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China's Geschichte: Mandschu- oder Qing-Dynastie (1644-1911)

Unter der Qing-Dynastie, die bis Ende des 17. Jahrhunderts ihre Herrschaft in ganz China durchgesetzt hatte, erreichte das chinesische Kaiserreich die höchste Blüte in seiner 2 000 Jahre währenden Geschichte.


1 Erste Phase (1644 bis 18. Jahrhundert)

1. 1 Herrschaftssystem

Die Qing verstanden es, die Unterstützung der alten Oberschicht zu gewinnen, indem sie entscheidend an der Niederschlagung der Bauernaufstände mitwirkten und den Großgrundbesitz in seinem Bestand garantierten. Kulturell passten sich die Qing den chinesischen Gegebenheiten an, beschränkten aber die sozialen Kontakte mit dem Mehrheitsvolk, für das sie Fremdherrscher blieben, auf ein Mindestmaß. Auch in Bezug auf die Verwaltung übernahmen sie die Strukturen aus der Ming-Zeit, trieben aber die Zentralisierung voran. Um die Kontrolle über das Staatswesen zu behalten und die politische Macht der Eunuchen zu brechen, installierten die Qing-Herrscher den „Großen Rat”, der die Ministerien überwachte und dem Kaiser unmittelbar rechenschaftspflichtig war. Darüber hinaus wurden die führenden Verwaltungspositionen doppelt besetzt. Jedem chinesischen Amtsleiter wurde ein Mandschu oder Mongole zur Seite gestellt. Die Bürokratie und ebenso die Einstellungsprüfungen für den Beamtendienst orientierten sich nach wie vor an den Maximen des Konfuzianismus.

Als Folge der Kämpfe um die Nachfolge des zweiten Qing-Kaisers, Kangxi (1662–1722) ergab sich eine Entwicklung zum Despotismus, zumal sich dessen Verwaltungsreformen, die einer Verselbständigung der Bürokratie vorbeugen sollten, in dem riesigen und vielgestaltigen Reich als nicht durchgreifend wirksam erwiesen. Die Reformstrukturen wurden nun durch ein Spitzelsystem ergänzt, das die Bürokratie und die führenden gesellschaftlichen Schichten überwachte. Bis zu einem gewissen Grad konnte auf diese Weise die Korruption für einige Zeit eingedämmt werden, doch unter Qianlong (1736-1796) gewann sie wieder Oberhand. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts spitzte sich die innenpolitische Lage angesichts von Rebellionen, die oftmals von Geheimgesellschaften angeführt wurden, zu.


1. 2 Expansion

Die Qing richteten ihre expansiven Bestrebungen zunächst auf die Unterwerfung der Mongolei, die 1690 Teil des Reiches wurde. Etwa zur gleichen Zeit erreichte die russische Ostexpansion den chinesischen Machtbereich. Nach verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen legte man 1689 in einem Vertrag – dem ersten zwischen China und einem europäischen Staat – den Verlauf der russisch-chinesischen Grenzen fest; 1727 wurde der Vertrag ergänzt. Seit den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts gehörte Tibet zum chinesischen Machtbereich, seit 1751 als Protektorat, und auch Nepal wurde tributpflichtig. Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte das chinesische Reich seine größte Ausdehnung erreicht, ein großer Teil seiner Grenzen (vor allem im Norden und Westen) hatte seitdem dauerhaften Bestand.


2 Niedergang des Reiches (19. Jahrhundert bis 1911)

2. 1 Die Intervention ausländischer Mächte

Im 19. Jahrhundert geriet das Qing-Reich zunehmend unter ausländischen Druck und wurde Objekt des von den europäischen Großmächten sowie den USA und Japan betriebenen Kolonialismus und Imperialismus. Schon zuvor war es zu ernsthaften Schwierigkeiten zwischen China und vor allem Großbritannien, der bedeutendsten ausländischen Handelsnation in China, gekommen. Großbritannien wollte seine Handelskontakte, die seit 1757 auf Kanton beschränkt waren, ausdehnen und versuchten dies über den Aufbau diplomatischer Beziehungen und mehrere diplomatische Missionen an den kaiserlichen Hof, doch die Qing waren nicht bereit, ihre Politik der Isolation gegenüber dem Ausland aufzugeben und Großbritannien oder anderen Staaten Erleichterungen im Handel einzuräumen.

