    Die Amtssprache ist Bahasa Malaysia (Malaiisch), die von ungefähr 58 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Daneben sind Chinesisch, Tamil und Iban verbreitet. Englisch ist eine wichtige Bildungs- und Verkehrssprache.
    Der Islam ist die Staatsreligion Malaysias. Etwa die Hälfte der Bevölkerung, im Wesentlichen Malaien, sind Sunniten. Die anderen Volksgruppen gehören den verschiedensten Glaubensrichtungen an. Unter den Chinesen sind Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus verbreitet. 7 Prozent der Bevölkerung, überwiegend Inder, sind Hindu, daneben gibt es eine christliche Minderheit (6 Prozent). Sabahs größte Volksgruppe, die Kadayan, sind ebenfalls Christen. In Sabah und Sarawak sind vor allem animistische Stammesreligionen verbreitet.


    3. Feiertage

    In Malaysia gibt es eine Vielzahl von nationalen und regionalen Feiertagen. Zu den nationalen Feiertagen gehören Neujahr (1. Januar), der Tag der Arbeit (1. Mai), Yang di-Pertuan Agong, der Geburtstag des Königs (derzeit am 4. Juni), der Merdeka-Tag (31. August) und Weihnachten (25. Dezember). Das chinesische Neujahrsfest dauert eine Woche (Januar bzw. Februar). Der Feiertag Merdeka erinnert daran, dass Malaysia 1957 seine Unabhängigkeit von den Briten erlangte. Die drei höchsten islamischen Feiertage sind Hari Raya Puasa, das dreitägige Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan, Hari Raya Haji, das Opferfest nach einer Wallfahrt nach Mekka, und der Geburtstag des Propheten Mohammed. Mandi Safar ist ein islamisches Fest, das in keinem anderen Land gefeiert wird. Am Wesak-Tag (im Mai) wird die Geburt Buddhas gefeiert. Am Geburtstag der buddhistischen Göttin der Gnade, Kuan Yin, pilgern Frauen zu den Tempeln der Göttin. Deepavali ist ein hinduistisches Fest im Oktober bzw. November, an dem der Sieg Krishnas über einen Dämonenkönig gefeiert wird. Die Dayak begehen verschiedene Feste zur Feier der Ernte (Kadazan im Mai), zur Erinnerung an die Toten und zur Heldenverehrung. Malaysias Völkervielfalt hat den Brauch des "offenen Hauses" hervorgebracht, nach dem an besonderen Tagen das eigene Haus den Menschen anderer Volkszugehörigkeit oder Religion offen steht. Bei den Christen ist an Weihnachten offenes Haus, bei den Chinesen während des chinesischen Neujahrsfestes, bei den Hindus an Deepavali und bei den Moslems an Hari Raya Puasa.

    Malaysia's Geschichte

    Über die Frühgeschichte des heutigen Malaysias ist relativ wenig bekannt, da es von diesem Gebiet kaum Dokumente und archäologische Funde gibt. Ungefähr 3000 v. Chr. besiedelten malaiische Völker die Halbinsel, eine zweite Einwanderungswelle setzte 300 v. Chr. ein. Die Kultur des Landes wurde zu dieser Zeit durch die Einwanderung verschiedener Handelsvölker, insbesondere aus Indien, geprägt. Die Malaccahalbinsel bildete keine politische Einheit, sondern war in kleine Königreiche aufgespalten, denen die Flusstäler natürliche Grenzen setzten. Auch Borneo war in kleinere Einheiten zersplittert. Vermutlich unterstanden einige der Königreiche auf dem Festland bis zu einem gewissen Grad der Kontrolle größerer Reiche in Kambodscha oder Sumatra.
    Um 1400 n. Chr. wurde das Königreich von Malakka (auch unter der Schreibweise Melaka bekannt) gegründet, das als Handelszentrum schnell zur führenden Macht der Halbinsel wurde. 1511 eroberten die Portugiesen unter der Führung von Afonso d'Albuquerque Malacca und setzten sich bei kriegerischen Auseinandersetzungen gegen das islamische Reich Aceh von Sumatra durch. 1641 fiel das Königreich an die Niederlande, die in den folgenden 200 Jahren die herrschende europäische Handelsmacht in Südostasien waren. Wie bei den Portugiesen kam es auch unter der Herrschaft der Niederländer zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit angrenzenden Königreichen. Den Niederländern gelang es jedoch, ihren Einfluss bis nach Johor auszudehnen. Zu dieser Zeit standen die nördlichen malaiischen Königreiche, Perlis, Kedah, Kelantan und Trengganu meist unter siamesischem Einfluss.


    1. Die Machtübernahme durch die Briten

    Im 18. Jahrhundert gewannen die Briten im südostasiatischen Raum zunehmend an Einfluss. 1786 verpachtete der Sultan von Kedah die Insel Penang an die britische Ostindischen Kompanie, 1795 (endgültig 1824) brachte Großbritannien Malacca unter seine Kontrolle, und 1824 nahm es Singapur in Besitz. Zu den Straits Settlements zusammengefasst, kamen Singapur, Penang und Malacca nun unter die Verwaltung der britischen Kolonialregierung in Indien und wurden 1867 Kronkolonien.

    Zur Sicherung ihrer Interessengebiete auf der Halbinsel übernahmen die Briten in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Kontrolle über die Sultanate Perak, Selangor, Negeri Sembilan und Pahang und ließen sie durch britische Residenten beaufsichtigen. 1895 wurden diese vier Sultanate zu den Federated Malay States zusammengefasst und der Kontrolle eines britischen Generalresidenten unterstellt. Johor und die vier Sultanate im Norden, Perlis, Kedah, Kellantan und Trengganu, die bis 1909 unter siamesischer Herrschaft standen, gehörten nicht zum Bund und bildeten die Unfederated Malay States. An der Spitze des britischen Herrschaftssystems stand ein Regierungskommissar, der gleichzeitig Gouverneur der Straits Settlements war.

    Das Gebiet der heutigen malaiischen Gliedstaaten Sarawak und Sabah stand bis zum Ende des 19. Jahrhundert größtenteils unter dem Einfluss des mächtigen muslimischen Sultanats Brunei. Die Europäer unterhielten zwar Handelsbeziehungen mit Nordborneo, hatten dort aber keine dauerhaften Niederlassungen gegründet. 1841 schenkte das Sultanat Brunei James Brook, einem britischen Seefahrer, als Dank für seine Unterstützung bei der Niederschlagung eines Aufstands Sarawak. Brook und seinen Nachfolgern, ausnahmslos weißen Radschas, gelang es, das Gebiet bis 1905 auf die heutigen Grenzen von Sarawak auszudehnen. Im Osten verpachteten die Sultane von Brunei und Sulu Land an ausländische Händler. 1877 wurde der Pachtvertrag von einer britischen Handelsgesellschaft übernommen. In der Folgezeit schloss Großbritannien mit beiden Sultanen Verträge ab, die den Briten die uneingeschränkte Herrschaft über dieses Gebiet einräumten. 1881 wurde diese Handelsgesellschaft in die British North Borneo Company umgewandelt, nachdem sie einen Freibrief des Sultans zur Verwaltung des Gebiets erhalten hatte. 1888 wurden das heutige Sabah und Sarawak zu britischen Protektoraten.


    2. Unabhängigkeit

    Malacca, Sarawak und Nordborneo wurden 1941 von den Japanern besetzt und blieben bis zum Ende des 2. Weltkrieges (1945) unter japanischer Besatzung. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen die Briten die Halbinsel wieder in Besitz. Die nach dem Krieg aufkommenden Unabhängigkeitsbestrebungen wurden durch Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Volksgruppen behindert. Die Briten hatten der Einwanderung von Chinesen und Indern Vorschub geleistet, um ausreichend Arbeitskräfte für die Zinn- und Kautschukindustrien anwerben zu können. In den vierziger Jahren waren ungefähr 50 Prozent der Bevölkerung auf der Malaccahalbinsel Malaien, 37 Prozent Chinesen und 12 Prozent Inder. Die Volksgruppen standen einander, nicht zuletzt wegen religiöser und sprachlicher Konflikte, feindselig gegenüber. 1946 vereinigten die Briten gegen den heftigen Widerstand der Malaien Singapur, Malacca und Penang mit den Federated sowie Unfederated Malay States zur Malaiischen Union. Die malaiische Führungsschicht wehrte sich gegen die den Handel und die Wirtschaft beherrschenden Chinesen. Der Widerstand gegen die Union führte 1946 zur Gründung der United Malays National Organization (UMNO). 1948 wurde die Malaiische Union in eine Föderation, den Malaiischen Bund, umgewandelt.
    Nordborneo und Sarawak, die seit 1946 britische Kronkolonien waren, sollten sich mit dem Sultanat Brunei, das britisches Protektorat war, zu einer Konföderation zusammenschließen. Der Plan scheiterte letztendlich an Einwänden von Brunei.

    Anfang der fünfziger Jahre bildete sich eine Allianz aus der UMNO, der Malayan Chinese Association (MAC) und dem Malayan Indian Congress (MIC). Bei den ersten allgemeinen Wahlen (1955) erzielte die Allianz die Mehrheit der Mandate und arbeitete zusammen mit den Briten die Verfassung für die Zeit der Unabhängigkeit aus. Die Verfassung stellte den föderativen Staatenbund sowie die Vorzugsstellung der wirtschaftlich benachteiligten Malaien in den Mittelpunkt. Zudem gewährte sie den meisten Nichtmalaien die Staatsbürgerschaft.
    Kurz bevor der Malaiische Bund in die Unabhängigkeit entlassen wurde, musste die Kolonialregierung gegen einen von den Kommunisten ausgelösten Aufstand vorgehen, der erst nach jahrelangen Kämpfen niedergeschlagen werden konnte. Die Malay Communist Party (MCP) spielte im 2. Weltkrieg in der Widerstandsbewegung gegen Japan eine führende Rolle und wurde nach 1945 nicht verboten. Die MCP schloss sich der Widerstandsbewegung gegen die Malaiische Union an. Die Gründung des Malaiischen Bundes (1948) war der Auslöser für einen bewaffneten Aufstand kommunistischer Rebellen. Ziel der MCP war u. a. die sofortige Unabhängigkeit und die Absetzung der traditionellen malaiischen Herrscher. Die Angriffe der MCP auf Zinnminen und Kautschukplantagen führten im Juni 1948 zur Verhängung des Ausnahmezustands durch die Briten (siehe Malaiischer Aufstand). Die MCP wurde verboten, die britischen und einheimischen Truppen durch Kontingente aus den afrikanischen Kolonien Großbritanniens sowie aus Australien und Neuseeland ergänzt. 1954 war die MCP zu Friedensverhandlungen bereit, obwohl es in den folgenden sechs Jahren nach wie vor zu sporadischen Kämpfen kam.


    3. Malaysia

    Am 31. August 1957 wurde der Malaiische Bund von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Tunku Abdul Ar-Rahman Putran (UMNO) war der erste Premierminister. Am 16. September 1963 schloss sich der Malaiische Bund mit Singapur, Sarawak und Sabah zur Föderation Malaysia zusammen. Wirtschaftliche und politische Interessengegensätze führten 1965 zum Austritt Singapurs aus der Föderation. Unter der Führung des indonesischen Staatspräsidenten Sukarno leistete Indonesien gegen die Mitgliedschaft von Sarawak und Sabah in der Föderation Widerstand und startete über die Grenze hinweg eine propagandistische und militärische Konfrontation, die bis 1966 andauerte.

    Die malaysische Staatsführung hatte immer wieder mit ethnischen und sozialen Spannungen zwischen den Volksgruppen zu kämpfen. Bei den allgemeinen Wahlen von 1969 stand die Allianz einer Opposition malaiischer und nichtmalaiischer Parteien gegenüber. Unmittelbar nach den Wahlen brachen in Kuala Lumpur schwere Unruhen aus, die bis 1971 zur Verhängung des Ausnahmezustands führten. Der neue Premierminister Tun Abd Ar-Razak vertrat die New Economic Policy (NEP, Neue Wirtschaftspolitik) mit dem Ziel, die Armut zu bekämpfen und die Stellung der Malaien in wirtschaftlicher Hinsicht zu verbessern.

    Außerdem erweiterte Ar-Razak das regierende Parteibündnis Allianz, das sich bereits auf die östlichen Teile ausgedehnt hatte, zur Nationalen Front (Barisan Nasional). 1974 gewann die Nationale Front die Wahlen und konnte ihren Vorsprung 1978 unter Premierminister Datuk Husain ibn Onn ausbauen. Der Nationalen Front standen zwei große Oppositionparteien gegenüber: die Pan-Malaysian Islamic Party, die 1977 die Nationale Front verließ und zunehmend die Bedeutung der Religion in den Mittelpunkt rückte, sowie die Democratic Action Party. Als Husain Onn 1981 zurücktrat, trat sein Stellvertreter, Mahathir ibn Mohammed, seine Nachfolge an. 1983 führte eine Auseinandersetzung über die Verfassung zwischen der Regierung Mahathir und den Sultanen zu einem Kompromiss, der die Macht des Yang di-Pertuan Agong einschränkte und der Konferenz der Fürsten ein Vetorecht in der Legislative einräumte. Durch die wachsenden Spannungen zwischen Malaien und Chinesen (1987) sah sich die Regierung Mahathir bedroht und ließ alle Oppositionsführer festnehmen. Aus den Wahlen von 1990 ging die Nationale Front wieder als Sieger hervor und zog mit großer Mehrheit ins Parlament ein.
    In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren traten zwischen der föderativen Regierung und den Gliedstaaten Sabah und Sarawak größere Meinungsverschiedenheiten auf, woraufhin die Oppositionsparteien in das Parlament der Mitgliedsstaaten gewählt wurden. Insbesondere Sarawak und Sabah fühlten sich im Zug des Wirtschaftswachstums und der Industrialisierung vernachlässigt, obwohl das in diesem Landesteil in großen Mengen vorkommende Erdöl, Erdgas und Holz einen Großteil der Devisen einbrachte. In Sarawak protestierten Gruppen der Dayak heftig gegen den rasanten Ausbau der Holzindustrie. Außerdem befürchtete man die Ausbreitung radikaler islamischer Gruppen und die Gefährdung der inneren Stabilität des Landes. 1985 wählte Sabah als erster Bundesstaat eine Oppositionspartei in das Landesparlament. 1993 wurden für malaiische Reisende von der Halbinsel Zollkontrollen eingeführt. Zeitweise hatte es Anfang der neunziger Jahre den Anschein, es gäbe Überlegungen, aus der Föderation auszutreten.
    Am 25. Februar 1994 verhängte die Regierung Handelssanktionen gegen Großbritannien. Mitte 1994 wurden die Befugnisse des Königs durch eine Verfassungsänderung weiter eingeschränkt. Vom Parlament verabschiedete Gesetze können nicht mehr vom Monarchen abgelehnt werden. Im April 1999 wurde Sultan Salahuddin Abdul Aziz Shah Alhaj für die folgenden fünf Jahre zum König gewählt. Bei den Parlamentswahlen vom November 1999 setzte sich die aus 14 Parteien bestehende Koalition von Premierminister Mahathir ibn Mohammed mit großer Mehrheit durch.


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    Singapur's Bevölkerung

    Die Bevölkerung von Singapur ist ethnisch gemischt. Sie besteht hauptsächlich aus Chinesen (etwa 78 Prozent), Malaien (14 Prozent) und Indern (6 Prozent). Nahezu alle Einwohner stammen von den Einwanderern ab, die nach der Gründung der Stadt Singapur ab 1819 in das Gebiet gelangten. Die Zusammensetzung der Bevölkerung spiegelt die Geographie der Handelsbeziehungen wider, die das Britische Empire zu dieser Zeit unterhielt.
    Singapur hat etwa 4,30 Millionen Einwohner (2001). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 6 642 Einwohnern pro Quadratkilometer; in einzelnen Wohnbezirken der Stadt wurden Werte von bis zu 200 000 Einwohnern pro Quadratkilometer erreicht. Die Bevölkerung konzentriert sich auf den Südteil der Insel. Die Lebenserwartung liegt für Männer bei 77,2 und für Frauen bei 83,4 Jahren (2001) und gehört zu den höchsten in Asien. Das niedrige Bevölkerungswachstum von 3,50 Prozent wird durch eine umfassende Politik der Geburtenkontrolle erreicht.


    1. Sprache

    Die Republik Singapur hat vier Amtssprachen: Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil. Malaiisch ist die Nationalsprache, während Englisch in Verwaltung, Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Tourismus Verwendung findet. Die Chinesen sprechen eine Reihe verschiedener Dialekte (u. a. Hokkein, Chaozhou und Kantonesisch), die jedoch langsam vom Mandarin (Putonghua) verdrängt werden.


    2. Religion

    Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung spiegelt sich auch in der Religion wider. 68 Prozent der Chinesen (54 Prozent der Gesamtbevölkerung) sind Anhänger von Buddhismus, Daoismus und des Konfuzianismus; 14 Prozent sind Christen, zumeist römisch-katholisch. Die Malaien sind zu 98 Prozent Muslime. Von den Indern sind 53 Prozent Hindus, 26 Prozent Muslime und 13 Prozent Christen; 7 Prozent sind Sikhs oder Anhänger des Jainismus und anderer Richtungen. Daneben gibt es kleine Gruppen von Parsen (Zoroastrianer) und Juden.


    3. Feiertage

    Zu den nationalen Feiertagen gehören das christliche Neujahr am 1. Januar, das chinesische Neujahrsfest (die Daten variieren nach dem chinesischen Mondkalender und fallen meistens in den Februar), Ostern, der Tag der Arbeit (1. Mai), der Wesak-Tag (im fünften Monat des Mondkalenders), der höchste Feiertag der Buddhisten, der Nationalfeiertag (9. August) und Weihnachten (25. Dezember). Der Nationalfeiertag erinnert an die Unabhängigkeit Singapurs 1965. Hari Raya Puasa ist das Fest zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan. In Singapur sind diese Feierlichkeiten einzigartig, da auch Anhänger aller anderen Religionen willkommen sind. Hari Raya Haji ist ein Feiertag der Muslime, die die Pilgerreise nach Mekka gemacht haben. Deepavali (Fest der Lichter) ist ein wichtiger Feiertag für Hindus und Sikhs, an dem der Triumph des Lichtes über die Dunkelheit gefeiert wird. Das Fest der neun Kaisergötter, an den ersten neun Tagen des neunten Mondmonats, hat sich aus einem alten chinesischen Reinigungsritual entwickelt. Während der neun Tage werden aufwendige symbolische Zeremonien durchgeführt, wie z. B. das Überschreiten eigens erbauter Brücken vor dem Betreten eines Tempels. Alles Schlechte aus dem zu Ende gehenden Jahr soll beim Überqueren der Brücken von den Gläubigen abfallen.


    4. Soziales

    Über staatliche und Freiwilligenorganisationen verteilt Singapur eine Reihe von sozialen Leistungen an die Bedürftigen. Es gibt zwar keine staatlichen Pensionen oder Krankengeld, aber es gibt eine staatliche Unterstützungskasse, an die Arbeitnehmer und Arbeitgeber Zahlungen leisten müssen.

    Singapur's Klima, Flora & Fauna

    Singapur, Republik, unabhängiger Stadtstaat in Südostasien. Das Staatsgebiet umfasst die Hauptinsel und 59 kleine vorgelagerte Inseln vor der Südspitze der Malaccahalbinsel und hat eine Fläche von 648 Quadratkilometern. Die Hauptinsel Singapur wird im Norden durch die schmale Johorestraße von Malaysia getrennt. Im Süden grenzt die Singapurstraße den Staat gegen das Riau-Archipel ab, das zu Indonesien gehört; die Straße ist eine wichtige Schifffahrtsverbindung zwischen dem Indischen Ozean im Westen und dem Südchinesischen Meer im Osten. Die Stadt Singapur liegt auf der Südostspitze der Insel. Sie ist eine der wichtigsten Hafenstädte und eines der wirtschaftlichen Zentren in Südostasien.

    Eine kleine Übersicht von Singapur aus dem Lonely Planet


    Die Insel Singapur ist ein flachwelliges Gebiet ohne größere Erhebungen. Das Hügelgebiet steigt bis auf 176 Meter an. Vor einigen Küstengebieten liegen Korallenriffe, und im Landesinneren entspringen zahlreiche kurze Flüsse. Der längste von ihnen, der Seletar, ist 15 Kilometer lang; andere wichtige Flüsse - es sind eigentlich nur Gezeitentrichter - sind der Singapur und der Rochor; sie fließen durch das Stadtzentrum und spielen für den Boots- und Fährverkehr eine Rolle.


    1. Klima

    Das Land hat ein feucht-tropisches Klima mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 27,2 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 2 400 Millimeter; es gibt keine ausgesprochenen Regenzeiten.


    2. Flora und Fauna

    Nur rund 4,4 Prozent (1997) der Landesfläche Singapurs stehen unter Naturschutz. Der ursprüngliche tropische Regenwald von Singapur ist fast gänzlich menschlichen Siedlungen gewichen. Nur noch in einem kleinen Gebiet im Landesinneren gibt es etwas Urwald, und an der Küste findet man teilweise noch Mangrovenwälder; verbreitet sind Grasland und Gebüsche. Zur Säugetierfauna gehören Tupaias, Loris, Riesengleitflieger, Flughunde, Schuppentiere, Dugongs und der Kleinkantschil (ein Hirschferkel). Es gibt zahlreiche Vogelarten, von denen viele eng mit dem Menschen zusammenleben; bemerkenswerte Vögel sind Schwalbenstare, Schamadrosseln, Nachtreiher, Schlangenhabichte und Pfeifgänse. Reptilien sind durch Krokodile, Geckos, Schildkröten und Schlangen repräsentiert.

    Singapur's Verwaltung und Politik

    Singapur hat eine Verfassung aus dem Jahr 1959, die auf dem Höhepunkt der Entwicklung von der Kolonie zum selbständigen Staat entstand. Seither wurde sie mehrfach geändert; die wichtigsten Änderungen stammen von 1965, als Singapur die völlige Unabhängigkeit erhielt und eine republikanische Verfassung annahm.


    1. Exekutive

    Staatsoberhaupt der Republik Singapur ist ein Präsident, der für sechs Jahre gewählt wird. Der Präsident wurde früher vom Parlament gewählt, seit der Verfassungsänderung von 1991 wird er direkt vom Volk gewählt und hat erweiterte Befugnisse. Der Ministerpräsident wird vom Präsidenten berufen, steht dem Kabinett vor und hat in der Praxis mehr Befugnisse als der Präsident.


    2. Legislative

    Die Gesetzgebung obliegt dem Abgeordnetenhaus, das nach dem Vorbild des britischen Parlaments gebildet wurde. 81 der Mitglieder werden in allgemeinen Wahlen gewählt, sechs weitere Mitglieder werden vom Präsidenten benannt. Die Legislaturperiode beträgt fünf Jahre, es besteht Wahlpflicht. Vorkehrungen in der Verfassung sorgen dafür, dass einige Wahlkreise mehrere Abgeordnete entsenden, damit alle ethnischen Gruppen gerecht repräsentiert sind.


    3. Judikative

    Die Justiz ist nach britischem Vorbild aufgebaut. Höchstes Organ der Rechtsprechung in der Republik ist der Oberste Gerichtshof, bestehend aus einem Zivilgerichtshof, dem Appellationsgerichtshof und einem Appellationsgerichtshof für Strafsachen. Der Oberste Richter und andere Richter werden vom Präsidenten berufen. Untergeordnete Gerichte sind die Bezirks- und Magistratsgerichte, ein Jugendgericht, ein Hof zur Untersuchung von Todesfällen und ein Gericht für Bagatellfälle.


    4. Politik

    Die Aktionspartei des Volkes (People's Action Party, PAP) hat seit der Unabhängigkeit Singapurs eine führende Rolle in der nationalen Politik inne; sie vertritt eine Ideologie des Wirtschaftswachstums, der nationalen Selbstbestimmung und der sozialen Disziplin. Sie wird hauptsächlich von Chinesen getragen. Weitere im Parlament vertretene Gruppen sind die Demokratische Partei (DP) und die Partei der Arbeiter (WP). In Singapur herrscht Wahlpflicht.


    5. Verteidigung

    Männer unterliegen einer Wehrpflicht von 24 Monaten; für höhere Dienstgrade beträgt die Wehrdienstzeit 30 Monate. Der Verteidigungshaushalt beläuft sich auf 5,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (1999). Die Stärke der Truppen beträgt 60 500 Soldaten, davon 50 000 Mann beim Heer, 6 000 in der Luftwaffe und 4 500 bei der Marine. Alle Waffengattungen sind mit modernen Waffen ausgerüstet. Bis zu einem Alter von 40 Jahren (Offiziere bis 50 Jahre) werden Reservedienste abgeleistet.

    Singapur's Wirtschaft

    Singapur gehört wirtschaftlich zu den so genannten Kleinen Tigern, einer Gruppe von südostasiatischen Schwellenstaaten; das Wirtschaftswachstum liegt bei 7,96 Prozent (1990-1999). Der Lebensstandard gehört zu den höchsten in der gesamten Region. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 84 945 Millionen US-Dollar (1999; Dienstleistungen 64,1 Prozent, Industrie 35,8 Prozent, Landwirtschaft 0,2 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Kopf von 21 810 US-Dollar. 29 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Industrie und 71 Prozent im Dienstleistungssektor beschäftigt. Die historisch bedingte Beschränkung auf Internationalen Handel ist einer mittlerweile diversifizierten Struktur gewichen. Es gibt ein ausgedehntes produzierendes Gewerbe, zumeist kapitalintensive Leichtindustrie, und Finanzdienstleistungen.


    1. Landwirtschaft und Fischerei

    Die Landwirtschaft spielt für die Gesamtökonomie wegen der mageren Böden und der begrenzten Anbaufläche keine bedeutende Rolle; es werden diverse Gemüse- und Obstsorten angebaut. Moderne Techniken machen das Ackerland in Singapur zu einer der produktivsten Flächen der Welt. Spezialisiert hat man sich auf die Zucht von Orchideen und Aquariumsfischen für den Export. Die Fischindustrie konzentriert sich auf Jurong im Südwesten der Insel Singapur.


    2. Industrie

    Seit den sechziger Jahren ist die Industrie rapide gewachsen. Singapur, das alle Rohstoffe importieren muss, stellt eine breite Vielfalt an Gütern her, u. a. Chemikalien, Pharmazeutika, elektronische Bauteile, Bekleidung, Kunststoffe, Gummiwaren, Stahlrohre, Sperrholz, Mineralölprodukte und Nahrungsmittel. Singapur ist der weltgrößte Exporteur von Diskettenlaufwerken für Computer. Das wichtigste Industriegebiet ist das Gewerbegebiet Jurong.
    Singapur produziert Mineralölprodukte (vor allem Heizöl), Maschinen, Metallwaren und chemische Erzeugnisse. Der Schiffbau sowie Schiffsreparaturen sind wichtiger Bestandteil der Industrie Singapurs. Hier gibt es auf Trocken- und Schwimmdocks die größten Reparaturkapazitäten der Welt.


    3. Währung und Bankwesen

    Die Währungseinheit in Singapur ist der Singapur-Dollar (= 100 Cents). Als Zahlungsmittel ist auch noch der Brunei-Dollar gebräuchlich. Die Währungsbehörde agiert auch als Zentralbank; nur die Ausgabe der Währung obliegt dem Board of Commissioners of Currency (Rat der Währungsbevollmächtigten). Singapur ist ein bedeutendes Bank- und Finanzzentrum. Die größte ansässige Bank ist die Entwicklungsbank Singapur (Development Bank of Singapore); es gibt in Singapur etwa 130 Geschäfts- und 80 Handelsbanken. Die Börse in Singapur ist ein wichtiges Handelszentrum für asiatische Wertpapiere.


    4. Außenhandel

    Singapur ist einer der bedeutendsten Häfen der Welt; die ausgedehnten Hafenanlagen liegen an der Südküste. Einen großen Teil des Handels nimmt die Verschiffung von Gütern ein, die in der Region hergestellt werden. Die wichtigsten Handelspartner sind Japan, Malaysia, die Vereinigten Staaten, Hongkong, Deutschland, Taiwan und China. Die Devisenreserven sind auf die Einwohnerzahl umgerechnet, die höchsten der Welt.


    5. Verkehrswesen

    Singapur hat ein Straßennetz von 3 066 Kilometern. Die Haltung eines Autos ist mit extrem hohen Gebühren belegt, um Stauungen und Umweltverschmutzung zu reduzieren. Eine 25 Kilometer lange Bahnstrecke überquert die Johorestraße und hat Anschluss an das Eisenbahnnetz von Malaysia. Stichlinien führen zum Hafen und zum bedeutendsten Gewerbegebiet. Die Wege von und zu den Wohn- und Industriegebieten werden mit Untergrundbahnen der städtischen Verkehrsbetriebe versorgt. Der Changi-Airport in Singapur ist einer der größten internationalen Flughäfen in Asien; die staatliche Fluglinie ist die Singapore Airlines.


