Mehr als 2 000 Jahre lang basierte die chinesische Wirtschaft auf einer Art Feudalsystem; der Landbesitz lag in den Händen einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die von den Abgaben der bäuerlichen Pächter lebten. Daneben mussten die Bauern auch Steuern an die kaiserliche Regierung entrichten und waren in manchen Regionen Naturkatastrophen wie Dürre und Überschwemmungen mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen war die Landwirtschaft in kleinste Bereiche aufgesplittert. Nach dem Ende der Opiumkriege 1860 begann eine Periode westlicher Einflussnahme, die vor allem von den Handelshäfen ausging. Eisenbahnschienen und Straßen wurden gebaut und die ersten Formen industrieller Entwicklung setzten ein. Diese Aktivitäten hatten für die allgemeine chinesische Wirtschaft jedoch nur geringe Bedeutung. China wurde in eine Reihe von kolonialen Interessenkonflikten verwickelt und stand unter verschiedenen Einflüssen.
Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts organisierte sich die Chinesische Kommunistische Partei. Während der folgenden zwei Jahrzehnte konnte die Partei ihren Einfluss ausbauen, indem sie in weiten Teilen der ländlichen Gebiete ein Agrarprogramm einführte, das die Abgaben kontrollierte und den Wucher unterband. Dazu wurde ein Bauernverband gegründet. Am 1. Oktober 1949 gelang es der Kommunistischen Partei erstmals seit dem Kaiserreich im Jahr 1912, eine vereinte Nationalregierung und eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu etablieren. Von 1949 bis 1952 konzentrierten sich die Bemühungen der Politik auf das Eindämmen der Inflation, die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Die neue Regierung rief eine Landreform ins Leben; an über 300 Millionen arme Bauern wurde Land verteilt. Im Zug des ersten Fünfjahresplanes (1953-1957) wurden 92 Prozent der Landbevölkerung in Kooperativen organisiert. 1958 entstanden die ersten bäuerlichen Kommunen. Diese spielten in der chinesischen Landwirtschaft bis Anfang der achtziger Jahre eine dominierende Rolle. Die Kommunen basierten auf dem kollektiven Besitz des Landes und aller wichtigen Maschinen. Die Produktion orientierte sich an staatlich festgelegten Zielen und die Arbeiter wurden je nach Erfüllung des Solls entsprechend entlohnt. Ein grundlegendes Auskommen war jedoch allen Mitgliedern garantiert.
Auch im urban-industriellen Bereich wurde das staatliche Eigentum allmählich auf Industriefabriken und Handelsunternehmen ausgedehnt. Die Industrie wuchs während des ersten Fünfjahresplanes auch durch entsprechende staatliche Investitionen beständig und der staatseigene Sektor gewann auf diese Weise eine immer größere Bedeutung. Der zweite Fünfjahresplan wurde 1958 eingeführt. Im Sommer dieses Jahres begann das Regime mit seiner vielfach angekündigten wirtschaftlichen Offensive. Dieses Programm war von großen Investitionen in der Schwerindustrie gekennzeichnet. Ferner wurden in dieser Phase kleinere Industriezweige, wie etwa die Stahlverarbeitung eingerichtet. Das Programm verursachte jedoch auch große Irritationen im Wirtschaftsmanagement und im tatsächlichen ökonomischen Wachstum. 1960 musste es abgebrochen werden. Die chinesische Wirtschaft durchlief eine Periode der Konsolidierung, 1965 erreichte die Produktion in vielen Bereichen jedoch wieder das Niveau der späten fünfziger Jahre. Der dritte Fünfjahresplan begann 1966, aber sowohl die landwirtschaftliche als auch die industrielle Produktion wurden durch die Auswirkungen der Kulturrevolution beträchtlich geschmälert. Der vierte Fünfjahresplan wurde 1971 eingeführt, als sich die Wirtschaft langsam wieder erholt hatte.
