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Guangzhou (Kanton) - beinahe ein beschaulicher Luftkurort

Angekommen um 7 Uhr morgens hiess es erstmal, auf Hotelsuche zu gehen. Da wir nur den Lonely Planet China von 2000 (also de facto uralt und somit nur bedingt brauchbar) dabeihatten, war das gar nicht so einfach. Letztendlich haben wir auf Shamian Island eine verhaeltnismaessig guenstige Bleibe (~25 Euro) gefunden. Zum ersten Mal nach Sentosa Island nahe Singapur sind wir somit in einer 3-Sterne-Unterkunft untergekommen. Qualitativ niedrigeres gibts eh kaum und ohne fremde Hilfe und vor allem ohne Chinesisch-Kenntnisse kommt man auch nicht an Geheimtipps. Mit dem Zimmer waren wir ganz gluecklich und auch die Umgebung ist echt schoen, da es relativ ruhig ist.

Wir haben dann mal den wiederentdeckten Lebensstandard genutzt, um uns mal so richtig ausgiebig zu duschen. Und siehe da, wir fuehlten uns zumindest fuer die erste Stunde sauber. Danach wars wieder vorbei, da es doch wieder etwas waermer ist als in Yangshuo. Der Fussmarsch durch die Stadt sollte wieder schweisstreibend werden.

Nach diesen rituellen Saeuberungsaktionen gings dann los zum Sightseeing. In Guangzhou ist zwar nicht wirklich viel zu sehen, aber ein paar Tempel haben wir schon noch mitgenommen. Dem Drang, mal wieder westliches Essen in den Gaumen zu bekommen, sind wir dann doch noch vor Hongkong erlegen und schon morgens im Gasthaus mit dem schicken goldenen Bogen eingekehrt.
Mittags wollten wir eigentlich wieder lokales Futter zu uns nehmen, aber angesichts unueberwindbarer Probleme im kommunikativen Bereich haben wir das dann doch gelassen. Klar ist es moeglich, mittels Haenden und Fuessen und einigen abgeschriebenen Schriftzeichen aus dem Reisefuehrer ein Essen zu bestellen, aber die Essgewohnheiten hier sind fuer den Durchschnitts-Europaeer mit oberflaechlichem Blick zunaechst alles andere als anziehend. Wie gesagt, mit einigen wenigen Kenntnissen waere da mehr moeglich gewesen, aber so war uns das Risiko, ein "ungewoehnliches" Gericht zu bekommen, etwas zu gross.
Das Hundeessen haben wir dementsprechend bleiben lassen. Zum Einen war da Mitleid mit den Welpen, zum Anderen haette man dann den Standard-Teller "Hund mit Knochen und Irgendwas" bekommen. Die Aussicht, ein ziemlich ekliges Essen auf dem Markt zu futtern, von dem Sars ausging, sorgt nicht gerade fuer Jubelstuerme. Eine ganze Reihe anderer oertlicher Spezialitaeten wie z.B. halb rohe Ratte gibts ja leider auch nur noch unter der Theke. Yummy!
Dann doch lieber zum KFC? Zustimmung!
Abends dann der naechste Versuch. Eigentlich wollte ich ja nur eine Nudelsuppe, aber irgendwie sind wir dann doch beim All-You-Can-Eat-Running-Sushi gelandet. Beim Wucherpreis von 38 Yuan (etwa 4 Euro!) konnten wir nicht nein sagen. Da bringt es nicht einmal etwas, zu einem Sushi Kurs zu gehen, um es noch günstiger zu bekommen. Vieles auf dem Laufband hat uns dann zwar nicht gefallen, aber uns wurde eine schicke Karte mit vielen Bildern in die Hand gedrueckt, wo wir dann aussuchen konnten, was der Koch extra fuer uns zubereitet. Das kann man mal Service nennen. Wie man sich vorstellen kann, sind wir voellig vollgestopft aus dem Lokal gekrochen.


Die Organisation der Tickets nach Shenzhen war mal wieder Stress pur. Ein grosser Prozess, jedesmal versteht einen keiner, jedesmal Ungewissheit.
Dem Taxifahrer klar machen, wohin man will. Am richtigen Ticketstand landen.
Ticket bestellen. Feststellen, dass man auf dem Ticket ausser dem Datum und der Uhrzeit nichts lesen kann. Als Abfahrtszeit 21 Uhr vermuten, obwohl man um 7 Uhr fahren wollte. Herausfinden, dass die Buswahl beliebig ist und 21 Uhr lediglich der letzte Termin waere, wann man den Bus nehmen koennte. Willkommen im Herzen Chinas.