    6. Tourismus

    Der Tourismus ist für Singapur eine bedeutende Deviseneinnahmequelle. Jährlich besuchen rund 6,26 Millionen Touristen Singapur, und die Deviseneinnahmen belaufen sich auf rund 6,10 Milliarden US-Dollar.


    7. Energie

    Der gesamte Energiebedarf wird durch vier Wärmekraftwerke gedeckt, die mit importiertem Öl befeuert werden.

    Singapur's Geschichte

    Man nimmt an, dass Singapur ein Handelszentrum im malaiischen Königreich Srivijaya war, bis im 14. Jahrhundert das Eigentum auf das Königreich Majapahit überging. Im 15. Jahrhundert wurde es vom Sultanat Malacca (Malacca) unter Tun Perak beansprucht.


    1. Europäische Kolonialisierung

    Die moderne Stadt wurde 1819 von dem britischen Kolonialverwalter Sir Thomas Stamford Raffles über einem Fischerdorf gegründet. Er erkannte als einer der Ersten die Perspektiven des Ortes als Handelsplatz; die Britische Ostindienkompanie erwarb die Insel 1824 von dem Sultan von Johore. 1826 wurde Singapur in die so genannten Straits Settlements eingegliedert, zu denen außerdem noch die der Malaccahalbinsel vorgelagerte Insel Penang und die Festung Malacca gehörten. Die vorteilhafte Lage an der engen Durchfahrt zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer sowie sein Status als Freihafen machten Singapur bald zu einem bedeutenden Geschäftszentrum, besonders nach der Eröffnung des Suezkanals 1869. Durch die Einwanderer wuchs die Bevölkerung rasch und die Chinesen wurden vor den Malaien und Indern die stärkste Bevölkerungsgruppe. 1921 bestimmte Großbritannien die Insel zum wichtigsten Flottenstützpunkt in Ostasien und errichtete ausgedehnte militärische Anlagen.

    Während des 2. Weltkrieges, im Februar 1942, wurde die Insel in einer wochenlangen Schlacht von den japanischen Truppen eingenommen und besetzt; die Eroberung von Britisch-Malaysia war vorausgegangen. Als die Briten sich zurückzogen, zerstörten sie den Damm, der Singapur mit der Malaccahalbinsel verband, nur teilweise. Dadurch hatten die Angreifer leichten Zugang zum großen Hafen. Die wichtigsten Einrichtungen, darunter das weltgrößte Trockendock, waren jedoch zerstört worden, um sie nicht den Japanern in die Hände fallen zu lassen. Dem Widerstand der Singapurer, unter ihnen Lim Bo Seng, begegneten die Japaner mit unnachgiebiger Unterdrückung. Am 6. September 1945 wurde die Insel von britischen Truppen befreit. Im folgenden Jahr erhielt Singapur den Status einer eigenen, von der Malaiischen Union getrennten Kronkolonie. 1955 wurde eine innere Autonomie zugestanden und die Verantwortung für innere Angelegenheiten den lokal gewählten Ministern und einer gesetzgebenden Versammlung übergeben. Am 3. Juni 1959 erhielt Singapur die volle innere Selbstverwaltung und wurde Mitglied des Commonwealth of Nations. Am 16. September 1963 bildeten Singapur, Malaya, Nordborneo (unter dem Namen Sabah) und Sarawak die Föderation Malaysia.


    2. Die Republik

    1965 trennte sich Singapur aufgrund schwerer Differenzen mit der Bundesregierung und unüberbrückbarer Spannungen zwischen Malaien und Chinesen von Malaysia; Singapur wurde ein selbständiger Staat, verblieb im Commonwealth und wurde Mitglied der Vereinten Nationen. Im Dezember desselben Jahres wurde die Republik ausgerufen. Inche Yusof bin Ishak, Staatsoberhaupt seit 1959, wurde der erste Präsident. Seine Nachfolger wurden Benjamin Henry Sheares, der das Amt von 1971 bis zu seinem Tod 1981 innehatte, und C. V. Devan Nair, der 1981 gewählt wurde. Von 1959 bis 1990 wurde die Regierungsgewalt von Ministerpräsident Lee Kuan Yew ausgeübt. Seine Aktionspartei des Volkes (People's Action Party) errang in jeder Wahl seit 1968 eine überwältigende Mehrheit. Die Innenpolitik von Lee Kuan Yew wurde zunehmend autoritärer.

    Die Politik unter Leitung von Hon Sui Sen und weiteren Technokraten in der Regierung ließ die Wirtschaft Singapurs von 1966 bis 1990 jährlich um 8,5 Prozent wachsen. Singapur entwickelte sich von einem Umschlagsplatz zu einem Fabrikationszentrum, spezialisiert auf ausbildungs- und kapitalintensive Industrien, und zu einem Finanzzentrum. Die Richtlinien der Sozial- und Innenpolitik waren bevormundend und sollten im Wesentlichen die führende Position der PAP in Singapur erhalten. Lee Kuan Yew und seine Mitstreiter verwiesen bei Kritik von außen auf die wirtschaftliche Stärke Singapurs, auf die empfindliche soziale Balance zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und die Verletzlichkeit des Staates gegenüber den politischen und ökonomischen Ambitionen seiner Nachbarn. In seiner Angst vor kommunistischer Unterwanderung war Lee ein eiserner Verfechter der Südostasien-Politik der Vereinigten Staaten. Im August 1967 machte er Singapur zu einem Gründungsmitglied der Assoziation der Südostasiatischen Nationen (ASEAN). 1971, nach dem endgültigen Rückzug der britischen Truppen aus Singapur, führte er Singapur in ein Verteidigungsbündnis gemeinsam mit Australien, Großbritannien, Malaysia und Neuseeland. Nach dem Ende des Vietnamkrieges nahm er eine versöhnlichere Haltung gegenüber den kommunistischen Staaten der Region ein; 1990 gewährte er die diplomatische Anerkennung Chinas. 1985 legte Nair sein Amt als Präsident nieder. Mit seinem Nachfolger Wee Kim Wee wurde erstmals ein Angehöriger des chinesischen Bevölkerungsteiles zum Präsidenten gewählt. Premierminister Lee gab 1990 sein Amt ab und bestimmte Goh Chok Tong als Nachfolger; sich selbst behielt er die Position eines Seniorministers im Kabinett vor. 1991 begann die Regierung, im Erziehungssystem die konfuzianischen Werte - eine Betonung der Gemeinschaft über das Individuum - zu propagieren und setzte sie in Kontrast zu dem westlichen Wertesystem. Die Regierung Goh gewann 1991 bei den Parlamentswahlen 77 der 81 Sitze - für die PAP das niedrigste Wahlergebnis seit 1968. Bei Nachwahlen 1992 schnitt Goh sehr gut ab und wurde als Nachfolger von Lee Kuan Yew zum Generalsekretär der PAP gewählt, was seine Autorität noch stärkte. Ong Teng Cheong (PAP) wurde bei der ersten direkten Präsidentschaftswahl am 2. September 1993 mit 57,4 Prozent der Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Chua Kim Yeoh, ein Staatsbeamter im Ruhestand, erreichte 40,4 Prozent.
    Die Beziehungen zu den Philippinen wurden schwer belastet, als am 17. März 1995 ein philippinisches Hausmädchen wegen Mordes an einem anderen Hausangestellten und einem Kind zum Tod verurteilt wurde. Die Behörden in Singapur wiesen alle Bitten der Philippinen, die Hinrichtung auszusetzen, zurück.

    Bei den Parlamentswahlen Anfang 1997 errang die Regierungspartei PAP von Premierminister Goh Chok Tong 81 der 83 Sitze. Die PAP regiert seit der Unabhängigkeit von Großbritannien (1959); erst seit 1981 ist eine parlamentarische Opposition zugelassen.
    Im September 1997 brachen in Indonesien verheerende Waldbrände aus, die sich auch auf Singapur auswirkten.
    Bei den Präsidentschaftswahlen vom August 1999 wurde S. R. Nathan zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Der ehemalige Botschafter Singapurs in den USA hatte zuletzt das Institut für Verteidigung und Strategische Studien in Singapur geleitet.


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    Thailand's Bevölkerung

    Die Thai bilden den überwiegenden Teil der Bevölkerung Thailands. Man nimmt an, dass dieses Volk aus dem Südwesten Chinas stammt und zu Beginn des 1. Jahrtausends n. Chr. in Südostasien eingewandert ist. Oft werden jedoch die im Kernraum des Landes wohnenden Thai im engeren Sinn von den im Nordwesten und Osten des Landes angesiedelten Lao, die mit dem Volk des benachbarten Laos enger verwandt sind, ethnisch unterschieden. Die Thai einschließlich der Lao stellen etwa drei Viertel der Bevölkerung,. Die größte Minderheitengruppe sind mit rund 14 Prozent die Chinesen, von denen viele thailändische Staatsbürger sind. Unter den übrigen Minderheiten sind die in den südlichen Provinzen lebenden muslimischen Malaien, Angehörige der Bergvölker des Nordens sowie kambodschanische (Khmer) und vietnamesische Flüchtlinge im Osten zu nennen. 79 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land.
    Die Einwohnerzahl beträgt etwa 61,8 Millionen (2001), woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 120 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. Die Bevölkerung ist jedoch regional sehr unterschiedlich verteilt; die stärkste Bevölkerungsdichte weist Mittelthailand auf.


    1. Wichtige Städte

    Bangkok ist Hauptstadt, bedeutendster Seehafen und mit 7,36 Millionen Einwohnern (1998) größte Stadt des Landes. Weitere wichtige Städte sind Chiang Mai (159 000 Einwohner), die größte Stadt in Nordthailand, Songkhla (288 000) auf der Malaccahalbinsel und Nakhon Si Thammarat (112 000), ebenfalls auf der Malaccahalbinsel.


    2. Sprache

    Die Amtssprache ist Thai, ein Mitglied der sinotibetischen Sprachfamilie. Es gibt vier regionale Dialekte. Minderheitensprachen sind Laotisch, Chinesisch, Khmer und Malaiisch. Englisch ist als Handelssprache in Gebrauch und wird in einigen Sekundarschulen und Colleges unterrichtet .


    3. Religion

    Der Buddhismus ist die vorherrschende Religion Thailands. Das Oberhaupt der buddhistischen Hierarchie ist der Oberste Patriarch, der im Allgemeinen ein Mitglied der Königsfamilie sein muss. Rund 95 Prozent der Thailänder sind Buddhisten. Es gibt etwa 18 000 buddhistische Tempel und 140 000 buddhistische Priester im Land. Fast alle männlichen Buddhisten Thailands gehen für mindestens einige Tage oder Monate in ein Wat (Mönchskloster). Die größtenteils in Grenznähe zu Malaysia lebenden Muslime stellen rund 4 Prozent der Bevölkerung. Zudem gibt es einige kleinere christliche und hinduistische Glaubensgemeinschaften.


    3.1. Feiertage

    Staatliche Feiertage sind der Neujahrstag, das chinesische Neujahrsfest, der Chakri-Tag (6. April), der Krönungstag (5. Mai), der Geburtstag der Königin (12. August), der Chulalongkorn-Tag (23. Oktober), der Geburtstag des Königs (5. Dezember), der Verfassungstag (10. Dezember) und Silvester. Von Bedeutung sind auch die buddhistischen Feiertage Makha Bucha, Asalaha Bucha und Visakha Bucha, die an wichtige Ereignisse in der Geschichte des Buddhismus erinnern und von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten fallen, da sie sich nach dem Mondkalender richten. Songkhran ist das thailändische Neujahrsfest, und Loy Krathong ehrt die Göttin des Wassers - dann lassen die Menschen kleine "Schiffchen" mit Kerzen, Münzen oder Blumen auf den Flüssen und Seen schwimmen.


    4. Soziales

    Das Amt für öffentliches Sozialwesen ist mit dem Katastrophenschutz, der Kinderfürsorge und dem Schutz von Behinderten und Mittellosen beauftragt. In den achtziger Jahren gab es besondere Programme zur Unterstützung der Bergstämme des Nordens sowie der Flüchtlinge aus Vietnam und Kambodscha im Osten des Landes. Ein neues und sehr ernst zu nehmendes Problem für das öffentliche Gesundheitswesen ist die Ausbreitung des HI-Virus, der das Immundefektsyndrom AIDS auslöst. Die Anzahl Infizierter liegt bei etwa 755 000 (1999). Die Ärztedichte entspricht 2 738 Einwohnern pro Arzt, die Dichte der Krankenhausbetten 502 Einwohnern pro Bett.


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    Thailand's Geschichte

    Im 1. oder 2. Jahrhundert v. Chr. wanderten aus Westchina stammende, Tai sprechende (siehe Tai-Sprachen) Völker in Yunnan ein. Während der Wirren, die auf den Niedergang der Han-Dynastie 220 n. Chr. folgten, gründeten Tai-Führer das Königreich Nan Chao, das bis zur Eroberung durch die Mongolen in der Mitte des 13. Jahrhunderts Bestand hatte. Lange vor dieser Zeit hatten die Tai jedoch bereits begonnen, Richtung Süden zu wandern. Diese Wanderbewegung führte sie während der folgenden Jahrhunderte im Süden bis auf die Malaccahalbinsel und im Osten bis nach Kambodscha. Hier wurden die Tai von indischen Einflüssen geprägt und nahmen die buddhistische Religion an. Im13. Jahrhundert bildeten sie eine politische Einheit und gründeten 1238 das Reich Sukothai, dessen Blütezeit in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts unter König Ramchamhaeng begann und bis ins 14. Jahrhundert andauerte. 1350 errichtete der Gründer der Stadt Ayutthaya, der später als Rama Tibodi I. bekannt wurde und bis 1369 regierte, südlich von Sukothai das thailändische Königreich Ayutthaya. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen mit Kambodschanern und Birmanen erlebte das Reich Ayutthaya während der nächsten 400 Jahre eine Blütezeit; es eroberte das Reich Sukothai, Kambodscha und die noch unabhängigen Thai-Fürstentümer im Norden. In dieser Zeit kam es auch zu teilweise feindseligen Beziehungen zwischen den Thai und verschiedenen europäischen Nationen, darunter Portugal, die Niederlande und Großbritannien, sowie China.


    1. Konsolidierung der staatlichen Unabhängigkeit

    1767 wurde Ayutthaya nach vierjähriger Belagerung von birmanischen Truppen erobert und zerstört. Die Herrschaft der birmanischen Oberherren wurde jedoch durch einen Aufstand der Thai unter Führung von General Pya Taksin, der sich anschließend selbst zum König ausrief, schnell beendet. Sein Nachfolger, General Pya Chakri, der Begründer der noch heute herrschenden Dynastie der Thaikönige (siehe Chakri-Dynastie), regierte als Rama I. von 1782 bis 1809. Die britische und die thailändische Regierung schlossen 1826 ein Handelsabkommen. Aufgrund der durch dieses Abkommen erworbenen Rechte und Privilegien wuchs der britische Einfluss gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Thailand.
    Dank des staatsmännischen Geschicks zweier Herrscher blieb Thailand das Schicksal der Kolonisierung, das seine Nachbarstaaten teilten, erspart. Seinem Interesse an westlicher Wissenschaft und Zivilisation folgend, beauftragte König Mongkut, der von 1851 bis 1868 regierte, europäische Berater, ihm bei der Modernisierung seines Landes zu helfen. Sein Sohn, König Chulalongkorn, der während der Hochzeit der europäischen Kolonialbestrebungen regierte (von 1868 bis 1910), setzte die grundlegenden Modernisierungsbemühungen seines Vaters fort. Diese bestanden u. a. in der Abschaffung der Sklaverei und der Einrichtung von Schul- und Justizsystemen nach westlichem Vorbild. Chulalongkorn gelang es im Wesentlichen, die Unabhängigkeit seines Staates gegenüber Kolonialbestrebungen zu bewahren, wenngleich die Hoheitsrechte Thailands während seiner Regierungszeit beschnitten wurden. 1893 wurde Thailand z. B. in Grenzstreitigkeiten mit Frankreich verwickelt, das zu dieser Zeit eine Vormachtstellung in Cochinchina, Annam, Tonking und Kambodscha einnahm. Die Franzosen entsandten daraufhin Kriegsschiffe nach Bangkok und zwangen Thailand, Kambodscha sowie alle Gebiete in Laos östlich des Mekong abzutreten. 1904 und 1907 wurden weitere thailändische Gebiete westlich des Mekong von Frankreich erworben. 1909 trat Thailand vier Gebiete auf der Malaccahalbinsel an Großbritannien ab, wofür Großbritannien den Großteil seiner Ansprüche im übrigen Teil des Königreiches aufgab. Thailand trat im Juli 1917 an der Seite der Alliierten in den 1. Weltkrieg (1914-1918) ein. 1920 wurde es Gründungsmitglied des Völkerbundes.
    Unter der Herrschaft von König Prajadhipok (1925-1935) organisierte eine Gruppe westlich orientierter militärischer und politischer Führer um Pridi Phanomyong und Oberst Phibun Songgram im Juni 1932 einen erfolgreichen Staatsstreich gegen das absolutistische Regierungssystem. Im Dezember 1932 wurde der Staat eine konstitutionelle Monarchie. Im März 1935 dankte König Prajadhipok zugunsten seines Neffen, Prinz Ananda Mahidol, ab. Im November 1936 kündigte Thailand alle Abkommen mit ausländischen Nationen auf. Nach den im darauf folgenden Jahr in neuen Verträgen festgelegten Bestimmungen erlangte die Regierung die vollständige Selbstbestimmung über die innen- und außenpolitischen Angelegenheiten des Landes. 1938 wurde Phibun Songgram Ministerpräsident einer faschistisch ausgerichteten Militärdiktatur. Der seinerzeit Siam genannte Staat wurde 1939 in Thailand umbenannt, um die territorialen Ansprüche an allen von Thai (auch den in Nachbarstaaten lebenden) besiedelten Gebieten zu verdeutlichen.



    2. Der Zweite Weltkrieg

    Mit japanischer Unterstützung forderte Phibuns Regierung ab 1940 von Frankreich die seit 1893 abgetretenen Gebiete zurück. Der Streit wurde mit japanischer Vermittlung im Mai 1941 durch den Vertrag von Tokyo beigelegt. Laut Vertragsbedingungen erhielt Thailand Gebiete in der Größe von rund 54 000 Quadratkilometern (Westkambodscha und alle Gebiete in Laos westlich des Mekong). Die Beziehungen zwischen Japan und Thailand gestalteten sich daraufhin zunehmend freundschaftlicher. Am 8. Dezember 1941, einige Stunden nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, gestattete die thailändische Regierung den japanischen Truppen freien Durchzug zur malaiischen Grenze. Am 21. Januar 1942 erklärte Thailand den Vereinigten Staaten und Großbritannien den Krieg. Phibuns japanfreundliche Regierung wurde jedoch im Juli 1944 durch eine gegen Japan gerichtete Widerstandsbewegung gestürzt, und Pridi kam an die Macht. Unter seiner Führung entwickelte sich im thailändischen Volk eine starke Sympathie für die Belange der Alliierten.
    Thailand schloss im Januar 1946 mit Großbritannien und Indien ein Abkommen, in dem es u. a. seinen Verzicht auf die im Krieg gewonnenen malaiischen Gebiete erklärte. Die diplomatischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten wurden im gleichen Monat wieder aufgenommen. Im November 1946 traf Thailand mit Frankreich eine Vereinbarung über die Rückgabe 1941 erworbener Gebiete an Frankreich. Thailand wurde am 15. Dezember 1946 in die Vereinten Nationen (UN) aufgenommen (55. Mitglied). Am 9. Juni 1946 wurde König Ananda Mahidol ermordet. Für seinen Bruder und Nachfolger, den späteren König Rama IX. (eigentlich Bhumibol Aduljadeh), wurde wegen seiner Jugend bis 1950 eine Regentschaft ernannt.


    3. Innenpolitische Unbeständigkeit

    Am 9. November 1947 übernahm eine Militärjunta unter Phibun die Regierungsgewalt. Außer einer kurzen Unterbrechung Anfang 1948 blieb Phibun bis 1957 an der Macht. Sein Regime, im Grunde eine Diktatur, stützte seine Außenpolitik auf enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und Großbritannien. König Rama IX. bestieg am 5. Mai 1950 den Thron. Nach dem Ausbruch des Koreakrieges im Juni 1950 stellte Thailand den UN-Streitkräften rund 4 000 Mann zur Verfügung.
    Am 29. November 1951 ergriff eine Gruppe von Armeeoffizieren in einem unblutigen Staatsstreich die Macht und setzte die autoritäre Verfassung von 1932 mit einigen Änderungen wieder ein. Phibun blieb weiterhin Premierminister. Während dieser Zeit wurde in China, unterstützt von chinesischen Kommunisten und unter dem formellen Vorsitz von Pridi die Freie Thailändische Bewegung gegründet .
    An der Genfer Konferenz vom April 1954, die den Indochinakrieg vorübergehend beendete, nahmen auch thailändische Vertreter teil. Im September 1954 beteiligte sich Thailand an der Gründung des Südostasienpaktes (Southeast Asia Treaty Organization, SEATO).
    Im September 1957 wurde Phibuns Regierung durch einen militärischen Staatsstreich unter Führung von Marschall Sarit Thanarat, Oberbefehlshaber der thailändischen Streitkräfte, gestürzt. Im Januar 1958 wurde unter Premierminister Generalleutnant Thanom Kittikachorn eine Koalitionsregierung gebildet. Ein weiterer Staatsstreich, erneut unter Führung von Sarit, stürzte im Oktober 1958 die Regierung von Thanom. Die Verfassung wurde außer Kraft gesetzt, das Kriegsrecht verhängt und alle politischen Parteien verboten. Anfang der sechziger Jahre zeigte sich die Regierung zunehmend besorgt über die rasch anwachsende, kommunistische Guerillabewegung im Norden des Landes. Diese von vietnamesischen und laotischen Kommunisten geförderte Bewegung wurde mit militärischer Unterstützung durch die USA bekämpft. Die Zunahme der Terroranschläge war für Thanom, der nach dem Tod Sarits im Dezember 1963 erneut Premierminister wurde, eines der Hauptprobleme. Zudem verschlechterte sich die Lage der prowestlichen Regierung im benachbarten Laos, und in Vietnam herrschte seit 1959 Krieg (siehe Vietnamkrieg), in den Thailand als SEATO-Mitglied von 1967 bis 1971 verwickelt war. Während des Vietnamkrieges flogen die USA von thailändischem Boden aus Angriffe gegen die Vietcong.


    4. Kampf für die Demokratie

    Auf politischer Ebene leitete die Regierung allmählich die Wiederherstellung der 1958 außer Kraft gesetzten Rechte ein. Im Dezember 1967 fanden seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Kommunalwahlen statt. Im Juni 1968 wurde eine neue Verfassung ausgerufen. Bei den Parlamentswahlen vom Februar 1969 gewann die Vereinigte Thailändische Volkspartei (United Thai People's party) eine Mehrheit von 75 Sitzen im Repräsentantenhaus. Die größte Gruppe der Opposition, die Demokratische Partei (Democratic Party), erhielt 56 Sitze.
    Ab 1969 änderten die Vereinigten Staaten ihre Rolle in Südostasien, indem sie allmählich ihre Streitkräfte aus Vietnam abzogen und freundschaftliche Beziehungen zu China aufzunehmen suchten. Aufgrund dieser Entwicklung musste Thailand eine flexiblere Außenpolitik, insbesondere im Hinblick auf China und Vietnam, einschlagen. Im gleichen Zeitraum hatte Thailand weiterhin gegen Guerilla-Aktionen im Norden und entlang der Grenze mit Malaysia zu kämpfen. Der Rückzug der Vereinigten Staaten aus Südostasien hatte nachteilige Auswirkungen auf die thailändische Wirtschaft und führte zur Belastung der thailändisch-amerikanischen Beziehungen. Flüchtlingswellen aus Vietnam und Kambodscha erreichten Thailand. Der Niedergang der Wirtschaft und die Guerillaangriffe wurden im November 1971 als Vorwand für die Aufstellung einer Militärregierung benutzt. Das Militär schaffte unter Führung von General Thanom die Verfassung ab und löste das Parlament auf. Im Dezember 1972 wurde eine neue Verfassung ausgerufen.
    1973 führte eine Reihe von studentischen Demonstrationen gegen die Militärregierung zum Rücktritt Thanoms im Oktober desselben Jahres und zur Ernennung eines zivilen Kabinetts. Ende 1974 wurde eine neue Verfassung bestätigt und Anfang 1975 eine frei gewählte Regierung gebildet. Eine Regierungsstabilität war jedoch schwer zu erreichen, und auch die neuen Wahlen 1976 änderten daran wenig. Im September desselben Jahres führte die Rückkehr des ehemaligen Premierministers Thanom aus dem Exil in Singapur zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen linksgerichteten Studenten und seinen Anhängern aus dem rechten Flügel in Bangkok. Als sich Anfang Oktober die Unruhen im Land weiter ausbreiteten, übernahm eine Gruppe von Angehörigen des Militärs unter Führung von Admiral Sa-ngad Chaloryu die Macht im Land und stellte eine konservative Regierung auf. Ein Jahr später wurde auch diese Regierung von Sa-ngad und seiner Gruppe abgesetzt. Sa-ngad verlangte von einem neuen Kabinett, die Spaltung in der thailändischen Gesellschaft zu überbrücken und die Beziehungen mit den kommunistischen Regierungen der Nachbarländer zu verbessern. Doch im Dezember 1978 wurde eine neue Verfassung verkündet, und im April 1979 wurden Wahlen für ein neues Repräsentantenhaus abgehalten. Die von der Militärführung eingesetzte Regierung blieb jedoch bis zum März 1980 im Amt; anschließend wurde sie durch ein neues Kabinett unter Vorsitz von General Prem Tinsulanonda abgelöst. Aus den Wahlen von 1983 ging General Prem als Vorsitzender einer neuen Koalitionsregierung hervor. Er löste 1986 die Nationalversammlung auf und setzte Neuwahlen an. Ohne die absolute Mehrheit erhalten zu haben, gewann seine Partei die Wahlen, und General Prem bildete erneut eine Koalitionsregierung.
    Nach den Wahlen im Juli 1988 wurde Chatichai Choonhavan Premierminister. Im Februar 1991 stürzte ihn eine Militärjunta und setzte eine zivile Übergangsregierung ein. Nachdem promilitärische Parteien die Wahlen vom März 1992 gewonnen hatten, wurden Demonstrationen für demokratische Reformen in Bangkok blutig niedergeschlagen. Die Neuwahlen vom September führten zu einer weiteren Koalitionsregierung mit Chuan Leekpai, einem erfahrenen Politiker, als Premierminister. 1995 stimmte die Mehrheit der Regierung für die Änderung der Verfassung von 1991. Die Gleichberechtigung der Frau wurde offiziell festgesetzt, und das Wahlalter wurde von 20 auf 18 Jahre herabgesetzt. Im November 1996 wurde Chavalit Yongchaiyudh zum neuen Premierminister gewählt.
    Mitte 1997 geriet Thailand in eine schwere Wirtschaftskrise, wofür die Bevölkerung Chavalit Yongchaiyudh verantwortlich machte. Unter seiner Amtsführung waren u. a. die Aktienkurse stark gesunken; die Landeswährung Baht hatte etwa 50 Prozent an Wert verloren. Auf öffentlichen Druck hin mussten Chavalit Yongchaiyudh und sein Kabinett nach nur elfmonatiger Amtszeit im November 1997 zurücktreten; als Nachfolger wurde der frühere Regierungschef Chuan Leekpai bestimmt. Chuan Leekpai, Vorsitzender der Demokratischen Partei, stand einer aus Politikern von sieben Parteien gebildeten Koalition vor. Seine wichtigste Aufgabe sah er darin, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen. Schätzungen zufolge waren durch den Zusammenbruch zahlreicher Unternehmen bis Ende 1998 etwa 2,4 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Mitte 1999 hatte sich die wirtschaftliche Situation Thailands wieder teilweise stabilisiert (siehe Asienkrise).
    Bei den Parlamentswahlen am 6. Januar 2001 erreichte die oppositionelle Partei Thai Rak Thai (TRT) des Wirtschaftsmagnaten Thaksin Shinawatra mit 255 Mandaten knapp die absolute Mehrheit im 500 Sitze umfassenden Parlament. Die bislang regierende Demokratische Partei von Ministerpräsident Chuan Leekpai, der in den vergangenen drei Jahren mit seiner Sechsparteienkoalition das Land nach der Wirtschafts- und Finanzkrise konsolidieren konnte, erreichte nur 128 Mandate. Nach Einschätzung der unabhängigen Wahlkommission war die Abstimmung "die schmutzigste Wahl aller Zeiten" - obwohl bei diesen Wahlen erstmals die neue Verfassung zum Tragen kam, die den traditionellen Stimmenkauf untersagt. Wegen Wahlbetrugs wurden dann auch je etwa 30 Mandate der TRT und der anderen Parteien wieder annulliert und Nachwahlen in den entsprechenden Wahlbezirken anberaumt. Unterdessen formierte Thaksin ein Koalition mit einigen kleineren Parteien und sicherte sich so eine breite Mehrheit im Parlament; am 9. Februar wählte ihn das Parlament mit 340 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten.