Nach dem Tod Maos 1976 wurde der fünfte Fünfjahresplan eingeleitet, aber 1978 durch das „Programm der vier Modernisierungen” unterbrochen. Dieses Programm forderte eine Rundumerneuerung der Landwirtschaft, der Industrie, der nationalen Verteidigung sowie der Wissenschaft und Technik bis zum Ende des Jahrhunderts. Damit sollte China zu den führenden Wirtschaftsnationen der Erde gehören. Hierzu bemühte man sich um eine Verbesserung des Wirtschaftsmanagements und versuchte, die in privatem und kollektivem Besitz (im Gegensatz zu den verstaatlichten) befindlichen Unternehmen in den Vordergrund zu rücken. Dieses Programm wurde durch einen etwas bescheideneren Zehnjahresplan für die Periode von 1981 bis 1990 ersetzt. Die Bemühungen, westliche Technologien und Investitionen zu gewinnen, dauerten aber an, ebenso wie ein Programm mit Anreizen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Die im Oktober 1984 begonnene Politik befürwortete eine weitere Dezentralisierung der ökonomischen Planungen und ein größeres Vertrauen auf die Kräfte des freien Marktes bei der Preisentwicklung für Konsumgüter.
Der Fünfjahresplan von 1986 bis 1990 basierte auf der Annahme eines jährlichen ökonomischen Wachstums von 7 Prozent, aber die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamte sich nach der politischen Krise 1989. Diese wirtschaftliche Schwächung war jedoch nur vorübergehend. Anfang der neunziger Jahre expandierte die chinesische Wirtschaft bereits enorm, weil die Regierung die Wirtschaftsbeschränkungen zunehmend lockerte. Die Zahl der Erwerbstätigen wird auf 763 Millionen Personen geschätzt (2001). Beschäftigungslosigkeit und Unterbeschäftigung haben die Produktivität der Arbeit und das Anwachsen der Einkommen gedämpft. Diese Probleme sind unmittelbar mit der enormen Größe und der schnellen Zunahme der Bevölkerung verbunden. In den frühen achtziger Jahren war ein Drittel der Bevölkerung 15 Jahre alt oder jünger. Dies zeigt, dass eine große Zahl junger Leute pro Jahr in den Arbeitsprozess integriert werden muss. In der Landwirtschaft sind 48 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die bäuerlichen Familien erhalten ihr Einkommen zu rund drei Vierteln aus der Kollektivwirtschaft, das restliche Viertel wird aus Nebenbeschäftigungen erwirtschaftet.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 159 031 Millionen US-Dollar (2001; Dienstleistungen 33,6 Prozent, Industrie 51,1 Prozent, Landwirtschaft 15,2 Prozent); dies entspricht einem BIP pro Einwohner von 910 US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum beträgt 10 Prozent (1990–2001). Doch dieses schnelle Wachstum zog auch Probleme wie beispielsweise hohe Inflationsraten nach sich. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas erklärte im Oktober 2000 eine Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010 als realistisches Ziel. Die Volksrepublik ist seit dem 10. November 2001 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO).
1 Landwirtschaft
Das traditionell wichtigste Standbein der chinesischen Wirtschaft ist auch heute noch die Landwirtschaft. Sie ernährt einen Großteil der Bevölkerung. Etwa 10 Prozent der Gesamtfläche Chinas sind landwirtschaftlich nutzbar (insbesondere der Osten des Landes) und großflächig bewirtschaftet. Etwa die Hälfte des Kulturlandes wird mit Bewässerungssystemen versorgt. In keinem Land der Welt ist dieser Anteil so hoch. Trotz des großen Wachstums der jährlichen Produktion seit 1949 ist das Pro-Kopf-Einkommen wegen der rasanten Bevölkerungszunahme deutlich weniger gestiegen. Zwischen den Jahren 1952 und 1979 wuchs beispielsweise die Getreideproduktion pro Jahr um 103 Prozent, das Pro-Kopf-Einkommen jedoch lediglich um 20 Prozent. 1979 wurden auch neue Gebiete für die Landwirtschaft nutzbar gemacht (insbesondere in Nordost- und Nordwestchina). Der Verlust von bewirtschaftetem Land für nichtlandwirtschaftliche Zwecke war jedoch noch größer, und durch die große Bevölkerungszunahme sank der Landesdurchschnitt von 0,18 Hektar pro Kopf 1949 auf 0,11 Hektar.
Die beständig steigende Produktion und Ernte in China lässt sich zum Teil auf die wachsende Effektivität zurückführen. Bis 1979 waren die 838 Millionen Bauern Chinas in circa 52 000 Kommunen organisiert. Die Kommunen waren sozioökonomische Einheiten, die vom Staat Produktionsziele erhielten und dafür sorgten, dass diese erfüllt wurden. Eine Kommune war meist in mehrere Brigaden eingeteilt, die sich wiederum in Arbeitsgruppen aufgliederten. Jede dieser verschiedenen Einheiten konnte Land, Maschinen oder andere Produktionsmittel aus dem gemeinsamen Fundus der Kommune erhalten und führte jeweils unterschiedliche Arbeiten aus. Etwa sechs Millionen Arbeitsgruppen bildeten die Grundlage dieses Systems.
