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Moon Hill, Schlammschlacht Buddha Cave, Schlange essen

Unser erster voller Tag in Yangshuo begann so wie viele andere auch: viel zu frueh. 6:30 Uhr ist schon frueh genug, wenn man aber dann auch noch 1 Stunde Zeitverschiebung mit einrechnet, war das dann doch schon sehr fies. Aber dies war die einzige Moeglichkeit, zumindest zeitweise den uebelsten Touristenstroemen auszuweichen, da die Stadt weiterhin von chinesischen Ausflueglern geflutet ist. Dennoch gut, dass wir direkt nach Yangshuo weitergereist sind und nicht eine Nacht in Guilin zu suendhaften Preisen verschwendet haben.

Vor einem anstrengenden Tag ist ein ausgiebiges Fruehstueck natuerlich essentiell. Oft genug haben wir leider nicht so reichhaltig essen koennen, sei es aus Zeitmangel oder weil das Restaurant nicht mehr hergab. Dieses Mal sollten wir aber richtig vollgestopft werden (wie sonst nur abends). Auf der Karte stand ein "High Fiber Breakfast", was dann auch sehr lecker war und die Tatsache, dass wir danach eigentlich erstmal wieder 3 Stunden pennen wollten, unterstreicht nur den Umfang des Futterns. Doch unser Guide (wie erwaehnt eine Frau, aber wie drueck ich das jetzt grammatikalisch richtig aus?) stand puenktlich da und da gabs kein Entrinnen mehr.

Also schnell Fahrraeder organisiert und los gings. Dank der allgemein gesunkenen Temperaturen (wir brauchen hier tatsaechlich unsere Trainingsjacken!) war das nicht so anstrengend wie in fast allen bisherigen Reisezielen.
Wir radelten eine Weile rum und waren dann schnell recht froh, dass wir nicht auf die Hotel-basierte Tour gesetzt hatten, sondern mit eigenem Guide unterwegs waren. So konnten wir abseits der Touri-Pfade quer durch das Land fahren. Ueberall Reisfelder, verschiedene Plantagen und zunaechst seit 100 Jahren unveraendert erscheinende kleine Doerfer (eher Hausansammlungen). Doch auch hier hat der Fortschritt seine Spuren hinterlassen, denn man sieht hier und da eine grosse Satellitenschuessel hervorblitzen.

Erstes Highlight war dann eine Fahrt auf einem Bambusfloss. Darf man sich so vorstellen wie eine Flossfahrt auf der Isar, nur ein paar Dimensionen kleiner. Um genau zu sein, besteht so ein Floss nur aus 10 langen, dicken Bambusstangen, wo man gerade mal zu zweit nebeneinander draufhockt und hinten steuert noch einer. So trieben wir dann mal den Fluss runter und alle paar hundert Meter stoppte man an einer Art Staustufe, wo man dann ausstieg, um das Floss an den Rand zu hieven und dann hockte man sich wieder drauf und es ging 1 Meter in die Tiefe. Schwierig zu beschreiben, aber ein Video wirds geben. War echt witzig und bemerkenswert war auch noch, dass wir trotz aller Gewohnheiten schon um 9 Uhr unser erstes Bier getrunken haben.

Anschliessend wieder auf die Raeder (die waren hinten auf dem Floss dabei) und weiter zur Buddha Cave. Hoehlenbesichtigungen hatten wir zwar schon in Vang Vieng und Halong Bay, aber dieses Mal wars wieder etwas anders. Wir bekamen erstmal wieder einen Schutzhelm verpasst (der hat uns vor diversen Kopfplatzwunden bewahrt) sowie jeder eine eigene Taschenlampe (auch unverzichtbar). Zusaetzlich wechselten wir die Schuhe und schluepften in die Badehose statt der normalen Hose. "Expect a very muddy experience - just for the more adventurous traveller" stand auf dem Flyer...


Zunaechst gings recht harmlos zu. Rein in die Hoehle, ueberall Stalagmiten und Verwandte. Eng und etwas klitschig wars auch schon, aber noch Standard-Touri-tauglich. Und irgendwann gings dann wieder los. Eine Reisegruppe vor uns kam Ewigkeiten nicht voran. Kurze Zeit spaeter wussten wir warum. Es ging durch einen etwa 40 cm hohen Schacht, der dann auch noch mittendrin einen Knick hatte. Na klasse, wir also hinterher. Trotz einigem Hakeln kamen wir aber auch mit unserer Euro-Koerpergroesse da durch. Ja, es gibt ein Video davon. Geduld, bitte.
Dann weiter in die tieferen Regionen der Hoehle. Es wurde nasser. Durchs Wasser waten hatten wir ja schon, aber dann kams noch dicker. Schuhe aus, Hemd runter und volle Kanne in die Schlammgrube. Wo kommt man schon mal ohne Rezept vom Arzt ohne Aufpreis in den Genuss einer Fangopackung? Wir Kindskoepfe liessen es uns natuerlich nicht nehmen, uns gegenseitig mit Schlamm zu bewerfen. Und das Thema "Schwimmen im toten Meer ohne sich dabei zu bewegen" oder neumodische Späße wie etwa die Entspannungstechnik Floating koennen wir auch abhaken, weil im Schlamm laesst es sich auch prima relaxen.