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    Thailand's Wirtschaft

    Der Anbau, die Verarbeitung und die Ausfuhr von Agrarprodukten, insbesondere Reis, sind die Hauptstützen der thailändischen Wirtschaft. Obgleich Thailand über lange Zeit zu den wohlhabendsten asiatischen Ländern gehörte, war das Land aufgrund des vorwiegenden Anbaus von Reis wirtschaftlich äußerst anfällig und Schwankungen des Weltmarktpreises sowie des Ernteertrags unterworfen. Die Regierung versuchte, dieser Anfälligkeit durch eine Reihe von Entwicklungsprogrammen zu begegnen; diese sollten die Wirtschaft auf eine breitere Basis stellen und wissenschaftliche Anbaumethoden, insbesondere die kontrollierte Überflutung der Reisfelder, fördern, um mit einer konstant gleich bleibenden Reisernte, selbst in Jahren mit spärlichen Regenfällen, rechnen zu können. Die vor allem durch japanische Investitionen in Gang gesetzte Industrialisierung Thailands machte während der achtziger Jahre und Anfang der neunziger Jahre rasche Fortschritte. Der Tourismus wurde im letzten Jahrzehnt zu einem enorm wichtigen Sektor der thailändischen Wirtschaft. 1998 setzte sich der Staatshaushalt aus rund 18,20 Milliarden US-Dollar Einnahmen und 25,43 Milliarden US-Dollar Ausgaben zusammen.
    Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 124 Milliarden US-Dollar (1999; Dienstleistungen 49,5 Prozent, Industrie 40 Prozent, Landwirtschaft 10,5 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 2 060 US-Dollar.
    1999 zählte Thailand 36,3 Millionen Erwerbstätige; davon waren rund 51 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt. Es gibt über 530 Gewerkschaftsverbände mit etwa 300 000 Mitgliedern.


    1. Landwirtschaft

    Thailand ist trotz seines geringen Ertrags pro Hektar einer der führenden Reisproduzenten der Welt. 2000 produzierte Thailand rund 23,4 Millionen Tonnen Reis; in den sechziger Jahren waren es nur etwa 11,3 Millionen Tonnen. Das zweitwichtigste Agrarprodukt ist Naturkautschuk, der größtenteils auf Plantagen der Malaccahalbinsel angebaut wird. 2000 lag die Erntemenge bei 2,24 Millionen Tonnen. Weitere bedeutende Anbaufrüchte sind Mais (4,57 Millionen Tonnen), Sorghum oder Mohrenhirse (165 221 Tonnen), Maniok (18,5 Millionen Tonnen), Zuckerrohr (27,2 Millionen Tonnen), Baumwolle (37 499 Tonnen), Tabak (61 000 Tonnen), Kaffee (80 293 Tonnen), Kokosnüsse (1,4 Millionen Tonnen) und Kenaf oder Gambohanf (201 000 Tonnen), eine Faserpflanze aus der Gattung Roseneibisch, die zur Herstellung von Leinwänden verwendet wird. Zudem ist Thailand weltweit führend in der Produktion von Ananas. Der Viehbestand setzt sich aus rund 3 Millionen Büffeln, 5,68 Millionen Rindern, 7,20 Millionen Schweinen und 194 Millionen Hühnern zusammen. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Zucht von Seidenraupen.


    2. Forstwirtschaft und Fischerei

    Mitte des 20. Jahrhunderts waren fast 50 Prozent des Landes bewaldet. Ausgedehnte Rodungen führten dazu, dass nur noch 28,9 Prozent (2000) waldbedeckt sind. Seit einigen Jahren bemüht sich der Staat um die Wiederaufforstung weiträumiger Gebiete, die durch Überflutungen, Erdrutsche und Entwaldung Schaden genommen hatten. Die wichtigsten forstwirtschaftlichen Produkte sind Harthölzer, insbesondere Teak. 1999 lag der Holzeinschlag bei insgesamt etwa 36,3 Millionen Kubikmetern. Der Export von Teak als Rohholz ist heute verboten.
    Der Fang von Meerestieren ist ebenfalls ein bedeutender Sektor der Wirtschaft. 1997 lag die Fangmenge bei rund 3,49 Millionen Tonnen und bestand neben Fischen vorwiegend aus Garnelen und Schalentieren.


    3. Bergbau


    Thailand ist reich an natürlichen Ressourcen. Zu den bekannten Bodenschätzen zählen Kohle, Gold, Blei, Zinn, Wolfram, Mangan, Zink und Edelsteine.


    4. Industrie

    Die verarbeitende Industrie beschäftigt etwa 18 Prozent der Arbeitskräfte. Die bedeutendsten Branchen sind Nahrungsmittelindustrie, insbesondere Reismühlen, Textil- und Bekleidungsgewerbe sowie Elektronikindustrie. Weitere wichtige Produkte sind Zement, Fahrzeuge, Zigaretten, verschiedene chemische Erzeugnisse und Erdölprodukte.


    5. Währung und Bankwesen

    Die Währungseinheit Thailands ist der Baht, bestehend aus 100 Stangs. Die Bank von Thailand, gegründet 1942, ist die Notenbank. In Thailand gibt es auch viele Handelsbanken und mehrere ausländische Bankunternehmen.


    6. Außenhandel

    1999 beliefen sich die Ausfuhrerlöse Thailands auf rund 58,4 Milliarden US-Dollar, der Einfuhrwert lag bei 41,5 Milliarden US-Dollar. Zu den Hauptexportwaren gehörten Textilien und Bekleidung, elektronische Produkte, Reis, Kautschuk, Zinn, Maniok, Zucker und Garnelen. Importiert wurden Erdöl und Erdölprodukte, mechanische Geräte, Fahrzeuge, chemische Produkte, Eisen und Stahl sowie elektrische Maschinen. Haupthandelspartner sind Japan, die USA, Singapur, Deutschland, Malaysia, China und die Niederlande.


    7. Verkehrswesen

    Die vom Staat betriebene thailändische Eisenbahn verfügt über ein Schienennetz von 4 044 Kilometern. Der Ausgangspunkt des Eisenbahnnetzes ist Bangkok; eine Strecke geht nach Norden bis Chiang Mai, eine andere nach Süden zur Grenze mit Malaysia, eine weitere Richtung Osten nach Ubon Ratchathani, eine in Richtung Nordosten durch Udon Thani nach Vientiane in Laos und schließlich eine nach Nordwesten zur Grenze von Myanmar. Der Chao Phraya, der ab seiner Mündung etwa 80 Kilometer ins Landesinnere schiffbar ist, ist ein wichtiger Wasserweg der Binnenschifffahrt. Das Straßennetz wurde in den siebziger Jahren ausgebaut und hat heute eine Länge von rund 64 600 Kilometern; davon sind 98 Prozent befestigt. Die thailändische Fluggesellschaft Thai Airways bietet Inlands- und Auslandsflüge an. Der Hafen von Bangkok, einer der modernsten Südostasiens, dient ebenfalls dem Binnenstaat Laos als Überseehafen.


    8. Energie

    1999 erzeugte Thailand etwa 89,4 Milliarden Kilowattstunden an elektrischer Energie (1968 waren es erst drei Milliarden Kilowattstunden). 91,17 Prozent der Energie wurde in Wärmekraftwerken produziert, die in erster Linie mit landeseigener Kohle oder eingeführtem Erdöl betrieben wurden. Der Rest kam aus Wasserkraftwerken.


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    Thailand's Verwaltung und Politik

    1932 wurde das seit Jahrhunderten in Thailand bestehende absolutistische Regierungssystem beendet; seither ist das Land eine parlamentarische Republik. Thailand wird nach der Verfassung von 1997 regiert.

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    1. Exekutive

    Der König ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Vorsitzender des Kabinetts ist der Premierminister, der theoretisch der Hauptinhaber der Exekutivgewalt ist. Er muss ein gewähltes Mitglied des Repräsentantenhauses sein und kann Schritte einleiten für die Gewährleistung der Stabilität des Thrones, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder zur Sicherung eines reibungslosen Funktionierens der Wirtschaft. In der Praxis spielen jedoch hohe Militärbeamte die Hauptrolle in der Regierung.


    2. Legislative

    Die Legislative liegt in Thailand bei einem Zweikammerparlament (Nationalversammlung), bestehend aus Repräsentantenhaus (500 Abgeordnete) und Senat (200 Senatoren). Die Legislaturperiode der Parlamentarier liegt bei vier Jahren.


    3. Judikative

    Oberste Instanz der Rechtsprechung ist der Oberste Gerichtshof (Sarn Dika) mit Sitz in Bangkok, der die letzte Instanz für alle zivilrechtlichen und strafrechtlichen Fälle sowie für Konkursverfahren ist. Ein einziges Berufungsgericht (Sarn Uthorn) ist für alle Berufungsverfahren zuständig. Zu den Gerichten erster Instanz gehören Magistratsgerichte mit begrenzter zivilrechtlicher und strafrechtlicher Gerichtsbarkeit, Provinzgerichte mit unbegrenzter Gerichtsbarkeit und Zivilrechts- und Strafrechtsgerichthöfe mit ausschließlicher Gerichtsbarkeit in Bangkok und Thon Buri. Mit der Verfassung von 1991 wurde die Unabhängigkeit der Justiz anerkannt.


    4. Kommunalverwaltung

    Thailand gliedert sich verwaltungsmäßig in fünf Regionen, die wiederum in 75 Provinzen (Changwads) aufgeteilt sind. Jede Provinz wird von einem von der Regierung ernannten Gouverneur verwaltet.


    5. Politik

    Stärkste im Parlament vertretene Parteien sind Thai Rak Thai (TRT, "Thailänder lieben Thailänder"), New Aspiration Party (NAP), Democrat Party (DP), Chart Pattana (CP; Partei für Nationale Entwicklung), Chart Thai (CT; Nationalpartei) und Social Action Party (SAP).


    6. Verteidigung

    Der Wehrdienst ist Pflicht für Männer zwischen 21 und 30 Jahren und dauert zwei Jahre. 1999 bestand die Armee aus dem Heer mit 190 000 Mann, der Luftwaffe mit 43 000 Mann und der Marine mit 68 000 Mann.

    Thailand's Klima, Flora & Fauna

    Thailand liegt auf der Hinterindischen Halbinsel; nur die Region im äußersten Süden liegt auf der Malaccahalbinsel. Das Land hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 1 770 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 805 Kilometern. Die Topographie ist sehr vielfältig, aber die Gebirgszüge stellen die beherrschende Landschaftsform dar. Im nördlichen und westlichen Teil des Landes gibt es parallel verlaufende Gebirgsketten mit nordsüdlicher Ausrichtung. Die höchsten Erhebungen liegen im westlichen Bergland, das sich entlang der birmanischen Grenze ausdehnt und mit dem Doi Inthanon bis auf 2 595 Meter, dem höchsten Punkt Thailands, ansteigt. Die von Küstenebenen begrenzte Malaccahalbinsel erreicht im Khao Luang mit 1 790 Metern ihre höchste Erhebung. Eine weitere Gebirgskette erstreckt sich in nordsüdlicher Richtung durch Mittelthailand, geht im Süden in Ost-West-Richtung über und dehnt sich bis zur Ostgrenze des Landes hin aus; ihr höchster Gipfel ist der Doi Pia Fai mit 1 270 Metern. Der Nordosten Thailands besteht aus einem flachen, unfruchtbaren Becken, dem Khorat-Plateau, das rund ein Drittel der Landesfläche einnimmt und vom Mekongtal begrenzt wird. Zwischen den zentralen und westlichen Gebirgen liegt die breite Schwemmlandebene des Chao Phraya (Menam), des größten Stromes von Thailand. Dieses Tiefland und das fruchtbare Delta des Chao Phraya bei Bangkok sind die landwirtschaftlich am intensivsten genutzten und dichtest besiedelten Räume des Königreiches.


    1. Klima

    Thailand hat ein feuchtes, tropisches Klima, das in erster Linie von den je nach Jahreszeit die Richtung wechselnden Monsunwinden geprägt wird. Von April bis Oktober kommen die mit Feuchtigkeit angereicherten Winde vorwiegend aus Südwesten; den Rest des Jahres aus Richtung Nordost. Unter dem Einfluss der Südwestwinde sind die Temperaturen höher und liegen zwischen 25,6 und 36,7 °C; ansonsten variieren sie zwischen 13,3 und 33,3 °C. Im Binnenland - außer in großer Höhe - sind die Temperaturen etwas höher als an der Küste.
    Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Norden, Westen und im Landesinneren bei 1 525 Millimetern, auf der thailändischen Seite der Malaccahalbinsel bei über 2 540 Millimetern und auf dem Khorat-Plateau unter 1 270 Millimetern. Der meiste Regen fällt in den Sommermonaten (Juni bis Oktober).


    2. Flora und Fauna

    Im Südosten des Landes und auf der Malaiischen Halbinsel dominiert tropischer Regenwald, in anderen Regionen bestehen artenreiche, feuchte Monsunwälder mit Laub werfenden Bäumen sowie an den Küsten Mangrovensümpfe und in höheren Lagen Kiefernbestände. Zu den Holzgewächsen im Bereich der Küstenregionen gehören Rotangpalmen und Ebenholzgewächse; wirtschaftlich wertvolle Bäume des Hochlandes sind Teakbäume, Adlerholz und Eichen. Daneben gedeiht eine große Vielfalt tropischer Pflanzen und Früchte, darunter Orchideen, Gardenien, Hibiscus, Bananen, Mangos und Kokosnüsse.
    Insbesondere in den bewaldeten Gebieten besteht eine artenreiche Fauna. Es gibt viele Elefanten, die häufig als Lasttiere eingesetzt werden; ferner leben hier Nashörner, Tiger, Leoparden, Gaure und Wasserbüffel. Primaten sind durch Languren, Makaken und Javaneraffen repräsentiert; weitere interessante Mitglieder der Säugetierfauna sind Tupaias, Flughunde und Schuppentiere. Zur vielfältigen Vogelwelt gehören Wiedehopfe, Schwarznacken-Pirole, Guriale (aus der Verwandtschaft der Eisvögel), Schwalbenstare, Nashornvögel und Drongos. In Thailand leben über 50 Schlangenarten, darunter mehrere Giftschlangen, sowie Schildkröten, Agamen (u. a. Flugdrachen) und Krokodile. Insgesamt stehen 13,1 Prozent (1997) der Landesfläche unter Naturschutz.

    2.05.04

    China's Wirtschaft

    Mehr als 2 000 Jahre lang basierte die chinesische Wirtschaft auf einer Art Feudalsystem; der Landbesitz lag in den Händen einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die von den Abgaben der bäuerlichen Pächter lebten. Daneben mussten die Bauern auch Steuern an die kaiserliche Regierung entrichten und waren in manchen Regionen Naturkatastrophen wie Dürre und Überschwemmungen mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen war die Landwirtschaft in kleinste Bereiche aufgesplittert. Nach dem Ende der Opiumkriege 1860 begann eine Periode westlicher Einflussnahme, die vor allem von den Handelshäfen ausging. Eisenbahnschienen und Straßen wurden gebaut und die ersten Formen industrieller Entwicklung setzten ein. Diese Aktivitäten hatten für die allgemeine chinesische Wirtschaft jedoch nur geringe Bedeutung. China wurde in eine Reihe von kolonialen Interessenkonflikten verwickelt und stand unter verschiedenen Einflüssen.

    Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts organisierte sich die Chinesische Kommunistische Partei. Während der folgenden zwei Jahrzehnte konnte die Partei ihren Einfluss ausbauen, indem sie in weiten Teilen der ländlichen Gebiete ein Agrarprogramm einführte, das die Abgaben kontrollierte und den Wucher unterband. Dazu wurde ein Bauernverband gegründet. Am 1. Oktober 1949 gelang es der Kommunistischen Partei erstmals seit dem Kaiserreich im Jahr 1912, eine vereinte Nationalregierung und eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu etablieren. Von 1949 bis 1952 konzentrierten sich die Bemühungen der Politik auf das Eindämmen der Inflation, die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Die neue Regierung rief eine Landreform ins Leben; an über 300 Millionen arme Bauern wurde Land verteilt. Im Zug des ersten Fünfjahresplanes (1953-1957) wurden 92 Prozent der Landbevölkerung in Kooperativen organisiert. 1958 entstanden die ersten bäuerlichen Kommunen. Diese spielten in der chinesischen Landwirtschaft bis Anfang der achtziger Jahre eine dominierende Rolle. Die Kommunen basierten auf dem kollektiven Besitz des Landes und aller wichtigen Maschinen. Die Produktion orientierte sich an staatlich festgelegten Zielen und die Arbeiter wurden je nach Erfüllung des Solls entsprechend entlohnt. Ein grundlegendes Auskommen war jedoch allen Mitgliedern garantiert.

    Auch im urban-industriellen Bereich wurde das staatliche Eigentum allmählich auf Industriefabriken und Handelsunternehmen ausgedehnt. Die Industrie wuchs während des ersten Fünfjahresplanes auch durch entsprechende staatliche Investitionen beständig und der staatseigene Sektor gewann auf diese Weise eine immer größere Bedeutung. Der zweite Fünfjahresplan wurde 1958 eingeführt. Im Sommer dieses Jahres begann das Regime mit seiner vielfach angekündigten wirtschaftlichen Offensive. Dieses Programm war von großen Investitionen in der Schwerindustrie gekennzeichnet. Ferner wurden in dieser Phase kleinere Industriezweige, wie etwa die Stahlverarbeitung eingerichtet. Das Programm verursachte jedoch auch große Irritationen im Wirtschaftsmanagement und im tatsächlichen ökonomischen Wachstum. 1960 musste es abgebrochen werden. Die chinesische Wirtschaft durchlief eine Periode der Konsolidierung, 1965 erreichte die Produktion in vielen Bereichen jedoch wieder das Niveau der späten fünfziger Jahre. Der dritte Fünfjahresplan begann 1966, aber sowohl die landwirtschaftliche als auch die industrielle Produktion wurden durch die Auswirkungen der Kulturrevolution beträchtlich geschmälert. Der vierte Fünfjahresplan wurde 1971 eingeführt, als sich die Wirtschaft langsam wieder erholt hatte.

    Nach dem Tod Maos 1976 wurde der fünfte Fünfjahresplan eingeleitet, aber 1978 durch das „Programm der vier Modernisierungen” unterbrochen. Dieses Programm forderte eine Rundumerneuerung der Landwirtschaft, der Industrie, der nationalen Verteidigung sowie der Wissenschaft und Technik bis zum Ende des Jahrhunderts. Damit sollte China zu den führenden Wirtschaftsnationen der Erde gehören. Hierzu bemühte man sich um eine Verbesserung des Wirtschaftsmanagements und versuchte, die in privatem und kollektivem Besitz (im Gegensatz zu den verstaatlichten) befindlichen Unternehmen in den Vordergrund zu rücken. Dieses Programm wurde durch einen etwas bescheideneren Zehnjahresplan für die Periode von 1981 bis 1990 ersetzt. Die Bemühungen, westliche Technologien und Investitionen zu gewinnen, dauerten aber an, ebenso wie ein Programm mit Anreizen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Die im Oktober 1984 begonnene Politik befürwortete eine weitere Dezentralisierung der ökonomischen Planungen und ein größeres Vertrauen auf die Kräfte des freien Marktes bei der Preisentwicklung für Konsumgüter.

    Der Fünfjahresplan von 1986 bis 1990 basierte auf der Annahme eines jährlichen ökonomischen Wachstums von 7 Prozent, aber die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamte sich nach der politischen Krise 1989. Diese wirtschaftliche Schwächung war jedoch nur vorübergehend. Anfang der neunziger Jahre expandierte die chinesische Wirtschaft bereits enorm, weil die Regierung die Wirtschaftsbeschränkungen zunehmend lockerte. Die Zahl der Erwerbstätigen wird auf 763 Millionen Personen geschätzt (2001). Beschäftigungslosigkeit und Unterbeschäftigung haben die Produktivität der Arbeit und das Anwachsen der Einkommen gedämpft. Diese Probleme sind unmittelbar mit der enormen Größe und der schnellen Zunahme der Bevölkerung verbunden. In den frühen achtziger Jahren war ein Drittel der Bevölkerung 15 Jahre alt oder jünger. Dies zeigt, dass eine große Zahl junger Leute pro Jahr in den Arbeitsprozess integriert werden muss. In der Landwirtschaft sind 48 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die bäuerlichen Familien erhalten ihr Einkommen zu rund drei Vierteln aus der Kollektivwirtschaft, das restliche Viertel wird aus Nebenbeschäftigungen erwirtschaftet.

    Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 159 031 Millionen US-Dollar (2001; Dienstleistungen 33,6 Prozent, Industrie 51,1 Prozent, Landwirtschaft 15,2 Prozent); dies entspricht einem BIP pro Einwohner von 910 US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum beträgt 10 Prozent (1990–2001). Doch dieses schnelle Wachstum zog auch Probleme wie beispielsweise hohe Inflationsraten nach sich. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas erklärte im Oktober 2000 eine Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010 als realistisches Ziel. Die Volksrepublik ist seit dem 10. November 2001 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO).


    1 Landwirtschaft

    Das traditionell wichtigste Standbein der chinesischen Wirtschaft ist auch heute noch die Landwirtschaft. Sie ernährt einen Großteil der Bevölkerung. Etwa 10 Prozent der Gesamtfläche Chinas sind landwirtschaftlich nutzbar (insbesondere der Osten des Landes) und großflächig bewirtschaftet. Etwa die Hälfte des Kulturlandes wird mit Bewässerungssystemen versorgt. In keinem Land der Welt ist dieser Anteil so hoch. Trotz des großen Wachstums der jährlichen Produktion seit 1949 ist das Pro-Kopf-Einkommen wegen der rasanten Bevölkerungszunahme deutlich weniger gestiegen. Zwischen den Jahren 1952 und 1979 wuchs beispielsweise die Getreideproduktion pro Jahr um 103 Prozent, das Pro-Kopf-Einkommen jedoch lediglich um 20 Prozent. 1979 wurden auch neue Gebiete für die Landwirtschaft nutzbar gemacht (insbesondere in Nordost- und Nordwestchina). Der Verlust von bewirtschaftetem Land für nichtlandwirtschaftliche Zwecke war jedoch noch größer, und durch die große Bevölkerungszunahme sank der Landesdurchschnitt von 0,18 Hektar pro Kopf 1949 auf 0,11 Hektar.

    Die beständig steigende Produktion und Ernte in China lässt sich zum Teil auf die wachsende Effektivität zurückführen. Bis 1979 waren die 838 Millionen Bauern Chinas in circa 52 000 Kommunen organisiert. Die Kommunen waren sozioökonomische Einheiten, die vom Staat Produktionsziele erhielten und dafür sorgten, dass diese erfüllt wurden. Eine Kommune war meist in mehrere Brigaden eingeteilt, die sich wiederum in Arbeitsgruppen aufgliederten. Jede dieser verschiedenen Einheiten konnte Land, Maschinen oder andere Produktionsmittel aus dem gemeinsamen Fundus der Kommune erhalten und führte jeweils unterschiedliche Arbeiten aus. Etwa sechs Millionen Arbeitsgruppen bildeten die Grundlage dieses Systems.

    Das Kommunensystem bot die Möglichkeit, den landwirtschaftlichen Anbau und die Struktur der Bepflanzung im großen Stil zu planen. So konnte in jenen Gebieten Weizen angebaut werden, wo der Boden und die übrigen Umstände am besten dafür geeignet waren. Auch die Bewässerungsanlagen ließen sich in sinnvollen Maßstäben errichten. Obwohl das Land in Kollektivbesitz war, stand jedem bäuerlichen Haushalt eine kleine Parzelle für die private Nutzung zu. Ferner war den Arbeitsgruppen Autonomie garantiert und die einzelnen Haushalte konnten die Produkte, deren erzeugte Menge über dem offiziellen Soll lagen, selbst vermarkten.

    Anfang der achtziger Jahre wollte die Regierung den wiederkehrenden Nahrungsmangel beheben, gestattete deshalb einen höheren durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch und strukturierte den landwirtschaftlichen Sektor um. Das System der Kommunen und Brigaden wurde zum großen Teil aufgehoben und stattdessen nahmen jetzt die Haushalte die wichtige Position der kleinsten Einheit in der landwirtschaftlichen Produktion ein. Unter diesem neuen „Verantwortungssystem” schloss jeder Haushalt mit den lokalen Behörden einen Vertrag über die zu produzierende Quote eines bestimmten Getreides. Darüber hinaus erwirtschaftete Ernteerträge können die Familien auf dem freien Markt verkaufen. Die daraus erzielten Umsätze beliefen sich Ende der achtziger Jahre auf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion Chinas.

    Wegen der enormen Bedeutung der Landwirtschaft in China, ist die Planung einer rationellen Landnutzung von größter Wichtigkeit. Eine Überproduktion von Getreide führte beispielsweise in den sechziger und siebziger Jahren zur Verminderung der Anbaugebiete einiger Feldfrüchte, Obstplantagen und Bäume sowie zur Vernachlässigung der Viehzucht und zu Umweltschäden. Die Regierung propagiert seitdem eine Kultivierung, die mit den natürlichen Bedingungen in Einklang steht.

    Die Mechanisierung der Landwirtschaft wird aktiv betrieben, obwohl sie nach wie vor in den Kinderschuhen steckt und sich in Regionen mit relativ kleinen Anbauflächen als unpraktikabel erwiesen hat. Die Kontrolle von Überschwemmungen und das Anlegen von Bewässerungssystemen, etwa die Errichtung von Staudämmen und Kanälen werden seit den fünfziger Jahren in großem Umfang durchgeführt. Im selben Zeitraum wurde auch die Struktur des landwirtschaftlichen Anbaus wesentlich geändert. Durch die zunehmenden Wasserreservoire und die intensivere Nutzung von Kunstdünger konnte in den drei Flusstälern der Nordchinesischen Ebene eine zweite Ernte pro Jahr hervorgebracht werden. Die Erträge in den mittleren und niedrigen Lagen des Jangtsekiang-Tales, bereits damals ein Gebiet mit zwei Ernten pro Jahr, ließen sich auf drei jährliche Ernten heraufsetzen. In jüngster Zeit stand jedoch die Rückkehr zur zweimaligen jährlichen Ernte zur Debatte, da durch die dritte Ernte hohe Ausgaben für Kunstdünger entstehen und der Anbauplan ausgesprochen eng ist.

    Um die landwirtschaftliche Produktion zu ergänzen, betreiben die verschiedenen Regierungsstellen weitere 2 000 staatliche Farmen. Diese Großbetriebe dienen sowohl für Experimente im Agrarbereich als auch zur Produktion bestimmter Nahrungsmittel für die städtischen Märkte oder für den Export. Diese Betriebe haben ihren Standort meist auf neu gewonnenem Agrarland, wo die ländliche Bevölkerung relativ gering ist und sich die modernen Maschinen effektiv einsetzen lassen.


    1. 1 Nahrungsmittelernte

    Etwa 80 Prozent der Agrarfläche Chinas sind für die Produktion von Nahrungsmitteln bestimmt. Zu den wichtigsten Ernteerzeugnissen zählt der Reis, der auf etwa einem Drittel der gesamten Anbaufläche kultiviert wird. Hauptanbaugebiete sind das südliche Tal des Huai, das mittlere und östliche Tal des Jangtsekiang, das Delta des Xi Jiang bei Kanton und das Rote Becken von Sichuan. 2002 wurden 176 Millionen Tonnen Reis geerntet.