Das Kommunensystem bot die Möglichkeit, den landwirtschaftlichen Anbau und die Struktur der Bepflanzung im großen Stil zu planen. So konnte in jenen Gebieten Weizen angebaut werden, wo der Boden und die übrigen Umstände am besten dafür geeignet waren. Auch die Bewässerungsanlagen ließen sich in sinnvollen Maßstäben errichten. Obwohl das Land in Kollektivbesitz war, stand jedem bäuerlichen Haushalt eine kleine Parzelle für die private Nutzung zu. Ferner war den Arbeitsgruppen Autonomie garantiert und die einzelnen Haushalte konnten die Produkte, deren erzeugte Menge über dem offiziellen Soll lagen, selbst vermarkten.
Anfang der achtziger Jahre wollte die Regierung den wiederkehrenden Nahrungsmangel beheben, gestattete deshalb einen höheren durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch und strukturierte den landwirtschaftlichen Sektor um. Das System der Kommunen und Brigaden wurde zum großen Teil aufgehoben und stattdessen nahmen jetzt die Haushalte die wichtige Position der kleinsten Einheit in der landwirtschaftlichen Produktion ein. Unter diesem neuen „Verantwortungssystem” schloss jeder Haushalt mit den lokalen Behörden einen Vertrag über die zu produzierende Quote eines bestimmten Getreides. Darüber hinaus erwirtschaftete Ernteerträge können die Familien auf dem freien Markt verkaufen. Die daraus erzielten Umsätze beliefen sich Ende der achtziger Jahre auf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion Chinas.
Wegen der enormen Bedeutung der Landwirtschaft in China, ist die Planung einer rationellen Landnutzung von größter Wichtigkeit. Eine Überproduktion von Getreide führte beispielsweise in den sechziger und siebziger Jahren zur Verminderung der Anbaugebiete einiger Feldfrüchte, Obstplantagen und Bäume sowie zur Vernachlässigung der Viehzucht und zu Umweltschäden. Die Regierung propagiert seitdem eine Kultivierung, die mit den natürlichen Bedingungen in Einklang steht.
Die Mechanisierung der Landwirtschaft wird aktiv betrieben, obwohl sie nach wie vor in den Kinderschuhen steckt und sich in Regionen mit relativ kleinen Anbauflächen als unpraktikabel erwiesen hat. Die Kontrolle von Überschwemmungen und das Anlegen von Bewässerungssystemen, etwa die Errichtung von Staudämmen und Kanälen werden seit den fünfziger Jahren in großem Umfang durchgeführt. Im selben Zeitraum wurde auch die Struktur des landwirtschaftlichen Anbaus wesentlich geändert. Durch die zunehmenden Wasserreservoire und die intensivere Nutzung von Kunstdünger konnte in den drei Flusstälern der Nordchinesischen Ebene eine zweite Ernte pro Jahr hervorgebracht werden. Die Erträge in den mittleren und niedrigen Lagen des Jangtsekiang-Tales, bereits damals ein Gebiet mit zwei Ernten pro Jahr, ließen sich auf drei jährliche Ernten heraufsetzen. In jüngster Zeit stand jedoch die Rückkehr zur zweimaligen jährlichen Ernte zur Debatte, da durch die dritte Ernte hohe Ausgaben für Kunstdünger entstehen und der Anbauplan ausgesprochen eng ist.
Um die landwirtschaftliche Produktion zu ergänzen, betreiben die verschiedenen Regierungsstellen weitere 2 000 staatliche Farmen. Diese Großbetriebe dienen sowohl für Experimente im Agrarbereich als auch zur Produktion bestimmter Nahrungsmittel für die städtischen Märkte oder für den Export. Diese Betriebe haben ihren Standort meist auf neu gewonnenem Agrarland, wo die ländliche Bevölkerung relativ gering ist und sich die modernen Maschinen effektiv einsetzen lassen.
1. 1 Nahrungsmittelernte
Etwa 80 Prozent der Agrarfläche Chinas sind für die Produktion von Nahrungsmitteln bestimmt. Zu den wichtigsten Ernteerzeugnissen zählt der Reis, der auf etwa einem Drittel der gesamten Anbaufläche kultiviert wird. Hauptanbaugebiete sind das südliche Tal des Huai, das mittlere und östliche Tal des Jangtsekiang, das Delta des Xi Jiang bei Kanton und das Rote Becken von Sichuan. 2002 wurden 176 Millionen Tonnen Reis geerntet.