Überhaupt wurden die bereits bestehenden Handelsbeziehungen mit europäischen Ländern nur widerwillig geduldet. Der Handel mit dem Ausland blieb auf den Hafen von Kanton beschränkt und durfte weiterhin nur mit einer begrenzten Anzahl chinesischer Händler abgewickelt werden. Ursprünglich wies China dank u. a. des in großen Mengen an die Briten verkauften Tees eine positive Außenhandelsbilanz auf. Doch allmählich verschob sich die Bilanz zugunsten der britischen Händler. Nicht zuletzt der von der Ostindischen Kompanie insbesondere seit 1816 forcierte zollfreie Export von Opium über Kanton nach China wirkte sich verheerend aus. Die Zahl der Rauschgiftsüchtigen, die von britischen Opiumlieferungen abhängig waren, stieg dramatisch an. Die chinesische Regierung unter Kaiser Gao Duang (1820-1850), die die moralische Grundlage des Kaiserreiches gefährdet sah, ließ 1839 auf britischen Schiffen große Mengen Opium konfiszieren und das Rauschgift im Hafen von Kanton demonstrativ verbrennen. Damit kam es zum offenen Konflikt.

Im ersten Opiumkrieg (1840-1842) eroberte eine relativ kleine britische Flotte verschiedene Stützpunkte an der chinesischen Küste. Der Vertrag von Nanking (1842), der erste der so genannten „ungleichen Verträge”, beendete diesen Krieg und brachte den Briten eine Reihe von Handelsvorteilen. China betrachtete dieses Abkommen als unerfreuliches aber angesichts der militärischen Situation unausweichliches Zugeständnis (Abtretung von Hongkong, Öffnung von fünf neuen Vertragshäfen, Aufhebung des chinesischen Handelsmonopols, Kriegsentschädigung). Aus der Sicht der europäischen Staaten, die ganz China dem westlichen Handel öffnen wollten, blieb der Vertrag von Nanking jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Im Vertrag von Hu-men (1843), der als Zusatzvertrag zum Vertrag von Nanking galt, setzte Großbritannien deshalb mit erheblichem Druck die Meistbegünstigungsklausel durch. Verträge mit Frankreich und den USA brachten 1844 den Chinesen weitere Verschlechterungen.

Während des Lorcha- oder zweiten Opiumkrieges (1856-1860) nutzten die ausländischen Mächte die innenpolitische Schwäche des Kaiserreiches und erreichten im Vertrag von Tianjin (1858), ebenfalls ein „ungleicher Vertrag”, weitere Vorteile, u. a. die Öffnung weiterer zehn chinesischer Häfen für ausländische Händler. Als jedoch die chinesische Regierung sich weigerte, die Verträge zu ratifizieren, unternahm ein britisch-französischer Militärverband eine Strafexpedition nach Peking und brannte den kaiserlichen Sommerpalast nieder. „Ungleiche Verträge” bestimmten die Beziehungen Chinas zum Westen bis zum Jahr 1943. Sie beeinflussten die soziale und ökonomische Entwicklung des Landes in grundlegender Weise und bewirkten letztlich den Untergang der Qing-Dynastie. Durch die Öffnung einer Reihe seiner Häfen für den Außenhandel und die Abtretung Hongkongs an Großbritannien war das chinesische Kaiserreich den kolonialistischen und imperialistischen Aktivitäten der westlichen Großmächte endgültig ausgeliefert.


2. 2 Der Taipingaufstand

In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts führten das starke Bevölkerungswachstum und der massenhafte Import ausländischer Waren zu einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftliche Lage. Gleichzeitig wurde die Ohnmacht Chinas gegenüber den politischen Demütigungen durch die ausländischen Mächte unübersehbar. Beide Faktoren wirkten maßgeblich auf die Entstehung des Widerstands, der sich in Geheimgesellschaften und religiös-kultischen Gruppen organisierte. Einzelne Unruhen mündeten 1850 in Südchina schließlich in den Taipingaufstand, eine große, sozialrevolutionäre Rebellion unter dem christlich-messianisch inspirierten Hong Xiuquan. Die Aufständischen eroberten 1853 Nanking, das sie zur Hauptstadt ihrer Gegenherrschaft proklamierten, verwüsteten durch ihre Kriegszüge weite Teile Chinas und konnten erst durch die Mithilfe britischer und französischer Truppen zurückgedrängt und besiegt werden. Mit der Rückeroberung von Nanking 1864 war der Aufstand niedergeschlagen.