    Das zweitwichtigste Ernteprodukt des Landes ist Weizen, der hauptsächlich nördlich des Huai angebaut wird. Die wesentlichen Anbaugebiete für Weizen liegen in der Nordchinesischen Ebene und den Tälern der Flüsse Wei und Fen in der Lößregion. Obwohl die Flächen für den Weizenanbau beinahe ebenso groß sind wie diejenigen für den Reis, ist der Ernteertrag dennoch geringer. Er betrug 2002 etwa 89,3 Millionen Tonnen

    Kaoliang (eine Art Mohrenhirse) und Hirse zählen ebenfalls zu den wichtigen Nahrungsmittelprodukten im Norden und Nordosten des Landes. Kaoliang wird auch als Viehfutter verwendet und ist ein Ausgangsstoff für die Produktion alkoholischer Getränke. Die Halme werden zur Papierherstellung und zum Abdecken der Dächer benutzt. Mais wird auf etwa 20 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche angebaut. In der Inneren Mongolei und im Westen, vor allem in Tibet, spielt auch der Hafer ein wichtige Rolle.

    Daneben werden auch andere Nahrungsmittel angebaut, etwa Süßkartoffeln, Kartoffeln, verschiedene Obstsorten und Gemüse. Die Süßkartoffeln überwiegen im Süden, im Norden dagegen die Kartoffeln. Zu den häufigsten Obstsorten zählen tropische Früchte wie Ananas und Bananen, die hauptsächlich auf der Insel Hainan wachsen, sowie Äpfel und Birnen in den nördlichen Provinzen Liaoning und Shandong. Zitrusfrüchte, Orangen und Mandarinen sind die Hauptprodukte in Südchina. 2002 konnten 66,3 Millionen Tonnen Obst geerntet werden.

    Ölsamen spielen in der chinesischen Landwirtschaft ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie dienen zur Herstellung industrieller Öle und nehmen einen großen Anteil am Export ein. Sojabohnen sind ein wichtiges Ausgangsprodukt von Speiseöl; sie werden auf etwa 8 Prozent der gesamten Agrarfläche überwiegend in Nordchina und der Mandschurei (chinesisch: Dongbei Pingyuan) angebaut. Bei der Produktion von Sojabohnen nimmt China den dritten Platz in der Welt ein. Auch bei der Erzeugung von Erdnüssen zählt China mit 14 500 000 Tonnen (2002) zu den führenden Ländern. Erdnüsse werden in Shandong und Hebei angebaut. Weitere wichtige Ölpflanzen sind Sesam und Sonnenblumensamen sowie Raps. Ein wertvolles Öl lässt sich auch aus dem Tungbaum gewinnen. Mehr als die Hälfte des gesamten Volumens von Tungöl wird in Sichuan gewonnen.

    Der Tee ist eine traditionelle Exportware Chinas. Auch heute noch gehört das Land zu den größten Teeproduzenten. 20 Prozent der gesamten Ernte entfallen auf China. Der jährliche Ernteertrag betrug 2002 715 000 Tonnen. Die größten Teeplantagen liegen auf den Hügeln in der Mitte des Jangtsekiang-Tales und in den südöstlichen Provinzen Fujian und Zhejiang.

    Der Zucker wird in China sowohl aus Zuckerrohr als auch aus Zuckerrüben gewonnen. 2002 lag die Rohrzuckerproduktion bei 80,3 Millionen Tonnen. Der Zuckerrohranbau konzentriert sich auf die Provinzen Guangdong und Sichuan. Die Zuckerrüben werden erst seit jüngerer Zeit geerntet, Schwerpunkte sind die Provinz Heilongjiang und die bewässerten Regionen der Inneren Mongolei.


    1. 2 Fasererzeugnisse

    Die kommunistische Regierung von China hat der Entwicklung von Fasererzeugnissen für die Textilindustrie große Aufmerksamkeit gewidmet. Allen voran rangiert hier die Baumwolle mit einer Jahresproduktion von 14,4 Millionen Tonnen (2002). China ist damit weltweit führender Baumwollproduzent.


    1. 3 Viehzucht

    In China gibt es große Viehbestände. Besondere Bedeutung kommt der Schweinezucht zu. Das Land zählt zu den führenden Exporteuren von Schweineborsten. In den westlichen Gegenden ist die Viehzucht der nomadischen Hirten die wichtigste landwirtschaftliche Tätigkeit. Die meisten Herden bestehen hier aus Schafen, Ziegen und Kamelen. Im tibetischen Hochland ist der Yak eine Quelle für Nahrungsmittel und Brennstoff (der Dung wird verbrannt). Seine Haare und seine Haut bilden Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Bekleidung.


    2 Forstwirtschaft

    Die Waldreserven Chinas sind aufgrund jahrhundertelanger Abholzung relativ begrenzt; das Holz wurde als Brennholz oder Baumaterial verwendet. Die Wiederaufforstungsprogramme haben die Baumbestände von 8 Prozent der Gesamtfläche im Jahr 1949 wieder auf etwa 17,1 Prozent (2000) anwachsen lassen. Dennoch sind die Bauholzlieferungen gering.

    Die Verteilung der Wälder in China ist sehr ungleichmäßig. Im Nordosten und Südwesten liegen die Hälfte aller Waldgebiete des Landes und drei Viertel der Ressourcen. Die wichtigsten Bäume sind Pinien, Fichten, Lärchen, Eichen und im äußersten Süden Teak und Mahagoni. Andere kommerziell genutzte Arten sind Tungbaum, Lackbaum, Kampferbaum und Bambus. Die landesweiten Baumbepflanzungsaktionen werden sowohl von staatlichen Projekten als auch von kollektiv organisierten Verbänden durchgeführt. Die Bäume wurden in der Nähe von Siedlungen, entlang von Straßen und Wasserwegen sowie nahe Bauernhöfen gepflanzt. Zu den wichtigsten Projekten zählt ein Programm zur Errichtung eines Waldgürtels in den Ebenen Nord- und Nordostchinas.


    3 Fischerei

    Der Fang von Fischen und Weichtieren wie Muscheln hat sich in China zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Zucht von Süßwasserfischen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Regierung förderte die Fischzucht in Teichen und Wasserreservoiren entlang der landwirtschaftlichen Nutzgebiete. Die wichtigsten Regionen der Fischzucht liegen in der Nähe der städtischen Märkte im mittleren und unteren Jangtsekiang-Tal und am Xi-Jiang-Delta. In Teichen gezüchtete Karpfen, eine seit Jahrtausenden traditionelle chinesische Nahrungsquelle, nehmen einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtproduktion ein.

    Anders als das Angeln von Süßwasserfischen ist der Meeresfischfang wenig entwickelt. Die meisten Fischer wurden in den sechziger Jahren in Fischereikommunen an der Küste angesiedelt und dazu ermuntert, neben der Fischerei auch landwirtschaftliche Aktivitäten zu entwickeln. Diese Kommunen unterhielten auch Fischzuchten im Meer.


    4 Bergbau

    China verfügt über reiche Bodenschätze, einschließlich großer Vorkommen von Mineralien, die für die industrielle Nutzung wichtig sind.

    Chinas Steinkohlenbergbau ist der größte der Welt; die wichtigsten Lagerstätten befinden sich im Norden des Jangtsekiang, insbesondere in Shanxi. Die Kohle zählt zu den führenden Brennstoffquellen für die Industrie und die privaten Haushalte. Rund 70 Prozent des Energiebedarfs werden durch die Verbrennung von Kohle erzeugt.

    Die schnelle Entwicklung der Erdölindustrie seit den fünfziger Jahren hat China auch in diesem Bereich zu einem der wichtigsten Produzenten gemacht. Seit 1963 kann China sich selbst mit Benzin versorgen, und seit 1973 ist der Export sowohl von Rohöl als auch von Erdölprodukten möglich. Das Ölfeld Daqing in der Provinz Heilongjiang wurde Ende der fünfziger Jahre entdeckt und zählt heute zu den ergiebigsten Ölfeldern des Landes. Die größten Ölreserven Chinas liegen im Tarim-Becken in der Autonomen Region Sinkiang Uigur.

    Die Förderung von Eisenerz steigt seit den siebziger Jahren enorm an. China ist weltweit der größte Erzeuger von Eisen und Stahl. Bei der Gewinnung von Graphit liegt die Volksrepublik ebenfalls an der Weltspitze.


    5 Industrie

    Der industrielle Sektor in China gliedert sich in verarbeitende Industrie, Bergbau, elektrische Stromerzeugung und Bauwirtschaft. Die Industrieunternehmen bilden unabhängige, aber integrierte regionale Strukturen. Die großen und mittleren Städte, teilweise sogar die kleineren, haben wichtige industrielle Standorte aufgebaut. Etwa 22 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt.

    Etwa gegen Ende 1978 überdachte die Regierung die industriellen Ziele neu und versuchte, ein Mittel gegen Probleme zu finden, die aufgrund einer mangelnden Planung aufgetreten waren. In vielen Städten hatte auf Kosten der Spezialisierung eine gewisse Selbstzufriedenheit eingesetzt, und viele Industriezweige führten nach wie vor längst überholte Funktionen aus. Das schnelle Wachstum in der Schwerindustrie hatte zum Teil das städtische Umfeld beschädigt und Mittel auf sich gezogen, die in der Landwirtschaft, der Leichtindustrie oder zur Verbesserung städtischer Einrichtungen fehlten. Auch die technologische Entwicklung stagnierte.

    Das Korrekturprogramm forderte ein langsameres Wachstum der Schwerindustrie, während der Leichtindustrie weitere Mittel zur Entwicklung überlassen wurden. Diese Investitionen sollten sich in relativ kurzer Zeit auszahlen und somit die eigene Expansion finanzieren. Investiert wurde auch in die Bauindustrie, um die Lebensbedingungen der Stadtbewohner zu verbessern und für die Arbeitslosen in den Städten neue Arbeitsplätze zu schaffen.

    Eine ebenfalls neue Reform ist die Garantie auf Autonomie für alle staatlichen Unternehmen bei der Frage, was mit der Überschussproduktion, den Umsätzen und Gewinnen, die nach Erfüllung der staatlichen Ziele übrig bleiben, geschehen soll. Daneben wurden zahlreiche Professoren, Manager und Techniker ins Ausland geschickt, um moderne Managementtechniken und die technischen Neuerungen kennen zu lernen. Ausländische Technologien wurden in Form neuer und kompletter Anlagen importiert.


    5. 1 Produzierender Sektor

    Die Eisen- und Stahlindustrie genießt seit 1949 in China Priorität. Das Land stellte mittlerweile eine große Vielzahl von Stahlprodukten her, wie z. B Wolframstahl, rostfreien Stahl, schwere Stahlplatten und nahtlose Rohre. Hauptproduktionsgebiete hierfür sind Nord- und Nordostchina sowie das Jangtsekiang-Tal.

    Wichtige Eisen- und Stahlhütten befinden sich in Anshan, Benxi, Peking, Baotou, Taiyuan, Wuhan, Maanshan, Panzhihua, Chongqing, Shanghai und Tientsin. Die Produktion von Eisen und Rohstahl konnte kontinuierlich ausgeweitet werden.

    Zu den weiteren Schwerindustrien Chinas zählt der Schiffsbau und die Herstellung von Lokomotiven, Fahrzeugen, Traktoren, Bergbaumaschinen, Stromerzeugungsanlagen, Ölbohrtürmen und Raffineriemaschinen.

    Die petrochemische Industrie verfügt über Anlagen in den meisten Provinzen und autonomen Regionen, wobei die wichtigsten in Peking, Shanghai, Lanzhou, Shengli, Yueyang, Anqing und Kanton liegen. Die Produktpalette umfasst synthetische Fasern, Kunststoffe und pharmazeutische Erzeugnisse.

    Die chinesische Textilindustrie beschäftigt mehr als vier Millionen Arbeiter. Die meisten neuen Textilfabriken sind in den Regionen der Baumwollpflanzungen in Hubei (Hupeh), Hunan, Hebei und Shaanxi errichtet worden. Dennoch konnte die Industrie, trotz seit 1949 zunehmender Kapazität, nicht genügend Kleidung für die gesamte Bevölkerung herstellen. Aus diesem Grund war eine Rationierung der Baumwollstoffe notwendig.


    6 Handel

    Der Warenumsatz in China wurde früher von der Zentralplanung gesteuert und ist heute zu weiten Teilen den Kräften des Marktes überlassen. Zwischen 1978 und 1984 fiel der Umsatz im staatlich kontrollierten Einzelhandel von 90,5 auf 45,8 Prozent ab. In derselben Periode konnten die Kollektive ihre Anteile von 7,4 auf 39,6 Prozent erhöhen und die privaten Unternehmen von 2,1 auf 14,6 Prozent.

    Bis Ende der siebziger Jahre wurden die von den staatlichen Unternehmen benötigten Rohmaterialien und die Ausrüstung nicht von diesen erworben, sondern den Unternehmen von Regierungsseite zur Verfügung gestellt. Nachdem die Produktion abgeschlossen war, übernahm die Regierung den Verkauf der Waren. Verbrauchsgüter, die von der ländlichen Bevölkerung benötigt wurden, vertrieb die Regierung über staatlich organisierte Liefer-Kooperativen. Die wichtigsten Waren, etwa Getreide, Öl, Fleisch, Zucker und Baumwollstoffe wurden rationiert.

    Seit 1979 war es den staatlichen Unternehmen möglich, einige ihrer Güter zu behalten und die Produkte selbst auf den Markt zu bringen. Auch der Einsatz der Werbung als Informationsmedium war zu diesem Zeitpunkt erstmals erlaubt. In den städtischen Zentren führte die Neuorganisation des Handels zu einer schnellen Zunahme an kollektiven und privaten Geschäften, etwa Restaurants, Teehäusern, Gasthöfen, Friseurläden, Photostudios, Schneiderwerkstätten und allen Arten von Reparatur- und Handwerksdiensten. Neu eröffnet wurden die Bauernmärkte, auf denen die privaten Haushalte ihre Überschussprodukte verkaufen oder andere Waren erwerben konnten.


    7 Währung und Bankwesen

    Die chinesische Währungseinheit ist der Yuan. Das Banksystem untersteht der vollständigen Kontrolle durch die Regierung. Die Volksbank von China ist die zentrale Finanzbehörde und gibt die Währung aus. Für internationale Kredite und Geldgeschäfte mit dem Ausland ist jedoch die Bank von China zuständig, die über 50 Filialen verfügt, einschließlich der Büros in Hongkong, Singapur und London. Daneben gibt es in China drei andere wichtige Banken: die Internationale Chinesische Vermögens- und Investmentgesellschaft, in der Fonds für Investitionen in China sowie Joint Ventures zwischen China und Übersee eingerichtet werden, die Volks-Konstruktionsbank China, die mit Fonds für Grundkonstruktionen handelt, und die Landwirtschaftsbank von China, die für Anleihen im Agrarsektor der Wirtschaft verantwortlich ist.


    8 Außenhandel

    Der Außenhandel unterliegt in China dem staatlichen Monopol. 1979 lockerte China bestimmte Außenhandelsbeschränkungen, um die relativ geringen Investitionen des Auslands und die Handelsaktivitäten zu beleben. Nach lange Zeit negativer Handelsbilanz übertreffen die Einnahmen aus Exporten mittlerweile die Kosten für Importe. Die wichtigsten chinesischen Exportgüter sind neben Maschinen und Produkten der Elektronikindustrie vor allem Bekleidung und Textilwaren, Stahl, Spielwaren sowie Erzeugnisse aus Kunststoff. Zu den wesentlichen Importgütern zählen Maschinen und Maschinenteile, Fahrzeuge, elektrotechnische Produkte (z. B. Kraftwerkszubehör), Elektrogeräte, Getreide (z. B. Weizen) und Rohöl. Bei den chinesischen Handelspartnern rangiert Japan an erster Stelle, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Südkorea. China unterhält ebenfalls Handelsbeziehungen zu Deutschland, Singapur, Italien und Russland.


    9 Verkehrswesen

    Die Eisenbahn ist das wichtigste Transportmittel in China. Etwa zwei Drittel des Passagierverkehrs und die Hälfte des Güterverkehrs werden mit der Eisenbahn bewältigt. Seit 1949 hat sich das Schienennetz der Eisenbahn verdoppelt und umfasste 2000 eine Länge von 58 656 Kilometern. Ausgebaut wurden die beiden wichtigsten Nord-Süd-Strecken (Kanton–Peking und Shanghai–Peking) sowie Strecken nach Nordosten in die Mongolei und nach Russland sowie in den Südosten. Die wichtigste Ost-West-Verbindung führt von Lianyungang nach Lanzhou und ist nun auch mit Ürümqi im äußersten Nordwesten verbunden. Die neuen Strecken haben die dicht bevölkerten und wirtschaftlich bedeutenden Regionen im Nordosten, im Zentrum und im Südwesten Chinas zugänglicher gemacht. Sobald die Strecke Lanzhou–Lhasa (Tibet) fertig gestellt ist, sind alle Provinzen und autonomen Regionen Chinas mit der Eisenbahn erreichbar.

    Die chinesischen Straßen und Autobahnen sind seit 1949 erheblich ausgebaut worden. An das Straßennetz sind jedoch nur die Städte der Handelshäfen und das unmittelbare Hinterland angeschlossen. Das etwa 1 402 698 Kilometer lange Straßensystem (2000) ist zu 85 Prozent asphaltiert. Die Straßen verbinden Peking mit allen Hauptstädten der Provinzen und der autonomen Regionen sowie mit den wichtigsten Hafenstädten und den Knotenpunkten der Eisenbahn. Das Netz erstreckt sich auch in die ländlichen Gebiete und die meisten Orte sind auf der Straße erreichbar. Der motorisierte Individualverkehr nimmt in den Städten zu; kurze Strecken werden jedoch nach wie vor meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Pro Jahr produziert China zwar 500 000 Motorfahrzeuge; dies deckt den Bedarf einer zunehmend mobilen Bevölkerung jedoch nicht.

    Die für die Schifffahrt zugänglichen Wasserstraßen nehmen im Landesinneren von China eine Gesamtlänge von 170 000 Kilometern ein. Die Binnenschifffahrt übernimmt ein Fünftel des Warentransports innerhalb des Landes. Das Potential für eine zunehmende Entwicklung ist hier noch groß. Der wichtigste Binnenschifffahrtsweg ist der Jangtsekiang, der viertlängste Fluss der Welt. Auf einer Länge von 18 000 Kilometern sind der Jangtsekiang und seine Nebenflüsse für Dampfschiffe befahrbar. Chongqing, Yichang und Wuhan sind die größten Häfen am Jangtsekiang. Der am meisten benutzte Binnenwasserweg ist jedoch der Kaiserkanal, der sich von Peking nach Jangtschou erstreckt. Der südliche Kanalteil ist eingebunden in ein lokales System aus Kanälen und Seen, wodurch sich die Städte Suzhou, Wuxi und Tschangtschou zu wichtigen Inlandshäfen entwickelten. In den ländlichen Teilen Chinas werden auch die Bewässerungskanäle von den Bauern als Binnenwasserwege benutzt.

    Durch die wichtigsten Industriestandorte an der Küste hat die Küstenschifffahrt an Bedeutung zugenommen. Die internationale Schifffahrt spielt seit 1970 eine immer größere Rolle. Die chinesische Handelsflotte umfasst 3 299 Schiffe, die Häfen in mehr als 100 Ländern anlaufen. Die meisten dieser Schiffe wurden in China gebaut.

    Der Lufttransport in China erhielt 1979 durch die Eröffnung des neuen internationalen Flughafens in Peking (1980) einen Aufschwung. Seither wurde der Flugverkehr zwischen China und einigen anderen Ländern intensiviert. Die Inlandsflüge verbinden heute mehr als 90 verschiedene Städte miteinander; die meisten davon liegen in Westchina.


    10 Tourismus

    Seit Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die strengen Reisebeschränkungen in China ein wenig gelockert. 1979 erstellte die chinesische Regierung einen Fünfjahresplan zur Entwicklung des Fremdenverkehrs. Der Plan enthielt den Bau neuer Hotels und Restaurants im gesamten Land sowie die Ausbildung von Personal zur Betreuung der zunehmenden Anzahl von Touristen. 2001 besuchten 89 Millionen Touristen das Reich der Mitte. Laut Auskunft des chinesischen Fremdenverkehrsamt kamen davon 11 Millionen Gäste aus dem Ausland.


    11 Energie

    Etwa 18,54 Prozent der jährlichen chinesischen Stromerzeugung werden von Wasserkraftwerken gedeckt (2001). Beinahe die gesamte restliche Energie wird mit Hilfe der Kohleverbrennung erzeugt. Die wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes liegen bei Liujia Xia am Huang He in Gansu, in Danjiangkou am Fluss Han in Hubei, in Gongu am Fluss Dadu in der Provinz Sichuan und am Xin’an Jiang in Zhejiang. Zahlreiche weitere große Kraftwerke wurden Ende der siebziger Jahre und in den achtziger Jahren errichtet, darunter ein Werk am Jangtsekiang, direkt unterhalb seiner Quellen, und eines am Fluss Huang He, wo dieser das Grasland Qinghai verlässt. Neue Kohlekraftwerke sind in der Nähe der großen Kohlelagerstätten in Nordchina im Bau. Ein neues Kernkraftwerk ist in Shanghai errichtet worden. Das erste chinesische Kernkraftwerk wurde im September 1996 nahe Hongkong in Betrieb genommen.


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    China's Geschichte: Erste Dynastien

    1 Die Shang-Dynastie (16. Jahrhundert bis 1050 v. Chr.)

    Archäologisch belegt ist die Shang-Dynastie. Ihr Herrschaftsbereich umfasste das Gebiet der heutigen nordchinesischen Provinzen Henan, Hubei und Shandong sowie den nördlichen Teil von Anhui. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte die Shang-Dynastie in ihren letzten drei Jahrhunderten.

    Die Shang standen einer lockeren Föderation mehrerer Territorien vor. Eine feste Hauptstadt als Residenz der Herrscher gab es nicht; vermutlich kontrollierten die Herrscher ihr Reich als Reisekönige. Die Gesellschaft war in Klassen gegliedert und kann in vielerlei Hinsicht als feudal bezeichnet werden. Der Herrscher stützte sich auf einen zahlenmäßig starken Kriegeradel. Die gesamte Kultur war städtisch geprägt. Das Handwerk, leistungsfähig und spezialisiert, lieferte Waffen, Rüstungen und Gerätschaften aus Bronze. Die hoch entwickelte Steinschnitzerei sowie Palastanlagen aus Holz belegen das hohe künstlerische und architektonische Niveau. Die vom einflussreichen Priestertum verwendeten Symbole, mehr als 2 000, wurden Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen chinesischen Schriftzeichen.

    Trotz der städtischen Kultur blieb die Wirtschaft im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägt. Angebaut wurden Hirse, Weizen, Gerste und eventuell auch Reis. Die Viehhaltung umfasste Schweine, Hunde, Schafe, Ochsen, außerdem wurden Seidenraupen wurden gezüchtet. Im religiösen Kultus wurden die Ahnen und Naturgottheiten verehrt, doch gab es mit Shang Di eine oberste Gottheit. Für die hoch entwickelte Grabkultur, die Riten der Opferung von Menschen und Tieren einschloss, finden sich zahlreiche Zeugnisse.


    2 Die Zhou-Dynastie (1050-249 v. Chr.)

    Um 1050 v. Chr. wurde die Shang-Dynastie von den Zhou abgelöst, einem Zusammenschluss von Sippen aus dem Bereich des Flusses Wei He, einem Nebenarm des Huang He. Mit vierspännigen Streitwagen verfügten sie über eine Kampfkraft, denen ihre Gegner nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen hatten. Die ersten großen Eroberungen von Shang-Territorien erfolgten noch unter Führung des Königs Wen. Eine endgültige Niederlage erlitten die Shang schließlich in der Ebene von Mu gegen König Wu, den Sohn des Wen. Gerechtfertigt wurde die Erhebung gegen die überlieferte Herrschaft der Shang mit dem Hinweis auf deren moralische und sittliche Haltlosigkeit, wodurch sie ihren göttlichen Herrschaftsauftrag verwirkt hätten. Mit dieser Begründung ist das Argumentationsmuster für alle späteren Ablösungen chinesischer Dynastien historisch etabliert.

    Die Herrschaftszeit der Zhou wird eingeteilt in die beiden Perioden der stark expansiv orientierten Westlichen Zhou (bis 771 v. Chr.) und der Östlichen Zhou (nach 771 v. Chr.). Denn 771 v. Chr. wurden die Zhou aus ihrem im Westen gelegenen Herkunftsgebiet vertrieben und mussten den Schwerpunkt ihres Reiches nach Osten verlegen. Ihr Herrschaftsgebiet dehnte sich allmählich über beinahe den gesamten Norden Chinas aus, bis in das Tal des Jangtsekiang.


    2. 1 Der Zhou-Feudalstaat

    An der Spitze der streng hierarchisch organisierten Feudalordnung stand der König, der durch Erbfolge bestimmt wurde (siehe Feudalismus). In seinem Auftrag regierten abhängige Fürsten als Vasallen über befestigte Städte und umliegende Ländereien. Die Macht des Königs stützte sich auf die Klasse der adligen Krieger, die ihre soziale Stellung ebenfalls ererbten. Die niedrigste soziale Gruppe umfasste die Bauern mit dem Statuts von Leibeigenen der jeweiligen Fürsten sowie die Haussklaven. Um ihre weitläufige Herrschaft zu gewährleisten, schufen die Zhou-Könige erstmals eine Beamtenbürokratie, die arbeitsteilig das Reich verwaltete. Dennoch prägte ein Grundproblem aller feudalen politischen Systeme auch das Schicksal Zhou-Reiches: Das Streben der Vasallen, die sich erfolgreich als lokale Herren etabliert hatten, nach mehr Selbständigkeit und Macht wurde immer stärker und führte schließlich zum Niedergang der Zentralautorität. In der Folge mussten die Westlichen Zhou schließlich dem Druck der Barbareneinfälle im Norden nachgeben, als zugleich einige der Feudalstaaten rebellierten. Aus ihrer Hauptstadt in der Nähe der heutigen Stadt Xian vertrieben, errichteten die Zhou eine neue Hauptstadt im Osten bei Luoyang.

    In der Östlichen Zhou-Zeit nahm die Herrschaft der Zhou schließlich immer stärker einen rein formalen Charakter an, und der Zhou-König beschränkte sich als „Sohn des Himmels” weitgehend auf seine sakrale Rolle, während die wirkliche Macht von anderen ausgeübt wurde. Im ersten Abschnitt der Östlichen Zhou-Zeit, der „Frühling- und Herbstperiode” (722-481 v. Chr.), die auch die „Zeit der Hegemonien” genannt wird, vollzog sich eine Entwicklung hin zur Zusammenfassung der örtlich zersplitterten Macht in der Hand einiger weniger Staaten, die in sich nicht mehr feudal, sondern bereits mit Hilfe zentraler staatlicher Verwaltungsstrukturen organisiert waren. Aus zahllosen kleinen und kleinsten Gebilden entstanden sieben Großstaaten (Ch’in, Wei, Han, Zhao, Zhou, Yen und Qui), deren Tendenzen zur Verselbständigung nicht mehr eingedämmt werden konnten.

    In der letzten Phase der Zhou, in der „Zeit der Streitenden Reiche” (453-256 v. Chr.) löste sich angesichts der Machtkämpfe der Territorialherren die Herrschaft der Dynastie vollends auf. Am Ende setzte sich der durch Waffen aus Eisen und Reiterverbände überlegene Staat Ch’in (Qin) zwischen 256 und 221 v. Chr. in blutigen Kriegen gegen die anderen sechs durch und eroberte sie.


    2. 2 Das goldene Zeitalter der chinesischen Philosophie

    Die politische Instabilität seit dem 7. Jahrhundert war begleitet von sozialen Umbrüchen und von langen Phasen intellektueller und kultureller Fruchtbarkeit und Vielfalt. Insbesondere das Nachdenken über Fragen der politischen und sozialen Ordnung gewann große Bedeutung und prägte in seinen Ergebnissen die chinesische Kultur über mehr als zwei Jahrtausende bis in die Gegenwart.

    Konfuzianismus Der erste und wohl einflussreichste Philosoph dieser Periode war K’ung-fu-tzu (westlicher Name: Konfuzius, 551-479 v. Chr.). Der Sohn einer kleinen Adelsfamilie aus dem Staat Lu (heute Shandong) repräsentierte die aufsteigende Klasse von Verwaltungsfachleuten und Ratgebern, ohne die die Aufgaben der neuen staatlichen Verwaltungen nicht zu bewältigen waren. Konfuzius’ Hauptforderung war die Restauration jener politischen und sozialen Einrichtungen, wie sie die Zeit der frühen Zhou gekannt hatte. Er glaubte, dass die weisen Herrscher dieser Periode auf der Grundlage persönlicher Tugend eine ideale Gesellschaft entwickelt hätten, und versuchte, eine neue integre und kultivierte Elite zu etablieren. Eine Wiederbelebung der feudalen Ethik der frühen Jahrhunderte schien ihm der beste Weg zur Wiederherstellung gefestigter Ordnungen in Politik und Gesellschaft zu sein (siehe Konfuzianismus).