Das zweitwichtigste Ernteprodukt des Landes ist Weizen, der hauptsächlich nördlich des Huai angebaut wird. Die wesentlichen Anbaugebiete für Weizen liegen in der Nordchinesischen Ebene und den Tälern der Flüsse Wei und Fen in der Lößregion. Obwohl die Flächen für den Weizenanbau beinahe ebenso groß sind wie diejenigen für den Reis, ist der Ernteertrag dennoch geringer. Er betrug 2002 etwa 89,3 Millionen Tonnen
Kaoliang (eine Art Mohrenhirse) und Hirse zählen ebenfalls zu den wichtigen Nahrungsmittelprodukten im Norden und Nordosten des Landes. Kaoliang wird auch als Viehfutter verwendet und ist ein Ausgangsstoff für die Produktion alkoholischer Getränke. Die Halme werden zur Papierherstellung und zum Abdecken der Dächer benutzt. Mais wird auf etwa 20 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche angebaut. In der Inneren Mongolei und im Westen, vor allem in Tibet, spielt auch der Hafer ein wichtige Rolle.
Daneben werden auch andere Nahrungsmittel angebaut, etwa Süßkartoffeln, Kartoffeln, verschiedene Obstsorten und Gemüse. Die Süßkartoffeln überwiegen im Süden, im Norden dagegen die Kartoffeln. Zu den häufigsten Obstsorten zählen tropische Früchte wie Ananas und Bananen, die hauptsächlich auf der Insel Hainan wachsen, sowie Äpfel und Birnen in den nördlichen Provinzen Liaoning und Shandong. Zitrusfrüchte, Orangen und Mandarinen sind die Hauptprodukte in Südchina. 2002 konnten 66,3 Millionen Tonnen Obst geerntet werden.
Ölsamen spielen in der chinesischen Landwirtschaft ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie dienen zur Herstellung industrieller Öle und nehmen einen großen Anteil am Export ein. Sojabohnen sind ein wichtiges Ausgangsprodukt von Speiseöl; sie werden auf etwa 8 Prozent der gesamten Agrarfläche überwiegend in Nordchina und der Mandschurei (chinesisch: Dongbei Pingyuan) angebaut. Bei der Produktion von Sojabohnen nimmt China den dritten Platz in der Welt ein. Auch bei der Erzeugung von Erdnüssen zählt China mit 14 500 000 Tonnen (2002) zu den führenden Ländern. Erdnüsse werden in Shandong und Hebei angebaut. Weitere wichtige Ölpflanzen sind Sesam und Sonnenblumensamen sowie Raps. Ein wertvolles Öl lässt sich auch aus dem Tungbaum gewinnen. Mehr als die Hälfte des gesamten Volumens von Tungöl wird in Sichuan gewonnen.
Der Tee ist eine traditionelle Exportware Chinas. Auch heute noch gehört das Land zu den größten Teeproduzenten. 20 Prozent der gesamten Ernte entfallen auf China. Der jährliche Ernteertrag betrug 2002 715 000 Tonnen. Die größten Teeplantagen liegen auf den Hügeln in der Mitte des Jangtsekiang-Tales und in den südöstlichen Provinzen Fujian und Zhejiang.
Der Zucker wird in China sowohl aus Zuckerrohr als auch aus Zuckerrüben gewonnen. 2002 lag die Rohrzuckerproduktion bei 80,3 Millionen Tonnen. Der Zuckerrohranbau konzentriert sich auf die Provinzen Guangdong und Sichuan. Die Zuckerrüben werden erst seit jüngerer Zeit geerntet, Schwerpunkte sind die Provinz Heilongjiang und die bewässerten Regionen der Inneren Mongolei.
1. 2 Fasererzeugnisse
Die kommunistische Regierung von China hat der Entwicklung von Fasererzeugnissen für die Textilindustrie große Aufmerksamkeit gewidmet. Allen voran rangiert hier die Baumwolle mit einer Jahresproduktion von 14,4 Millionen Tonnen (2002). China ist damit weltweit führender Baumwollproduzent.