Auch in anderen Teilen des Reiches kam es zur gleichen Zeit, von Geheimgesellschaften oder nationalen Minderheiten getragen, zu großen Aufständen – des Nien-Bundes in Henan und Anhui (1853-1868), der Miao in Guizhou sowie der muslimischen Bevölkerung in Westchina (Shaanxi, Ganzhou und Yunnan, 1855-1877).


2. 3 Letzte Reformversuche

Angesichts des Vordringens der imperialistischen Mächte und der Aufstände im Innern leitete die Qing-Regierung einen politischen Kurswechsel ein. Zwischen 1860 und 1895 wurden verschiedene Reformwerke in Gang gesetzt, die die Konsolidierung der Wirtschaft und die Stabilisierung des Reiches zum Ziel hatten.

Die konservative konfuzianische Beamtenschaft verfolgte traditionelle Lösungsansätze und leitete die Erschließung von Neuland (besonders in Xinjiang und der Mongolei) sowie eine Erneuerung der Bewässerungssysteme ein. Ihre Leitidee blieb die Wiederbelebung des Konfuzianismus in Verwaltung und Gesellschaft. Den von der schwachen Zentralregierung verfolgten konservativen Projekten standen in den Provinzen Modernisierungsmaßnahmen ganz anderer Qualität gegenüber. Hier nahmen die regionalen Machthaber, die nach der Niederschlagung des Taipingaufstandes zu alter Stärke zurückgefunden hatten, die Industrialisierung des Landes in Angriff und konzentrierten sich dabei vor allem auf die Montan- und die Textilindustrie und den Schiffsbau. Wegen Kapitalmangels gerieten allerdings zahlreiche chinesische Unternehmen in ausländischen Besitz, zudem ließen sich aus dem vorhandenen Arbeitskräftereservoir kaum einschlägig ausgebildete Kräfte rekrutieren, und auch für die Leitungsebenen war kein Personal mit Fachwissen verfügbar.

Angesichts der anhaltend ungünstigen Entwicklung verkündete Kaiser Guangxu (1875–1908) unter dem Einfluss einer Gruppe von Reformern 1898 ein Modernisierungsprogramm, das sich an der erfolgreichen Meiji-Reform in Japan orientierte. Aber schon drei Monate nach seinem Beginn wurde das Reformprogramm durch einen Putsch konservativer Kräfte, hinter dem die Kaiserinwitwe Cixi stand, beendet. Die führenden Reformer wurden hingerichtet, der Kaiser entmachtet und bis zu seinem Tode gefangen gehalten. Obwohl diese „Reform der 100 Tage” noch in den Anfängen unterbunden wurde, setzte sie doch Prozesse in Gang, die langfristig zu grundlegenden Veränderungen führten. 1905 erfolgte die Abschaffung des traditionellen Prüfungswesens für den Staatsdienst, das die antimoderne Einstellung des Staatsapparates immer wieder fortgeschrieben hatte. Auch das Heiratsverbot zwischen Chinesen und Mandschu wurde aufgehoben. Daneben war der Ausbau des Schulwesens von großer Bedeutung für die Akzeptanz der Modernisierungsbemühungen.


2. 4 China im Griff der imperialistischen Mächte

Aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Ohnmacht sank China auf eine Art halbkolonialen Status ab. Anfangs begnügten sich die westlichen Mächte in ihrer Politik gegenüber China noch mit den „ungleichen Verträgen” und suchten keine weiteren, vertraglich fixierten Vorteile. Doch ab 1875 richteten sie ebenso wie Japan ihre imperialistische Politik auch auf die von China abhängigen bzw. tributpflichtigen Staaten. 1879 nahm sich z. B. Japan die Ryukyu-Inseln, 1885 besetzte Frankreich Annam und 1886 Großbritannien Burma.