    Taoismus Die Lehren des Taoismus, der zweiten großen philosophischen Schule der Zhou-Zeit, finden sich im Tao-te king (Buch vom Tao und seiner Kraft). Als Urheber dieser philosophischen Richtung gelten Lao-tse (etwa 4. Jahrhundert v. Chr.) und Zhuangzi (ca. 369-286 v. Chr.). Die Taoisten lehnten das System des Konfuzius ab. Anstatt auf die Wiederbelebung der feudalen Ethik setzten sie auf die Abwendung von der Zivilisation und die Suche nach Übereinstimmung mit der Natur. Das Nicht-Eingreifen (wu wei) ist dabei eines der grundlegenden Prinzipien.

    Legalismus Die dritte politische Schule der Zeit, die auf die weitere Entwicklung der chinesischen Zivilisation großen Einfluss hatte, war der Legalismus. Er forderte angesichts der allgemeinen Auflösungstendenzen neue und drastische Maßnahmen. Ziel war eine soziale Ordnung, die auf strikten und objektiven Gesetzen fußen und jeden Aspekt menschlicher Aktivität durch Lohn und Strafe reglementieren sollte. Um ein solches System zu errichten, musste ein machtvoller und wohlhabender Staat gebildet werden. Verstaatlichung des Kapitals, Einrichtung von Regierungsmonopolen, Beseitigung der überlieferten Familienstrukturen und Aufbau einer effektiven Verwaltung sollten unumschränkte staatliche Macht gewährleisten. Nach außen sollte eine auf Autarkie gerichtete Politik dem Staat Handlungsfreiheit verschaffen. Die wichtigsten Vertreter der Legalisten waren zwei Minister des Staates Ch’in: Shang Yang (4. Jahrhundert v. Chr.) und Han Feizi (spätes 3. Jahrhundert v. Chr.).

    Zu den zahlreichen anderen, im Westen heute weniger bekannten philosophischen Schulen der Zeit gehören: Hedonisten, Rhetoriker, Logiker, Strategen, Agronomisten und insbesondere die Schule des Mo Ti (gestorben 391 v. Chr.), der im Prinzip der allumfassenden Liebe den Schlüssel zur Lösung der Probleme des Menschen erkannte.

    China's Geschichte: Entstehung Kaiserreich

    1 Die Qin-Dynastie (221-206 v. Chr.)

    Durch die Eroberung der rivalisierenden Reiche führte Zheng, der Herrscher der Ch’in (deren Name künftig auch für die Bezeichnung des Gesamtstaates stehen sollte), zum ersten Mal alle chinesischen Gebiete zusammen (1. Reichseinigung 221 v. Chr.) und begründete das Kaiserreich, indem er sich zum Shi Huangdi („göttlich erhabener Kaiser”) erhob. Er übertrug die grundlegenden Reformen, die wesentlich zum Aufstieg von Ch’in beigetragen hatten, jetzt auf das gesamte neue Reich. Die feudalen Strukturen wurden beseitigt und ein Verwaltungsstaat etabliert. Gesetze und Vorschriften wurden durchgehend vereinheitlicht – von den Vorgaben für den Bau von Wagen über Gewichte und Maße bis hin zur Schrift. Die Infrastruktur, insbesondere der umfassende Ausbau des Straßen- und Wasserwegenetzes, wurde ebenso zur Sache des Staates wie die Sicherung des Reiches nach außen.

    Auch das kulturelle Leben orientierte sich am Ziel der Einheitlichkeit. Nur die Denkschule des Legalismus war noch zugelassen, die wichtigsten Schriften der anderen philosophischen Richtungen wurden verbrannt (Bücherverbrennung 213 v. Chr.). Das gesamte Staatsgebiet wurde in 36 Gaue eingeteilt, die einer zivilen Verwaltung durch eine differenzierte Beamtenbürokratie und einer militärischen Führung unterstanden. Gegen diese Veränderungen fand sich jedoch eine Opposition der alten Führungsschichten und der Anhänger des Konfuzianismus zusammen, die sich schließlich gegen die neue Dynastie erhob.

    Nach außen verfolgten die Ch’in einen expansiven Kurs: Im Süden stießen sie bis in das Gebiet des heutigen Vietnam vor; im Südwesten wurde das Kaiserreich auf die heutigen Provinzen Yunnan, Guizhou und Sichuan ausgedehnt; im Nordwesten erstreckten sich die Eroberungen bis Lanzhou in der heutigen Provinz Ganzhou, und im Nordosten erkannte ein Teil des heutigen Korea die Vorherrschaft der Ch’in an. Zugleich sicherten sie die Grenze in Nordchina durch einen durchgehenden Verteidigungswall, den Vorläufer der später errichteten Chinesischen Mauer, um die Verteidigung gegen Invasionen der Hiung-nu (Hunnen) zu erleichtern.


    2 Die Frühere Han-Dynastie/Westliche Han (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.)

    Aus dem 210 v. Chr. entbrannten Bürgerkrieg, den Shi Huangdi mit seinen radikalen Reformen provoziert hatte, ging der Rebellenführer Liu Bang 206 v. Chr. als Sieger hervor. Er stürzte die Ch’in, ernannte sich 202 v. Chr. selbst zum Kaiser und begründete als Gaozu die Han-Dynastie. Die Han-Dynastie baute auf der von den Ch’in erreichten Einheit des Reiches auf, liberalisierte aber das Herrschaftssystem. Die umfassenden, straffen Reglementierungen wurden abgeschafft, die Steuern gesenkt. Seinen Verbündeten und Verwandten gewährte Gaozu die Erbfolge für ihre Regionalherrschaften. Doch die Politik der Refeudalisierung schwächte die Autorität des Kaisers. Ab Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts, maßgeblich unter Kaiser Wudi (140-87 v. Chr.), zentralisierten die Han deshalb erneut das Reich und unterstellten es ihrer Kontrolle, indem sie eine aufgabenteilige zentrale Verwaltung für das ganze Reich schufen, die bis in die örtlichen Belange eingriff. Mit diesem zentralistischen Verwaltungsaufbau entstand ein ausgedehnter staatlicher Beamtenapparat.

    Zu den wichtigsten geschichtlichen Beiträgen der Han-Dynastie zählt die Einführung des Konfuzianismus als offizielle Ideologie. In dem Versuch, eine alles umfassende Staatsideologie zu entwickeln, waren die Han allerdings weniger rigide als die Ch’in; die Han bezogen auch andere philosophische Richtungen und Elemente der Volksreligion in ihr neues System ein.

    Unter Kaiser Wudi erreichte die frühe Han-Dynastie ihre Blütezeit. Das Reich umfasste beinahe das gesamte Territorium des heutigen China, wenn auch viele Gebiete, insbesondere südlich des Jangtsekiang, sich noch nicht wirklich assimilierten. Im Norden fielen Teile der Mandschurei und Koreas an China, im Westen wurden die Hiung-nu abgewehrt, im Zuge von Vorstößen durch das Tal des Flusses Jaxartes (dem heutigen Syrdarja) geriet auch Zentralasien ins Blickfeld des Expansionsinteresses, und schließlich kam der Süden der Insel Hainan unter die Kontrolle der Han. Im Delta des Xi Jiang, in Annam und Korea entstanden Kolonien. Der Karawanenverkehr über die Seidenstraßen ermöglichten den Handel mit Zentralasien und stellten die Verbindung zum Mittelmeerraum her, in dem zu dieser Zeit Rom zur Vormacht aufstieg.

    Die expansive Politik des Kaisers Wudi zog schwere finanzielle Belastungen nach sich und löste soziale Krisen aus. Steuererhöhungen, Wiederbelebung der staatlichen Monopole und Entwertung des Geldes sollten die Staatskassen wieder füllen. Die angesichts dieser Entwicklungen bereits schwierige Lage der unteren sozialen Schichten verschlechterte sich zusätzlich durch ein starkes Bevölkerungswachstum, dem die wirtschaftliche Entwicklung nicht Rechnung tragen konnte. Zu diesen negativen Entwicklungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich kam schließlich noch politische Instabilität. Wiederholt bestiegen Thronfolger noch im Kindesalter den Kaiserthron; die Macht wurde dann von den Müttern der jeweiligen Herrscher und deren Familien ausgeübt, Zersplitterung und Inkompetenz schwächten die kaiserliche Regierung. Die mächtigen Landbesitzerfamilien in den Provinzen verstanden es, sich durch ihre Verbindungen in den Beamtenapparat der Steuerpflicht zu entziehen. Der Versuch, die sinkenden Staatseinnahmen durch stärkere Belastung der Bauernschaft auszugleichen, führte zu Bauernaufständen und der Bildung zahlreicher Räuberbanden.


    3 Die Zwischenherrschaft der Xin (9-23 n. Chr.)

    In dieser Phase des Verfalls der kaiserlichen Autorität gelang es der Familie Wang, die mit dem Herrschergeschlecht verwandt war, die Macht an sich zu reißen. Wang Mang, der 9 n. Chr. den Kaiserthron bestieg, brachte ein umfangreiches und tief greifendes Reformwerk in Gang. Alles Land sollte in Staatsbesitz übergehen und an die Bauern verteilt werden, deren Wirtschaft staatlich kontrolliert werden sollte, um die private Wucherei einzuschränken. Besitz von und Handel mit Sklaven sollten eingedämmt werden. Doch der Widerstand der Großgrundbesitzer und eines großen Teils der Beamtenschaft ließen das Projekt schnell scheitern.

    Der wirtschaftliche Niedergang führte zu Bauernaufständen, die sich unter der Führung der „Roten Augenbrauen”, einer vom Taoismus inspirierten Gruppe, bald über das gesamte Reich ausbreiteten. Im Jahr 23 wurde Wang Mang von den „Roten Augenbrauen” getötet.


    4 Die Spätere Han-Dynastie/Östliche Han (25-220 n. Chr.)

    Liu Xin, der aus einer der alten Familien der Oberschicht stammte und der ein bedeutender militärischer Führer der rebellierenden Bauern geworden war, ernannte sich 25 n. Chr. selbst zum Kaiser Guangwudi (25-57) und begründete die Han-Dynastie neu.

    Außenpolitisch versuchten die Östlichen Han, die seit dem Niedergang der Westlichen Han verloren gegangenen Positionen zurückzugewinnen. Insbesondere gegen die Hiung-nu, die sich in eine nördliche und eine südliche Gruppe gespalten hatten, war man militärisch erfolgreich. Die südliche Gruppe wurde zum großen Teil im Norden Chinas angesiedelt, wo sie fortan innerhalb der Reichsgrenzen lebte. Die nördliche Gruppe konnte man zwar nicht unterwerfen, doch blieb die Bedrohung durch sie relativ gering. Die Herrschaft der Han über Zentralasien war bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. in vollem Umfang wieder hergestellt, und bald gab es Vorstöße über den alten Machtbereich hinaus bis an das Kaspische Meer.

    Schwäche und Ineffizienz der Staatsverwaltung blieben weiterhin ein dominierendes Problem; familiäre Intrigen um Macht und Einfluss angesichts minderjähriger Thronfolger (nur die ersten drei Kaiser der Östlichen Han traten ihr Amt volljährig an) schwächten nach wie vor die staatliche Autorität. Als neuer Faktor im Machtkampf am kaiserlichen Hofe traten im 2. Jahrhundert zunehmend die Eunuchen, die durch ihre zentralen Funktionen in der Bürokratie politischen Einfluss gewonnen hatten, hervor. Ihre Versuche, die Herrschaft im Staat zu usurpieren, schuf bürgerkriegsähnliche Konflikte. Truppen der Provinzmachthaber beendeten 189 die Herrschaft der Eunuchen am Hofe, indem sie die Hauptstadt Luoyang eroberten und alle etwa 2 000 Eunuchen töteten.

    Verstärkte Machtansprüche der Grundbesitzerklasse ließen alte innenpolitische Konflikte wieder aufbrechen. In Ostchina setzte sich die taoistisch orientierte Gruppe Tai-ping tao („Straße des großen Friedens”), deren Anhänger gelbe Turbane trugen, an die Spitze eines breiten Bauernaufstandes, der schließlich 215 grausam unterdrückt wurde.

    Der Zerfall der Macht der Han-Dynastie war unaufhaltsam. Die wirklichen Machthaber waren die Kriegsherren, die in den Provinzen herrschten und die sich bald gegenseitig bekämpften. Nominell bestand die Dynastie noch bis 220.

    Während der Ära Späteren Han-Dynastie hielt der Buddhismus von Indien aus Einzug in China.


    5 Die Periode der Spaltung (220-589)

    Im Machtvakuum des Zentralstaates entstanden die „Drei Reiche” Shu-han (221-263) im Westen, Wei (220-265) im Süden und Wu (222-280) im Norden. Die gesellschaftlichen Konfliktkonstellationen, wie sie das geeinte Reich geprägt hatten, blieben jedoch erhalten. Neben den inneren Auseinandersetzungen bestimmten nun zusätzlich erbitterte Kriege zwischen den Drei Reichen das Bild der Zeit. Vorübergehend gelang es der Tsin-Dynastie, die Einheit militärisch zu erzwingen (265). Zu Beginn des 4. Jahrhunderts, als die Hiung-nu die Hauptstädte des Nordens, Luoyang (311) und Ch’ang-an (heute Xian, 316) eroberten, war die Reichseinheit erneut zerstört und ein Nord- und ein Südreich entstanden (316).

    Während sich in dieser Phase im Süden chinesische Dynastien behaupteten, geriet der Norden weiter unter den Druck großer Invasionen innerasiatischer Nomadenvölker, u. a. der Toba, die schließlich in der „Zeit der 16 Reiche” eigene Herrschaften etablierten. Den Weg hierzu hatten nicht zuletzt die innerchinesischen Kriegsparteien selbst geebnet, indem sie die benachbarten nichtchinesischen Völker in ihren Machtkampf einbezogen und bei ihnen Söldner angeworben hatten. Diese setzten sich schließlich sozusagen als Vorhut ihrer Stämme in den fruchtbaren Weideländern der Nordchinesischen Ebene fest. Große Teile der Einwanderer assimilierten sich in den nachfolgenden Generationen an die Sitten und Gebräuche der Chinesen (siehe Sinisierung).

    China's Geschichte: Neuchinesisches Reich (589-907)

    1 Die Sui-Dynastie (589-618)

    Unter der Sui-Dynastie wurde China neu vereint. Begründet wurde die Dynastie von Yang Jian, einem Militärführer, dem es gelang, den ganzen Norden zu erobern und 581 den Thron von den nichtchinesischen nördlichen Zhou zu übernehmen. Während der folgenden acht Jahre eroberte er Südchina, einte als Kaiser Wendi (589-604) das Reich und errichtete bei Ch’ang-an (Xian) die neue Hauptstadt. Er und sein Nachfolger Yang (604-618) bauten das zentralisierte Verwaltungssystem der Han neu auf, führten zahlreiche Reformen durch (so etwa Prüfungen für Beamte), versuchten die Staatsfinanzen zu konsolidieren und sicherten die Grenzen durch die Errichtung von Militärkolonien und die Instandsetzung und Erweiterung der Chinesischen Mauer. Zugleich begannen sie mit dem Ausbau der Infrastruktur (z. B. Kaiserkanal zwischen Hangzhou und Peking). Obwohl der Konfuzianismus offizielle Religion war, wurden nun auch der Taoismus und der Buddhismus, der eine Blütezeit erlebte, bei der Formulierung einer neuen Reichsideologie berücksichtigt.

    Außenpolitisch stellten die Sui die Kontrolle des Reiches über Nordvietnam und, bis zu einem gewissen Grade, über die zentralasiatischen Stämme im Norden und Westen wieder her. Durch den Aufbau einer Flotte, die nach Formosa (Taiwan), Vietnam und Sumatra geschickt wurde, machten sie China zur Seemacht. Ein langer und kostspieliger Feldzug in der südlichen Mandschurei und in Nordkorea endete jedoch mit einer Niederlage. Der Autoritätsverlust des Kaisers, die militärischen und wirtschaftlichen Belastungen (Zwangsarbeit) lösten Aufstände aus, die 618 zum Sturz und zur Ermordung des Kaisers Yang führten.


    2 Die Tang-Dynastie (618-907)

    Unter der Tang-Dynastie, die Ära Li Yuan (als Kaiser Gaozu) einleitete, konsolidierte sich die chinesische Zivilisation und expandierte wieder nach außen.


    2. 1 Neuordnung der Bürokratie und kulturelle Blüte

    Die Organe der kaiserlichen Regierung und der lokalen staatlichen Behörden wurden reorganisiert, die Zentralverwaltung mit einem differenzierten Kodex von administrativen und strafrechtlichen Vorschriften ausgestattet. Um ihn anwenden zu können, wurde das System der konfuzianischen Einstellungsprüfungen für Beamte, die umfassende Literaturkenntnisse nachweisen mussten, perfektioniert.

    Die Hauptstadt der Tang, Ch’ang-an, war Zentrum der Kultur und der religiösen Toleranz. Obwohl der Konfuzianismus Staatsdoktrin blieb, durften viele Religionen, einschließlich des Christentums, praktiziert werden. Kunst und Literatur, teilweise stark beeinflusst vom Buddhismus, erlebten eine glanzvolle Zeit. Zu großer kultureller Blüte kam es gegen Ende der Tang-Dynastie: Die Dichter Li Taibai, Du Fu und Bai Juyi sowie der Meister der Erzählung Han Yü betraten zu einer Zeit die Bühne, als der politische Abstieg bereits begonnen hatte.

    Der Außenhandel mit Zentralasien und dem Westen wurde über die Karawanenstraßen abgewickelt, der Seehandel mit dem Mittleren Osten lief über den Hafen von Kanton. Der chinesische Einfluss reichte im Norden und Osten jetzt wieder bis Korea, die südliche Mandschurei und Nordvietnam. Im Westen schlossen die Tang Bündnisse mit den zentralasiatischen Stämmen, kontrollierten das Tarimbecken und konnten so ihren Machtbereich bis in das Gebiet des heutigen Afghanistan hinein ausdehnen.

    Die ökonomische und militärische Stärke des Tang-Reiches fußte auf einem System der Landzuweisung an die erwachsene männliche Bevölkerung. Die damit verbundene Erhebung einer regelmäßigen steuerlichen Abgabe pro Kopf war die wichtigste staatliche Einnahmequelle, und der obligatorisch von den Landbesitzern periodisch zu leistende Militärdienst war die Grundlage der militärischen Stärke der Tang.


    2. 2 Krise und Niedergang

    So perfektioniert das Herrschaftssystem der Tang auch war, so schuf es sich doch auch selbst die Probleme, an denen es zugrunde ging. Das Steuersystem und die Prinzipien der Landverteilung, die dem Bevölkerungszuwachs nicht Rechnung trugen, begünstigten soziale Konflikte und Landflucht und führten zu einer Schwächung der militärischen Einheiten. Die Grenzgebiete konnten nicht länger dauerhaft durch chinesische Armeen geschützt werden. So bediente man sich zur Verteidigung eines Systems von Stützpunkten sowie nichtchinesischer Einheiten, deren Befehlshaber nicht selten dazu neigten, Politik auf eigene Faust zu betreiben und eigene Königreiche zu etablieren. Von besonderer Tragweite erwies sich die Revolte des Militärführers An Lushan (755-757), die ebenfalls nur mit Hilfe nichtchinesischer Truppen niedergeschlagen werden konnte. Das System der Kommandanturen verbreitete sich auch in anderen Gebieten Chinas und unterlief u. a. die Anstrengungen der Zentralbehörden, durch die Wiedereinführung von staatlichen Monopolen die staatliche Finanznot einzudämmen, indem die regionalen Militärherren die Einnahmen für sich beanspruchten.

    Im 9. Jahrhundert scheint sich die direkte kaiserliche Machtausübung nur noch auf die Provinz Shaanxi beschränkt zu haben und zerfiel im Zuge eines Volksaufstandes vollends (875-884). Schon zuvor hatte eine Kampagne gegen den Buddhismus begonnen, in deren Verlauf mehr als 4 000 Klöster aufgelöst und zerstört wurden.

    China's Geschichte: Song-Dynastie und Mongolenherrschaft (960-1368)

    1 Die Song-Dynastie (960-1279)

    Während der Zeit der dritten Reichsteilung (902-960) herrschten im Norden relativ überschaubare politische Verhältnisse („Zeit der Fünf Dynastien”), während sich im Süden zahlreiche Kleinstaaten jeweils nur kurz halten konnten („Zeit der Zehn Reiche”).

    Die Zeit der Fünf Dynastien im Norden endete 960, als sich General Zhao Kuangyin während eines Krieges gegen das mongolische Volk der Kitan zum Kaiser T’ai-tsu ausrief und die Song-Dynastie begründete. Schon 978 kontrollierten die Song den größten Teil Chinas, mit Ausnahme der Gebiete im nördlichen Hebei und Shaanxi, die zum Liao-Reich der kitanischen Mongolen gehörten. Die Zeit der Song wird in zwei Phasen eingeteilt: in die Nord-Song mit der Hauptstadt in Kaifeng (960-1127) und die Süd-Song (1127-1279) mit der Hauptstadt Hangzhou, deren Herrschaft nur noch in Südchina bestand hatte.

    Zur wichtigsten Kunstform in der Song-Zeit entwickelte sich die Malerei. Von besonderer Bedeutung war die Tuschemalerei aus dem Umfeld des Zen-Buddhismus, die sich in der Darstellung auf das Wesentliche beschränkte. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Verbreitung des Buchdrucks hob sich das allgemeine Bildungsniveau und steigerten sich die wissenschaftlichen Leistungen. Zu den großen Errungenschaften der Song-Zeit gehören neben dem Buchdruck die Einführung des Papiergeldes und die Erfindung des Schießpulvers. Die in der Song-Zeit zu einem umfassenden System entwickelte Denkschule des Neokonfuzianismus blieb bis in das frühe 20. Jahrhundert für die chinesische Kultur grundlegend.


    1. 1 Die Nord-Song (960-1127)

    Der neuen Dynastie gelang es bald, die Vorherrschaft des Militärs über die zivile Verwaltung zu beenden. Die Macht der Militärbefehlshaber in den Provinzen wurde zurückgedrängt und die Kontrolle der Zentralgewalt über die Armee wieder hergestellt. Die zivile Beamtenschaft, deren Mitglieder über ein Auswahlsystem rekrutiert wurden, gewann erneut an Bedeutung. Die Song reorganisierten die kaiserliche Regierung (mehrere beratende Kanzler an der Seite des Herrschers) und konzentrierten am Kaiserhof Macht und Kontrolle in einem bisher nicht gekannten Ausmaß, obwohl die lokalen Verwaltungsstrukturen in ihrer überlieferten Form größtenteils beibehalten wurden.

    Die Reformanstrengungen beseitigten nicht die militärischen Defizite. Nach mehreren Niederlagen gegen die Liao schlossen die Song 1004 einen Vertrag, mit dem sie die Annexionen der Liao an der Nordgrenze anerkannten und sich zu jährlichen Tributzahlungen verpflichteten. Auch die langen Kriege mit den Xixia, einem Tangutenstamm an der Nordwestgrenze, endeten im Jahr 1044 mit dem Zugeständnis von Tributen.

    Etwa um die gleiche Zeit geriet das Song-Reich in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, erwachsen aus den Kosten für die Verteidigung der Nordgrenze und einem Bevölkerungszuwachs, mit dem die wirtschaftliche Entwicklung nicht Schritt halten konnte. Ab 1069 wurde durch den kaiserlichen Minister Wang Anshi (1069-1076) ein umfangreiches Reformprogramm in Gang gesetzt. Hauptziele dieses planwirtschaftlichen Programms waren die Konsolidierung des Staatshaushaltes, die Erhöhung der militärischen Schlagkraft und eine effektive Organisation der Verwaltung. Um die Landwirtschaft zu fördern, wurde der Handel mit Grund und Boden erschwert, die Bauern wurden vom Militärdienst befreit und erhielten staatliche Anleihen zur Sanierung ihrer Höfe. Eine staatliche Vorratshaltung von Grundnahrungsmitteln sollte Notsituationen vorbeugen.


    1. 2 Die Jin-Herrschaft und die Süd-Song (1127-1279)

    Seit dem 11. Jahrhundert versuchten im Norden und Osten der Mandschurei die alteingesessenen Tungusenstämme unter Führung der Dschurdschen sich aus der Herrschaft des Liao-Reiches zu lösen. Um 1114 erreichte der Dschurdsche Aguta die Jin-Dynastie und nahm den Befreiungskrieg gegen die Kitan auf. Innerhalb weniger Jahre hatten die Jin das Liao-Reich zerstört (1125), um anschließend die Song, die ihnen als Bundesgenossen im Krieg gegen das Liao-Reich noch zur Seite gestanden waren, in den Süden zu vertreiben und ihrer Tributsherrschaft zu unterwerfen (Friedensvertrag von 1142). Zwar ließen die Jin, die Peking zu ihrer Hauptstadt machten, im eroberten Norden die vorhandenen chinesischen Verwaltungsstrukturen bestehen, doch gelang es ihnen nicht, die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhalten.

    Während der Norden einen Abstieg erlebte, blühte der Süden, das Reich der Süd-Song, wirtschaftlich auf. Sie bauten die Bewässerungssysteme aus und führten den Anbau von Tee und einer neuen Reissorte ein, die jährlich zwei Ernten erlaubte. Die Städte wuchsen, und mit ihnen nahm das städtische Handwerk an Bedeutung zu. Neben dem Agrarsektor wies vor allem der Handel große Wachstumsraten auf. Porzellan wurde zum wichtigsten Exportgut. Die staatlichen Einnahmen aus Steuern auf den Handel zogen bald mit den Einnahmen aus der Besteuerung von Grundbesitz gleich.


    2 Die mongolische Yuan-Dynastie (1280-1368)

    2. 1 Die Eroberung Chinas

    Mit der Bildung der Stammesföderation der Mongolen Mitte des 12. Jahrhunderts entstand im Norden des chinesischen Reiches eine Macht, der es gelingen sollte, China erstmals dauerhaft einer Fremdherrschaft zu unterwerfen. 1211 fiel Dschingis Khan an der Spitze der vereinten Mongolenstämme in Nordchina ein, 1215 eroberte er Peking, 1219 Korea. Sein Sohn Ögädäi zerstörte 1232 das Jin-Reich endgültig, und zwar unter Mithilfe der Süd-Song, die sich zwischenzeitlich mit ihm verbündet hatten. Unter Kubilai Khan, der 1264 seine Hauptstadt von Karakorum nach Peking verlegt hatte, machten sich die Mongolen in der Folgezeit an die Eroberung auch des Reiches der Süd-Song: 1271 fiel die Hauptstadt der Süd-Song, ihr Kaiser geriet in Gefangenschaft, und 1279 wurden die letzten Verbände der Song vernichtend geschlagen. Die Mongolen beherrschten nun ganz China.


    2. 2 Die Yuan-Dynastie (1279-1368)

    Kubilai Khan begründete 1271 die Yuan-Dynastie und 1280 erhob er sich zum Kaiser. Unter seiner Herrschaft erreichte die mongolische Macht ihren Höhepunkt. Die Kommunikationsstrukturen wurden elementar verbessert; die zentralasiatischen Handelsrouten, gänzlich unter mongolischer Kontrolle, waren sicherer als jemals zuvor. Der Verkehr von Westen nach Osten nahm kontinuierlich zu: Missionare und Händler kamen nach China und brachten neue Ideen, Techniken, Nahrungsmittel etc. ins Land. Der bekannteste ausländische Weltreisende in China war der venezianische Kaufmann Marco Polo, dessen Aufzeichnungen über seine langen Jahre in China und am Hofe Kubilais den Glanz des mongolischen Reiches lebendig wiedergeben.

    Die mongolische Führungsschicht nahm rasch die chinesische Kultur an und bediente sich des bestehenden Verwaltungsapparates. Jedoch installierten die Yuan eine Vierklassenordnung, die die einheimische Bevölkerung diskriminierte:. Die oberste Klasse stellten die Mongolen als Militäraristokratie und Inhaber der hohen Regierungsämter selbst. Zur zweiten Klasse gehörten die Angehörigen der Turkvölker im Norden, deren Aufgaben und Rechte sich kaum von denen der Mongolen selbst unterschieden. Alle weiteren Bewohner des Nordens, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, wurden der dritten Klasse zugeordnet, deren Rechte gegenüber den beiden ersten Klassen deutlich reduziert blieben. Zur vierten Klasse schließlich gehörten alle Bewohner des ehemaligen südlichen Song-Gebietes. Sie waren völlig von höheren politischen Ämtern ausgeschlossen. Auch der Besitz und das Tragen von Waffen waren ihnen nicht gestattet. Auf der Basis dieser ethnisch-sozial-politisch gegliederten Gesellschaft versuchten die Yuan weitere Expansionen, die ihnen letztlich aber nicht gelangen. Zwei Invasionen Japans schlugen ebenso fehl wie die Expansion nach Vietnam.