1. 3 Viehzucht
In China gibt es große Viehbestände. Besondere Bedeutung kommt der Schweinezucht zu. Das Land zählt zu den führenden Exporteuren von Schweineborsten. In den westlichen Gegenden ist die Viehzucht der nomadischen Hirten die wichtigste landwirtschaftliche Tätigkeit. Die meisten Herden bestehen hier aus Schafen, Ziegen und Kamelen. Im tibetischen Hochland ist der Yak eine Quelle für Nahrungsmittel und Brennstoff (der Dung wird verbrannt). Seine Haare und seine Haut bilden Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Bekleidung.
2 Forstwirtschaft
Die Waldreserven Chinas sind aufgrund jahrhundertelanger Abholzung relativ begrenzt; das Holz wurde als Brennholz oder Baumaterial verwendet. Die Wiederaufforstungsprogramme haben die Baumbestände von 8 Prozent der Gesamtfläche im Jahr 1949 wieder auf etwa 17,1 Prozent (2000) anwachsen lassen. Dennoch sind die Bauholzlieferungen gering.
Die Verteilung der Wälder in China ist sehr ungleichmäßig. Im Nordosten und Südwesten liegen die Hälfte aller Waldgebiete des Landes und drei Viertel der Ressourcen. Die wichtigsten Bäume sind Pinien, Fichten, Lärchen, Eichen und im äußersten Süden Teak und Mahagoni. Andere kommerziell genutzte Arten sind Tungbaum, Lackbaum, Kampferbaum und Bambus. Die landesweiten Baumbepflanzungsaktionen werden sowohl von staatlichen Projekten als auch von kollektiv organisierten Verbänden durchgeführt. Die Bäume wurden in der Nähe von Siedlungen, entlang von Straßen und Wasserwegen sowie nahe Bauernhöfen gepflanzt. Zu den wichtigsten Projekten zählt ein Programm zur Errichtung eines Waldgürtels in den Ebenen Nord- und Nordostchinas.
3 Fischerei
Der Fang von Fischen und Weichtieren wie Muscheln hat sich in China zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Zucht von Süßwasserfischen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Regierung förderte die Fischzucht in Teichen und Wasserreservoiren entlang der landwirtschaftlichen Nutzgebiete. Die wichtigsten Regionen der Fischzucht liegen in der Nähe der städtischen Märkte im mittleren und unteren Jangtsekiang-Tal und am Xi-Jiang-Delta. In Teichen gezüchtete Karpfen, eine seit Jahrtausenden traditionelle chinesische Nahrungsquelle, nehmen einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtproduktion ein.
Anders als das Angeln von Süßwasserfischen ist der Meeresfischfang wenig entwickelt. Die meisten Fischer wurden in den sechziger Jahren in Fischereikommunen an der Küste angesiedelt und dazu ermuntert, neben der Fischerei auch landwirtschaftliche Aktivitäten zu entwickeln. Diese Kommunen unterhielten auch Fischzuchten im Meer.
4 Bergbau
China verfügt über reiche Bodenschätze, einschließlich großer Vorkommen von Mineralien, die für die industrielle Nutzung wichtig sind.
Chinas Steinkohlenbergbau ist der größte der Welt; die wichtigsten Lagerstätten befinden sich im Norden des Jangtsekiang, insbesondere in Shanxi. Die Kohle zählt zu den führenden Brennstoffquellen für die Industrie und die privaten Haushalte. Rund 70 Prozent des Energiebedarfs werden durch die Verbrennung von Kohle erzeugt.
Die schnelle Entwicklung der Erdölindustrie seit den fünfziger Jahren hat China auch in diesem Bereich zu einem der wichtigsten Produzenten gemacht. Seit 1963 kann China sich selbst mit Benzin versorgen, und seit 1973 ist der Export sowohl von Rohöl als auch von Erdölprodukten möglich. Das Ölfeld Daqing in der Provinz Heilongjiang wurde Ende der fünfziger Jahre entdeckt und zählt heute zu den ergiebigsten Ölfeldern des Landes. Die größten Ölreserven Chinas liegen im Tarim-Becken in der Autonomen Region Sinkiang Uigur.
Die Förderung von Eisenerz steigt seit den siebziger Jahren enorm an. China ist weltweit der größte Erzeuger von Eisen und Stahl. Bei der Gewinnung von Graphit liegt die Volksrepublik ebenfalls an der Weltspitze.
5 Industrie
Der industrielle Sektor in China gliedert sich in verarbeitende Industrie, Bergbau, elektrische Stromerzeugung und Bauwirtschaft. Die Industrieunternehmen bilden unabhängige, aber integrierte regionale Strukturen. Die großen und mittleren Städte, teilweise sogar die kleineren, haben wichtige industrielle Standorte aufgebaut. Etwa 22 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt.