Voellig verdreckt entstiegen wir dann spaeter der Hoehle und gluecklicherweise gabs Duschen am Ausgang. Der groebste Scmutz war weg, aber unsere Handtuecher sind trotzdem von oben bis unten verdreckt. Ging wohl doch nicht alles ab. :)

Nach einem klar unterdurchschnittlichen Mittagessen (die "ganze Ente" bestand hauptsaechlich aus Kopf, Beinen und Knochen, dafuer aber kaum Fleisch) gings dann rauf auf den Moon Hill. Dieser etwas ueber 200m hohe Berg hat die Besonderheit, dass er wie eine Art versenkter Donut ausschaut, also mit Loch in der Mitte. Angeblich hat jemand mal die Stufen gezaehlt und kam so auf 1560 Stufen. Wie gesagt, es ist hier nicht mehr so heiss und somit wars ertraeglich. Angekommen am "Boden des Lochs" war die Aussicht schon super, aber wir sind doch noch bis ganz oben gelatscht. Die Aussicht war einfach sensationell und jede Stufe war ihren physischen Preis wert. Fotos, Fotos, Fotos. Fuerchtet euch schon mal vor dem Diaabend.

Und dann begann die Freak Show.
Seit unserer Ankunft hier in China werden wir von fast jedem Chinesen von oben bis unten gemustert. Ein Gweilo (Hongkong-Bezeichnung fuer Auslaender) ist hier wohl nichts, was man taeglich sieht. Manchmal hat man den Eindruck, dass viele Leute (insbesondere Kinder) noch nie in ihrem Leben einen Weissen gesehen haben. Die westliche Gesichtsform traegt wohl auch dazu bei, dem chinesischen Schoenheitsideal naeher zu kommen und so sind wir auch hier an jeder Ecke handsome.
Oben auf dem Moon Hill hab ich mich dann mal eine Minute umgedreht, um einer Asiatin zuzuschauen, die wohl zum ersten Mal in ihrem Leben sich eine Bergwand abseilte. Waren ja nur ueber 50 Hoehenmeter ohne Guide, also Kinderspiel. In Deutschland wohl unmoeglich, aber wir sind ja nicht zu Hause. Sie hats uebrigens geschafft, heil nach unten zu kommen.
Dann dreh ich mich wieder um und Chris ist umringt von Asiaten, die unbedingt ein Foto zusammen mit ihm schiessen wollen. Kaum war ich in Sichtweise, wurde ich dann auch noch dazu bestellt, um mit aufs Foto zu kommen. Was soll man noch dazu sagen? "Ripley's Believe it or not" live und in Farbe ... mit uns als Hauptattraktion? Naja, wir haben den Spass einfach mitgemacht und alle (incl. uns) waren damit gluecklich.

Als letztes haben wir dann noch den Big Banyan Tree angeschaut. Dieser Baum ist ueber 1500 Jahre alt und waechst kreuz und quer. Drum herum gabs noch haufenweise "Attraktionen" wie z.B. geschmueckte und angezogene Affen, die wohl schon eine Menge leiden mussten, damit sie ihre Kunststueckchen machen. Toll waren dann auch die 50-koepfigen Reisegruppen, die per Bus angekarrt werden. Durch die Groesse der Gruppe rennen die Guides mit Megaphon rum. Wers mag ...

Zum Abendessen gingen wir dann noch mit unserem Guide chinesisch Essen. Neben diversem Gemuese, Reis, Dumplings und Fisch gab es auch .... tadddaaaaaa ... Schlange. Gebraten und als Suppe. Die Schlange wurde extra fuer uns gekauft und dann konnten wir mit der noch lebenden (!) Schlange ein paar nette Fotos schiessen. Bevor wir das Ding so richtig ins Herz schliessen konnten, war das Leben als Superposerschlange auch schon beendet. Chris hatte auf wundersame Weise ploetzlich ein Glas mit Schlangenblut in der Hand. Gluckgluck. Hat ihm sichtlich geschmeckt.

Das anschliessende Futtern ging mit lediglich geringen psychologischen Hemmnissen ueber die Buehne. Wens interessiert: Es schmeckt ein bisschen wie Huehnchenfleisch. Insgesamt echt lecker. Wenn es dennoch morgen keinen Weblogeintrag geben sollte, wisst ihr ja dann, woran das gelegen haben koennte.

So, wir muessen dann mal wieder weiter und einen ehemaligen Arbeitskollegen von Chris aus Hongkong treffen. Dieser arbeitet mittlerweile fest in Shanghai und wir haben ihn gestern rein zufaellig getroffen. Einfach der Wahnsinn, wie klein manchmal die Welt ist. Jetzt gleich trinken wir noch ein paar Bierchen zusammen und lassen so den Abend ausklingen.

Viele Gruesse aus Yangshuo

Harry & Chris



Kommentare

1 Glas "Schlangenblut" bitte

...Chris du bist pervers!

Haha, wie geil!

Aber krass wie schnell manchmal die Zeit vergeht, jetzt kommt Ihr schon bald wieder...

Der letzte Wiesntag wurde diesmal auch genutzt, Geschichten gibts aber dann später.
Schade dass sie schon wieder vorbei ist, dieses Mal hatte ich gar keinen Wiesn-Koller.

Hi,

ich habe mal gehört, dass es guter Sitte entspricht, wenn man die Schlange mindestens zweimal ablehnt, bis man die dritte dann nehmen soll.

(auch wenn die ersten beiden schon "lecker" aussehen)

Kannste das bestätigen?

@Daniel: Leider habe ich nichts derartiges vernommen, aber hier gibt es soviele Gebraeuche und Sitten die uns so fremd vorkommen, dass mich nicht wundern wuerde, wenn man tatsaechlich bei der dritten Schlange "ja" sagt :-)

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Zusammenfassung

Unser erster voller Tag in Yangshuo begann so wie viele andere auch: viel zu frueh. 6:30 Uhr ist schon frueh genug, wenn man aber dann auch noch 1 Stunde Zeitverschiebung mit einrechnet, war das dann doch schon sehr fies. Aber...

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