    Im Inneren verschlechterte sich die Situation der Landwirtschaft. Bauernaufstände, die sich zunächst gegen die Großgrundbesitzer richteten, leiteten das Ende der Fremdherrschaft ein. Bis zum Anfang der sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts hatten bäuerliche Heere unter Führung der „Roten Turbane” weite Gebiete des Nordens erobert, mussten sich dann aber zunächst geschlagen geben. Im Gebiet des Jangtsekiang dagegen blieben die „Roten Turbane” unter der Führung Zhu Yuanzhangs erfolgreich.

    China's Geschichte: Ming-Dynastie (1368-1644)

    1368 eroberte Zhu Yuanzhang Peking, verjagte die Yuan-Fremdherrscher, errichtete eine absolutistische Herrschaft und erhob sich selbst unter dem Namen Taizu zum ersten Kaiser der neuen, von ihm begründeten Ming-Dynastie, zunächst mit Nanking (Nanjing) als Residenz (bis 1403).


    1 Reformen unter Kaiser Taizu

    Erst 1387 war China territorial wieder ganz vereint. Die innere Einigung, der Aufbau einer funktionierenden einheitlichen Verwaltung, mit der Taizu an die Errungenschaften der Song-Ära anknüpfte, nahm allerdings noch längere Zeit in Anspruch. Die wichtigste Maßnahme zur dauerhaften Erhaltung der Einheit des Reiches war dabei die Unterordnung der Militärverwaltung unter die zivile Verwaltung – eine bedeutende historische Leistung der Ming. Taizu zentralisierte die Behörden und beseitigte die Verwaltungsautonomie der Provinzen. Um eine Verquickung von familiären Machtinteressen und Amtsausübung zu verhindern, durften Beamte nur außerhalb ihrer Heimatprovinz eingesetzt werden. Ab 1382 waren staatliche Prüfungen wieder die Voraussetzung für den Eintritt in den Beamtendienst.

    Die Probleme der Landwirtschaft suchte Taizu mit der Verteilung von Land, der Erneuerung der Bewässerungssysteme, der Erschließung neuer Siedlungsgebiete und der Zwangsverpflichtung landloser Bauern zu beheben, und Steuerreformen sollten die Staatsfinanzen sanieren.

    Seine weit reichenden Reformen setzte Taizu während seiner dreißigjährigen Regierungszeit zunehmend mit despotischen Mitteln durch. Tausende Mitglieder der Beamtenschaft fielen Verfolgungen zum Opfer.

    Nach dem Tode Taizus 1398 kam es zu grausamen Nachfolgekämpfen, aus denen der Prinz von Yen (als Kaiser Yung-Lo, 1402-1424) als Sieger hervorging. Er verlegte die Hauptstadt von Nanking nach Peking.

    Die fortschreitende Bürokratisierung von Gesellschaft und Politik während der Ming-Zeit brachte einen Wiederaufstieg der Eunuchen mit sich, die zeitweise die Macht an sich zu reißen und die Monarchen in die Rolle von Schattenkaisern zu drängen vermochten. Wirtschaftlich brachten die fast drei Jahrhunderte der Ming-Dynastie einige wichtige positive Entwicklungen: Dank verbesserter Bewässerungsmethoden stieg die Produktivität in der Landwirtschaft; staatlich gefördert wurden neue Nutzpflanzen angebaut, vor allem Süßkartoffeln, Mais und Erdnüsse; und es entstanden regelrechte Industriezentren für die Baumwollverarbeitung, die Seiden- und die Porzellanherstellung.


    2 Bedrohung von außen, Öffnung nach außen

    Während der Ming-Zeit baute China rege Handelsbeziehungen zu Japan auf und suchte über See raumgreifend Kontakte mit der Außenwelt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts finanzierte die kaiserliche Regierung sieben überseeische Expeditionen des Eunuchen Zheng He, die ihn nach Südostasien, Indien, Ostafrika und Arabien führten. Dass solche Unternehmungen und die damit verbundene staatliche Förderung der Seefahrt aus Kostengründen schließlich eingestellt wurden, erwies sich später als Fehler. Als zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Europäer mit ihren Schiffen an den chinesischen Küsten auftauchten, hatten ihnen die Chinesen beim Kampf um die Herrschaft zur See nichts entgegenzusetzen.

    1516 erreichten die Portugiesen Kanton, 1624 ließen sich die Niederländer in Taiwan nieder, 1637 erschienen erstmals englische Schiffe in Kanton. Anders als frühere Händler aus Persien oder aus arabischen Ländern traten die Europäer gewalttätig und besitzergreifend auf und mussten, wie etwa die Portugiesen, ihre Niederlassungen aufgrund ihres unangemessenen Verhaltens bald wieder schließen.

    Die Bedrohung des Reiches durch innerasiatische Völker, vor allem die Mongolen, blieb auch während der Ming-Zeit bestehen, obwohl die Ming-Kaiser gleich zu Beginn ihrer Herrschaft durch militärische Expeditionen dieser Gefahr ein für alle Mal ein Ende zu bereiten suchten. Zur Sicherung des Reiches wurde die Große Mauer weiter ausgebaut und erreichte nun ihre heutige Ausdehnung und Gestalt. Japanische Truppen, die 1592 unter Toyotomi Hideyoshi in Korea eingefallen waren und nach China vorzustoßen planten, konnten erst 1598 vertrieben werden. Der Bedrohung durch japanische Freibeuter an den Küsten wurde u. a. mit dem Bau von Küstenforts begegnet.


    3 Niedergang der Ming

    Unter Kaiser Wan-Li (1573-1629), an dessen Hof sich ein fast uneingeschränktes Regime der Eunuchen etabliert hatte, verfiel die Autorität der Ming-Dynastie nach innen und außen zusehends.

    Mit der Vereinigung der Dschurdschen mit anderen tungusischen Stämmen zu der später als Mandschu bezeichneten Ethnie entstand im Norden eine neue große Gefahr für das Ming-Reich. Die Zusammenfassung der Tungusen hatte Fürst Nurhaci (1559-1626) mit grundlegenden Reformen ihres politischen und militärischen Systems verbunden, die den Aufstieg der Mandschu zu einer bedeutenden Macht ermöglichten. Vor allem das so genannte Banner-System erwies sich als überlegene militärisch-politische Organisationsform. Die Banner, ursprünglich vier, dann acht, waren zunächst militärische Verwaltungseinheiten, die später auch zivile Aufgaben übernahmen. Zugleich errichteten die Mandschu nach chinesischem Vorbild eine Monarchie mit zentralisierter Verwaltung. Anfang des 17. Jahrhunderts begannen sie, auf chinesisches Gebiet vorzustoßen, stürzten schließlich die Ming-Kaiser und etablierten die Qing-Dynastie.

    Die Kosten der militärischen Operationen gegen die Mandschu und gegen die Japaner führten das Ming-Reich an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs. Korruption und Willkürherrschaft unter dem Eunuchen Wei Chung-hsien, des eigentlichen Herrschers des Ming-Reiches, erreichten solche Ausmaße, dass sich ein Teil der Beamtenschaft gegen Wei erhob, jedoch ohne Erfolg: Weis Macht blieb ungebrochen, die rebellierenden Beamten wurden getötet. Aber auch in der Bauernschaft kam es in den letzten Jahrzehnten der Ming-Herrschaft zu einer Reihe von Aufständen, die 1626, ausgelöst durch eine Hungersnot, in eine umfassende Bauernrevolte mündete. Angesichts der Eroberung Pekings durch den Bauernführer Li Tzu-ch’eng tötete sich der letzte Ming-Kaiser 1644 selbst. Niedergeworfen wurde der Bauernaufstand erst von den Mandschu, die die Wirren genutzt hatten, um China zu erobern.


    4 Kultur der Ming-Epoche

    In der kulturellen Entwicklung unter den Ming besann man sich auf die Leistungen der Tang-Zeit und auf die Werte der chinesischen Antike. Auf Initiative des Kaiserhofs entstanden umfangreiche Enzyklopädien, in denen das gesamte chinesische Wissen zusammengetragen wurde. Die bekannteste ist die Yung-lo ta-tien, an der zu Beginn des 15. Jahrhunderts mehr als 2 000 Gelehrte arbeiteten und die zuletzt mehr als 11 000 Bände umfasst haben soll. In der Literatur setzte sich der Roman durch, in dem jetzt auch die chinesische Umgangssprache Verwendung fand. Zwar standen historische Themen im Vordergrund, aber es wurde, verpackt in die Schilderung historischer Ereignisse, auch deutliche Kritik an der Gegenwart geübt. Der Neokonfuzianismus, in der Variante der Chu-Hsi-Schule, blieb Staatsideologie. Eine neue Denkschule, die weite Verbreitung fand, entwickelte Wang Yang-Ming (1472-1529), der eine dem Idealismus zuzuordnende, ebenfalls neokonfuzianische Philosophie schuf. Die Architektur der Ming-Zeit hinterließ beeindruckende Bauwerke, doch blieb sie konservativ und verwendete, wenn auch meisterlich, die überlieferten Stilelemente weiter. Die Porzellankunst der Ming-Zeit, insbesondere das Blauweißporzellan, gilt vielfach als Höhepunkt der chinesischen Keramik.

    China's Geschichte: Mandschu- oder Qing-Dynastie (1644-1911)

    Unter der Qing-Dynastie, die bis Ende des 17. Jahrhunderts ihre Herrschaft in ganz China durchgesetzt hatte, erreichte das chinesische Kaiserreich die höchste Blüte in seiner 2 000 Jahre währenden Geschichte.


    1 Erste Phase (1644 bis 18. Jahrhundert)

    1. 1 Herrschaftssystem

    Die Qing verstanden es, die Unterstützung der alten Oberschicht zu gewinnen, indem sie entscheidend an der Niederschlagung der Bauernaufstände mitwirkten und den Großgrundbesitz in seinem Bestand garantierten. Kulturell passten sich die Qing den chinesischen Gegebenheiten an, beschränkten aber die sozialen Kontakte mit dem Mehrheitsvolk, für das sie Fremdherrscher blieben, auf ein Mindestmaß. Auch in Bezug auf die Verwaltung übernahmen sie die Strukturen aus der Ming-Zeit, trieben aber die Zentralisierung voran. Um die Kontrolle über das Staatswesen zu behalten und die politische Macht der Eunuchen zu brechen, installierten die Qing-Herrscher den „Großen Rat”, der die Ministerien überwachte und dem Kaiser unmittelbar rechenschaftspflichtig war. Darüber hinaus wurden die führenden Verwaltungspositionen doppelt besetzt. Jedem chinesischen Amtsleiter wurde ein Mandschu oder Mongole zur Seite gestellt. Die Bürokratie und ebenso die Einstellungsprüfungen für den Beamtendienst orientierten sich nach wie vor an den Maximen des Konfuzianismus.

    Als Folge der Kämpfe um die Nachfolge des zweiten Qing-Kaisers, Kangxi (1662–1722) ergab sich eine Entwicklung zum Despotismus, zumal sich dessen Verwaltungsreformen, die einer Verselbständigung der Bürokratie vorbeugen sollten, in dem riesigen und vielgestaltigen Reich als nicht durchgreifend wirksam erwiesen. Die Reformstrukturen wurden nun durch ein Spitzelsystem ergänzt, das die Bürokratie und die führenden gesellschaftlichen Schichten überwachte. Bis zu einem gewissen Grad konnte auf diese Weise die Korruption für einige Zeit eingedämmt werden, doch unter Qianlong (1736-1796) gewann sie wieder Oberhand. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts spitzte sich die innenpolitische Lage angesichts von Rebellionen, die oftmals von Geheimgesellschaften angeführt wurden, zu.


    1. 2 Expansion

    Die Qing richteten ihre expansiven Bestrebungen zunächst auf die Unterwerfung der Mongolei, die 1690 Teil des Reiches wurde. Etwa zur gleichen Zeit erreichte die russische Ostexpansion den chinesischen Machtbereich. Nach verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen legte man 1689 in einem Vertrag – dem ersten zwischen China und einem europäischen Staat – den Verlauf der russisch-chinesischen Grenzen fest; 1727 wurde der Vertrag ergänzt. Seit den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts gehörte Tibet zum chinesischen Machtbereich, seit 1751 als Protektorat, und auch Nepal wurde tributpflichtig. Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte das chinesische Reich seine größte Ausdehnung erreicht, ein großer Teil seiner Grenzen (vor allem im Norden und Westen) hatte seitdem dauerhaften Bestand.


    2 Niedergang des Reiches (19. Jahrhundert bis 1911)

    2. 1 Die Intervention ausländischer Mächte

    Im 19. Jahrhundert geriet das Qing-Reich zunehmend unter ausländischen Druck und wurde Objekt des von den europäischen Großmächten sowie den USA und Japan betriebenen Kolonialismus und Imperialismus. Schon zuvor war es zu ernsthaften Schwierigkeiten zwischen China und vor allem Großbritannien, der bedeutendsten ausländischen Handelsnation in China, gekommen. Großbritannien wollte seine Handelskontakte, die seit 1757 auf Kanton beschränkt waren, ausdehnen und versuchten dies über den Aufbau diplomatischer Beziehungen und mehrere diplomatische Missionen an den kaiserlichen Hof, doch die Qing waren nicht bereit, ihre Politik der Isolation gegenüber dem Ausland aufzugeben und Großbritannien oder anderen Staaten Erleichterungen im Handel einzuräumen.

    Überhaupt wurden die bereits bestehenden Handelsbeziehungen mit europäischen Ländern nur widerwillig geduldet. Der Handel mit dem Ausland blieb auf den Hafen von Kanton beschränkt und durfte weiterhin nur mit einer begrenzten Anzahl chinesischer Händler abgewickelt werden. Ursprünglich wies China dank u. a. des in großen Mengen an die Briten verkauften Tees eine positive Außenhandelsbilanz auf. Doch allmählich verschob sich die Bilanz zugunsten der britischen Händler. Nicht zuletzt der von der Ostindischen Kompanie insbesondere seit 1816 forcierte zollfreie Export von Opium über Kanton nach China wirkte sich verheerend aus. Die Zahl der Rauschgiftsüchtigen, die von britischen Opiumlieferungen abhängig waren, stieg dramatisch an. Die chinesische Regierung unter Kaiser Gao Duang (1820-1850), die die moralische Grundlage des Kaiserreiches gefährdet sah, ließ 1839 auf britischen Schiffen große Mengen Opium konfiszieren und das Rauschgift im Hafen von Kanton demonstrativ verbrennen. Damit kam es zum offenen Konflikt.

    Im ersten Opiumkrieg (1840-1842) eroberte eine relativ kleine britische Flotte verschiedene Stützpunkte an der chinesischen Küste. Der Vertrag von Nanking (1842), der erste der so genannten „ungleichen Verträge”, beendete diesen Krieg und brachte den Briten eine Reihe von Handelsvorteilen. China betrachtete dieses Abkommen als unerfreuliches aber angesichts der militärischen Situation unausweichliches Zugeständnis (Abtretung von Hongkong, Öffnung von fünf neuen Vertragshäfen, Aufhebung des chinesischen Handelsmonopols, Kriegsentschädigung). Aus der Sicht der europäischen Staaten, die ganz China dem westlichen Handel öffnen wollten, blieb der Vertrag von Nanking jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Im Vertrag von Hu-men (1843), der als Zusatzvertrag zum Vertrag von Nanking galt, setzte Großbritannien deshalb mit erheblichem Druck die Meistbegünstigungsklausel durch. Verträge mit Frankreich und den USA brachten 1844 den Chinesen weitere Verschlechterungen.

    Während des Lorcha- oder zweiten Opiumkrieges (1856-1860) nutzten die ausländischen Mächte die innenpolitische Schwäche des Kaiserreiches und erreichten im Vertrag von Tianjin (1858), ebenfalls ein „ungleicher Vertrag”, weitere Vorteile, u. a. die Öffnung weiterer zehn chinesischer Häfen für ausländische Händler. Als jedoch die chinesische Regierung sich weigerte, die Verträge zu ratifizieren, unternahm ein britisch-französischer Militärverband eine Strafexpedition nach Peking und brannte den kaiserlichen Sommerpalast nieder. „Ungleiche Verträge” bestimmten die Beziehungen Chinas zum Westen bis zum Jahr 1943. Sie beeinflussten die soziale und ökonomische Entwicklung des Landes in grundlegender Weise und bewirkten letztlich den Untergang der Qing-Dynastie. Durch die Öffnung einer Reihe seiner Häfen für den Außenhandel und die Abtretung Hongkongs an Großbritannien war das chinesische Kaiserreich den kolonialistischen und imperialistischen Aktivitäten der westlichen Großmächte endgültig ausgeliefert.


    2. 2 Der Taipingaufstand

    In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts führten das starke Bevölkerungswachstum und der massenhafte Import ausländischer Waren zu einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftliche Lage. Gleichzeitig wurde die Ohnmacht Chinas gegenüber den politischen Demütigungen durch die ausländischen Mächte unübersehbar. Beide Faktoren wirkten maßgeblich auf die Entstehung des Widerstands, der sich in Geheimgesellschaften und religiös-kultischen Gruppen organisierte. Einzelne Unruhen mündeten 1850 in Südchina schließlich in den Taipingaufstand, eine große, sozialrevolutionäre Rebellion unter dem christlich-messianisch inspirierten Hong Xiuquan. Die Aufständischen eroberten 1853 Nanking, das sie zur Hauptstadt ihrer Gegenherrschaft proklamierten, verwüsteten durch ihre Kriegszüge weite Teile Chinas und konnten erst durch die Mithilfe britischer und französischer Truppen zurückgedrängt und besiegt werden. Mit der Rückeroberung von Nanking 1864 war der Aufstand niedergeschlagen.

    Auch in anderen Teilen des Reiches kam es zur gleichen Zeit, von Geheimgesellschaften oder nationalen Minderheiten getragen, zu großen Aufständen – des Nien-Bundes in Henan und Anhui (1853-1868), der Miao in Guizhou sowie der muslimischen Bevölkerung in Westchina (Shaanxi, Ganzhou und Yunnan, 1855-1877).


    2. 3 Letzte Reformversuche

    Angesichts des Vordringens der imperialistischen Mächte und der Aufstände im Innern leitete die Qing-Regierung einen politischen Kurswechsel ein. Zwischen 1860 und 1895 wurden verschiedene Reformwerke in Gang gesetzt, die die Konsolidierung der Wirtschaft und die Stabilisierung des Reiches zum Ziel hatten.

    Die konservative konfuzianische Beamtenschaft verfolgte traditionelle Lösungsansätze und leitete die Erschließung von Neuland (besonders in Xinjiang und der Mongolei) sowie eine Erneuerung der Bewässerungssysteme ein. Ihre Leitidee blieb die Wiederbelebung des Konfuzianismus in Verwaltung und Gesellschaft. Den von der schwachen Zentralregierung verfolgten konservativen Projekten standen in den Provinzen Modernisierungsmaßnahmen ganz anderer Qualität gegenüber. Hier nahmen die regionalen Machthaber, die nach der Niederschlagung des Taipingaufstandes zu alter Stärke zurückgefunden hatten, die Industrialisierung des Landes in Angriff und konzentrierten sich dabei vor allem auf die Montan- und die Textilindustrie und den Schiffsbau. Wegen Kapitalmangels gerieten allerdings zahlreiche chinesische Unternehmen in ausländischen Besitz, zudem ließen sich aus dem vorhandenen Arbeitskräftereservoir kaum einschlägig ausgebildete Kräfte rekrutieren, und auch für die Leitungsebenen war kein Personal mit Fachwissen verfügbar.

    Angesichts der anhaltend ungünstigen Entwicklung verkündete Kaiser Guangxu (1875–1908) unter dem Einfluss einer Gruppe von Reformern 1898 ein Modernisierungsprogramm, das sich an der erfolgreichen Meiji-Reform in Japan orientierte. Aber schon drei Monate nach seinem Beginn wurde das Reformprogramm durch einen Putsch konservativer Kräfte, hinter dem die Kaiserinwitwe Cixi stand, beendet. Die führenden Reformer wurden hingerichtet, der Kaiser entmachtet und bis zu seinem Tode gefangen gehalten. Obwohl diese „Reform der 100 Tage” noch in den Anfängen unterbunden wurde, setzte sie doch Prozesse in Gang, die langfristig zu grundlegenden Veränderungen führten. 1905 erfolgte die Abschaffung des traditionellen Prüfungswesens für den Staatsdienst, das die antimoderne Einstellung des Staatsapparates immer wieder fortgeschrieben hatte. Auch das Heiratsverbot zwischen Chinesen und Mandschu wurde aufgehoben. Daneben war der Ausbau des Schulwesens von großer Bedeutung für die Akzeptanz der Modernisierungsbemühungen.


    2. 4 China im Griff der imperialistischen Mächte

    Aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Ohnmacht sank China auf eine Art halbkolonialen Status ab. Anfangs begnügten sich die westlichen Mächte in ihrer Politik gegenüber China noch mit den „ungleichen Verträgen” und suchten keine weiteren, vertraglich fixierten Vorteile. Doch ab 1875 richteten sie ebenso wie Japan ihre imperialistische Politik auch auf die von China abhängigen bzw. tributpflichtigen Staaten. 1879 nahm sich z. B. Japan die Ryukyu-Inseln, 1885 besetzte Frankreich Annam und 1886 Großbritannien Burma.

    Das japanische Interesse an Korea löste 1894 den Chinesisch-Japanischen Krieg aus. In dem Krieg versenkte Japan nahezu die gesamte chinesische Flotte und verdrängte die chinesischen Truppen aus der Mandschurei und aus Korea. Im Vertrag von Shimonoseki (1895) musste China die Unabhängigkeit Koreas anerkennen, weitere Häfen für den ausländischen Handel öffnen sowie Taiwan samt den benachbarten Inseln und zunächst auch die Liaodong-Halbinsel an Japan abtreten. Unter dem Druck Russlands, Frankreichs und Deutschlands, die Japan nicht den alleinigen Zugriff auf eine der reichsten Regionen Chinas überlassen wollten, ging Liaodong als Pacht an Russland, das darüber hinaus noch die Erlaubnis zum Bau von Eisenbahnen sowie zusätzliche wirtschaftliche Rechte in der gesamten Mandschurei erhielt und 1898 schließlich auch Port Arthur (siehe Dalian) bekam. Mit dieser Regelung war dem Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) der Boden bereitet.

    Auch im Qing-Reich selbst setzte das Vordringen der imperialistischen Mächte bald wieder ein. Das Deutsche Reich ließ 1897 Truppen in Tsingtau einrücken und erzwang 1898 die Verpachtung von Kiautschou. Ebenso gewannen Frankreich und Großbritannien neue Besitzungen. Als Ergebnis des Russisch-Japanischen Krieges, der sich vorwiegend auf chinesischem Territorium abspielte, wurden Süd-Sachalin, Korea und die Süd-Mandschurei japanisches Protektorat.

    Als einzige Macht entwickelten die Vereinigten Staaten gegenüber China keine Territorialansprüche, sondern versuchten, durch eine Politik der offenen Tür ihre wirtschaftlichen Interessen in China zu realisieren („Open Door-Note” des US-Außenministeriums vom September 1899 an Großbritannien, Deutschland und Russland).


    2. 5 Boxeraufstand

    Vor dem Hintergrund der imperialistischen Einmischung und ausgelöst durch den Putsch gegen den Kaiser durchzog eine reaktionäre Gegenbewegung das Land, die 1900 in den so genannten Boxeraufstand mündete, angeführt von der national-fanatischen und ausländerfeindlichen Geheimgesellschaft der – vom Westen so genannten – Boxer. Im Zuge der Eskalation erklärte China im Juni 1900 den imperialistischen Mächten den Krieg. Diese antworteten mit einer gemeinsamen militärischen Intervention, schlugen den Aufstand mit aller Härte nieder und diktierten China im so genannten Boxerprotokoll (1901) harte Friedensbedingungen, u. a. hohe Reparationszahlungen und ein Verbot für Waffenimporte.


    2. 6 Sturz der Qing-Dynastie

    Nach dem Boxeraufstand gewannen gemäßigte Kräfte in der Opposition an Einfluss. 1905 schlossen sich in Tokyo mehrere Geheimorganisationen zum „Revolutionsbund” (Tung-meng-hui) zusammen, der Sun Yatsen zu seinem Führer wählte. Nach seinem politischen Konzept, in dessen Mittelpunkt die nationalen Interessen Chinas, die Bürgerrechte und die Volkswohlfahrt standen, arbeitete der Revolutionsbund auf den Sturz des Kaisertums und die Errichtung einer parlamentarischen Regierungsform nach westlichem Muster hin. Aufstände in verschiedenen Teilen des Landes und ein Militärputsch in Wuchang (heute Wuhan) am 10. Oktober 1911 führten schließlich zur Revolution. Mit seiner Abdankung am 12. Februar 1912 schloss Xuantong (Pu Yi), der nach dem Tod des Kaisers 1908 im Alter von drei Jahren unter der Regentschaft seines Vaters auf den Thron gehoben worden war, die über 2000-jährige Geschichte des chinesischen Kaiserreiches ab.

    China's Geschichte: Die Republik China (1911-1949)

    1 Von Yuan Shikai zur Vierten-Mai-Bewegung (1912-1921)

    Sun Yatsen, im Dezember 1911 in Peking zum vorläufigen Präsidenten der Republik China ausgerufen, musste schon unmittelbar nach der Abdankung des Kaisers zugunsten des Oberbefehlshabers der Armee, Yuan Shikai, wieder zurücktreten; Yuan hatte sich in der letzten Phase der Revolution durch seine Vermittlung zwischen Revolutionsbewegung und kaiserlicher Regierung als zentrale Machtfigur etabliert. Aus den Wahlen vom Januar 1913 ging die von Sun Yatsen mitbegründete Kuomintang (KMT, Nationale Volkspartei) als Siegerin hervor, woraufhin Yuan die KMT verbot. 1914 errichtete Yuan eine Militärdiktatur; sein Versuch, die Monarchie zu restaurieren, scheiterte jedoch. Nach seinem Tod 1916 zerfiel die Zentralmacht; Militärbefehlshaber, die so genannten Warlords, übernahmen die Macht in den Provinzen und führten in wechselnden Koalitionen Kriege gegeneinander.

    Als in Europa der 1. Weltkrieg ausbrach, nutzte Japan die Gunst der Stunde, besetzte die deutschen Stützpunkte in China und versuchte, China in koloniale Abhängigkeit zu bringen. Am 17. August 1917 trat China daher an der Seite der Alliierten in den Krieg gegen die Mittelmächte ein, in der – vergeblichen – Hoffnung, Hilfe gegen Japan zu finden. Als schließlich die Alliierten Japans Forderungen weitgehend entgegenkamen und im Versailler Vertrag 1919 die deutschen Kolonialrechte in China an Japan übertrugen, entfaltete sich über das ganze Land eine von der revolutionären Intelligenz getragene Protestbewegung, die Vierte-Mai-Bewegung.

    Die Vierte-Mai-Bewegung zog ihre Kraft aus der politischen Enttäuschung breiter Volksschichten, brach in vielerlei Hinsicht mit den Traditionen des Landes und forderte eine kulturelle Erneuerung. Der Marxismus und das revolutionäre Russland, das die „ungleichen Verträge” zwischen China und dem Zarenreich für hinfällig erklärt hatte, gewannen zunehmend an Anziehungskraft.


    2 Kuomintang und Kommunistische Partei (1921-1937)

    2. 1 Zusammenarbeit

    Marxistische Gruppen, die aus der Vierte-Mai-Bewegung hervorgegangen waren, gründeten im Frühjahr 1921 in Shanghai die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Zu den zwölf Gründungsmitgliedern gehörte auch Mao Tse-tung. An der Gründung der KPCh beteiligt waren auch Vertreter der Kommunistischen Internationale (Komintern, siehe Internationale), die auch der KMT als einer Partei, die antiimperialistische Ziele verfolgte, Unterstützung gewährte und die KMT dazu veranlasste, sich mit der KPCh zu einer nationalen Einheitsfront zusammenzuschließen. In der Folgezeit kam es bis zum Tod Sun Yatsens zu einer engen Zusammenarbeit der KMT mit der neu gegründeten Sowjetunion. Sun Yatsen erhielt sowjetische Aufbauhilfe sowohl im militärischen Bereich als auch bei der Entwicklung einer effektiven Parteiorganisation und konnte so 1923 im Süden Chinas eine Revolutionsregierung etablieren.