Das japanische Interesse an Korea löste 1894 den Chinesisch-Japanischen Krieg aus. In dem Krieg versenkte Japan nahezu die gesamte chinesische Flotte und verdrängte die chinesischen Truppen aus der Mandschurei und aus Korea. Im Vertrag von Shimonoseki (1895) musste China die Unabhängigkeit Koreas anerkennen, weitere Häfen für den ausländischen Handel öffnen sowie Taiwan samt den benachbarten Inseln und zunächst auch die Liaodong-Halbinsel an Japan abtreten. Unter dem Druck Russlands, Frankreichs und Deutschlands, die Japan nicht den alleinigen Zugriff auf eine der reichsten Regionen Chinas überlassen wollten, ging Liaodong als Pacht an Russland, das darüber hinaus noch die Erlaubnis zum Bau von Eisenbahnen sowie zusätzliche wirtschaftliche Rechte in der gesamten Mandschurei erhielt und 1898 schließlich auch Port Arthur (siehe Dalian) bekam. Mit dieser Regelung war dem Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) der Boden bereitet.

Auch im Qing-Reich selbst setzte das Vordringen der imperialistischen Mächte bald wieder ein. Das Deutsche Reich ließ 1897 Truppen in Tsingtau einrücken und erzwang 1898 die Verpachtung von Kiautschou. Ebenso gewannen Frankreich und Großbritannien neue Besitzungen. Als Ergebnis des Russisch-Japanischen Krieges, der sich vorwiegend auf chinesischem Territorium abspielte, wurden Süd-Sachalin, Korea und die Süd-Mandschurei japanisches Protektorat.

Als einzige Macht entwickelten die Vereinigten Staaten gegenüber China keine Territorialansprüche, sondern versuchten, durch eine Politik der offenen Tür ihre wirtschaftlichen Interessen in China zu realisieren („Open Door-Note” des US-Außenministeriums vom September 1899 an Großbritannien, Deutschland und Russland).


2. 5 Boxeraufstand

Vor dem Hintergrund der imperialistischen Einmischung und ausgelöst durch den Putsch gegen den Kaiser durchzog eine reaktionäre Gegenbewegung das Land, die 1900 in den so genannten Boxeraufstand mündete, angeführt von der national-fanatischen und ausländerfeindlichen Geheimgesellschaft der – vom Westen so genannten – Boxer. Im Zuge der Eskalation erklärte China im Juni 1900 den imperialistischen Mächten den Krieg. Diese antworteten mit einer gemeinsamen militärischen Intervention, schlugen den Aufstand mit aller Härte nieder und diktierten China im so genannten Boxerprotokoll (1901) harte Friedensbedingungen, u. a. hohe Reparationszahlungen und ein Verbot für Waffenimporte.


2. 6 Sturz der Qing-Dynastie

Nach dem Boxeraufstand gewannen gemäßigte Kräfte in der Opposition an Einfluss. 1905 schlossen sich in Tokyo mehrere Geheimorganisationen zum „Revolutionsbund” (Tung-meng-hui) zusammen, der Sun Yatsen zu seinem Führer wählte. Nach seinem politischen Konzept, in dessen Mittelpunkt die nationalen Interessen Chinas, die Bürgerrechte und die Volkswohlfahrt standen, arbeitete der Revolutionsbund auf den Sturz des Kaisertums und die Errichtung einer parlamentarischen Regierungsform nach westlichem Muster hin. Aufstände in verschiedenen Teilen des Landes und ein Militärputsch in Wuchang (heute Wuhan) am 10. Oktober 1911 führten schließlich zur Revolution. Mit seiner Abdankung am 12. Februar 1912 schloss Xuantong (Pu Yi), der nach dem Tod des Kaisers 1908 im Alter von drei Jahren unter der Regentschaft seines Vaters auf den Thron gehoben worden war, die über 2000-jährige Geschichte des chinesischen Kaiserreiches ab.



Kommentare

scheiße wo sind die bilder?

Hallo
ich wollte eigentlich auf eurer webseit, ein paar bilder von euch über die Qing-Dynastie. Seit dieser Zeit wurden viele Symbole des Kaisers mit dem Drachensymbol versehen - der Drachenthron, Drachenboote, Drachenrobe usw. davon wollte ich Bilder haben, aber das scheint ihr nicht zu haben, obwohl ich es bei google so eingegeben habe, SCHADE!!!!!

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Zusammenfassung

Unter der Qing-Dynastie, die bis Ende des 17. Jahrhunderts ihre Herrschaft in ganz China durchgesetzt hatte, erreichte das chinesische Kaiserreich die höchste Blüte in seiner 2 000 Jahre währenden Geschichte. 1 Erste Phase (1644 bis 18. Jahrhundert) 1. 1 Herrschaftssystem...

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