Etwa gegen Ende 1978 überdachte die Regierung die industriellen Ziele neu und versuchte, ein Mittel gegen Probleme zu finden, die aufgrund einer mangelnden Planung aufgetreten waren. In vielen Städten hatte auf Kosten der Spezialisierung eine gewisse Selbstzufriedenheit eingesetzt, und viele Industriezweige führten nach wie vor längst überholte Funktionen aus. Das schnelle Wachstum in der Schwerindustrie hatte zum Teil das städtische Umfeld beschädigt und Mittel auf sich gezogen, die in der Landwirtschaft, der Leichtindustrie oder zur Verbesserung städtischer Einrichtungen fehlten. Auch die technologische Entwicklung stagnierte.
Das Korrekturprogramm forderte ein langsameres Wachstum der Schwerindustrie, während der Leichtindustrie weitere Mittel zur Entwicklung überlassen wurden. Diese Investitionen sollten sich in relativ kurzer Zeit auszahlen und somit die eigene Expansion finanzieren. Investiert wurde auch in die Bauindustrie, um die Lebensbedingungen der Stadtbewohner zu verbessern und für die Arbeitslosen in den Städten neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Eine ebenfalls neue Reform ist die Garantie auf Autonomie für alle staatlichen Unternehmen bei der Frage, was mit der Überschussproduktion, den Umsätzen und Gewinnen, die nach Erfüllung der staatlichen Ziele übrig bleiben, geschehen soll. Daneben wurden zahlreiche Professoren, Manager und Techniker ins Ausland geschickt, um moderne Managementtechniken und die technischen Neuerungen kennen zu lernen. Ausländische Technologien wurden in Form neuer und kompletter Anlagen importiert.
5. 1 Produzierender Sektor
Die Eisen- und Stahlindustrie genießt seit 1949 in China Priorität. Das Land stellte mittlerweile eine große Vielzahl von Stahlprodukten her, wie z. B Wolframstahl, rostfreien Stahl, schwere Stahlplatten und nahtlose Rohre. Hauptproduktionsgebiete hierfür sind Nord- und Nordostchina sowie das Jangtsekiang-Tal.
Wichtige Eisen- und Stahlhütten befinden sich in Anshan, Benxi, Peking, Baotou, Taiyuan, Wuhan, Maanshan, Panzhihua, Chongqing, Shanghai und Tientsin. Die Produktion von Eisen und Rohstahl konnte kontinuierlich ausgeweitet werden.
Zu den weiteren Schwerindustrien Chinas zählt der Schiffsbau und die Herstellung von Lokomotiven, Fahrzeugen, Traktoren, Bergbaumaschinen, Stromerzeugungsanlagen, Ölbohrtürmen und Raffineriemaschinen.
Die petrochemische Industrie verfügt über Anlagen in den meisten Provinzen und autonomen Regionen, wobei die wichtigsten in Peking, Shanghai, Lanzhou, Shengli, Yueyang, Anqing und Kanton liegen. Die Produktpalette umfasst synthetische Fasern, Kunststoffe und pharmazeutische Erzeugnisse.
Die chinesische Textilindustrie beschäftigt mehr als vier Millionen Arbeiter. Die meisten neuen Textilfabriken sind in den Regionen der Baumwollpflanzungen in Hubei (Hupeh), Hunan, Hebei und Shaanxi errichtet worden. Dennoch konnte die Industrie, trotz seit 1949 zunehmender Kapazität, nicht genügend Kleidung für die gesamte Bevölkerung herstellen. Aus diesem Grund war eine Rationierung der Baumwollstoffe notwendig.
6 Handel
Der Warenumsatz in China wurde früher von der Zentralplanung gesteuert und ist heute zu weiten Teilen den Kräften des Marktes überlassen. Zwischen 1978 und 1984 fiel der Umsatz im staatlich kontrollierten Einzelhandel von 90,5 auf 45,8 Prozent ab. In derselben Periode konnten die Kollektive ihre Anteile von 7,4 auf 39,6 Prozent erhöhen und die privaten Unternehmen von 2,1 auf 14,6 Prozent.