    Die trotz der Zusammenarbeit mit der KMT als selbständige Kraft weiterbestehende KPCh baute ihre Organisation schnell aus. Sie fand zunächst unter dem städtischen Proletariat eine große Anhängerschaft; Maos These, dass das zahlenmäßig wesentlich größere ländliche Proletariat das eigentlich revolutionäre Potenzial in China sei und daher die besondere Aufmerksamkeit der KPCh verdiene, wurde aus Rücksicht auf die Doktrin der sowjetischen KP, auf deren Unterstützung man weiterhin angewiesen war, erst später Folge geleistet. 1923 nahm die KPCh gemeinsam mit der KMT den Kampf gegen die Warlords auf.


    2. 2 Bürgerkrieg

    Nach dem Tod Sun Yatsens 1925 und der Spaltung der KMT in einen linken und einen rechten Flügel setzte sich Chiang Kai-shek, der einen deutlich antikommunistischen Kurs verfolgte, als neuer Führer durch. 1927 installierte er in Nanking eine „Nationalregierung” (siehe Nanking-Regierung), und 1928 ließ er sich, nachdem er Peking eingenommen hatte, zum Präsidenten der „Chinesischen Republik” wählen.

    Nach zahlreichen blutigen Verfolgungsaktionen der KMT gegen Kommunisten, die in den Massakern in Shanghai und Nanking am 12. April 1927 kulminierten, ging der im Nordfeldzug gemeinsam geführte Krieg gegen die Warlords in einen Bürgerkrieg zwischen KMT und KPCh über. Eine Fraktion der KPCh versuchte, in den Städten Aufstände zu initiieren, die andere übernahm unter der Führung von Mao Tse-tung die politische Arbeit auf dem Land. Dort stellte sie Bauerntruppen auf, die sich im Mai 1928 in der Provinz Hunan zur chinesischen Roten Armee formierten. Nachdem sich die erste Fraktion wieder mit der Maos zusammengeschlossen hatte, proklamierte der erste Nationale Sowjetkongress Chinas am 7. November 1931 in der Provinz Jiangxi die „Chinesische Sowjetrepublik”.

    Chiang, Präsident, Parteichef und Oberbefehlshaber der Armee, regierte nun das von der KMT kontrollierte Territorium als Einparteienstaat. Mit der Eroberung Pekings hatte er 1928 den Nordfeldzug beendet; in der Folgezeit wandte er sich gegen die KPCh, um deren Machtbereiche zu erobern. Militärisch von den überlegenen KMT-Truppen in die Enge getrieben, brach die Rote Armee am 27. Oktober 1934 zu ihrem Langen Marsch auf, der ein Jahr später in Yenan (Provinz Shaanxi) endete, wo das neue Hauptquartier der KPCh errichtet wurde. Während des Langen Marsches etablierte sich Mao Tse-tung in der Führungsspitze der KPCh.


    3 Japanische Aggression und 2. Weltkrieg (1931-1945)

    3. 1 Im Vorfeld des 2. Chinesisch-Japanischen Krieges (bis 1937)

    Während der zwanziger Jahre blieb Japan gegenüber China relativ zurückhaltend. 1922 trat es die ihm im Versailler Vertrag übertragenen ehemaligen deutschen Sonderrechte in Shandong wieder an China ab. Als es nach 1928 seine eigenen imperialistischen Interessen vom militanten KMT-Nationalismus Chiang Kai-sheks bedroht sah, nutzte es die Wirren des chinesischen Bürgerkrieges: 1931 besetzten japanische Truppen die rohstoffreiche Mandschurei, etablierten den Marionettenstaat Mandschukuo und setzten den letzten Kaiser der Qing-Dynastie, Pu Yi, 1932 zunächst als Regenten ein, 1934 dann als Kaiser (bis 1945). Zudem brachte Japan noch weite Teile des Nordostens unter seine Kontrolle.

    Angesichts des Bürgerkrieges gegen die Kommunisten, dem er eine höhere Priorität einräumte, nahm Chiang Kai-shek die japanische Aggression zunächst hin. Der Zusammenstoß japanischer und chinesischer Truppen am 7. Juli 1937 an der Marco-Polo-Brücke in Peking, wo immer noch infolge des Boxerprotokolls von 1901 japanische Verbände stationiert waren, war schließlich der Auslöser des 2. Chinesisch-Japanischen Krieges, der erst mit der japanischen Kapitulation im 2. Weltkrieg enden sollte.


    3. 2 Brüchige Einheitsfront von Kommunisten und Kuomintang

    Unter dem Druck führender KMT-Militärs, die der japanischen Invasion Widerstand entgegensetzen wollten, setzte Chiang den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten aus und bildete mit ihnen 1937 erneut eine Einheitsfront. Allerdings waren auch die vereinten KMT/KPCh-Kräfte nicht in der Lage, den japanischen Vormarsch zu stoppen. Nach der Eroberung von Nanking durch die Japaner floh die chinesische Nationalregierung bereits im Dezember 1937 nach Chongqing. Bis Anfang 1939 brachten die Japaner große Gebiete Nord- und Zentralchinas unter ihre Kontrolle, und im Süden beherrschten sie die Insel Hainan und die wichtigsten Häfen.

    Während Chiangs Truppen schwere Verluste gegen die Japaner erlitten, nahm die KPCh, unterstützt von der Sowjetunion, mit ihren Partisanenverbänden in den besetzten Gebieten den Widerstand auf und profilierte sich als Hauptträger des nationalen Widerstandes gegen die Japaner. Dazu trug auch bei, dass der frühere Regierungschef der KMT-Regierung in Nanking, Wang Jingwei, sich im März 1940 als Chef einer japanfreundlichen Kollaborationsregierung einsetzen ließ. Angesichts des wachsenden Einflusses der Kommunisten verschärfte sich der Konflikt zwischen KMT und KPCh erneut, der Bürgerkrieg flammte wieder auf.

    Im Juni 1943 übernahm Mao Tse-tung als Vorsitzender des Zentralkomitees die Führung der KPCh. Seine kompromisslose Linie gegenüber den Japanern sowie die positiven wirtschaftlichen und innenpolitischen Entwicklungen in den von der KPCh beherrschten Gebieten trugen wesentlich zu seinem Erfolg in der chinesischen Bevölkerung bei. Der Zustrom zur Roten Armee war groß, bei Kriegsende gehörten ihr rund eine Million Soldaten an. Hinzu kamen die Dorfmilizen mit etwa zwei Millionen Mitgliedern. Die KPCh selbst hatte zu diesem Zeitpunkt bei der Mitgliederzahl die Millionengrenze überschritten. Die KMT dagegen verlor in weiten Gebieten an Einfluss.


    3. 3 China im 2. Weltkrieg, Kapitulation Japans

    Nach dem Angriff Japans auf die Alliierten USA und Großbritannien in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 hatte die KMT-Regierung Deutschland am 9. Dezember 1941 den Krieg erklärt. Damit war der Chinesisch-Japanische Krieg Teil des bis dahin vorwiegend in Europa geführten 2. Weltkrieges geworden. Die USA und Großbritannien unterstützten die KMT nun mit Finanzhilfen und Militärausrüstung, die großenteils jedoch erst 1945 eintraf. Zudem erklärten sie den völligen Verzicht auf alle aus den „ungleichen Verträgen” des 19. Jahrhunderts resultierenden kolonialen Ansprüche, um u. a. dadurch China von einem Separatfrieden mit Japan abzuhalten.

    Die Sowjetunion, die im 2. Weltkrieg ihre frühere Politik gegenüber der KMT wieder aufgenommen hatte, erklärte entsprechend den Vereinbarungen von Jalta im August 1945 Japan den Krieg. Zugleich schloss sie einen Freundschaftsvertrag mit der KMT-Regierung, in dem Chiang Kai-shek die Äußere Mongolei als selbständigen Staat anerkennen und der Sowjetunion beherrschende Rechte in der bislang von Japan beherrschten Mandschurei einräumen musste. In der Folge besetzten sowjetische Truppen die Mandschurei, Korea, Sachalin und die Kurilen.

    Der 2. Weltkrieg endete in China erst am 9. September 1945 durch die Kapitulation der japanischen Truppen vor Chiang Kai-shek in Nanking. Bis dahin waren etwa zehn Millionen chinesische Zivilisten der japanischen Terrorherrschaft in China zum Opfer gefallen.


    4 Erneuter Bürgerkrieg (1946-1949)

    Die Kommunisten gingen aus dem 2. Weltkrieg gestärkter, disziplinierter und besser ausgerüstet hervor als die Armee der KMT-Nationalregierung. Unter anderem ging nach der japanischen Kapitulation auch eine Fülle von Waffen und Munition von den Japanern in die Hände der Kommunisten über, als die sowjetischen Streitkräfte die Mandschurei besetzten und dort den Kommunisten an die Macht verhalfen. Maos politisches Ziel war zunächst die Errichtung einer Koalitionsregierung mit der KMT. Diese Perspektive wurde allerdings angesichts des im März 1946 offen ausbrechenden Bürgerkrieges wieder hinfällig; ein im Januar 1946 durch die Vermittlung der USA zustande gekommener Waffenstillstand zwischen KMT und KPCh wurde nicht umgesetzt.

    Am 25. Dezember 1946 setzte die KMT eine neue Verfassung der Republik China in Kraft, auf deren Basis die Nationalversammlung am 19. März 1948 Chiang Kai-shek zum Staatspräsidenten wählte.

    Doch die militärische und politische Initiative ging an die KPCh über, deren Konzept der nationalen Einheit auch im Bürgertum und sogar bei den ländlichen Führungsschichten Anhänger fand. Nach der Mandschurei brachte sie bis zur Jahreswende 1948/49 Peking und andere nordchinesische Städte unter ihre Kontrolle, 1949 Nanking, Wuhan und weitere Teile Südchinas. Die KMT-Regierung wich von Chongqing nach Chengdu aus und floh schließlich Ende des Jahres nach Taiwan, das von 1895 bis 1945 unter japanischer Verwaltung gestanden und danach den Status einer chinesischen Provinz erhalten hatte. Rund eine halbe Million KMT-Soldaten und fast zwei Millionen Zivilisten folgten der KMT-Regierung auf der Flucht vor der Roten Armee nach Taiwan. Auf Taiwan installierte Chiang sein Exilregime mit dem Anspruch, weiterhin ganz China zu vertreten.

    China's Geschichte: Die Ära Mao Tse-tung (1949-1976)

    Am 1. Oktober 1949 proklamierte Mao Tse-tung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China und übernahm als Präsident des Zentralrats der Volksregierung (d. h. als Staatsoberhaupt) die Führung des Staates. Das so genannte „Organisationsgesetz der Zentralen Volksregierung”, die erste bis 1954 gültige Verfassung, definierte die Volksrepublik China als eine demokratische Volksdiktatur, die sich auf alle demokratischen Kräfte, auf alle Ethnien, auf die Bauern und die Arbeiter stützt. Dennoch war der Führungsanspruch der Arbeiterklasse unbestritten, und dementsprechend wurden in der Staatsführung die Schlüsselpositionen besetzt. Erster Ministerpräsident und zugleich Außenminister wurde Zhou Enlai.

    Der neue Staat wurde von den westlichen Regierungen nicht anerkannt und erhielt auch keinen Sitz in der Vollversammlung der Vereinten Nationen, da die Exilregierung auf Taiwan als völkerrechtlich legitime Vertretung Gesamtchinas angesehen wurde (bis 1971).


    1 Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung (bis 1965)

    1. 1 Gesellschaftliche Umwälzungen

    Unmittelbar nach der Ausrufung der Volksrepublik begann das neue Regime im bevölkerungsreichsten Land der Erde mit einer der tief greifendsten sozialen Umwälzungen der Geschichte. Erste große gesellschaftsreformerische Maßnahme war die Einführung eines neuen Ehegesetzes (Mai 1950), das die soziale Gleichberechtigung der Frau festschrieb und die rechtlichen Rahmenbedingungen für dauerhafte Veränderungen der Familienstrukturen schuf. Bedeutender noch war das Agrarreformgesetz (Juni 1950), das mit der überlieferten Agrarstruktur des alten China brach: Durch die Bodenreform wurde der Großgrundbesitz enteignet, mehr als 40 Prozent des Bodens wurden neu verteilt und alle aus Pachtverträgen stammenden Schulden aufgehoben. Zu den ersten Schritten auf dem Weg zu sozialistischen Strukturen gehörte die Einführung von Produktionsgenossenschaften.

    Im Bereich von Handel und Industrie ging man den Weg über Verstaatlichungen und staatliche Kapitalbeteiligungen; der Außenhandel wurde Staatsmonopol. 1953 trat der erste Fünfjahresplan in Kraft, der – dem sowjetischen Vorbild folgend – davon ausging, die vorrangige Förderung der Schwerindustrie sei der Schlüssel zu allen weiteren Entwicklungen. Der industrielle Aufbau stieß aufgrund von Rohstoff- und Devisenproblemen jedoch schnell an seine Grenzen.

    Ein wesentliches Element beim Umbau Chinas in eine sozialistische Gesellschaft war die völlige Neugestaltung von Erziehung und Bildung auf der Grundlage marxistisch-leninistischer Grundsätze. An die Stelle der Familie trat nun die Partei als verantwortliche Instanz für die Führung und Erziehung der Jugend. Die Religion wurde streng kontrolliert; ausländische Missionare mussten das Land verlassen und der chinesische Klerus wurde zur Zusammenarbeit mit den Kommunisten gezwungen. Die Intellektuellen wurden durch Kampagnen auf den Marxismus-Leninismus eingeschworen. Der Umbau der Gesellschaft wurde mit härtester Repression umgesetzt, wo er auf Widerstand traf. Nach offiziellen Angaben von Regierungsbehörden sollen zwischen Oktober 1949 und Oktober 1950 mehr als eine Million so genannte Konterrevolutionäre hingerichtet worden sein.

    Im September 1954 verabschiedete der 1. Nationale Volkskongress eine neue Verfassung. Sie schrieb die Grundrechte (u. a. auch das Recht auf Arbeit) fest und definierte die Volksrepublik als Volksstaat, der von der Arbeiterklasse geführt wird und auf dem Bündnis von Arbeiterklasse und Bauernschaft beruht. Der Aufbau des Volksstaates sollte zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung führen.

    Eine neue Struktur erhielt 1954 auch die Verwaltung, die bis dahin auf den im Bürgerkrieg von den Armeen aufgebauten fünf Regionalverwaltungen basierte. Die alte Verwaltungsstruktur wurde nun durch eine Gliederung in Provinzen und autonome Gebiete ersetzt.


    1. 2 Ideologische Kämpfe

    Über den Weg zum Aufbau des Sozialismus entwickelten sich innerhalb der Partei unterschiedliche Vorstellungen, die zu Machtkämpfen führten. Im März 1955 wurden die Mitglieder des Politbüros, die sich eng an das sowjetische Vorbild halten wollten, aus ihren Ämtern entfernt. Am 25. April 1956 distanzierte sich Mao in der Rede „Über die zehn Großen Beziehungen” erstmals öffentlich vom historischen Modell des sowjetischen Weges, und in seiner Rede „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke” vom 27. Februar 1957 kritisierte er die sowjetische Auffassung, dass es innerhalb der sozialistischen Gesellschaft keine Gegensätze gäbe. Mit einer weiteren Rede am 2. Mai 1957 eröffnete er die Kampagne der so genannten Hundert-Blumen-Bewegung, die die Bevölkerung zu offener Kritik an der Partei und ihren Funktionären aufforderte. Allerdings nahm die nun einsetzende öffentliche Diskussion einen solchen Umfang und eine solche Heftigkeit an, dass sich die KPCh bald zum Gegensteuern veranlasst sah. Durch die Kampagne gegen Rechtsabweichler wurden bis 1958 alle kritischen Bestrebungen wieder unterdrückt.

    1958 setzte Mao die „Politik der drei roten Banner” als Linie der Partei durch. Ausgehend von der These der Notwendigkeit der permanenten Revolution konzentrierte sie sich auf die politische Bewusstseinsbildung der breiten Massen. Entscheidende Komponenten dieses Programms waren die „Generallinie des sozialistischen Aufbaus”, der Große Sprung nach vorn (siehe unten) und die Durchsetzung der Volkskommunen als politische, soziale und wirtschaftliche Organisationsform.

    Doch auch die „Politik der drei roten Banner” geriet durch zu hoch gesteckte Ziele bald in Schwierigkeiten. Bereits ab Ende 1958 erfolgte eine stufenweise Modifizierung, die in der Folgezeit nach teilweise heftiger parteiinterner Kritik weitergeführt wurde. In der ab Ende 1962 verfolgten Politik der „Drei Freiheiten – eine Festlegung” wurde eine Ausweitung der privaten Bodennutzung sowie eine Liberalisierung des Handels mit den auf privatem Grund erzeugten Gütern und eine Verstärkung der Politik der materiellen Anreize gefordert.

    Zwar gelang es Mao, seine radikale Linie beim Aufbau des Sozialismus innerhalb der Parteiführung durchzusetzen, doch musste er sich in der Folgezeit verstärkt um die Konsolidierung seiner Machtbasis bemühen und eine Zeit lang hinnehmen, dass die von ihm konzipierte radikale Linie aufgeweicht wurde. Angesichts des sich abzeichnenden Desasters des Großen Sprungs musste er 1959 das Amt des Staatspräsidenten an den Zweiten in der Hierarchie der Macht, Liu Shaoqui, abgeben. Als entscheidende Machtbasis gewann er jedoch die Volksbefreiungsarmee für sich, nachdem er Lin Biao 1959 zum neuen Verteidigungsminister gemacht hatte, der die Armee verstärkt ideologisch ausrichtete und schließlich um Mao einen Personenkult zu organisieren begann.

    Seit Anfang 1962 spitzte sich die parteiinterne Auseinandersetzung zum „Kampf der beiden Linien” zu. Staatspräsident Liu Shaoqui forderte (vergeblich) die Rehabilitierung der als Rechtsabweichler entmachteten Kritiker der Politik Maos. Dieser hielt dagegen an seiner These vom Fortbestehen des Klassenkampfes in der Phase des Sozialismus fest, aus der er den Vorrang der ideologischen Arbeit und der politischen Bewusstseinsbildung vor der pragmatischen Arbeit folgerte. Im Mai 1963 setzte er die Kampagne „Sozialistische Erziehungsbewegung” durch, die der Kulturrevolution den Weg ebnete.


    1. 3 Wirtschaftspolitik: Fehlschlag des Großen Sprungs

    Mit der neuen Wirtschaftspolitik nach dem ersten Fünfjahresplan verabschiedete sich die Führung von der bisherigen Vorrangstellung der Industriezentren. Mit dem Ziel, die Voraussetzungen für den Übergang zum Kommunismus herzustellen, konzentrierte man sich nun auf die grundlegende Umgestaltung der Lebensweise auf dem Lande, die innerhalb weniger Jahre abgeschlossen sein und mit einer gewaltigen Produktionssteigerung einhergehen sollte. Zu diesem Zweck wurde die Landbevölkerung in Volkskommunen organisiert, unter scharfen Kontrollmaßnahmen der Verbrauch eingeschränkt, die landwirtschaftliche Produktion umgestellt und zugleich die Industrialisierung auf dem Lande mit den dort vorhandenen Mitteln, d. h. dem extensiven Einsatz der menschlichen Arbeitskraft auf niedrigem technischen Niveau, massiv vorangetrieben. Das Konzept führte zu einer wirtschaftlichen Katastrophe. Die landwirtschaftliche und die industrielle Produktion fielen innerhalb von drei Jahren auf die Hälfte des Jahres 1958 zurück. Eine der größten Hungersnöte der Weltgeschichte erfasste das ganze Land; Schätzungen zufolge forderte sie zwischen 20 Millionen (diese Zahl wird in China seit 1988 offiziell genannt) und 43 Millionen Menschenleben.


    2 Von der Kulturrevolution bis zur Regelung von Maos Nachfolge (1965-1977)

    2. 1 Kulturrevolution (1965-1968)

    Obwohl Mao sich durch Parteibeschlüsse zumindest formal immer wieder durchsetzen konnte, bekämpften sich innenpolitisch weiterhin zwei Linien: einerseits die von Mao angeführte Gruppierung, die – ideologisch motiviert – auf die Bildung revolutionären Bewusstseins bedacht war und diesem Ziel die praktische Politik unterordnete; andererseits die eher an einer pragmatischen Politik interessierte Strömung, zu der ein großer Teil der Funktionäre des Partei- und Staatsapparates gehörte, frühzeitig schon Deng Xiaoping. Als Vermittler fungierte häufig Zhou Enlai, der als Ministerpräsident und Außenminister vor allem für eine gewisse Kontinuität sorgte.

    Um seine Machtposition zurückzugewinnen, verstärkte Mao 1964/65 seine ideologische Kritik, forderte eine ideologische Radikalisierung der Kultur- und Erziehungsarbeit und richtete scharfe Angriffe gegen die Vertreter der pragmatischen Linie. Nachdem die Armee unter Lin Biao Maos Kritik übernommen hatte, schwenkte auch das Zentralkomitee der KPCh auf Maos Linie ein und rief in einer Erklärung vom 16. August 1965 dazu auf, die Reste feudaler und bourgeoiser Ideologie durch eine „Große proletarische Kulturrevolution” zu beseitigen. Daraufhin bildeten sich unter den Studenten in allen Teilen des Landes Rote Garden, die ihre Kritik an den Autoritäten und der kulturellen Tradition mit äußerster Radikalität vortrugen. Die zu Terrorkampagnen ausartenden Aktionen der Roten Garden und ihre Auseinandersetzungen mit den Mao-Gegnern weiteten sich bald zu blutigen Konflikten aus, denen zwischen 400 000 und einer Million Menschen zum Opfer gefallen sein sollen und in deren Verlauf zahlreiche kulturelle Einrichtungen und Kulturdenkmäler zerstört wurden. Die Roten Garden beriefen sich auf Mao, um den sie den Personenkult mit Hilfe des Roten Buches, einer Sammlung seiner Kernsätze (siehe Maoismus), auf den Höhepunkt trieben.

    Mao nutzte die Unterstützung der Roten Garden zum Ausbau seiner Machtstellung im Parteiapparat. Als sich im Januar 1967 die Roten Garden auch in Shanghai gewaltsam durchsetzten und die Auseinandersetzungen zu offenem Bürgerkrieg zu eskalieren drohten, weil die Kulturrevolutionäre auf Widerstand in der Arbeiterschaft stießen, griff auf Anweisung Maos die Armee ein. Auch Zhou Enlai intervenierte. Nachdem es im Sommer 1967 in Südchina zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Roten Garden und Armee gekommen war, wandten sich Mao, Lin Biao und andere Parteiführer öffentlich von der Bewegung ab, die Kulturrevolution geriet in die Defensive. Im Oktober 1967 wurde der Unterrichtsbetrieb an den Schulen und Universitäten wieder aufgenommen. Die Entsendung von rund zehn Millionen junger Chinesen aufs Land, wo sie sich einem Umerziehungsprogramm unterwerfen mussten, bedeutete im Dezember 1968 das Ende der Roten Garden.


    2. 2 Fortsetzung des Kampfes zweier Linien (1969-1977)

    Als offizielles Ende der Kulturrevolution gilt eine entsprechende Erklärung des IX. Parteitages der KPCh im April 1969. Als wesentliches machtpolitisches Ergebnis blieb einerseits die von Mao beabsichtigte Schwächung des pragmatischen Flügels, andererseits die deutliche Stärkung des Einflusses der Volksbefreiungsarmee, die den Bürgerkrieg verhindert hatte und nun die führenden Parteigremien kontrollierte. Ministerpräsident Zhou Enlai überstand die Kulturrevolution unbeschadet und leitete eine Normalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse ein.

    Die Konfrontation zwischen den beiden Linien war jedoch nicht beendet. Die Bemühungen um die Rücknahme zahlreicher in der Kulturrevolution durchgesetzter Veränderungen, wie etwa die Rehabilitierung der aus der Partei ausgeschlossenen Kader und der aus ihren Ämtern vertriebenen Funktionäre, führten erneut zur Konfrontation. Lin Biao forderte die Wiederaufnahme der Politik des Großen Sprungs, diesmal allerdings unter der Führung der Armee, konnte aber Mao nicht dafür gewinnen. Vermutlich nach dem Scheitern der Vorbereitungen zu einem Militärputsch kam Lin Biao 1971 bei der Flucht durch einen Flugzeugabsturz in der Mongolei zu Tode. Führungsfigur der Parteilinken, die mit dem Wiederaufbau der während der Kulturrevolution aufgelösten Massenorganisationen begann, wurde jetzt Jiang Qing, die Ehefrau Mao Tse-tungs.

    1975 billigte der Nationale Volkskongress Zhou Enlais Modernisierungsprogramm für Wirtschaft, Wissenschaft und Verteidigung und verabschiedete eine neue Verfassung, die den Auseinandersetzungen der zurückliegenden Jahre Rechnung trug und die Volksrepublik als einen sozialistischen Staat der Diktatur des Proletariats beschreibt. Diese Diktatur sei nötig, weil es auch während der Phase des Sozialismus weiterhin Klassenkämpfe gäbe.

    Der Tod Zhou Enlais 1976, für den seit längerem der 1973 rehabilitierte Deng Xiaoping die Regierungsgeschäfte geführt hatte, brachte für die Pragmatiker in der KPCh zunächst eine deutliche Schwächung ihrer Position. Deng wurde entmachtet, während Hua Guofeng als Kompromisskandidat Maos neuer Ministerpräsident und neuer erster Stellvertreter im Parteivorsitz wurde.

    Nach dem Tod des schon seit längerem handlungsunfähigen Mao Tse-tung am 9. September 1976 zeigte sich bald, dass die Machtbasis der Linken in der KPCh nicht besonders groß war. Nachdem Hua im Oktober Maos Nachfolge als Parteivorsitzender angetreten hatte, ließ er die Viererbande um Maos Witwe Jiang Qing verhaften und rehabilitierte Deng. Im August 1977 beschloss die KPCh den endgültigen Abschluss der Kulturrevolution. Alle Vertreter der Linken, die sich jetzt nicht mehr auf Mao stützen konnten, verloren ihre Parteiämter. Der Kampf zweier Linien war entschieden.


    3 Außenpolitik

    3. 1 Verhältnis zur Sowjetunion

    Die Außenpolitik der Volksrepublik China war zunächst im Wesentlichen bestimmt durch die Entwicklung des Verhältnisses zur Sowjetunion, durch das Bestreben, ehemals chinesische Gebiete zurückzugewinnen, sowie durch das Ziel, das Kuomintang-Regime auf Taiwan zu stürzen und die Insel in die Volksrepublik zu integrieren.

    Die enge Bindung an die Sowjetunion, mit der China 1950 ein Bündnis schloss, kam im sich verschärfenden Kalten Krieg schon zum Tragen, als chinesische Freiwilligenverbände im Oktober 1950 auf der Seite Nordkoreas am Koreakrieg teilnahmen und die Volksrepublik deswegen am 1. Februar 1951 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als Aggressor verurteilt wurde.

    Die Entwicklung des Verhältnisses zur Sowjetunion war eng mit der Entwicklung der innenpolitischen Verhältnisse, insbesondere mit den Auseinandersetzungen um den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in China verbunden. Die von Mao vertretene Linie des sozialistischen Aufbaus, die zunehmend vom historischen Vorbild der sowjetischen Entwicklung abwich und die innerhalb der chinesischen KP zu ständigen Richtungskämpfen führte, verursachte in den zwischenstaatlichen Beziehungen eine allmähliche Distanzierung.

    Hinzu kamen außenpolitische Differenzen nach dem Tod Jossif Stalins 1953. So lehnte die Sowjetunion Ende 1954 die Rückgabe der Äußeren Mongolei an China ab und schlug ab 1956 vor dem Hintergrund der Blockbildung im Kalten Krieg mit Chruschtschows Politik der friedlichen Koexistenz eine weltpolitische Linie ein, die Mao Tse-tung verwarf. Kritik an der sowjetischen Entstalinisierung und an den von der Sowjetunion formulierten Perspektiven für die kommunistische Weltbewegung (u. a. eine positivere Bewertung des westlichen parlamentarisch-demokratischen Systems) verstärkten die Entfremdung.