Tja, was macht man dann wohl abends in einer Stadt, wo man nicht von selber weiss, wo man weggehen kann und einen auch fast keiner versteht? Klar, den naechsten 7-Eleven ansteuern und ein ruhiges Fleckchen suchen, um den Abend ganz relaxed ausklingen zu lassen. Shamian Island war dafuer ideal, da es wie gesagt recht ruhig war. Lediglich einige Locals spielten Fussball und Badminton und wir haben uns an der kolonialen Architektur erfreut.
Aus heiterem Himmel hockt sich dann ein 8-jaehrige chinesisches Maedchen neben uns und spricht uns in perfektem Englisch an. Wunder gibt es immer wieder. Wie sich herausstellte, darf sie 4 mal die Woche nach der Schule noch zum Englischunterricht. Im Prinzip lobenswert, aber so richtig gluecklich wirkte sie trotzdem nicht, da sie dadurch kaum mehr zum Spielen kommt. Unser einer muss sich dann aber auf jeden Fall warm anziehen, wenn in wenigen Jahren der Weltarbeitsmarkt von hochtalentierten Chinesen ueberflutet wird, denn sie war bestimmt kein Einzelfall.

Am naechsten Morgen gings dann weiter nach Shenzhen. Die Fahrt ist recht komfortabel, da man ueber einen sehr neuen, immer mindestens 6-spurigen Highway, rueberfaehrt. Das faszinierende an der Fahrt ist dann, dass man waehrend den 2 Stunden so gut wie nie aus der Stadt herauskommt. Neben der Autobahn reiht sich eine Fabrik an die naechste, hoechstens mal unterbrochen von den Wohnhaeusern der Angestellten. Bei manchen dieser "Wohneinrichtungen" haengen auf allen Balkonen diesselben Klamotten in denselben Farben. Willkommen in der groessten Produktionsstaedte der Welt. Als Info waere da mal genannt, dass 75% der Weltproduktion an Schuhen hier her kommt. Als Seiteneffekt waere dann noch die Unmengen an Abgasen genannt, die durch die vielen Fabriken entstehen. Nein, ein Luftkurort schaut anders aus.

Tja, nun also noch Shenzhen, die letzte Station vor Hongkong. 3 Tagen Extrem-Einkaufen. Wir muessen dann mal weg, Bargaining bis der Arzt kommt!

Viele Gruesse aus der Abgaswolke
Harry & Chris



Kommentare

Hast nix verpasst. Haben letztes Wochenende während unseres Trips nach Yangshou dog und snake probiert. Während die Schlange unerwarteterweise gar net amal so schlecht geschmeckt hat, war des Hundefleisch ziemlich zach und voller Knochen.
Take care xxx

Hey ihr zwei. :-) Ihr scheint ja viel zu erleben da draußen.
Sorry Chris, du hattest mich letzten Donnerstag angechattet, als ich quasi schon unterwegs zum Firmen-Wiesenabend war. Hab das auch erst am Freitag festgestellt. Mei, ihr habt's echt was verpasst ;-) Denn genauen Bericht gibt's sogar schon zu lesen, aber das wohl besser erst, wenn ihr wieder in Minga seid - nur soviel, Asiaten kann man auch im Schottenhamel kennelernen :-) Bis zu eurer Rückkehr sind's ja nicht mal mehr zwei Wochen - krass wie die Zeit vergeht. Und ja, ich will ALLE Fotos sehen. Ihr kennt mich ja, bin hart im Nehmen ;-)
PS: *räusper* Warum hat die Nachtschicht eigentlich ne Karte bekommen und ich nicht :-( *schnief* Und das wo ich mich damals mit deinem Master und so ... *schnüffschnüff*
Die Adresse ist die gleiche ... Sandstraße und so ... Danke. ;-) :-D

Das wars erst mal von mir. Dann noch viel Spaß und kommt heil wieder.

So long vom Kobold

Bei mir ist noch gar keine Postkarte angekommen!
:-(

Ja was is nu? Schreibblockade? Faulenzia vulgaris? Lebenslanger Knast in Chinatown?

Tut mir leid, dass wir nix schreiben koennen, aber hier kosten 15 Minuten 2 EUR... Shenzhen halt, aber morgn sind wir in Hongkong!

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Zusammenfassung

Angekommen um 7 Uhr morgens hiess es erstmal, auf Hotelsuche zu gehen. Da wir nur den Lonely Planet China von 2000 (also de facto uralt und somit nur bedingt brauchbar) dabeihatten, war das gar nicht so einfach. Letztendlich haben wir...

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