Bis Ende der siebziger Jahre wurden die von den staatlichen Unternehmen benötigten Rohmaterialien und die Ausrüstung nicht von diesen erworben, sondern den Unternehmen von Regierungsseite zur Verfügung gestellt. Nachdem die Produktion abgeschlossen war, übernahm die Regierung den Verkauf der Waren. Verbrauchsgüter, die von der ländlichen Bevölkerung benötigt wurden, vertrieb die Regierung über staatlich organisierte Liefer-Kooperativen. Die wichtigsten Waren, etwa Getreide, Öl, Fleisch, Zucker und Baumwollstoffe wurden rationiert.
Seit 1979 war es den staatlichen Unternehmen möglich, einige ihrer Güter zu behalten und die Produkte selbst auf den Markt zu bringen. Auch der Einsatz der Werbung als Informationsmedium war zu diesem Zeitpunkt erstmals erlaubt. In den städtischen Zentren führte die Neuorganisation des Handels zu einer schnellen Zunahme an kollektiven und privaten Geschäften, etwa Restaurants, Teehäusern, Gasthöfen, Friseurläden, Photostudios, Schneiderwerkstätten und allen Arten von Reparatur- und Handwerksdiensten. Neu eröffnet wurden die Bauernmärkte, auf denen die privaten Haushalte ihre Überschussprodukte verkaufen oder andere Waren erwerben konnten.
7 Währung und Bankwesen
Die chinesische Währungseinheit ist der Yuan. Das Banksystem untersteht der vollständigen Kontrolle durch die Regierung. Die Volksbank von China ist die zentrale Finanzbehörde und gibt die Währung aus. Für internationale Kredite und Geldgeschäfte mit dem Ausland ist jedoch die Bank von China zuständig, die über 50 Filialen verfügt, einschließlich der Büros in Hongkong, Singapur und London. Daneben gibt es in China drei andere wichtige Banken: die Internationale Chinesische Vermögens- und Investmentgesellschaft, in der Fonds für Investitionen in China sowie Joint Ventures zwischen China und Übersee eingerichtet werden, die Volks-Konstruktionsbank China, die mit Fonds für Grundkonstruktionen handelt, und die Landwirtschaftsbank von China, die für Anleihen im Agrarsektor der Wirtschaft verantwortlich ist.
8 Außenhandel
Der Außenhandel unterliegt in China dem staatlichen Monopol. 1979 lockerte China bestimmte Außenhandelsbeschränkungen, um die relativ geringen Investitionen des Auslands und die Handelsaktivitäten zu beleben. Nach lange Zeit negativer Handelsbilanz übertreffen die Einnahmen aus Exporten mittlerweile die Kosten für Importe. Die wichtigsten chinesischen Exportgüter sind neben Maschinen und Produkten der Elektronikindustrie vor allem Bekleidung und Textilwaren, Stahl, Spielwaren sowie Erzeugnisse aus Kunststoff. Zu den wesentlichen Importgütern zählen Maschinen und Maschinenteile, Fahrzeuge, elektrotechnische Produkte (z. B. Kraftwerkszubehör), Elektrogeräte, Getreide (z. B. Weizen) und Rohöl. Bei den chinesischen Handelspartnern rangiert Japan an erster Stelle, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Südkorea. China unterhält ebenfalls Handelsbeziehungen zu Deutschland, Singapur, Italien und Russland.
9 Verkehrswesen
Die Eisenbahn ist das wichtigste Transportmittel in China. Etwa zwei Drittel des Passagierverkehrs und die Hälfte des Güterverkehrs werden mit der Eisenbahn bewältigt. Seit 1949 hat sich das Schienennetz der Eisenbahn verdoppelt und umfasste 2000 eine Länge von 58 656 Kilometern. Ausgebaut wurden die beiden wichtigsten Nord-Süd-Strecken (Kanton–Peking und Shanghai–Peking) sowie Strecken nach Nordosten in die Mongolei und nach Russland sowie in den Südosten. Die wichtigste Ost-West-Verbindung führt von Lianyungang nach Lanzhou und ist nun auch mit Ürümqi im äußersten Nordwesten verbunden. Die neuen Strecken haben die dicht bevölkerten und wirtschaftlich bedeutenden Regionen im Nordosten, im Zentrum und im Südwesten Chinas zugänglicher gemacht. Sobald die Strecke Lanzhou–Lhasa (Tibet) fertig gestellt ist, sind alle Provinzen und autonomen Regionen Chinas mit der Eisenbahn erreichbar.