    Die offene Distanzierung der Sowjetunion vom chinesischen Kurs erfolgte Ende 1958, als sie die chinesischen Pläne zur Eroberung Taiwans nicht mitzutragen bereit war, setzte sich fort in der Kündigung des Vertrags zur Entwicklung chinesischer Atomwaffen (Juni 1959) und manifestierte sich auch in der ausbleibenden Unterstützung bei den Grenzstreitigkeiten der Volksrepublik mit Indien (Juli 1959). Zum offenen Bruch kam es, als im April 1960 die KPCh die Sowjetunion öffentlich „revisionistischer Tendenzen” bezichtigte: Die sowjetische Führung beendete das noch laufende wirtschaftlich-technische Hilfsprogramm und zog alle sowjetischen Experten aus der Volksrepublik ab. Verhandlungen zur Beilegung der ideologischen Differenzen in Moskau im Juli 1963 scheiterten. Die von Ministerpräsident Zhou Enlai und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der KPCh, Deng Xiaoping, geführte Delegation hielt an den maßgeblich von Mao formulierten Einschätzungen („Vorschlag zur Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung”) fest. Kategorisch distanzierte sie sich von den sowjetischen Konzepten einer Koexistenz der Blöcke, einer positiven Wertung der parlamentarischen Arbeit kommunistischer Parteien in kapitalistischen Staaten und des Endes des Klassenkampfes in der Phase des Sozialismus.

    Die Kulturrevolution strapazierte die Beziehungen zu vielen anderen Ländern, insbesondere zur UdSSR. Die Spannungen zwischen den beiden kommunistischen Großmächten verschärften sich 1967 erheblich nach dem erfolgreichen Test einer chinesischen Wasserstoffbombe und nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen 1968 in die Tschechoslowakei (siehe Prager Frühling). 1969 eskalierten die zwischenstaatlichen Konflikte zu Zusammenstößen zwischen chinesischen und sowjetischen Truppen am Grenzfluss Ussuri in der Mandschurei.


    3. 2 Die Okkupation und Eingliederung Tibets

    1950/51 drangen chinesische Truppen in Tibet ein, das auf der Grundlage einer formal garantierten Autonomie verwaltungsmäßig in die Volksrepublik eingegliedert wurde. Die in den folgenden Jahren durchgeführten wirtschaftlichen Reformen und die systematische Ansiedlung von Chinesen provozierten Konflikte, die im März 1959 in einen Aufstand mündeten. Er wurde von der Armee niedergeschlagen; dem 14. Dalai-Lama, dem geistlichen und politischen Führer der Tibeter, gelang die Flucht ins Exil nach Indien. In der Folge führte China eine Landreform durch, die der mit dem Lamaismus eng verknüpften Gesellschaftsform endgültig den Boden entziehen sollte. Im Dezember 1964 erklärt die chinesische Regierung den Dalai-Lama endgültig für abgesetzt. Im September 1965 erhielt Tibet den Status einer autonomen Region.


    3. 3 Außenpolitische Öffnung

    Das Vorgehen Chinas in Tibet belastete auch das Verhältnis zum Nachbarn Indien. In einem Abkommen über Handels- und Verkehrsfragen im Grenzbereich zwischen Tibet und Indien vom 29. April 1954 zeichnete sich erstmals eine Annäherung beider Staaten ab. Doch 1958 kam es wegen Grenzstreitigkeiten in Ladakh zu Spannungen, die im Herbst 1962 in den Indisch-Chinesischen Krieg mündeten. China konnte den Krieg rasch für sich entscheiden.

    1954 nahm China an der Genfer Indochinakonferenz teil; dies war das erste offizielle, von den USA mit Misstrauen beobachtete Auftreten der Volksrepublik als Verhandlungspartner in internationalem Rahmen. Auf der Bandungkonferenz 1955, auf der sich die Bewegung der blockfreien Staaten zu bilden begann, spielte China eine führende Rolle. Aber während China zu den Ländern der Dritten Welt, zu denen es sich selbst rechnete, enge Beziehungen pflegte, zog es sich gegenüber den westlichen Staaten in die Selbstisolation zurück.

    Nach dem Ende der Kulturrevolution versuchte die Volksrepublik außenpolitisch wieder aktiv zu werden. In ihrer außenpolitischen Konzeption der „Drei-Welten-Theorie” war die Sowjetunion seit Anfang der sechziger Jahre zur bedrohlicheren der beiden Supermächte avanciert. Ihnen gegenüber galt es, die Zweite Welt (die industrialisierten Staaten) und die Dritte Welt (Entwicklungsländer einschließlich Chinas) gegen die Hegemonieansprüche der beiden Supermächte zusammenzuschließen.

    Mit der Zündung seiner ersten Wasserstoffbombe 1967 rückte China in den Kreis der Atommächte auf. Verbunden mit der Erklärung, unter keinen Umständen als erstes Land Kernwaffen einzusetzen, signalisierte es seinen Anspruch, auf der Bühne der Weltpolitik eine tragende Rolle zu spielen. 1970 entsandte China seinen ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn.

    Neben der Aufnahme und Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen (Rumänien 1970, Jugoslawien 1970, Bundesrepublik Deutschland 1972, Japan 1972) war die Annäherung an die USA die wichtigste außenpolitische Entwicklung. Vorbereitet durch mehrjährige geheime Kontakte unternahm Richard Nixon im Februar 1972 den ersten Staatsbesuch eines US-Präsidenten in der Volksrepublik China und leitet damit die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und China ein. Streitfall zwischen beiden Staaten blieb allerdings die Taiwan-Frage, da die Volksrepublik an ihrer Ein-China-Doktrin festhielt. Gleichwohl gelang es ihr, 1971 Taiwan aus der UNO zu verdrängen, dessen Sitz einzunehmen und die USA zum Abzug ihrer Truppen von Taiwan zu bewegen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China wurden 1979 formell aufgenommen.

    China's Geschichte: Die Ära Deng Xiaoping (1978-1997)

    Nach der Ausschaltung der Linken wurde Deng Xiaoping für knapp zwei Jahrzehnte zur bestimmenden Figur der chinesischen Politik. Auf dem XI. Parteitag im August 1978 zu einem der fünf Stellvertreter des Parteivorsitzenden Hua Guofeng gewählt, war er seitdem faktisch Parteiführer. 1980 gelang es Deng, die verbliebenen Vertreter der Mao-Gruppe aus den wichtigsten Führungspositionen in Partei und Staat zu verdrängen und durch Anhänger seiner pragmatischen Politik zu ersetzen. Mit der Übernahme des Vorsitzes im Militärausschuss des Zentralkomitees (1981) und der Position des Oberbefehlshabers der Armee (1983) sicherte er seine Position als inoffizieller Führer der Volksrepublik und treibende Kraft der Entmaoisierung ab.


    1 Wirtschaftsreformen

    Die großen Veränderungen der Ära Deng spielten sich im Bereich der Wirtschaft ab. In einem von 1976 bis 1986 laufenden Zehnjahresplan („Neuer Großer Sprung nach vorn”) wurde der gleichgewichtige Ausbau von industriellem und landwirtschaftlichem Sektor festgelegt. Parallel zu den wirtschaftlichen Reformen begann 1980 eine restriktive Bevölkerungspolitik mit dem Ziel, das Bevölkerungswachstum zu beschränken. Die Ein-Kind-Familie wurde als Regelfall vorgeschrieben. 2000 wurde die staatliche Geburtenkontrolle wieder gelockert, nachdem sich das Bevölkerungswachstum um 0,9 Prozent verringert hatte und sich die Vorschrift als nur begrenzt durchsetzbar erwiesen und zu unerwünschten Nebeneffekten geführt hatte.

    Ab 1979 begann der allmähliche Umbau staatswirtschaftlicher Strukturen. Ziel war eine zwar sozialistische, trotzdem aber durch marktwirtschaftliche Mechanismen regulierte Wirtschaft. Lange ausgeschlossene Prinzipien wie Privatinitiative und Leistung kamen nun wieder zum Tragen, den staatlichen Industriebetrieben wurde größere Eigenverantwortlichkeit übertragen, und die Gründung von Privatunternehmen wurde zugelassen. Zur Förderung ausländischer Investitionen wurden wirtschaftliche Sonderzonen eingerichtet, über die, vermittelt durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus den industrialisierten Staaten, moderne Technologien nach China Eingang finden sollten. In der Landwirtschaft wurde durch die Einführung von Pachtverträgen die Bildung selbständiger Familienbetriebe gefördert.

    1993 wurde das Wirtschaftssystem der Volksrepublik durch eine Verfassungsänderung nicht mehr als Planwirtschaft, sondern als „sozialistische Marktwirtschaft” definiert, die nun Spielraum für die Privatisierung der Staatsbetriebe gab. Wenn auch die Staatsführung die Kontrolle über Schlüsselsektoren und -unternehmen nicht aus der Hand gab, so lief dieser Prozess für viele Teile der Wirtschaft auf die faktische Rückkehr zur marktwirtschaftlichen Ordnung hinaus.


    2 Innere Repression

    Während Deng im wirtschaftlichen Sektor die Hoffnungen auf eine Liberalisierung der Strukturen erfüllte, enttäuschte er in Hinblick auf eine entsprechende politische Entwicklung die Erwartungen. Zweifel an der uneingeschränkten Vorherrschaft der Kommunistischen Partei in allen gesellschaftlichen Belangen ließ er nicht aufkommen. Als es im Dezember 1986 erstmals zu größeren Studentenprotesten kam, die sich gegen die starren Strukturen des politischen Systems richteten und eine Demokratisierung forderten, profilierte sich Deng als Verfechter eines harten, repressiven Kurses. Parteichef Hu Yaobang, der den Reformkräften als Hoffnungsträger galt, musste im Januar 1987 zurücktreten.

    Nach Hus Tod am 15. April 1989 artikulierte die vor allem von Studenten getragene Demokratiebewegung ihre Forderung nach einer politischen Liberalisierung in Massendemonstrationen, die immer größeren Zulauf fanden und trotz Drohungen seitens der Staatsführung und trotz Verhängung des Kriegsrechts über Wochen hinweg fortgesetzt wurden. Aber ehe die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zu einer Machtprobe mit der Staatsführung zu eskalieren drohten, schlug die Armee auf Dengs Veranlassung die Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in Peking blutig nieder. Etwa 3 000 bis 4 000 Demonstranten wurden bei der Militäraktion getötet, eine Verhaftungswelle und Hunderte von Hinrichtungen folgten.

    Die brutale Unterdrückung der Demokratiebewegung wurde in den westlichen Staaten scharf verurteilt und warf China zunächst in die außen- und wirtschaftspolitische Isolation zurück. Die Europäische Gemeinschaft und die Weltbank verhängten Sanktionen gegen die Volksrepublik, die jedoch nach der Aufhebung des Kriegsrechts im Januar 1990 wieder außer Kraft gesetzt wurden.

    Im Konflikt über den Kurs der Partei gegenüber der Demokratiebewegung wurde Zhao Ziyang, der 1987 als Nachfolger von Hu Yaobang die Parteiführung übernommen hatte, seiner Ämter enthoben. Als neuen Vorsitzenden der KPCh lancierte Deng Xiaoping seinen politischen Ziehsohn Jiang Zemin, ebenso ein Gegner politischer Reformen wie der seit 1987 amtierende Ministerpräsident Li Peng. Zugleich schied Deng aus seinen formellen Führungsfunktionen aus, behielt aber seinen maßgeblichen politischen Einfluss. Im März 1993 wählte der Nationale Volkskongress Jiang Zemin zum neuen Staatsoberhaupt Chinas. Sein Amt als Parteichef behielt er bei.


    3 Außenpolitik

    3. 1 Westorientierung

    Ungeachtet der Menschenrechtslage in China ging die wirtschaftliche Liberalisierung mit einer dynamischen Verbesserung der politischen Beziehungen zu den Industrienationen einher.

    1978 schloss China einen Friedens- und Freundschaftspakt mit Japan und einen Handelsvertrag mit den USA; 1979 folgte die formelle Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu den USA. Zugleich konnte China weitere Zugeständnisse in der Taiwan-Frage erreichen. Zwar ließen die USA Taiwan nicht fallen, doch erklärten sie sich bereit, ihre Waffenlieferungen an die von der KMT beherrschte Insel – für die Volksrepublik eine „abtrünnige” Provinz, kontinuierlich zu reduzieren. Beide Staaten klammerten dieses Problem in der Folge aus ihren Verhandlungen weitestgehend aus und konzentrierten sich auf den Ausbau ihrer wirtschaftlichen Beziehungen.


    3. 2 Beziehungen zur Sowjetunion bzw. Russland

    Parallel zur weiteren Öffnung gegenüber den westlichen Staaten suchte China wieder die Annäherung an die Sowjetunion. Zu Beginn der Ära Deng kam es allerdings zunächst zu einer erneuten Entfremdung. So kündigte die Volksrepublik 1979 den seit 1950 bestehenden Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion. Die sowjetische Invasion in Afghanistan im Dezember 1979 führte zur weiteren Verschärfung der Gegensätze und zur Absage von Gesprächen über die Normalisierung der Beziehungen. Erst 1982 wurden diese Gespräche wieder aufgenommen; 1985 wurden sie von dem neuen Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, forciert und führten schließlich zu einer Vereinbarung über die Einrichtung von sowjetischen Generalkonsulaten in der Volksrepublik. Im Mai 1989 besuchte Gorbatschow China. 1994 unterzeichneten Jiang Zemin und der russische Präsident Boris Jelzin in Moskau ein Grundsatzabkommen über die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Russland und der Volksrepublik China.


    3. 3 Beilegung der Konflikte mit Vietnam und Indien

    Lange Zeit schwierig gestaltete sich das Verhältnis zum ebenfalls kommunistischen Nachbarn Vietnam. Im Vietnamkrieg hatte China den Norden gegen die USA und gegen das Regime in Südvietnam unterstützt; allerdings hatte sich das kommunistische Nordvietnam im Verlauf des Krieges immer enger an die Sowjetunion angelehnt. Wegen des vietnamesischen Eingreifens in den kambodschanischen Bürgerkrieg 1979, um das Terrorregime der Roten Khmer unter Pol Pot zu stürzen, führten chinesische Truppen eine „begrenzte Strafaktion” gegen Vietnam durch. 1991 einigten sich beide Staaten auf eine Normalisierung ihrer Beziehungen.

    Mit Indien, zu dem erst 1983 die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen worden waren, kam es 1986 erneut zu einem Grenzkonflikt, der 1993 durch einen Vertrag über die Entmilitarisierung der Grenze beigelegt wurde.

    China's Geschichte: China unter Jiang Zemin

    1 Innenpolitik

    1. 1 Neue Führung

    Als Nachfolger für den nach zwei Amtsperioden verfassungsgemäß abgetretenen Li Peng rückte 1998 der Wirtschaftsexperte und als Pragmatiker geltende Zhu Rongji ins Amt des Ministerpräsidenten.

    Unter der Regie von Jiang Zemin, der schon in den letzten Jahren vor Deng Xiaopings Tod die Schaltzentren der Macht kontrollierte, stabilisierte sich ungeachtet zahlreicher schwerwiegender Probleme die innenpolitische Lage. Zu den Schwerpunkten der Innenpolitik gehörte die Korruptionsbekämpfung; im Ausland wurde vor allem die Entwicklung der Menschenrechtslage beobachtet.

    Auf der Basis eines relativ hohen wirtschaftlichen Wachstums (jährlich über 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) konnten die Wirtschafts- und Verwaltungsreformen vorangetrieben und mit großen Investitionsvorhaben verbunden werden, die Chinas Anspruch unterstrichen, im 21. Jahrhundert zur führenden Wirtschaftsnation aufzusteigen. Zugleich erhöhten die Reformen die soziale Instabilität und bereiteten den Boden für neue soziale Konflikte. Obwohl sich China von den Grundlagen einer sozialistischen Gesellschaftsordnung immer weiter entfernte, hielt die Führung an den traditionellen politischen Strukturen einer kommunistischen Einparteienherrschaft fest.


    1. 2 Korruptionsbekämpfung

    Als eines der größten Hindernisse für das Wirksamwerden der Reformen erwies sich die um sich greifende Korruption, die unter den Bedingungen der chaotischen wirtschaftlichen Verhältnisse neue Dimensionen erreicht hatte. Nach Schätzungen der Behörden belief sich der Schaden, der Ende der neunziger Jahre durch Korruption verursacht wurde, auf etwa 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ministerpräsident Zhu Rongji erklärte 1999 die harte Verfolgung von Korruption und Verschwendung sowie der mangelnden Finanzdisziplin der Behörden zu einer der vordringlichen Aufgaben seiner Regierung und kündigte eine Verschärfung der 1996 angelaufenen Verbrechensbekämpfungskampagne „Hart durchgreifen” an. 2000 wurden im bis dahin größten Schmuggelskandal in Peking 14 Todesurteile verhängt. Die Hinrichtung des bis zu seiner Festnahme im April 2000 amtierenden Vizepräsidenten des Nationalen Volkskongresses bezeugte, dass auch höchste Amtsinhaber in die Disziplinierungsmaßnahmen einbezogen wurden.


    1. 3 Menschenrechte

    Das Beharren auf den Grundprinzipien des sozialistischen Einparteienstaates unter der Regierung der Kommunistischen Partei schließt die Verwendung eines breiten Instrumentariums zur Unterdrückung der politischen Opposition und sozialen Unruhen ein. Auch die neue politische Führung duldete keine Demokratiebestrebungen, politische Dissidenten und Bewegungen, durch die sie den Monopolanspruch der KPCh in Frage gestellt sah.

    Mit besonderer Härte reagierte die Führung auf die Kultbewegung Falun Gong, seit diese im April 1998 die Behörden mit der größten Demonstration seit der Demokratiebewegung von 1989 in Verlegenheit brachte. Mit Massenverhaftungen zehntausender von Falun-Gong-Anhängern, die in Schnellprozessen verurteilt oder ohne Prozess in einige der berüchtigten, 1957 eingeführten „Umerziehungslager” (Lao-Gai-Lager) verbracht wurden, mit landesweiten Kampagnen gegen die „Sekte” und das Verbot von „religiösen Untergrundorganisationen” (1999) gelang es der politischen Führung schließlich, die Falun Gong weitgehend aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.

    Im Zuge der außen- und wirtschaftspolitischen Öffnung kam die chinesische Regierung seit Ende der neunziger Jahre Forderungen nach einer Verbesserung der Menschenrechtslage zögernd entgegen. 1997 und 1998 unterzeichnete China zwei UNO-Menschenrechtskonventionen, von denen der Nationale Volkskongress das Abkommen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Grundrechte (Sozialpakt) im Februar 2001 ratifizierte, mit Vorbehalten im Hinblick auf das Streikrecht.

    Im April 2001 verwies die chinesische Führung auf eine positive Bilanz der Menschenrechte im Land und bezog sich dabei vor allem auf die sozialen Menschenrechte. Der westlichen Kritik an ihrer Menschenrechtspraxis, die sie als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zurückweist, setzt sie entgegen, der Überbetonung der individuellen Menschenrechte, die aus der Tradition der bürgerlichen Gesellschaft gewachsen sei, fehle in China die historisch-kulturelle und gesellschaftliche Grundlage.

    Ein Licht auf die Lage der Menschenrechte in China wirft auch die Praxis der Hinrichtungen. Nach einem Bericht von amnesty international wurden im Jahr 2001 in China 2 468 Menschen hingerichtet, dies waren etwa 80 Prozent aller weltweit offiziell bekannt gegebenen Hinrichtungen.


    2 Wirtschaft

    1999 wurde das Konzept von Deng Xiaoping, China in eine „sozialistische Marktwirtschaft” umzugestalten, neben den sozialistischen Leitgedanken von Mao Tse-tung in die Präambel der Verfassung aufgenommen. Die private Wirtschaft wurde unter staatlichen Schutz gestellt. Im Dezember 1998 beschloss der Nationale Volkskongress nach sechsjähriger Vorbereitungszeit das erste Wertpapiergesetz in der Geschichte des Landes.

    Die neue Regierung unter Ministerpräsident Zhu Rongji forcierte den vorrangig auf (markt)wirtschaftliche Modernisierung und Reorganisation der Verwaltung gerichteten Reformkurs. Ins Zentrum ihrer Maßnahmen rückte sie die weitgehende Trennung von Staat und Wirtschaft, verbunden mit der Privatisierung oder Schließung eines Teils der zumeist unwirtschaftlichen 60 000 Staatsbetriebe, von denen 15 000 der Armee zugeordnet waren. Ausgenommen wurden 1 000 strategisch wichtige Betriebe, die vollständig im Besitz des Staates bleiben sollen.

    Allein 1998/99 standen 18 000 entschuldete und in private Hände übergegangene Betriebe 8 000 Unternehmen gegenüber, die geschlossen wurden. 1999 sollen insgesamt etwa elf Millionen Beschäftigte entlassen worden sein; die Arbeitslosigkeit wurde offiziell mit 3 Prozent angegeben und betrug in den Ballungszentren wohl 16 Prozent. Um sozialen Unruhen vorzubeugen, drosselte die Regierung 2000 das Tempo der Umstrukturierung, die nun im Jahr 2010 abgeschlossen sein soll. Im Zusammenhang mit der Verabschiedung des zehnten Fünfjahresplans räumte Ministerpräsident Zhu Rongji große Schwierigkeiten bei der Sanierung des Staatssektors ein, nicht zuletzt wegen des enormen Ausmaßes des Korruption.

    Nach 14 Jahren Verhandlungen erreichte China zum 1. Januar 2002 die Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO). Als Voraussetzung hierfür musste es sich zu weiteren Reformmaßnahmen verpflichten, insbesondere zur Liberalisierung des Außenhandels. Im Gegenzug erwartete die Regierung verstärkte ausländische Investitionen, die seinen Aufstieg zum größten Absatzmarkt des 21. Jahrhunderts beschleunigen sollen.


    3 Schwerpunkte der Außenpolitik

    Im Gleichklang mit seiner schrittweisen Öffnung gegenüber dem Weltmarkt baute China zielstrebig seine Position als Großmacht aus und profilierte sich als berechenbarer Faktor der Weltpolitik. Dennoch blieben eine Reihe von Konfliktfeldern erhalten, vor allem im Verhältnis zu den USA und in der Taiwan-Frage.


    3. 1 Rückgewinnung von Hongkong und Macao

    Nach den Abkommen von 1984 mit Großbritannien und Portugal kamen die letzten kolonialen Besitzungen europäischer Staaten in China als Sonderverwaltungszonen wieder unter die Souveränität des Mutterlandes, Hongkong am 1. Juli 1997 und Macao am 19. Dezember 1999.

    Nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme” erhielten beide Territorien innere Autonomie mit der Gewährleistung, ihr kapitalistisches Wirtschaftssystem und die parlamentarisch-demokratische Gesellschaftsordnung für die Dauer von 50 Jahren beibehalten zu können. Neben seinem hohen nationalen Symbolwert war der Anschluss dieser beiden Territorien für die chinesische Führung von besonderer Bedeutung, weil sie ihr als Modell für die Wiedervereinigung mit Taiwan gilt.


    3. 2 Ungelöste Taiwan-Frage

    Die Brisanz der ungelösten Taiwan-Frage zeigte sich 1999, als der taiwanesische Präsident Lee Teng-hui (KMT) eine schwere politische Krise mit der Äußerung provozierte, er befürworte im Verhältnis zu Festlandchina „Sonderbeziehungen von Staat zu Staat”. Die Führung der Volksrepublik interpretierte dies als Abweichung vom Prinzip der „Ein-China-Politik”. Ihre Erklärung, sie werde eine Unabhängigkeitserklärung der „abtrünnigen Provinz“ gegebenenfalls gewaltsam verhindern, unterstrich sie mit militärischen Drohgebärden und der Bekanntgabe, sie sei in der Lage, die Neutronenbombe herzustellen.

    Auf das Angebot des im März 2000 neu gewählten taiwanesischen Präsidenten Chen Shui-bian, eine „Ära der Versöhnung” zu beginnen, reagierte Peking mit der Bereitschaft zu Verhandlungen – unter der Voraussetzung, dass sich Taiwan im Sinne der Ein-China-Politik formell als Teil Chinas erklärt.

    Nicht zuletzt im Hinblick auf den gemeinsamen Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO nahmen Festlands- und Inselchina 2001 die ersten, noch immer stark eingeschränkten, direkten Verkehrs- und Wirtschaftsverbindungen auf.


    3. 3 Labiles Verhältnis zu den USA

    Trotz Differenzen in grundsätzlichen Fragen wie der Lage der Menschenrechte in der Volksrepublik intensivierte sich in der Ära der Clinton-Administration der wirtschaftliche Austausch. 1997 besuchte Präsident Jiang Zemin die USA und unterzeichnete ein Handelsabkommen. Der Gegenbesuch des US-Präsidenten Bill Clinton 1998 stellte insofern eine Zäsur im Verhältnis beider Länder dar, als Clinton sich in China über die Massenmedien ausführlich zu den Menschenrechten äußern konnte und beide Staaten eine „strategische Partnerschaft” im militärischen Bereich schlossen. 1999 gaben die USA mit einem bilateralen Vertrag der Volksrepublik den Weg in die WTO frei.

    Der von den USA erwogene Plan, ein Raketenabwehrsystem (National Missile Defense, NMD) zu errichten und Japan, Südkorea und Taiwan speziell durch ein weiteres System (Theatre Missile Defense) militärisch abzuschirmen, führte dagegen 1999 wieder zu Spannungen. Die chinesische Führung interpretierte die amerikanischen Pläne als Bedrohung und Ausdruck des amerikanischen Hegemonialstrebens. Im Kosovo-Konflikt verurteilte China die Luftoffensive der NATO. Die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad am 7. Mai 1999 durch NATO-Einheiten rief eine Welle nationalistischer und antiamerikanischer bzw. antiwestlicher Empörung hervor. Erst nach einer Vereinbarung über die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 28 Millionen US-Dollar Anfang 2000 nahmen beide Staaten ihre Militärbeziehungen wieder auf.

    Weniger nachhaltig blieb die erneute Belastung des beiderseitigen Verhältnisses im Gefolge der Kollision eines US-Spionageflugzeugs über dem Südchinesischen Meer mit einem chinesischen Abfangjäger im April 2001. Die Bereitschaft der Volksrepublik, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington im Rahmen der von den USA organisierten weltweiten Antiterrorkoalition aktiv mitzuwirken, signalisierte den Willen, eine stabilisierende internationale Rolle wahrzunehmen.


    3. 4 Engere Beziehungen zu Russland

    Im April 1997 vereinbarten die Präsidenten Russlands und Chinas, Boris Jelzin und Jiang Zemin, in Moskau ebenfalls eine „strategische Partnerschaft” und bekräftigten ihren Anspruch auf eine führende Rolle in der Weltpolitik. Auslöser für das Zusammenrücken beider Staaten waren die zunehmenden Differenzen mit Washington über die geplante amerikanische Raketenabwehr. Zugleich ebneten sie den Weg für eine abschließende Einigung über den in Teilbereichen immer noch strittigen Verlauf der 4 300 Kilometer langen gemeinsamen Grenze, die 1999 zustande kam.

    Nach einer Untersuchung des Stockholmer Instituts für internationale Friedensforschung (Sipri) war China im Jahr 2000 zum größten Waffenimporteur weltweit geworden. Die Waffenkäufe beliefen sich demnach auf circa drei Milliarden US-Dollar. Maßgeblichen Anteil daran hatten die aus Russland gelieferten Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge.

    Im Juni 2001 schloss Jiang Zemin mit seinem neuen russischen Kollegen, Wladimir Putin, einen Freundschaftsvertrag. Die auf 20 Jahre befristete Vereinbarung erneuerte den 1950 geschlossenen und Ende 1979 gekündigten Freundschaftsvertrag.


    4 Erneuerung der Führung Chinas

    Im November 2002 wurden auf dem 16. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas weit reichende Entscheidungen getroffen. Nachdem Jiang Zemin aus Altersgründen auf eine Wiederwahl für das Amt des Generalsekretärs verzichtet hatte, wählten die Delegierten den bisherigen Vizepräsidenten der Volksrepublik, Hu Jintao, zum neuen Parteichef. Hu Jintao kündigte nach seiner Wahl die Fortführung wirtschaftlicher Reformen an. Weiterhin beschloss der Parteitag die Öffnung der Partei für neue soziale Schichten, darunter ausdrücklich auch für Unternehmer.

    Der Nationale Volkskongress wählte am 15. März 2003 den neuen Parteichef auch zum neuen Staatspräsidenten. Damit trat Hu Jintao auch als Staatsoberhaupt die Nachfolge von Jiang Zemin an, der weiterhin Oberbefehlshaber der Streitkräfte bleibt und damit über eine wichtige Machtbasis verfügt. Nachfolger des nicht mehr zur Wahl angetretenen Ministerpräsidenten Zhu Rongji wurde dessen bisheriger Stellvertreter Wen Jiabao. Das Parlament verabschiedete umfassende Regierungsreformen, die eine Abkehr von der Planwirtschaft bedeuten. Hauptaufgaben neu einberufener Sonderkommissionen sind die Transformation von Staatsbanken in nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktionierende Finanzinstitute und der schrittweise Ausstieg des Staates aus sich in Staatsbesitz befindenden Unternehmen.


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