Die chinesischen Straßen und Autobahnen sind seit 1949 erheblich ausgebaut worden. An das Straßennetz sind jedoch nur die Städte der Handelshäfen und das unmittelbare Hinterland angeschlossen. Das etwa 1 402 698 Kilometer lange Straßensystem (2000) ist zu 85 Prozent asphaltiert. Die Straßen verbinden Peking mit allen Hauptstädten der Provinzen und der autonomen Regionen sowie mit den wichtigsten Hafenstädten und den Knotenpunkten der Eisenbahn. Das Netz erstreckt sich auch in die ländlichen Gebiete und die meisten Orte sind auf der Straße erreichbar. Der motorisierte Individualverkehr nimmt in den Städten zu; kurze Strecken werden jedoch nach wie vor meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Pro Jahr produziert China zwar 500 000 Motorfahrzeuge; dies deckt den Bedarf einer zunehmend mobilen Bevölkerung jedoch nicht.
Die für die Schifffahrt zugänglichen Wasserstraßen nehmen im Landesinneren von China eine Gesamtlänge von 170 000 Kilometern ein. Die Binnenschifffahrt übernimmt ein Fünftel des Warentransports innerhalb des Landes. Das Potential für eine zunehmende Entwicklung ist hier noch groß. Der wichtigste Binnenschifffahrtsweg ist der Jangtsekiang, der viertlängste Fluss der Welt. Auf einer Länge von 18 000 Kilometern sind der Jangtsekiang und seine Nebenflüsse für Dampfschiffe befahrbar. Chongqing, Yichang und Wuhan sind die größten Häfen am Jangtsekiang. Der am meisten benutzte Binnenwasserweg ist jedoch der Kaiserkanal, der sich von Peking nach Jangtschou erstreckt. Der südliche Kanalteil ist eingebunden in ein lokales System aus Kanälen und Seen, wodurch sich die Städte Suzhou, Wuxi und Tschangtschou zu wichtigen Inlandshäfen entwickelten. In den ländlichen Teilen Chinas werden auch die Bewässerungskanäle von den Bauern als Binnenwasserwege benutzt.
Durch die wichtigsten Industriestandorte an der Küste hat die Küstenschifffahrt an Bedeutung zugenommen. Die internationale Schifffahrt spielt seit 1970 eine immer größere Rolle. Die chinesische Handelsflotte umfasst 3 299 Schiffe, die Häfen in mehr als 100 Ländern anlaufen. Die meisten dieser Schiffe wurden in China gebaut.
Der Lufttransport in China erhielt 1979 durch die Eröffnung des neuen internationalen Flughafens in Peking (1980) einen Aufschwung. Seither wurde der Flugverkehr zwischen China und einigen anderen Ländern intensiviert. Die Inlandsflüge verbinden heute mehr als 90 verschiedene Städte miteinander; die meisten davon liegen in Westchina.
10 Tourismus
Seit Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die strengen Reisebeschränkungen in China ein wenig gelockert. 1979 erstellte die chinesische Regierung einen Fünfjahresplan zur Entwicklung des Fremdenverkehrs. Der Plan enthielt den Bau neuer Hotels und Restaurants im gesamten Land sowie die Ausbildung von Personal zur Betreuung der zunehmenden Anzahl von Touristen. 2001 besuchten 89 Millionen Touristen das Reich der Mitte. Laut Auskunft des chinesischen Fremdenverkehrsamt kamen davon 11 Millionen Gäste aus dem Ausland.
11 Energie
Etwa 18,54 Prozent der jährlichen chinesischen Stromerzeugung werden von Wasserkraftwerken gedeckt (2001). Beinahe die gesamte restliche Energie wird mit Hilfe der Kohleverbrennung erzeugt. Die wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes liegen bei Liujia Xia am Huang He in Gansu, in Danjiangkou am Fluss Han in Hubei, in Gongu am Fluss Dadu in der Provinz Sichuan und am Xin’an Jiang in Zhejiang. Zahlreiche weitere große Kraftwerke wurden Ende der siebziger Jahre und in den achtziger Jahren errichtet, darunter ein Werk am Jangtsekiang, direkt unterhalb seiner Quellen, und eines am Fluss Huang He, wo dieser das Grasland Qinghai verlässt. Neue Kohlekraftwerke sind in der Nähe der großen Kohlelagerstätten in Nordchina im Bau. Ein neues Kernkraftwerk ist in Shanghai errichtet worden. Das erste chinesische Kernkraftwerk wurde im September 1996 nahe Hongkong in Betrieb genommen.
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